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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-08-19 · Heft 34 (19.8.1892) · p. Seite 402

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 34 (19.8.1892)
Date
1892-08-19
Page
Seite 402 (sequence 6)
Language
German
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402 Darm» war aber die Angst lind Bekleininliiig der Prager Jude», d>e den betreffenden kaiserlichen Befehl tvohl kaum kannten, nicht geringer, namentlich da die Verwirrung und Unordnung im böhmischen Lager täglich wlichs, die katholischen Heere immer weiter in das Herz Böhmens vordrangen und sich endlich anfangs November immer mehr der Hauptstadt näherten. Am 8. November morgens, als draußen am Weißeil Berge bereits die erstell Schüsse der verhängnißvollen Schlacht dröhnten, die der kurzen königlichen Herrlichkeit des Pfalzgrafen ein Ende machen sollte, wurde den Juden ein Befehl zu Theil, der mit Recht von denselben als von der höchsten Noth geboten angesehen wlirde. Die Inden, welche für das abenteuerliche Kriegshandwerk des znsaiinnengewürfelten turpfülzischen Heeres weder Lust empfanden, noch auch von diesem für geeignet angescheii waren, ivlirden gewaltsam hinansgetrieben vor das Reichsthor, um die leichtsinnig eingenommene Stellung des böhmischen Heeres verschanzen <;u helfe». Unter dem Wehklagen der Weiber nild Kinder verließen sie die Judenstadt, um — wenige Stunden später in lvilder Flucht mit dem versprengten böhmischen Heere über die Moldau zuriickznkehren und das entschliche Schicksal zu verkünden, das ihre Peiniger getroffen hatte. Diese Kunde von der nach kaum zweistündigem Kampfe verlorenen Schlacht verbreitete panischen Schrecken auch innerhalb der Thore des Ghetto. Blau wußte nicht recht, solle man mehr die besiegten Truppen fürchten, die hart vor ben Jndenhänsern ans dem altstüdter Ring in meuterischer Absicht sich znsammenrotteten imb von der flüchtenden Regierung sowie von den einziehenden Siegern den rückständigen Sold oder statt dessen die Erlaubniß, plündern zu dürfenforderten; oder sollte man mit Entsetzen an das nicht minder zuchtlose Heer der Sieger denken, dessen Einzug bevorstand, und von dem Herzog Maximilian selbst kurz vorher') an den Kaiser berichtet hatte: „Ich kann Euer kaiserlichen Majestät nicht verhehlen, daß Derselben Armada, ungeachtet meiner vielfältigen wohlmeinenden Erinnerungen, mit Rauben, Plündern, Brennen, ja sogar Niederhannng unschuldiger katholischer Personen beiderlei Geschlechts, mit Ranzionirnng der Gehorsamen, mit Entführung der Weibspersonen und Jungfrauen, mit Plünderung von Kirchen und Klöstern um sich wüthet und selbst meinen Proviant räuberisch a n sä l < i." Bange Stunden und Tage kamen für die vom Pfalzgrafen und seinen Höflinge» verlassene Hauptstadt. Noch am 9. November, Montag, dem Tage nach der Schlacht, zogen die kaiserlichen Truppen in die Prager Kleinseite ein, und schon am Dienstag mußten sich die rechtsmoldanischen Städte bedingungslos unterwerfen, nachdem Maximilian erklärt hatte, sich auf keinerlei Bedingungen von Seiten der Städte und Stünde einzulassen. Aber schon vor dem Einzüge der Truppen muß sich bei den besser unterrichteten Führern der böhmischen Partei die Nachricht verbreitet haben, daß die Judenstadt geschont, nnter besonderen Schutz gestellt werden solle. Denn der böhmische Obersthofmeister Wilhelm von Lobkowiez brachte, ehe er an der Spitze einer ständischen Deputation beim Herzog Maximilian von Bayern erschien, um mit demselben wegen der Unterwerfung zu verhandeln, einen großen Theil seiner Schatze in die Judenstadt, wo sie ihm nnter den obwaltenden Verhältnissen am sichersten aufbewahrt schienen. Freilich half ihm und zahlreichen Anderen dies, die auf dieselbe Weise ihr Nermögen vor der drohenden Konfiskation retten wollten, wenig; denn es wurde bald ruchbar, und siebzehn Kisten voll Gold- 9 Dieselbe an dieselbe a. a. O. und Silbergerüthe, das nicht Eigenthnm der Juden war, mußte Siegern aus der Judenstadt herausgegeben werden. 