Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 31 (29.7.1892)
- Date
- 1892-07-29
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 Israelitischen Gemeindebundes", diese werthvollen Bücherschätze jetzt käuflich zn erwerben. Von seinen zahlreichen Nomanen sind „Die Mechulle ^'uf" am bekanntesten geworden. Der Verstorbene war eine stille, bescheidene Gelehrtennatnr und zugleich ein eminent praktischer Pvlizeibeamter, ein liebenswürdiger und geistreicher Erzähler A. Salzbrnnn, 24. Juli Ihr letzter Leitartikel spricht den 'Antisemiten jede Achtung des Kriegsrechtes ab. Ter Fanatismus gestatte ihnen nicht, einige süße Stunden des Waffettstillstands zn geniesten. Daemag wohl für die Residenz gelten, wo die Gluthquellen des Hasses immer neu gegraben werden, keineswegs aber für die Provinz, wohin die Schürer nicht täglich ihren Just setzen können Wir erfreuen uns hier eines seligen Friedens, wie ihn der Prophet Iesaia im ii. Kap seiner Weissagungen zeichnet. Angesichts der Leiden, welche das Geschick über die Menschheit verhängt, schwinden die blassen- und Klassenunterschiede. Wir fühlen uns als Bekenner eines allgütigen Bakers, der allen seinen Bindern die Quellen des Heils erschließt Und diesen Namen verdient auch mit Flug und Riecht der hiesige Säuerling. Man vernimmt nur Lob und Tank ans dem Munde derjenigen Gäste, die hier Genesung suchen, ganz besonders derjenigen, welche sich rechtzeitig entschließen, das keimende Nebel im Entstehen zu vernichten. — 'Auster der Trinkkur haben wir hier die vielthätige Luftröh.e einer Gurgelkur zu unterziehen, um dieselbe leistungsfähig auf der Kanzel und dem Katheder zu erhalten. Darum schaaren sich ja auch die Jünger Pestalozzi's und die Helden der Redekunst um die heilbringende Salzbrnnner Quelle. — Ein Meister der Beredtsamkeit hat bereits durch seine einstündige Sabbathrede in ausgezeichneter Weise — allerdings ganz ohne Absicht — für die günstige Wirkung der hiesigen Heilquellen Propaganda gemacht. Der greise Rabbiner aus Schneidemühl, Herr Tr. Brann, hat auf dringenden Wttusch der hiesigen Kurgäste am verflossenen Sabbath eitlen herzerhebendett und mit geistvollen Gedanken reich geschtnückten gottesdienstlichen Vortrag gehalten. Selbst die verwöhnten Berliner mußten zugestehen, das; eine solch elegante Leistung nicht häufig vernommen wird. Die Synagoge könnt' die Schaar der Andächtigen kaum fasset!, so das; viele Glaubensgeuosseu, welche das Bestreben hatten, beut Gottesdienst beizuwohnen und den bewährten Meister zu hören, vor den Pforten umkehren mußten. — Es wird übrigens der Bau einer größeren Synagoge hierorts geplant. Ein Komitee hat bereits ein kleines .Kapital als Grundfonds zusammengebracht. 'Auch die Errichtung eines Krankenhauses wird beabsichtigt. j Da der Fürst Plest, der Besitzer der hiesigen Heilquellen, unfern Badeort i zu einent der prächtigsten und amnuthigsten erhoben hat und int nächsten | Jahre auch ein pneumatisches Kabinet den Patienten zur Verfügung ge-! stellt ivird, so wäre zu tvüttschen, daß unsere Glaubensgenossen sich , zusannneltthun uno auch der Armen gedenken, damit auch sie hier Kräftigung j und Heilung finden können. z * Leipzig, 24. Juli Der Redakteur der deutsch-sozialen Blätter, j E rd nt a nnsd ö r f e r, wurde wegen Beleidigung des Herrn Pastor a. D. > Lic. Gräbner, Sekretärs des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus! in Berlin, zu 7.4 Mark Geldstrafe oder einer Woche Haft verurtheilt. Die Beleidigung war geschehen durch die Ueberuahme eines Artikels aus einer französischen Zeitung, in welchem Herr Lie Gräbner als „niauvais ^uje! nomine* tlruebiwr" bezeichnet wtlrde. Erdtttannsdörfer beantragte die Ladung einer 'Anzahl Zeugen, tt A. ctitd) der Herren Ahlwardt, Liebermann v. Sonnenberg re Das Gericht ging inbeffen auf Beweisanträge nicht ein, da schon die Form des Artikels und die Bezeichnung als ..mauvais sujet" zur Berurtheilung hinreiche. Essen a. Ruhr, 24. Juli. Auf der Konferenz der rheinischwestfälischen Lehrer am 4. unb 0. v. M. kam bei Gelegenheit der „freien Besprechungen" die Stellung des Lehrers in beiden Provinzen zur Sprache. Biele Klagen nnirden vorgebracht, deren Berechtigung nicht in 'Abrede gestellt werden konnte. Es wäre jedoch vom unparteiischen Standpunkte aus sehr gefehlt, die Schuld lediglich dem Verhalten der Geuteinden zuzuschreiben; oft verschulden es die Lehrer selbst, das; sie in ihrem Wirkungskreise nicht festen Fuß fassen können. 