Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 32 (5.8.1892)
- Date
- 1892-08-05
- Page
- Seite 375 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Da alle Vorstellungen Josephs beim Könige nichts jmrmochten, kam er auf den gefährlichen Ausweg, die Araber heimlich warnen, an dem bestimmten Tage in der Moschee zu erscheinen. [ tudachte dadurch einen Rachezug der benachbarten arabischen Fürsten l on seinem Könige abznwenden. Doch Badis legte ihm sein Verük'ii im feindseligen Sinne aus, als ob er es mit den Arabern l elte. Josephs Gegner durften nun ungehemmt Schmähschriften rbreiten, in welchen die Herrschaft der Ungläubigen über die Gläubigen in aufreizenden Worten gegeißelt wurde. Die Berbern erblickten mirin eine Aufforderung zur Empörung gegen Joseph und sie erstürmten ' inen Palast. Der getreue Diener seines Herrn flüchtete in eine whlenkammer, wo er sein Gesicht mit Köhlenschwärze unkenntlich zu machen suchte; doch die Häscher erkannten ihn, stießen ihn nieder und schlugen seinen Leichnam vor dem Thore von Granada ans Kreuz, darauf richteten sich die wüthigen Aufständischen gegen die Juden überhaupt und an 150) Familien verfielen in dieser Zeit dem Schivert. Lic durch die Flucht Entkommenen fanden in Sevilla ein Asyl (1066). In dieser herrlichen Stadt, deren Erbauung Herkules zngeschrieben urb, und die von Julius Cäsar mit Mauern und Thürmen nmmbcn wurde, wirkte als Fürst der Juden Albalia, der beim Könige Almutamed die Stelle eines Hofastronomen inne hatte. Almutamed unterhielt mit dem katholischen Könige von Castilien .'llfonso VI. ein inniges Freundschaftsverhältnis;, das auch dann nicht .stört wurde, als Alfonso Toledo eroberte, das mächtigste Bollwerk der Nohammedaner nach Norden hin. Doch Alfonso hatte einen weiteren plan; er wollte der mohammedanischen Herrschaft auf iberischem Bode» in Ende bereiten. Er richtete dieserhalb seinen Blick zunächst auf Zevilla. Um einen Grund zu finden, den befreundeten König zu ekriegen, schickte Alfonso seinen getreuen Diplomaten Jbn Schalbib ,u Almutamed, daß er diesen durch eine unangemessene Rede zur Feind- Gigkcit heransfordere. Obwohl Schalbib ahnte, daß es um sein '.'eben geschehen sei, befolgte er doch den Willen feines Königs. Als um Almutamed, von den Worten Schalbibs gereizt, diesen hinrichten ueß, hatte Alfonso den gesuchten Grund, gegen seinen Freund den Acldzug eröffnen zu können. In der Schlacht von Zalaca (1086) zeigte cs sich deutlich, wie Ne Inden verschiedener Länder, obgleich durch die Religion innig "erbunden, im Kriege gegen einander stehen und je zu ihrem Vatcriande in Treue und Anhänglichkeit halten. Wie Albalia der treueste Rathgeber Almutamcds, und Schalbib der sich opfernde Gesandte Aifoiisos war, so standen auch in den beiden Heeren an 40,000 Juden iinter den Waffen. Alfonso wurde in die Flucht geschlagen, doch auch Almutameds Reich war zu Ende, denn die Almoraviden, die er aus Afrika zu Hilfe gerufen, nahmen jetzt den Thron für sich in Anspruch, und als auch diese durch die ebenfalls aus Afrika hereinbrecheuden Almohaden veririeben wurden, stand Andalusien unter dem Zeichen des Fanatismus. Viele Juden fügten sich dem Zwange und nahmen zum Schein den Islam an, viele wanderten aus, namentlich nach dem christlichen Nordspanien, wo Alfonso Raimundez als „Kaiser von Hispanien" in Weisheit regierte (1127—1157). Dieser erhob den Juda Jbn Esra zum Befehlshaber der Grenzveste Calatrava, wie zum kaiserlichen Hausminister, und über die Juden setzte er