Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 33 (12.8.1892)
- Date
- 1892-08-12
- Page
- Seite 392 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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392 kein Unheil zu verkünde», in dem Bewußtsein, daß Gott in Barmherzigkeit n»d Gnade waltet. Den Höhepunkt der Leidenszeit der Juden bezeichnet die Regierung de los reyes catölicos, „des katholischen Köuigspaares", wie cs kurzweg genannt wird. Schon als Infantin hatte Jsabella von Castilien ihrem Beichtvater Thomas de Torquemado das Gelübde abgelegt, wenn sie einmal zum Thron gelangen sollte, alle Ketzer zu vertilgen, zum Ruhme Gottes und zur Verherrlichung des katholischen Glaubens. Mit ihrem Regierungsantritte schritt Jsabella zur Verwirklichung des Gelübdes. Es wurde im Jahre 1480 ein Gericht eingesetzt, das der jüdische Dichter Samuel Usgue folgendermaßen beschreibt: „Aus Rom wurde ein wildes Ungethüin bezogen von einer o wunderlichen Gestalt und einem so entsetzlichen Anblick, daß von seinem Rufe allein ganz Europa zitterte. Sein Leib war von rauhem Eisen mit tödtlichem Gifte geknetet, mit einer harten Schale von Stahlschuppen bedeckt. Taufend schwere giftgefüllte Flügel erhoben es vom Boden. Sein Wesen gleicht dem fürchterlichen Löwen und der Schlange der afrikanischen Wüste. Sein Gebiß übertrifft das des riesigsten Elephanten. Sein pfeifender Ton tödtet schneller als der giftigste Basilisk. Ans seinen Augen und seinem Munde entströmen stets Flammen und Feuerschlünde. Es nährt sich von menschlichen Leibern. Es übertrifft den Adler an Schnelligkeit des Flugs. Wohin es kommt, verbreitet es mit seinem schwarzen Schatten düsteres Dunkel. Wie hell auch die Sonne scheint, so hinterläßt seine Spur eine ägyptische Finsterniß. Wohin cs seinen Flug nimmt, jede grüne Matte, die es betritt, jeder blühende Baum, auf den es seinen Fuß setzt, verdorrt, entfärbt sich und stirbt ab. Mit seinem zerstörenden Munde entwurzelt es Alles bis auf den Grund. Und mit seinem Giftgeruche verwandelt es den Umkreis seiner Bewegung zu einer Wüste, gleich der syrischen, wo keine Pflanze gedeiht und kein Gras Halm aufkommt." Zunächst wandte sich das Blutgericht der Inquisition gegen die Marranen, die den Neid erregten, weil sie begünstigt wurden und zu Macht und Reichthümern gelangten; als Grund jedoch für ihre Verfolgung gab man au, sie nähmen es nicht Ernst mit dem neuen Glauben. Auch diesmal war Sevilla dazu ersehen, mit der Verfolgung der Marranen den Anfang zu machen. Das Jnquisitionstribnnal eröffnete hier feine Wirksamkeit. Bald füllten sich zu Tausenden die Kerker, man fand der Opfer so viele, als man begehrte, da man bei denjenigen, die nicht freiwillig ihren Rückfall in den alten Glauben zugestanden, eine unmenschliche Tortur anwandte. Das erste Auto da fe oder Glaubensschauspiel fand, wie gesagt, in Sevilla statt, lind zwar am 6. Januar 1481. Bald lvnrden i» allen größerell Städten solche Jnqnisitionstribunale eingesetzt, als Thomas de Torquemada zum Generalinquisitor ernannt wurde. „Die Rauchsäule stieg auf in allen Theilen Spaniens und auf den Inseln. Ein Drittel der Marranen erlitt den Feuertod, ein Drittel irrte flüchtig umher, und der Ueberrest schwebte in fortwährender Augst, vor das Tribunal geführt zu werden." Ein spanischer Dichter jüdischer Abstammung, der Marrane Anton de Montoro Ropero ließ sich also vernehmen : „O Ropero, wehdurch zuckt, traurig, empfindest du nicht brennenden Schmerz? Sechzig Jahre alt geworden, schworst du nicht mehr beim Schöpfer und kannst doch nicht den Namen des alten schandbaren Inden verlieren!" Aber nicht blos bei Klage» ließen es die Marranen bewenden, sie rafften sich in ihrer Verzweiflung zur That auf. In Saragossa verschworen ruincn, Felder römischer Gräber, Minenreste und ganze Berge von Schlacken vergegenwärtigen lins das Alterthuni; noch heute bildet der Ertrag der Minenreste von Tharsis und Rio tinto den Reichthum der