Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 34 (19.8.1892)
- Date
- 1892-08-19
- Page
- Seite 406 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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-- 406 „s)Jian geht au einem solchen Manu vorbei — einem Offizier!" „Ging ich denn nicht vorbei? Ich machte Platz, so daß es schien, als ob ich in die Hausmauer hineingehen wollte; ich wurde zu Nichts, ich wurde zu Lust, und ich kam vorbei." „Na, vorbei ist vorbei. So war es vorbei — nicht wahr?" „Nein. Eines Tages, als ich am Fenster saß, stand er auf der Straße und blickte zu mir herauf. Ich glaubte, ich müßte ans dein Fenster fasten. Ich konnte nichts dazu thun." „Ausgefallene Schtros'!" rief Avrohmhe mit einem bitteren hnnioristischen Wortspiel. „Und nun begreife ich: dann begegneten Sie ihm auf der Straße?" „Ich begegnete ihm wieder auf der Straße." „Und was sagte er?" „Um Gottes Willen, Poltak! Wie konnte er mich anreden?... Ich hätte geschrien! Ich wäre gestorben! .., Mit einem Offizier ans der Straße reden! ... Ich sah ihn nie mehr an." „Na," sagte Avrohmche mit einem schwachen Lächeln, „weinr Sie nicht mit ihm gesprocheir haben und ihn nicht angesehen haben..." „Pollak, ich tvill Ihnen die Wahrheit sagen, deshalb bin ich gekommen. Ich sprach nicht mit ihm, aber ich dachte an ihn, und wen» ich ihm dann begegnete, konnte ich merken, das; er es wußte." „Und Sie sagen, Sie haben ihn nicht angesehen?" „Ich sah ihn nicht an." „Schkorim!"') murmelte Avrohmche, indem er eine halbe Wendung nach der Wand hin machte. „Ich sah ihn nicht an und ich blieb zu Hanse und ging nie wehr allein ans." „Sehr gut! So ist's gut!" „Aber er schrieb an mich." „Er sprach nicht, aber er schrieb! — Was werde ich zn hören bekommen, Güte? Weshalb Hei vor Wvf setzen?^) Sagen Sie mir doch lieber das Ganze auf einmal." „Ich sage es ja, ec schrieb an mich." „Was schrieb er?" „Er schrieb — was schreibt man einem jungen Mädchen? Er wollte mich sehen, er wollte mit mir sprechen, er wollte mir ein Stelldichein geben." „So etwas schreiben sie allen Mädchen. Daraus macht man sich nichts." „Ja, daraus macht man sich nichts, Pollak, damals als Sie Mutter und mich nach dem Theater brachten, UNI „Svend Dyrings Hans" zn sehen, und sie auf der Bühne von Runen sprachen, da verstand ich, was Runen sind; aber Sie verstanden es nicht, Pollak." „Sie weiß viel!"ch murmelte Pollak vor sich hin und fuhr nach kurzem Schweigen fort: „Runen. Ein Stück auf dem Theater, läuft sie ihm nach?" „Ich laufe ihm nicht nach. Wie konnte ich das? Wie sollte ich mich von der Mutter und meinen Brüdern entfernen können?" „Das ist wahr. Sie sind ein gutes Mädchen, Gitte. Sie bleiben zu Hanse. Und so war es schließlich vorbei, in Emmes') vorbei!" „Dann erhielt ich eines Freitags Nachmittag einen Brief von ihm, daß er am Sonntag Morgen abreiseu müsse, und nun habe er wie ein Mann vor seinem Tode noch einen Wunsch, mich ein einziges Mal zu sehen, und ich möchte selbst bestimmen, zn welcher ') Lüge, Umvabrheit. s) llmwthige Umfdjiocife machen ") Sie weiß viel, d. h. nichts. •*) In Wahrheit, in der That. Zeit ich am Sonnabend Abend kommen würde. — Und das kom, ich, denn an diesem Abend wollte Mutter ins