Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 34 (19.8.1892)
- Date
- 1892-08-19
- Page
- Seite 400 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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400 Levh galt in seinem Fache als anerkannte Autorität. Als man im Jahre 1871 in Deutschland die Einführung der Goldwährung vorbereitete, befürwortete er die Nothwendigkeit dieser Einführung auch in den skandinavischen Ländern und empfahl gleichzeitig die Eintheilnng des dänische» Münzsystems nach der Decimalbcrechnung. Es wurde alsbald eine Münzkommission eingesetzt, und nachdem die Berhandlungcn mit Norwegen und Schweden zum Abschluß gekommen waren, das neue Münzgesetz angenommen, was zur Folge hatte, daß alle cirkulirenden Münzen in Dänemark eingezogen wurden. Um aber einerseits die Silbermünzen mit Goldmünzen ohne allzu große Opfer für den Staat zu ersetzen, andrerseits der Bevölkerung den Uebergang zum neuen Münzsystem zu erleichtern, sah sich Levy verpflichtet, der Regierung seine Mithilfe bei der praktischen Durchführung dieser Reform anzubieten, wobei er von vornherein auf jedes Honorar verzichtete. Das Anerbieten wurde bereitwillig angenommen und Levy zum königlichen Münzdirektor ernannt. Rach Verlauf von drei Jahre» war die Reform in jeder Beziehung durchgesührt. Als Anerkennung für diese Dienste wurde er vom Könige von Dänemark zrun Kommandeur des Danebrogordens und von der schwedischen Regierung zum Kommandeur des Nordstcrnordens ernannt. Als Mitglied verschiedener vom Staate niedcrgesctztcr Kommissionen, besonders der europäischen Münzkonvention, sowie als Vorsitzender des national-ökonomischen Vereins war er von bedeutendem Einfluß. Die dänische Regierung, welche die großen Verdienste Moritz Levy's stets würdigte, beklagt das Hinscheiden dieses trefflichen Mannes ebenso sehr wie die jüdische Gemeinde, deren treues Mitglied er war und welche mit Stolz ihn den Ihrigen nannte. * Me Prager Iudenstadt während der Schlacht am weißen Berge. ) Von L>r. Alexander Kisch, Rabbiner in Prag. Der vierzehnte Tag des Monates Marcheschwan war durch lange Zeit für die Prager Israeliten ein Fest, das in den Häusern und Synagogen unsererJudenstadt in eigenthümlicher Weife begangen wurde. Früh rnorgens, wenn die Sterne »och durch die winterlich klare Luft funkelten, zog ein Gemeindcdiencr (der nach seinem Berufe, die Juden mittels Hammerschlägc», die er gegen die Hausthüren führte, zrun Gebete in die Synagogen (Schulen) zu „klopfen", der „Schulklopfer" hieß) von Haus zu Haus und weckte, die einzelnen verheiratheten Gemeindemitglieder bei Namen nnd Titeln laut rufend, zur Morgen andacht. Rasch nahm man einen Morgeninibiß, wie dies an öffentlichen Fasttagen nur bis zum Morgengrauen vor dem Gebete gestattet ist, und begab sich dann ins Gotteshaus. Hier waren die Andächtigen zahlreich erschienen, und die ernsten Fasttagsgebete sowie der entsprechende Thoraabschnitt wurden ins Gebet eingeschaltet. In ernster Stimmung verließ man das Gotteshaus, um der mühevollen und doch nur kärglichen Gewinn bringen den Arbeit nachziigchen, die damals fast sämmtliche Juden auf dem Wege des Kleinhandels uub Schachers suchen mußten. Bis zum Bcspergcbete, das noch unter dem Rituale der Fast- und Trauertage >) Vortrag, gehalten im „Verein für Geschichte der Deutschen in Böhmen" am 7. November 1891. iti 11 in den Synagogen verrichtet wurde, enthielt man sich der Spi und des Trankes. Vor den Thüren der Gotteshäuser drängten f die Aermstcn der Armen, jüdische Bettler, deren es bei t Gebundenheit der Juden an die Scholle des Ghettos