9 Den Juden selbst wurde von ihren eigenen Vorstehern bin öffentliche Verkündung in den Synagogen und unter Androhung In d rer kom «in sie «resanc Bannstrafen befohlen, alle etwa bei ihnen verborgene Habe der A> vhlt hat ständischen an die Behörden auszuliefern.!) Die Geschichte der nächsten Wochen ist mit Blut i» die An» unserer Vaterstadt eingeschrieben. Des Raubens, Plünderns, Schii dens und Mordens war kein Ende. Das ist bei der damalig in sein Kriegsführnng zwar nur natürlich, doppelt wunderbar aber erf den Juden die Schonung und der Schutz, der ihnen mitten diesen Greueln zu Theil wurde., Für die Bewohner der Jndemln war auf diese Weise der traurige 10. November (der 14. Mau schwan ihrer Zeitrechnung), der Tag des Einzuges der kaiserlili Truppen in die Altstadt, wohl wider ihre eigene Vermnthnng. Tag der vollsten Erlösung und Befreiung geworden. Graf Bougr der kaiserliche Befehlshaber der einziehenden Truppen, stellte, d oberwähnten kaiserlichen Befehle gemäß, starke Wachen vor die 7 der Judenstadt, und die blutigen Greuel der Plünderung, tvochenlang in der Altstadt wütheten, blieben von den Juden fern Kein Wunder, das; die Dankbarkeit für die Wandlung ihr Angst in das Gefühl der Sicherheit in Gestalt eines synagog Festes für alte Zeiten gefeiert werden sollte, und daß sie d 14. Marcheschwan zum Prager Fast- und Festtage, zum Prager Pu-1 mit besonderen an das ihnen wunderbar erscheinende Ereig anknüpfenden Gebeten cinsetzten. Der Bericht des Rabbi Lipmann Heller, der auf dem Titelt unseres Rituals zu lesen ist, lautet aber in wörtlicher Uebersetzung v „Und es war in jenen Tagen, im Jahre 5379 (1619), da na Kaiser Mathias, und es wurde der Sohn seines Vetters Karl, , dinand, statt seiner Kaiser, den schon zu Lebzeiten (des Mathiae Böhmen und Ungarn zum Könige gewühlt hatte». Und Kaiser s dinand sandte nun wiederholt an sie (die Böhmen) Boten und ließ ilm äuid gez sagen: Kommet, dienet mir, so sollt Ihr das Beste des Landes geuüw so Ihr Euch aber weigert und anflehnet, sollet Ihr vom Schw verzehret werden" (Jes. 1, 20). Sie hörten aber nicht auf ihn, neigten ihm nicht ihr Ohr, waren hartnäckig und wählten znm Ko über sich Friedrich, Pfalzgraf von Heidelberg, einen der Kurfünb Dieser gab ihnen Gehör und nahm die Krone auf sein Haupt im Mow Cheschwan 5380 (1619 Nov.); er und seine Gemahlin, die eine To in des Königs von Großbritannien (d. i. der großen Insel England - Er sammelte ein großes Heer/') um gegen Kaiser Ferdinand -ü>. zu führen. Aber es (Friedrichs Heer) konnte demselben nicht Su> halten und er trieb das Heer vor sich her, bis am Freitage,; > 10. Cheschwan 5381 (6. Nov. 1620 n. St.) die ganze Stadt in t stürzung gerieth bei der Nachricht, daß das kaiserliche Heer sich Stadt auf eine Meile genähert habe. Am Sonntage dem 12. Cheschwan (8. Nov. 1619) mit e>> Granen des Morgens stießen sie (die beiden Heere) ans einem um eine Schlacht zu liefern. Da wurden Viele von uns Jrdi gezwungen, Wälle und Gräben, die man Schanzen nennt, aufzuweue Die Schlacht wüthete am Weißen Berge bei Prag, bis am A mittage. die Kaiserlichen siegten und den Böhmen eine gelva Niederlage (gegen 10,000 Mann) beibrachten. Die Uebriggeblieb-m' flüchteten gegen die Weinberge, welche rings um die Stadt u man verfolgte sie aber bis ans Stadtthor. 9 a. et. O. 9 Das Formular einer solchen Bannverkündigung sin: et sich I- - schriftlich im Archive der Meiselsynagoge. 9 Daß das zusamniengewürfelte Heer Friedrichs dein jüdische» v Wl nisten furchtbar und groß erschien, ist wohl kaum auffallend. liferliche Iben. Am die Le Aber l. Ehest 'eichen I och nick) locnd in Der teerführ, tüte es boten, liefe, sie der lvar eben M Um Ü tiefe ei ii chtigei 'weggi . tuend id Ge» >.d grof Da orsteher id Leh edera wähne, age ein Id soll au in tzteren eiten. Nac len frr illen, So me», (Ge dicht u Da uiickgel Loabdil ') 1 taatöa 2.) Q io Bue uilassuii 8) S

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