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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-08-19 · Heft 34 (19.8.1892) · p. Seite 407

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 34 (19.8.1892)
Date
1892-08-19
Page
Seite 407 (sequence 11)
Language
German
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407 > das foiml r gehen ml i Mann in Schreibe, rst erfund ct bestimi ne Schabl> ragte Poll auf's Pap l Schabb. : mir." eiben biinij rbei, und mich frei! sich im Bc 1) bi» in e k Tage 1)ü vege» w,! cs ist um Sitte. it! Laß Malach Hi alten Legi llge», die r der grop. Der Tischik nd machte e, als ob verlegen, >»iche plöiüi wllte »iküie »nd schniiie cr jetzt häng! S. igen. -chwelle cme| mischen F^f keliiagelniUtt ler Mähe in ■X'bietet. iülringt, nehmen zn und zeigen ein jedes Maß überschreitendes achsthum. Alle Dinge im Leben sind von niedrigen zu höheren Snften, unt leichteren zn schwereren, von einfachen zu zusammengesetzten vi nneit fortgestiegen, Alles blüht und gedeiht, wird komplizirter und >i!wickclter, nur das religiöse Bekenntnis; will von solchem Fortschritte ,ik)ts wissen, das allein bleibt hinter all den technischen und maschinellen! rvollkommmmgen der Elektrizität und der Gasbereitung iveit, weit iiriicf; warum sollte, was sich auf solchem als segensreich und erpueßlich erwies, nicht auf das innere, auf das seelische Gebiet überlegen werden?" Das waren die grübelnden, philosophischen Gedanken, denen sich mit Geldsorgen nicht zu schwer belasteter Bankier hingab. Es ren das Gedanken, die dem Manne aus dem high life sonst ii i)t geläufig waren, Gedanken, die noch nie bisher die Unverschämtheit cken, seine ruhige Seele mit ihrem Fluge zu berühren und die auch schwersten Widerspruch zn der rosigen Stimmung, zu der überi! mmende» Freude standen, die ihn noch vor wenig Angenlnke» beherrschte. Und er hatte doch auch wahrhaftig Grund, sich mehr von solche» ..fühlen forttragen zu lassen, denn ein freudiges Familienereigniß . setzte ihn in die seligen Empfindungen berauschenden Baterglücks, . chdem er, des langen Harrens müde, längst seine Hoffnungen auf che Freuden aufgegeben hatte, Grund geinig, seine Brust von iiolz und froher Lust schwellen zu machen und ihn mit einem i »ennbaren Jubel, der noch eben aus jedem kleinsten Zuge seines I geformten Gesichtes sprach, zu erfüllen. Aber diese Freude inußte mit einem Male einer schweren Sorge, sich sacht auf leichten Sohlen in sein Herz geschlichen, weichen; n noch im Taumel jauchzenden Glückes, fühlte er sich Plötzlich tvie ,s allen Wolken gefallen. Der Weltbürger, der längst ersehnte Erbe seines großen Besitzes ite schon das Alter von fünf Tagen erreicht, und wer wird leugnen . llen, daß es dann höchste Zeit war, an die Zukunft zn denken. Die Zukunft war es, die ihn mit ihrem schwarzen Schleier, den ch seine Macht nicht aufheben konnte, so schmerzlich beklommen ichte. Denn schon hatte er den „Mohel" bestellt, das werdende mnnlein — »ein, nein, all sein Inneres bäumte sich bei diesem .danken auf. Wo bleibt der Fortschritt, wo bleibt die Entlvickelung, wo endlich >'ibt Darwin, wenn ein Bankier wieder einen Bankier zeitigt, lveun m Herzensblättchen, der Gegenstand seiner Lust und Verehrung, cht mehr tvird als er. Sollte sein ungeheurer Reichthnm seinem öhnchen, aus dessen Lutschbeutelgewimmer er den herrschenden .'»nnandoruf deritlich zu erkennen glaubte, nicht eine höhere Lauflw, die ihn de» Führern des waffengeschmückten Volkes einreihen ürde, eröffnen können? Ein tiefer Seufzer machte seinem gepreßten Herzen Luft. Bor der Phantasie des freudetrunkenen Vaters stand der in nudeln — pardon — in schmucker Uniform gegossene Heldensohn, ssen eben lieblich zu den Ohren klingende Stentorstimme seinen ilitärischen Fähigkeiten ein glänzendes Prognostikon stellte. Alle diese Bilder sollen nur Träume sein? Eine düstere Wolke deckte seinen sounenbeschienenen Himmel. Bersündigte er sich nicht schwer und unverzeihlich an der Zunft seines