'Aus der Bersatntnlung kaut nach längerer Diskussion der Wunsch zum 'Ausdruck: es ntöchte der Konferenz-Vorstand die nicht leichte Aufgabe eines Berntittlers zur Beseitigung solcher Bl iß stände übernehmen. Der Vorstand hat sich sowohl int Interesse der Getneiuden, als der Lehrer, besonders aber int Interesse einer gedeihlichett Etttwickelnttg der Schule, dazu bereit erklärt. Ausgerüstet tnit einer reichen Erfahrung, durchdruttgen non der Ueberzeugung, daß das harntonische Zusammenwirken der Getneittdett und ihrer Lehrer zum Heile des Gattzen dringend erforderlich ist, bietet derselbe beiden Theilen seine Dienste frenndlichst an. Itt allen einschlägigen Fragen wollen sich dieselbett vertrauensvoll an den Vorsitzenden des Vorstandes, Hauptlehrer a. D. Blumenfeld in Essen, wenden. Aachen, 20. Juli. In unserer Zeit ist es doppelt erfreulich, von ntastgebenden andersgläubigen Personen eine gerechte Beurtheilung des Judenthums und dessen Bekenner zu erfahren. Wir lassen daher einen 'Auszug atls dent Bericht des hier erscheinendeu „Politischen Tageblattes" über eine am 17. d. Mts. von dem katholischen Geistlichen, Herrn Reinartz, im katholischen Arbeiterverein, dessen Präses er ist, gehaltene Rede folgen Das Blatt berichtet: „Einleitend sprach er von der hohen kultttretlen und geschichtlichen Wichtigkeit der Juden als Volk, tvelches das Volk Gottes genattnt wurde, und von seinen wichtigen Aufgaben int Reiche Gottes. Hierauf ging Redner über zttr Schilderung der Stellung der Kirche zu dem Judenthnm, wie die Päpste stets die Beschützer der Juden gewesen, unb schloß daran äußerst interessante 'Ausführuttgen über den den Juden zuweilen zugeschobenen .Kinder- oder sogenannten Ritnaltnord. Letzteren, den Juden gemachten Vorwurf bezeichnete Redner nach seiner Ueberzeugung für unbegründet. Diese Ueberzeugung stützt er auf verschiedene geschichtliche Untersuchungen, auf die Lehret; des jüdischen (Gesetzbuchs, des Taltttud, und neben anderett ähnlichen auf das Bekenntnist des Dontpredigers Veith iu Wien, der, selbst früher Jude gewesen, auf der Kanzel mit den; Kruzifix in der Hand, eilten feierlichen Eid ablegte, daß es Unrecht sei, ben Juden den Ritnaltnord unterzuschieben. Auf die sogenannte antisemitische Bewegung eingehend, verurtheilte er dieselbe, weil aus falschen Prinzipien beruhend Es möge ja wahr fein, daß manchmal einzelnen Inden Unrechtes nachgewiesen werde, aber mit solches zu thun, brauche mau nicht gerade Jude zu sein, unb leider gebe es auch Ehristett, die vielleicht noch schlimmcr seien als Jttdett. Redner schloß mit der Behauptung: Kein wirklich gläubiger Jude ist eilt ungerechter Bedrücker der Christen und kein wirklich gläubiger Katholik kann Antisemit sein." In der Thal herrscht iu unserer zum überwiegenden Theil aus katholischer Bevölkerung bestehenden Stadt ein durchaus friedlicher Geist zwischen den Bekennern der verschiedenen Konfessionen, und hat die schmähliche antisemitische Bewegung hier noch keinerlei Erfolge zu erzielen vermocht. '1 llerdiugs trägt das würdige Verhalten der Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde, sowie der freundschaftliche Verkehr des hiesigen Rabbiners Dr. Jaulus mit der Geistlichkeit der andern .Konfessionen auch zu dieser erfreulichen Erscheinung bei. * Aldenhoven, 24. Juli. Neue antisemitische Bubenstreiche meldet die „'Neuster Zeitung": Hier war am 14. das übrigens falsche Gerücht ausgesprengt worden, Busch ho ff weile hier bei seinen Verwandten auf Besuch. In Folge dessen wurde dem Herrn A. Cohnen in der 'Nacht von Freitag auf Sonnabend an der Hinterfront seines Hauses eine größere Anzahl Fensterscheiben entzweigeworfen. Wir sind überzeugt, schreibt die „Neuster Zeitung", daß der gegen den 84jährigen Herrn Cohnen, welcher vor zwei Jahren unter großer Theiluahme der Getueittdeangehörigett seine diamantene Hochzeit feierte, verübte Bubenstreich von den meistett Bewohnern unseres Ortes durchaus verurtheilt wird. * Darmstadt, 20. Juli. Gegen mehrere hiesige Subalternbeamte, die sich in der antisemitischen Agitation hervorgethan haben, ist seitens der Regierung Di sz ip l in aru nt ersuch ung eingeleitet worden. Es wird denselben uantentlich zum Vorwurf gemacht, das; sie in amtlichett Lokalitäten Eintrittskarten zu antisemitischen Versammlungen vertheilt haben. II. Stuttgart, 22. Juli. Anläßlich der Ueberreichung des Jahresberichts hat Ihre Majestät die Königin Charlotte der israelitischen Waisenanstalt iu Eßlingen eine huldvolle Gabe zugewendet. — Der vor zwei Jahren hier verstorbene Prof. Tr. Otto Seysfer (Protestant) hat der hiesigen Stadt eine Stiftung von über 240,000 Mark zugewendet und dabei verfügt, das; bei der Vertheilung des Erträgnisses an Arme die Religion keinen Unterschied utacheu soll, „es sollen dabei Mitglieder der beiden christlichen Konfesflonen und der i sr a e l it i sch en R el i g i o tt berücksichtigt werden", gewiß eine erfreuliche Gesinnung in unserer Zeit. — In Heilbronn feierte vorige Woche der israelitische Kirchenpfleger 'Nathan Wachs sein 24jähriges Jubiläunt und durfte sich dabei auch eines sehr anerkennenden Glücktvunschschreibens der K. israel. Ober-