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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-08-12 · Heft 33 (12.8.1892) · p. Seite 390

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 33 (12.8.1892)
Date
1892-08-12
Page
Seite 390 (sequence 6)
Language
German
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390 der im Parlamentseide enthaltenen christlichen Formel seinen Sitz nicht antreten konnte, da brach cs neulich los. Salomon wurde zweimal demonstrativ von der City gewählt, Beaconssield brachte eine die vollständige Juden-Emanzipation einführende Vorlage vor das Parlament, die auch beide Mal im Unterhause angenommen wurde, im Oberhanse jedoch durchfiel. Da nahm sich der inzwischen gewählte Baron Rothschild den Muth und schwor den Eid mit Weglaffung der beanstandeten Eidesformei; hiermit war de facto die Emanzipation besiegelt. Ueber die Undankbarkeit der Juden, „dieses dankbarsten Volkes aus Erden" — wie es gerade der Engländer Charles Dickens nannte — können sich die Engländer gewiß nicht beklagen, sie dürfen aber auch nicht verlangen, daß sie im Widerstreit mit ihrem politischen Sinn und ihrer politischen Ueberzeugung handeln. Gladstone und Salisbury, für wen sollten die Juden stimmen? Da taucht gleich die schwarze Wolke an G ladston es Horizont auf — seine Freundschaft für Rußland. Können die Juden ihre Stimmen dem ehrgeizigen Manne geben, der dem in Europa liegenden asiatischen Staate die Bruderhand reicht und gleichzeitig in der „Darkest Russia" demselben Staate seine Entrüstung über die Juden-Verfolgungen ausspricht? Verdient nicht das Ministerium Salisbury mehr Vertrauen, das zu seinen Mitgliedern einen Juden zählt (Baron Worms), die Primrose-Party, in der die Traditionen Beaconsfields und Palmerstons fortleben? Wahrend überall der Kampf um „home rule“ tobte und der Schreckenspopanz der „Ulster-Minorität" ihm nachfolgte, war im Whitechapler Bezirke der Hauptprogrammpunkt der Kandidaten gerade nicht homerule, sondern eine ganz andere Frage, die aber auch mit der prekären Lage eines großen Volkstheiles im Zusammenhänge steht, nämlich .... die Kolonisation Palästinas. Da stand der Gladstoneaner Samuel Montagu, der Präses der „Chovevei Zion Society", dem konservativen W. Le P oer French gegenüber. Whitechapel, als Bezirk der russischen Juden, leidet sehr unter dem fortwährenden Zuflusse neuer Einwanderer. Ihre Löhne fallen, weil die „Greenen" billiger arbeiten, es werden größere Anforderungen gestellt an den Fleiß und die Ausdauer, die Preise der Lebensmittel steigen, und so wird die Lage der bereits Angesiedelten immer schlimmer. Daß die Whitechapler Bürger diesen ungesunden Zustand beseitigen wollen, kann ihnen Niemand verargen, und so erklärte sich auch Montagu bereit, durch Vermittelung des Zukuftsministers des Aeußern, Lord Roseberry, in Konstautiuopel die Aufhebung des Palästina-Einwanderungs-Verbotes zu erstreben. Sein Gegner ging aber viel weiter; er versprach Einwanderungs-Verbote nach England, und es gelang ihm auch, eine große Anzahl von Anhängern um sich zu schaaren. Nichtsdestoweniger wurde Montagu, der diesen Bezirk schon in zwei Parlamenten vertrat, gewählt. Dem neuen house of conmions gehören sieben jüdische Abgeordnete an. Hiervon entfallen drei auf die liberale, zwei auf die konservative und zwei auf die liberal-unionistische Partei. Sechs von ihnen gehörten schon dem vorigen Parlament an, und so wurde nur einer neu gewählt. Es sind dies die Herren: 1. Baron H. de Worms (kons.), der bisherige Unter-Staatssekretär für die Kolonien, 2. B. L. Cohen (kons.) zum ersten Mal gewählt, 3. Samuel Montagu (üb.), 4. H. S. Leon (lib.), Friedensrichter und Landrath, 5. Sydney Stern (lib.), portugiesischer Viscount, 6. Baron Ferd. v. Rothschild (lib.