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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-08-05 · Heft 32 (5.8.1892) · p. Seite 383

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 32 (5.8.1892)
Date
1892-08-05
Page
Seite 383 (sequence 11)
Language
German
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383 leb allein, zusdrucks- Thür. — Seele verband und schwacher höpft von hleppte er rnd in der cdentlichen l Schlüssel M war. nur einen arm, und ur führte. - Ja, daz Licht er- Intfetnuini rund war entdecken, ene Rebe! nnng decem Wege mmer in, r scharfee, welchesein Ohr i ersticken, :en. Halb rd, schrill r Mannes en. Ohne i Schlupf sich ver- Gedanken, g flüstertl bitterster :! Daran loden hin. >r düsteren e rettende en Kräfte n Schritte iger. Di> n breiten , leuchten r Männer Ileimmgoffenbar. sein He> l Stirn und eeckt, bliele n Laterne Davids. Zu der Stelle gelangt, wo der Rabbi zusammengesunken war, hemmten die beiden Inquisitoren ihre Schritte dicht unter der leise klirrenden Laterne, zweifellos durch einen Zufall, welcher der Lebhaftigkeit ihrer Erörterungen zuzuschreiben war. Einer der Männer sah auf den Flüchtling nieder! Und unter diesem Blick, dessen zerstreuten Ausdruck der Unglückliche anfangs nicht begriff, glaubte er die glühenden Zangen wieder in seinem noch wunden Fleische wühlen und brennen zu fühlen. Einer Ohnmacht nahe, mit stockendem tlthem, erbebte er bei der Berührung des geistlichen Gewandes, das ihn ab und zu streifte. Aber seltsam und doch natürlich, die Augen des Inquisitors waren unverkennbar die eines Menschen, deffen Gegauken ausschließlich auf das gerichtet sind, was man ihm sagt, und loas er darauf zu erwiedern findet. Die starren Blicke, die auf dem llnglücklichen ruhten' und ihn zu mustern schienen, sahen ihn nicht! Wenige Minuten später fetzten die Männer, immer leise sprechend, Sangsamen Schrittes ihren Weg nach dem Winkel fort, aus dem der Gefangene gekommen war; „man hatte ihn nicht gesehen!" In dem furchtbaren Aufruhr seiner Empfindungen durchzuckte die Borstellung fein gemartertes Hirn: Sollte ich schon todt sein, daß man mich nicht sieht? Ein grauenvoller Eindruck rüttelte ihn aus leiner Lethargie auf; die Mauer betrachtend, die sich unmittelbar vor seinem Gesicht befand, glaubte er zwei grausam blitzende Augen, die ihn beobachteten, sich in die seinigen einbohren zu sehen! . . . Aber nein, nein! Sein Bewußtsein wurde klarer, seine Hand hatte Ge feuchten Steine berührt, es war nur noch die Erinnerung an die Augen des Inquisitors, die ihn quälte. „Vorwärts denn!" hauchten seine Lippen. Er mußte sich beeilen, ml das Ziel zu kommen, das, einmal erreicht, wie er sich einbildete, ihm die Freiheit sicherte, von welchen er ungefähr noch dreißig Schritt ntfernt war. Ans den Händen, den Knieen, dem Bauche, glitt er unter »isüglichen Schmerzen weiter, und bald gelangte er i» den dunklen Shell jenes schauerlichen Ganges. Plötzlich umwehte es den Armen kalt und feucht. Das kam non einem heftigen Luftzug, der durch die kleine, den schmalen Flur lbschließeude Thür drang. O Gott, wenn diese Thür sich nach außen öffnete! Den ganzen Körper des Flüchtlings durchzitterte ein beseligender Hoffnungstaumel. Er tastete an dem Pförtche». Kein Schloß, kein Riegel, nur eine Klinke! Er richtete sich auf, die klinke gab unter dem Druck seines Daumens nach, die Thür öffnete ach geräuschlos. „Halleluja!" seufzte der Rabbi erleichtert auf und ein heißes Sankgebct entströmte seinen Lippen. Die Thür führte in den Garten, in eine sternenüberglänzte Nacht,;i den Frühling, die Freiheit, das Leben. Ans dem Garten kam nian in das freie Feld, das sich bis zu den Sierras erstreckte, deren geschlungene blaue Linien sich am Horizont abzeichneten. Dort >ar die Rettung, dort war das Heil! O, fliehen! Er würde die ganze Nacht durch die Citronenoälder laufen, dren Duft ihn berauschend umwogte. Einmal in H'ii Bergen, würde er gerettet, der Freiheit wiedergegeben sein. ''■x athmete die frische Luft in vollen Zügen ein, der Wind belebte hu, die Lungen weiteten sich. In Heller Verzückung breitete er die Arme aus und hob die Augen gen Himmel, für die Gnade dankend, oie ihm widerfahren war. Doch da war es ihm, als ob zwei Arme sich um ihn legten and ihn zärtlich umfaßten. Eine hohe Gestalt stand vor ihm. Vertrauend hob er den Blick zu ihr — und bebte