Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 34 (19.8.1892)
- Date
- 1892-08-19
- Page
- Seite 401 (sequence 5)
- Language
- German
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401 ich bcr Spk : drängte» j :n es bei d os erschreäl schcn, die „i eit bestinmii nberte si sen stellte in lerlei Leckerci theitt wuvdi lstntibe bcü.ii en Gassen ie und froh ten Bewohnk ntnisses - Jahrhtmdc l4. Cheschn» , und der undencr Fo Purim igem Bestmi! i, die min rasen, und ge Vergesse! tag wurde i fcht, bas; iic nicht zwei i> estes eiitho sen Gemein! ugblätter, scheu Dichtm rde, zwei c kaiserlich ger Sto te Elcgicir t 2N2 DV it Verfasser Don Prag » Taw (gcl cm diese bris c Prager I Kovember Heftchens Tageslittcrnl und Zwo esses, im er Prager ager Gedää>u> iebzehnte» c Jahren allhi :ag aus 2l»l l 5368 (160») Grätz, dem der Inhalt des Heftchens wohl nur aus Berichten rinnt war'), hielt es für einen Theil der Altschul-Selichot, die jedoch, e erwähnt, bereits 1605 gedruckt waren, und denen es nur aus attischen Gründen von dem Besitzer beigebunden wurde. Eine Jahreszahl trägt das Flugblatt, wenn ich es so nennen , nicht, sondern nur nach Art damaliger hebräischer Drucke die niz: „Gedruckt unter der Herrschaft unseres Herrn, des römischen mers Ferdinandus (II.). deffen Macht der Herr erhöhe/' Doch ist r Druckjahr ziemlich genau zu ermitteln. Die Einführung der reiosen Feier des 14. Cheschwau wird auf dem Titelblatte unseres uales nämlich auf den berühmten Oberrabiuer Jesajas Hurwitz baren um 1570, gestorben um 1630) zurückgesührt, der von 1614 zum Jahre 1621 das geistliche Oberhaupt der Prager Jsraelitenmcinbe war und am 19. November 1621 bereits in Jerusalem itraf, wo er Ruhe vor den Wirrnissen des Dreißigjährigen Krieges chic.-) Den ersten Jahrestag des 14. Cheschwan 1620 verbrachte also nicht mehr in Prag, weshalb sein Stellvertreter, Rabbi Liprmu Heller, der vom 1597 bis 1624 jährlich neu zum Rabbinatsiior gewählt") und der 1624 zum Oberrabbiner von Nikolsburg lannt wurde, das Rituale ordnete und zweifellos selbst dem Drucke ergab. Es ist wohl kaum anzunehmen, daß dieses Rituale nicht > zur ersten Jahresfeier des Einzugs der Truppen für den rituellen rauch in den Synagogen auflag; jedenfalls muß es vor in Jahre 1624, dem Abgänge Hellers nach Nikolsburg veröffentlicht Vielleicht lag es auch die ersten zwei Jahre nur als Manuskript vor. Die historischen Notizen, die uns der am Schluffe dieser Arbeit lgethcilte Text des Titelblattes giebt, sind bis auf die kleinsten eunls von der umfangreichen Litteratur des böhmischen Aufstandes ilatigt. Besonders leuchtet aber aus diesem wie aus den Elegieeu st die warme Anhänglichkeit der Juden an die angestammte bsbnrgische Dynastie sowie die Zuversicht hervor, daß die liche Gerechtigkeit die Weltgeschichte lenkt, und die gerechte Sache ui) stets schließlich die siegreiche sein müsse. Die Leiden der Juden, die sich in ihrer unerschütterlich legitiiinschen Gesinnung gleich anfangs von den böhmischen Aufstänichen abwandten und mit rührender Zuversicht durch lange zweiideinhalb Jahre in schweren Leiden der Rückkehr des „gottgesalbten ronerben" Ferdinand entgegensahen, werden uns kurz, aber aniiulich geschildert. Schon am 23. Mai 1618, so wird in der ersten Elegie angeutet, wendete sich die zügellose Volksmasse, nachdem sie die kaiserle’ii Beamten „nach altböhmischer Sitte" (po starocesku) durch's nster geworfen hatte, nach einem bei allen Aufläufen in Prag nicht nder altem Brauche gegen die Judenstadt. Unter Geschrei und heul, „das den Boden unter ihnen erdröhnen und er- U ern machte", brachten sie Leid und Wehe über die Juden; und id und Wehe brachte die darauf folgende Fremdherrschaft — das u ja im Wesentlichen das Reich des Winterkönigs — über die "te Pragerstadt, von der die gleichzeitigen deutschen und böhmischen ucllen kaum ein oder das andere Wort berichten. Denn wenn uns auch Einzelberichte über das Vorgehen des 'lzgrafen Friedrich gegen die Juden und über die in der ersten cgie erwähnte Absicht desselben, die Juden aus Prag zu vertreiben, >lm; so kann man schon aus der großen finanziellen Noth, die auf >n Hradschiner Schlosse herrschte, schließen, daß der Nothschrci der Iden/) sie dächten mit Sehnsucht an die kaiserlichen Steuereintreiber "ick, keine Uebertreibuiig sei. »d %1t ) Geschichte der Juden X. 61. 