-un.) und 7. Sir Julian Goldsmid Präses der „Anglo Jewisli Association". Von den früheren jüdischen Abgeordneten wurden nicht mehr gewählt Major Lewis Jsaacs, derselbe, der im Jahre 1886 keinen Anstand nahm, zu erklären, mm: möge ihn nicht zu den jüdischen Repräsentanten im Unterhause rechne:; Er ist nunmehr dieser Unannehmlichkeiten überhobeu. Die Zahl von sieben M. P„ die im Verhältnisse zu den übrigen' Abgeordnete:: ein Prozent ausmacht, ist aber auch schon übertroffen worden an Quai; tität und Qualität, hauptsächlich im Jahre 1878. Da waren Männer, die durch ihren Geist, reiches Wiffen, Rednergabe und politische Sch:; lang innerhalb der liberalen Partei eine leitende Stellung einnahme», so Sir George Jessel, Sir Francis Goldsmid und Mr. Serjea::! Simon. Wie klein auch das Häuflein der jüdischen Abgeordneten sein mag, sie vertreten stets das Interesse ihrer Glaubensgenoffen mif» Wärmste. Nunmehr, sobald Gladstone das Staatsruder in die Hand nimmt, werden sie ihn auch an die Worte zu erinnern wissen, die er an die „Darkest Russia" richtete. Der Premierminister Gladstvm hat mehr Einfluß als der gleichnamige Führer der Opposition o::j den Zaren, und er hat schon im Jahre 1876 bewiesen, daß er ein;:: Staat über seine Verpflichtungen gegen Andersgläubige belehren föinn! iH-ldje, ' Mreiut üherig« Die : rekte l baftigt fdgnetl ic erste nymeh untern rauensl vreichn« ioute gi (Sir tu- Abr ünil d, LU’ie w > :rfe d Me Wahrheit über Argentinien. Berlin, 9. Augusl Die politischen Blätter bringen heute folgendes Telegramm „Mit dem Lloyddampfer Berlin sind in Brenrerhaven 180 jüdisil: Familien in kläglichem Zustande aus Argentinien angekommwohin sie aus Rußland im vorigen Jahre ausgewandert waren," Derartige Nachrichte» sind nur zu sehr geeignet, das große H:!> werk zu gefährden. Wir halten es deshalb für nothwendig, u folgenden uns von maßgebender Seite zugegangenen Bericht über die Sachlage in Argentinien hier zu veröffentlichen, der sicher zur An> klärung und Beruhigung beitragen wird. Die „Jewish Kolonization Association" unternahm die Be: wirklichung des von ihr geplanten Werkes zu rasch; freilich bient es ihr zur Rechtfertigung, daß sie unter dem Eindrücke jener Be klemmung handelte, welche Jeder empfand, der von den russischen Grausamkeiten hörte. Sie sandte, etwas zu früh, die ersten Emigranten nach Argentinien; aber die große örtliche Entfernung verhinderte leider eine stets rechtzeitige Kenntniß der Thn suchen und der Geschäftsführung. Diese beiden Umstände, wahlwn Aussendung der Auswanderer und mittelmäßige Leitung in Argen tinien, verursachten die augenblickliche Sachlage. Viele Kolonisten sind und bleiben unfähig, je gute Ackerbauer zu werden, andere sind, durch schlechte Verwaltung verwöhnt, unbotmäßig und anspruchsvoll geworden, indem sie glauben, das Vermögen des Baron von Hirsch sei für sie da, damit sie ohne ernne Arbeit ein Leben im „dolce far niente“ führen können, welches b Gesellschaft ungemeine Kosten verursacht; andere endlich, müde der Provisoriums, getrennt von ihren zurückgebliebenen Familien, habe:: aus eigenem Antriebe beschloffen, Argentinien zu verlassen. Letztere und jene Unbotmäßigen verließen also bereits Argentinien mehr ober minder freiwillig. Sehr wahrscheinlich werden noch Andere zurückkehren. Den» ein gründlicher Neubau läßt sich nicht aufführen mit Elemente:; welche über ein Jahr in Unthätigkeit und Unordnung gelebt Hab Die unumgänglich nothwendige Reorganisation — vorausgesetzt, daß Hf unter solchen Bedingungen gelingen könnte — mußte jedenfalls eine kostbare Zeit beanspruchen, und damit würde die Wohlthat der Ansiedelung in der Fremde für alle Jene unbessimmt hinausgeschoben, Un vnrden, vnkelte! ein Un Üssocia De id'ien, hui der liiit! d« ulen. 1 mt fün nöentc ur bis n die 2 n freie: nnft, v Ho gebe $)t al -rophei Hüte h: »ist ü uhrte : merer ersolgl De bivalen rhebun eine N ieserha sie Bef nitgeth

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