erschreck!! Viele gab, um die milden Gaben derjenigen zu erhaschen, die alter Vorschrift statt mit der Gemeinde zu fasten einen bcstinmit Geldbetrag an die Armen vcrtheilten. Doch jetzt — in den ersten Nachmittagsstundcn — änderte sich e Bild der Judenstadt mit einem Schlage. In den Gassen stellte m Tische als primitive Verkaufsstellen auf, auf welchen allerlei Lecken! und Süßigkeiten feilgeboten und an die Kinder vertheilt wurdi Mit der im trüben November früh eintrctenden Dunkelstunde bcga ein buntes Treiben i» den Häusern und auf den engen Gasse» Judenstadt; man gab sich der ungebundenen Freude und froh Treiben hin, wie es selbst unter den unglücklichen, gehetzten Bewohnt dieses Stadlthcils an den Faschingtagen ihres Bekenntnisses den P u r i m tagen — »och bis in die Mitte dieses Jahrhnndcr hinein mit südländischen Karnevalsbräuchen herrschte. Aber nicht jener persische P n r i m war der 14. Cheschw> welcher au die Zeiten Hamans und Esthers erinnerte, und der 14. Adar von allen Juden des Erdballs mit ungebundener Fri lichkcit gefeiert wird, sondern es war ein „Prager Purim", mau ihn nannte, und der nach mehr als hundertjährigem Besta» wahrscheinlich während der schweren Heimsuchungen, die ttnii Judenschaft in der Mitte des vorigen Jahrhunderts trafen, und sich 1744 sogar bis zum Exile') steigerten, in vollständige Vergessen geriet!)2). Ja, dieser Fast- und Fest-, Freuden- und Trauertag wurde d art aus der Ucbuug und aus der Erinnerung verlöscht, das; Niemand von demselben zu berichten wüßte, wenn nicht zwei i> gilbte Bogen, die das Rituale dieses verschollenen Festes entha einem alten Bußgebetbuchc2) in der hiesigen jüdischen Gemci bibliothek beigebunden rmd so dem Schicksale aller Flugblätter, kurzer Zeit verloren zu werden, entgangen wären. Diese Blätter enthalten außer einer alten liturgischen Dichtm die in das Rituale dieses Tages ausgenommen wurde, zwei diesen Tag, den Jahrestag des Einzuges der kaiserlich Truppen in die rechtsmoldauischen Prager Sta nach der Schlacht an, weißen Be-rge, gedichtete Elegien, durch das Akrostichon ('ri 3“lH “O JÖfi'b iClpJn 21B E" bX'1 "b K""inö '"ENE jDJ) als ihren Verfasser d berühmten Rabbi Lipmann Heller, Ober-Rabbiner von Prag u Wien, den berühmten Verfasser der Tosaphoth Jom Tow (ge Wallersteiu 1579, gest. Krakau 1654) nennen. Trotzdem diese beil> Elegien eine poetische Schilderung der Verhältnisse der Prager Jub vom Tage des Prager Fenstersturzes bis zum 10. November enthalten, ist der interessantere Theil des kleinen Heftchens d Titelblatt, welches in der Weise der damaligen Tageslittenil aller Sprachen in umständlicher Weise den Inhalt und Zweä Büchleins angiebt, und wegen des allgemeinen Interesses, im stehenden mitgetheilt und erläutert werden soll. Wl 0 16. Dezember 1744. 2) Wenigstens wird er seit Menschengedenken in keiner Prager goge mehr gefeiert, während die Selichot anderer speziell Prager GedääD tage — so der großen Brände im sechzehnten und siebzehnten hundert — in der Meiselsynagoge noch in den Vierziger Jahren aUi^ lich regelmäßig gebetet wurden. 3) IWCl 'Effa -nsE mrrbD gedruckt IN Prag aus Ai'l des vollständigen Neubaues der „Altschul" am 28. Ellul 5368 (1<>0;’) i ’t Grä, lairnt ü ic erwc attische) Eine i% nick P: ,A iiers? : Drm ioien F nales baren;»m mcinbe Umf, » riiic.2) also n um Hc ’iior g annt l ergab. o„ zur brauch in Iah Vie Die iigethei ciails > itatigt. bst die bs b n lliche ich stete Die inischen ichen c idcinha hwnerk iinlii Sch »!et, N Heu Bi nster c nder heul, Uern D und iv ja Pi netten Den ilzgra egte e s >i> Hn den/) ück, ke ate >>en >) G - 4)