keuchend und in sprachlosem Entsetzen zurück. O Grauen, die Arme des Großinquisitors, des hochwürdigen Pater Arbuez d'EsPila, umschlangen ihn, und thränenvolle Augen schauten mit dem Blick des guten Hirten, der sein verirrtes Schaf wiedergefunden hat, auf ihn nieder! Der finstere Priester drückte den unglücklichen Juden mit solcher Innigkeit an sein Herz, daß die Spitzen des härenen Bußgewandes unter der Mönchskutte die Brust des Dominikaners blutig ritzten. Und während Rabbi Aster Abarbanel, vor Angst röchelnd zu begreifen anfing, daß alle Geschehnisse des verhängnißvollen Abends wohl vorbereitete und vorbedachte Qualen waren, hervorgebracht durch die Hoffnung, das neueste Marterinstrument des Großinquisitors, der im Tone väterlichen Vorwurfs und betrübten Blickes dem so sinnreich Gefolterten ins Ohr flüsterte: „O, mein Sohn! Am Vorabend des Heils vielleicht . . . wolltest Du uns verlaffen! Armes, irregeleitetes Kind!" If. U. * Litterarrsche MittheilimglM. * GesammelteSchriftenvon Ludwig Philippso n. Herausgegeben von Dr. M Philippson Liefer. 25—27 Breslau, Schlesische Buchdruckerei Kunst- und Verlagsanstalt vorm. S. Schottlaendcr. Die vorliegenden Lieferungen enthalten die „Erzählungen eines Großonkels" und „Jüdische Märlein", welche einen Schatz tiefer, sinniger Weisheit in der Form der Anekdote, der Parabel und der Erzählung bieten. Philippson zeigt hier, daß er auch den populären, innigen Ton wohl zu treffen weiß; die „Erzählungen eines Großonkels" und die „Jüdischen Märtein" können dem Hebel'schen Schatzküstlein wohl an die Seite gestellt werden. Es ist dringend zu wünschen, daß den „Gesaunnelten Schriften" Ludwig Philippsons in recht vielen Familienbüchereien ein Plätzchen eingeräumt werde; eine so gesunde und reine geistige Nahrung ist dem deutschen Volke wohl selten geboten worden. * Meyers Kleines Konversations-Lexikon ist in seinerneuen, fünften Auflage bereits bis zur fünften Lieferung vorgeschritten. Bei der Herausgabe dieses weitbekannten Nachschlagebuches ist für die Verlagshandlung die Absicht maßgebend gewesen, nach dem bewährten Muster der großen Ausgabe von Meyers Konversations-Lexikon ein Werk zu schaffen, welches den: vorhandenen Bediirffüß weitester Streife entsprechend, das gesummte menschliche Wissen in knapper, aber doch erschöpfender Form zur Darstellung bringen soll. Dieser Aufgabe folgend, stellt sich Meyers Kleines Konversations-Lexikon vornehmlich in den Dienst einer großen Mehrheit, welche im täglichen Leben ein bequemes, übersichtliches Auskunftsmittel für alle Wissensfächer nicht entbehren und über herantretende Fragen schnell und gründlich unterrichtet sein will. Jedem zugänglich. Allen verständlich, bietet das Buch den in ihm aufgespeicherten Schatz unsrer heutigen Kenntniß auf verhältnißmäßig geringem Raum in bisher noch unerreichter Vollständigkeit. Die neue Auflage von Meyers Kleinem Konversations-Lexikon charakterisirt sich durch diese Eigenschaften als ein unentbehrliches Hallsbuch, als ein Nachschlagewerk im besten Sinne des Wortes. Eingehend von berufenen Ver^ tretern aller Wissenschaften durchgeseheu, wurde der Inhalt des Buches entsprechend den Ergebnissen der letzten Zeitbewegung um etwa 7000 Artikel erweitert. Der Schwerpunkt in der neuen Bearbeitung voll Meyers Kleinem Konversations-Lexikon ist auf größere Präzision in den Erklärungen und auf die planmäßige Durchführung der Nachweise verlegt. Sonst sind dem Werke die vortheilhaften Eigentümlichkeiten. um derentwillen dasselbe in allen Kreisen Eingang und die höchste Werthschätzung gefunden hat, erhalten geblieben. Auf jede Frage eine bündige, bestimmte, vom Standpunkt reinster Objektivität gegebene Antwort in Bereitschaft haltend, wird das Werk in der neuen Auflage, wie wir nicht bezweifeln, der Lösung seiner Aufgabe: dem praktischen Leben zu dienen, ein gut Stück näher kommen. Mit einem "Apparat von ca. 77,000 Artikeln behandelt Meyers Kleines Konversations-Lexikon das moderne Wissen erschöpfend, sofern für irgend einen Gegenstand nicht ein engeres fachwissenschastliches Interesse in Frage kommt. Es giebt thatsächlich, kein Wort, keinen Begriff, worüber das nie versagende Auskunstsmittel die gewüllschte Belehrung nicht sofort zu bieten im Stande wäre: kurz klar und zweifellos zuverlässig. Man prüfe das Buch! der Vorzug

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