Sohnes, die so hell und heiter eben aufgegangen war, n vielleicht einst in einem dichten Nebel unterzngehen? Wird er dem Rechenschaft fordernden Sohne einst Rede stehen »neu, wenn er die herben Anklagen ihm ins Gesicht schmettern >rd, wenn er mit stierem, verzweifeltem Blick in die bitteren Vorwürfe ausblicht: „Vater, Du hast mir den Weg zum Gardelienteuant in früher Jugend schon thöricht versperrt!" Nein, das darf nicht geschehen. Solchen Vorwürfen gegenüber stände er machtlos und gerichtet da. Ein schlechter Vater das, der seinem Kinde die Karriere nicht in ihrer ganzen offenen Bahn freihält und ihm jedes Hinderniß frühzeitig aus dem Wege räumt. Und doch war ein Rückwärts nicht mehr möglich, alle Vorbereitungen zu der Feierlichkeit waren getroffen, der „Mohel" hatte die Stunde genau bezeichnet, wann der festliche Akt vorgenommen werden sollte, rmd kein Vorwand ließ bei allein Nachdenken sich entdecken, die angesetzte Handlung nicht zur Ausführung kommen zu lassen. Doch halt! Der Himmel hilft, ein großartiger Einfall blitzt ihm durch sein zerwühltes Schadelwerk, er hat's gefunden. Wie wär's, das Eine thnn und das Andere nicht lassen? Das ist ein gescheidter Grundsatz, der sich in seinen gewerblichen Unternehmungen von den segensreichsten Erfolgen erwiesen hat. Nur nicht einseitig. Unsere Zeit verlangt ganze Menschen, Menschen von Vielseitigkeit; nur nicht ängstlich; der Fehler, der nun durch seine Unüberlegtheit gemacht werden mußte, er konnte korrigirt werden. Der böse Fleck, der sich auf des armen Knäbleins Karriere lagerte, konnte mit einem unfehlbar bewährien Mittel, das noch nie versagt hatte, abgewaschen werden. O, daß es doch »och solch ein Heilmittel, solch ein Arkanum gab! Er beklagte sein übereiltes Haudeln, seine vorschnelle Entschließung, seine Ueberstürzung, die seinem Liebling so viele Unebenheiten im Leben bereiten konnte, aber die „Sßude" war nicht zu umgehen, Verwandte und Freunde waren dazu geladen, die herrlichen Salons waren zum Empfange würdig geputzt und nicht minder hatte die Kochkunst bereits die Herstellung der kulinarischen Werke begonnen, die dem Geschmack und der Gastfreundschaft des Wirthes neue Triumphe erobern sollten. Die „Sßude" sollte dann programmmäßig ihren Verlauf uehmeu, aber noch au demselben Tage, sobald cs sich machte, sollte dieser häßliche Makel von dem kleinen Wesen — mit Taufwasser wieder abgespült werden. Das war die beste Lösung der harlnäckigen Krise, die den gequälten Mann fast in Angstschweiß gebadet hatte. Und so ist es auch geschehen, und die Sonne des Vaterglücks leuchtet ungetrübter denn zuvor auf den klugen Vater hernieder, der mit so feinem Takte diese schwierige Frage zu lösen verstanden hat Mrscellrn. * lieber den Antheil der Juden an der Entdeckung Amerikas hat der bekannte Schriftsteller Wilhelm Lauser jüngst im „Neuen Wiener Tageblatt" eine sehr interessante neue Mittheilung gemacht. Darnach war es zunächst Luis Santangel, der nach dem Ausspruche Las Casus das Meiste durch seinen Einfluß und seine Thätigkeit beitrug, daß am Ende das Unternehmen des Colnmbus beschlossen wurde. In der Zeitschrift „El Centenario“ finden sich einige Aufschlüsse über diese Persönlichkeit, die so wirksam in das Leben des Columbus eingrifs. Wie so viele mächtige und einflußreiche Familien der dauialigen Zeit war diejenige Santangels jüdischen Ursprungs. Ursprünglich in Catalayud ansässig, hatte sich dieselbe über Zaragoza, Barbastro, Teruel, Aleanniz und andere Städte Aragons und Valencias ausgebreitet. Ihre Mitglieder waren im Stande der Richter und Anwälte, im Gemeinderathe von Zaragoza vertreten, aber auch am Hofe nahmen sie geachtete Stellungen ein- Was unseren Luis Santangel betrifft, so ist in der Stadtchronik von Catalayud berichtet, daß König Ferdinand, der sich gar häufig in Geldverlegenheit befand, einmal in großer Eile mit geringem Gefolge in der Stadt ankam, unmittelbar auf das Haus Santangels zuging und

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