Provinz Huelva. m sich die vornehmsten Marranen, Juan de Abadia an der Spitzt gegen den unerbittlichen Inquisitor Pedro de Arbues. Währe»! er in der Kirche La Seo auf den Knieen lag, stürzten sich einig der Verschworenen auf ihn und stießen ihn nieder. Doch die Vn schwörer wurden eingcfangen und hingerichtet, Arbues dagegen spr-,»j man heilig und weihte ihm eine eigene Kapelle; die Stelle, wo e gefallen, erhielt einen Denkstein, und die Waffen der Verschworene! heftete man an die Säulen vor dem Altar, wo sie noch heute z> sehen sind. Bisher hatte die Inquisition nur gegen die Marranen gewütbel nun richtete Torquemada sein Augenmerk auch gegen die Judai denen er die Untreue der Marranen zur Last legte. Für ihn gab keinen anderen Ausweg als die Verbannung aller Juden. Mit -c Eroberung Granadas war die Herrschaft des Islam auf spanischen Boden zu Ende. Drei Monate, nachdem das katholische Königspa» in Granada eingezogen lvar, Unterzeichnete es in der Alhambra iii Dekret, wonach die Inden gleich den Mauren innerhalb vier Monate bei Todesstrafe das Land zu verlassen hätten. Um den Befehl rückgängig zu machen, bot der von Portliga! eingewanderte Minister Don Jsak Abarbanell, der merkwürdiger lveise am Hofe Jsabellas als Schatznieister angestellt war, die Sum von 30,000 Dukateil. Das katholische Königspaar, den Vortrac Abarbanells ruhig anhörend, zeigt sich schon dem Wunsche geneigt da stürzt Torquemada in den Saal und schleudert das Kruzifix au den Tisch mit dem Ausruf: „Judas Jscharioth hat Christus 30 Silberstücke verratheu, ihr wollt ihil für 30,000 Dukaten ve kaufen? Hier ist er, nehmt ihn hiil und verkauft ihn!"7) Es ver blieb »ach diesen Worten bei deni Dekret. 9(1» 9. Ab 1492 verließen Hnnderttausende das Land, und zwar wie die Rabbinen geboten, unter Pfeifengetön und Trommelschlag damit keinerlei Klagen vernommen würden. Sie sollten den Aus zng als eine Erlösung, wie die aus Aegypten, betrachten, und vo keiner Wüstenwanderung zurückschrecken. Keine Schätze führten si> mit sich, lvie einst ans Aegypten — was sie auf dem Rücken trüge waren Leichensteine, die sie zum Gedächtnisse ihrer Ahnen mitgenomnic! Wer könnte alle die Leiden schildern, von denen die Auswandeic heinigesucht wurden! Pest, Hunger, Raub und Mord folgten ihmi auf ihre düster» Wege. Die meisten der Verwiesenen wandten »d nach Portugal, wo ihnen der finstere König Joao II. gegen eiw hohe Summe einen Aufenthalt von acht Monaten gewährte. Diejenige ivelche diese Frist überschritten, wurden zu Sklaven gemacht und ihrer Kinder beraubt, die man daun nach den verlorenen Insel brachte. Viele wurden ein Opfer der Seereise, und die den W stimmungsort erreichten, eine Beute der giftigen Schlangen. Der Nachfolger Joao's, Don Manoel, schenkte zwar den >» Sklaven Gemachten die Freiheit, doch als er sich mit der Toch! Jsabellas von Spanien vermahlte, mußte er ihr das Verspreckcu erfüllen, alle Juden aus dein Lande zu treiben. Das Jahr 14'. bot in Portugal eine Wiederholung der Schreckensszenen von 1491 in Spanien. Ergrimmt, daß so Wenige die Taufe nahmen, ve Manuel Zwaugstaufen vollziehen und an den Widerstrebenden die unglaublichsten Martern verüben; die Auswanderer wiederum verhinderte er, die ihnen gestellte Frist innezuhalten, um sie als scu Sklaven erklären zu können. Erst nach dem Tode sein, Gattin, der schon im nächsten Jahre erfolgte, empfand er wieder eine menschliche Regung, und er verstattete ihnen die sehnlichst gewülisän Auswanderung. 0 Die Szene hat jüngst der spanische Maler Sala in einem Kolossalgemälde dargestellt. Den olland e mschlich >b Fan nie Lc r nützln »sie Sck »nomisck „Aul lnindig intoerfb ichreien ihr? B ■H'oel! lichwar, ii habe: >!>t es i es b lb!t bell tiie S »ilie«)! iiuae! - iumor7 u ich baute e Da UllO :vm§ in n.;ii er i »: er egen koi ir Dem ih nicht lcktioi den e ' ) ,.l ir.oi>, portant a a lr i!-U* de :ud ns tri Mue n idros ( i . 44 v -) Ai Ueit, so 3) V. 4) Vi 6) Ui ö) A ') Es