Theater gehen »ii meine Brüder kamen nicht zu uns. Und er bat wie ein Mann i>i seinem Tode." „Runen!" sagte Avrohmche. „Das verschwärzte Schreibe, Die verfluchten Rune», der Herr verfluchte sie, die sie zuerst erfundc, Omen!') — Nun, und dann gingen Sie hin?" „Nein. Als ich schreiben und die Zeit nnd den Ort bestimme wollte, war es Abend geworden und die Mutter hatte die Schabte lichter angezündet, und da darf man nicht schreiben." „Und da schrieben Sie nicht, wirklich nicht?" fragte Polli obschon er es sehr natürlich fand. „Ich hatte die Feder in der Hand, als ich sie aber anf's Papi setzen wollte und zum ersten Mal in meinem Leben mechastel Schabt»: sein wollte, stand der Bater in seinen Leichenkleidern vor mir." „Na?" „Na. Und am Sonnabend Abend, als ich schreiben dun! war es zu spät zum Schreiben, und die Sache war vorbei, und i dankte Gott." „Wann geschah das? Wie lange ist das her?" „Es war damals, als Sie zum ersten Mal um mich fvetie vor zwanzig Jahren." „Zwanzig Jahre!" schrie Avrohmche nnd erhob sich im 3vl „Güte! Im Namen des allmächtigen Gottes — ich bin in ei Ehristenmädchen verliebt gewesen, nnd es ist nicht zwanzig Tage her! „Sie, Pollak? Armer Avrohmche!" „Wollen Sie mir das vergeben, Gitte? — ihretwegen w»!!l ich mich hängen — ich tvar verrückt, rasend, toll; aber es ist will deshalb liege ich ja hier. — Aber jetzt ist es vorbei, Gitte. Weil Du Nachsicht mit mir haben und mir verzeihen?" „Armer Avrohmche, mein Gatte in Gottes Namen! Laßun der Todten gedenken und zusammenhalten, bis der Malach He moDes") kommt!" Einige Zeit daraus fand sich Avrohmche i» seinem alten Legi ein, um Verschiedenes nach der neuen Wohnung zn bringen, die 'ii ihn bereitet worden war. Er sah ans wie zur Zeit vor der graue Begebenheit, nur etwas blasser, aber angenehm blaß. Der Tisch»» geselle kam zu ihm herein, um sich zu verabschieden, und machte i seinem stillen Sinn die Bemerkung, daß er anssehe, als ob c nwendig frisch geweißt worden wäre. Aber er wurde verlegen nn Avrohmche war auch verlegen. Aber endlich brach Avrohmche plöi!i< das Schioeigen und sagte: „Na, ich war verrückt, ganz verrückt und wollte meme Qual ein Ende machen. Aber Sie retteten mich und schimie mich ab . . . und ich bi» doch hängen geblieben! Aber jetzt hlmz ich richtig!" ulringt, pachsthl Alle um leid; «ernten >.!wickelt u.hts wü lbrvollko »rück; > pneßlich legen w Das in mit ivren d in i,t gelö nuten, s> ii; schwe di turnen 'Infeit b Und siihleil 'setzte i. chdem ,nehe F Solz in n neitnb r 1 gefo Abe )i sich ii .n uoi .i i} alle $e Ute sch iindleit, Die und) sei eichte. Miinlei ' 'danke We etibt T ';u Her neht in n o Huche nnua im, d ' nirde, ' Me Lösung eines Problems. Eine kleine Begebenheit aus den allerjüngsten Tagen. Bon Bernhard Tranbenberg. „Wir leben im Jahrhundert der Aufklärung; die Schwelle eine neuen nock) mehr versprechenden thut sich auf, die technischen Fori schritte, die himmelstürinenden Erfindungen und die funkelnageliuas Erzeugnisse, die jeder Tag dem Menschengeiste mit leichter Mühe [ii Eil Bo öiudeli Öen i iilitüvi' All -deckte Be ""st se ui viel M Amen. \) Das Sabbathgesetz brechen, das jede Handarbeit verbietet. :l) Der Engel des Todes. W "»nett, ’.'ivb, tv