ihn als Fürst ein. Nachdem sie in den islamitischen Bezirken Cordoba, Granada, Sevilla ihre Bedeutung verloren, übernahm in dem christlich-castilischen Reiche Toledo die Führerschaft der Juden. Die fortwährenden Beunruhigungen von Seiten der Almohaden hemmten jedoch die Geistesknltur, auch die Juden betheiligten sich an den Kämpfen. Endlich entschied die Schlacht bei Nnvas de Tolosa (1212) das Schicksal der fanatischen Eroberer auf spanischem Boden. Nach einander fielen Cordoba, Valencia und Sevilla dem Könige von Castilien und Leon, Fernando 111. zn (1236 -1248). Die Juden konnten seinen Nachfolger Alfonso X. nur als Erlöser begrüßen; sie überreichten ihm bei seinem Einzüge in Sevilla einen mit einer hebräischen und spanischen Inschrift') versehenen Schlüssel der noch heute in der Kathedrale von Sevilla unter den Reliquien ausbewahrt wird. Alfonso bedachte die Juden, die ebenfalls an dem Kriege theilnahmen, mit Aeckern; er überließ ihnen Moscheen, die sie zu Synagogen einrichten sollten. Seinen Beinamen ol sabio, der Weise, rechtfertigte er durch seine Vorurtheilslosigkeit; er ernannte Inden zu Schatzmeistern und Leibärzten; ein jüdischer Astronom (Don Zag ibn Said) fertigte die berühmten Tafeln an, die nach dem Könige die „alfonsinischen" genannt werden, und die sich ebenfalls in der Kathedrale befinden. Den Pulsschlag des geistigen Lebens vernehmen wir in dieser Zeit am lebendigsten in Toledo. Hier wandelten zahlreiche Denker und Dichter, Gesetzeslehrer und Geschichtsschreiber. Toledo durfte als ein drittes Jerusalem gelten. Die für die Juden glücklichste Zeit bezeichnet die Regierung Don Pedros (1350—1360), der von den Einen ol cruel, der Grausame, von den Andern ol justiciero, der Gerechte, genannt ward. Sein Vertrauter, erster Minister und Schatzmeister war Don Samuel Abnlasia. Die hohe Stellung, die dieser einnahm, machte ihn nicht seinen Glaubensbrüdern abwendig. Er erbaute eine herrliche Synagoge, zu der er vom Libanon das Gehölz herbeischaffen ließ; später wurde sie in eine Kirche verwandelt und erhielt nach einem darin aufgestellten Bilde „die Himmelfahrt" den Namen el Traiiaito. In einiger Entfernung erhob sich der Palast Samuels, von dem nur noch Ruinen Kunde geben. Ist er doch selbst ein Opfer der Habsucht geworden! Sein König, der ihm so viel zu verdanken hatte, ließ ihn aus dem Wege räumen, wahrscheinlich, um dessen ungeheures Vermögen einstreichen zu können. Trotz dieser Gewaltthat hielten die Juden treu zu Pedro und unterstützten ihn in den Kämpfen gegen seinen .Halbbruder, der ihm die Krone streitig machte. Von den jetzt in Kirchen nmgewandelten Synagogen nimmt noch die im maurischen Stil erbaute Maria la blauen unsre Aufmerksamkeit in Anspruch; besonders wird eine dritte, Santiago del Arrabal, heilig gehalten, weil hier Vicente Ferrer seine Missionsreden hielt, welche die Juden zwangsweise anhören mußten. Zur Erinnerung daran ist Ferrers Gestalt in Holzskulptur auf der Kanzel aufgestellt. Erst nach dem Tode Don Pedros fanden alle die Anklagen und Beschuldigungen, die früher von der Geistlichkeit gegen die Juden vergebens erhoben wurden, ein geneigtes Ohr. An der Eingangswand der Kathedrale in Toledo stellt ein schauerliches Freskogemälde die Vollziehung eines Christenmordes dar. Ein bärtiger Rabbi schwingt gegen ein von Juden festgehaltcncs Christenmädchen das Schlachtmesscr; andere halten in teuflischer Freude eine Schüssel bereit, das Blut aufzufangen. ') *02' pan v2 p£ nns' *]ba Dios abrira, rey entrara.