2) Lieben, Gal Ed S. 65. bst. 4) In der ersten Elegie. Da- Wenn wir lesen,') daß schon im Mai 1620 nur an rückständigem Trnppensolde dem Pfalzgrafen 600,000 Gulden fehlten, daß Christoph Kaplirz von Sulewic im böhmischen Kriegsrath behufs Beschaffung von Geld unter Anderem zur Verminderung der Gehälter der hohen Offiziere, zu Zwangsanleihen bei einigen reichen Edelleuten, wie bei Wilhelm v. Lobkowicz und bei dem Oberstburggrafen Berka v. Duba, die doch Glaubens- und Gesinnungsgenossen der Aufständischen waren, rieth: bedarf es keiner allzu lebhaften Phantasie, um sich vorzustellen, wie man gegen die offenkundig kaiserlich gesinnten Inden vorgegangen sein mag. Die kaisertreue Gesinnung der Juden war aber ebenso natürlich als nach allen Berichte» bei Freund und Feind bekannt. Unter Rudolph und Mathias war die Judenstadt mit ihrem eigenthümlichen von den übrigen Prager Städten isolirten Kultur- und Gefühlsleben zu nie geahnter Größe und Schönheit emporgeblüht. Nicht weniger als drei große Synagogen -) waren mit großem Kostenaufwande und mit einer damals seltenen architektonischen Pracht von einzelnen Privatleuten erbaut; die älteste Prager Synagoge — die Altschulb) in der Geistgasse — von Grund aus neuerrichtet und die Altneusynagoge4) renovirt, ein Hospital, ein mit prachtvollen Marmorbecken ausgestattetes öffentlichesBad, ein Waschhaus erbaut worden"). Die früher grundlosen Gassen der Judenstadt waren durch die Hochherzigkeit des »uvergeßlichenMardochai Meisel (geb. 1528 gest. 1601) gepflastert worden. In einem reich dotirten Lehrhause strömten von weither wissensdurstige Jünger zusammen, um zu Füßen hochberühmter Meister zu sitzen. Die sonst so gedrückte Lage der Juden war durch mancherlei wohlwollende Verfügungen für die Gesammtheit und durch weitgehende Privilegien für Einzelne, die wie Meisel und Bassewi diese Privilegien der Allgemeinheit zugute kommen ließen, gemildert. Das Alles war mit dem böhmischen Ausstande fast plötzlich zum allgemeinen Schmerze anders geworden, und doppelt schwer hatten die Juden an den hohen Abgaben und Brandschatzungen zu tragen, weil sie durch die Knegsereigniffe auch von ihren Handelsverbindungen mit Jnnerösterreich, Bayern und Sachsen abgeschnitien waren. Ein Balsam für diese Leiden, eine Hoffnung für die Zukunft war es ihnen da, daß man in Wien, wo man mit den Juden Böhmens, wohl ebenso wie mit de» Katholiken dieses Landes, während der Herrschaft des Winterkönigs geheime Verbindungen unterhielt, von üer Treue derselben so sehr überzeugt war, daß Ferdinand in zwei Schreiben, die er noch am 5. Oktober 1620, wenige Tage vor der Schlacht am Weißen Berge, an den im Anmärsche gegen Prag befindlichen Maximilian von Bayern, den Führer der liguistischen Truppen, richtete, diesen ersuchte, „bei seinem Vormärsche in Böhmen den Juden die gleiche Schon nn g wie den Ka t h o l i ken angedeihen zu lassen, d a sie sich mehr oder weniger offen zur kaiserlichen Partei bekennen."") ') Münchener St. A. „Böhmische Geheime Canzlei, siiufteConsnltatio»", bei Gindely, Geschichte des dreißigjährigen Krieges III. S. 305. -) Die Hoch-, Zigeuner- und Meiselsynagoge s) Wie ans dem Titel der oben genannten aus diesem Anlaß gedruckten Selichoth-Sammlnng erhellt 1605 iSptbr.) und nicht U>o4, wie Podebrad-Foges in seinen „Alterthümer der Prager Josephstadt" ansührt 6 Inschriften an der Westwand der Meiselsynagoge und dem Grabmale Mardochai Meisels. 6) Inschrift ans der Nordrind Südseite. ") Mährisches Landesarchiv. Brief der Elisabeth v. Zerotin an Fra» Katharina v. Zerotin bei Gindely a. a. C. Bekannt ist, daß die Inden die in Prag zurückgebliebenen Jesuiten in Verkleidung aus der Gewalt der Böhmen zu retten wußten.