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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-07-29 · Heft 31 (29.7.1892) · p. Seite 371

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 31 (29.7.1892)
Date
1892-07-29
Page
Seite 371 (sequence 11)
Language
German
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371 »em Antlitz »t. Dazu verschlösse» sich einen Nachtigall \ aufgeben r glaubte, zu müssen,!lber Gittr eil sie sich re Partie riedlichkeii Saß blieb tage eines eben einer a gewissen die Loge, e sich bei g es aber ll vor sich durch das vergolten d als ein r Würde, bst erhob, sind, — Rock oder ugt, blaß, reinander n kleinen lben fort- Bliuzcln orstellung lendet ist zu seinem ollte erst orsichtiges i Wortes sie das cht in der iso schnell ihn stets Madame nge. Er Herrschaft es überlugenblick »ch nur daß sei»;en, das reits im te: „Ja l er die weil er könnte. Aber jetzt war es zu spät, er würde die Sache nur verschliminern, > ivenn er das Mädchen bäte, nichts zu sagen, und eS blieb ihm auch j nicht Zeit dazu, denn im nächsten Augenblick befand er sich im Zimmer.! Während des ganzen Abends und während der folgenden Tage! war er unglücklich. Er sagte sich: Wenn ich nun das nächste Mal j komme, so weiß ich schon, wie man mich empfangen wird. Sic thut, j als ob sie mich gar nicht sieht, und niese ich, so fragt sie: „Wer ist l da? — C, cs ist Pollak." — Denn dann sagt sic nicht Avrohmche. l Und wenn sie des Abends eine Apfelsine schneidet, so läßt sie die l Stücke nach der Seite herumgehen, wo ich nicht sitze, und dann ist l kein Stück für mich übrig. Was mache ich mir aus einer Apfelsine? Aber die Miene! Ihr Gesicht! Es schnürt mir die Brust zusammen. , Und ans solche Weise hält man mich acht oder vierzehn Tage, vielleicht! noch länger, in Abstand, bis ein gutes Stück gegeben tvird, und ich; sie sehr bitte, ins Theater zu gehen. Und dann sagt sie vielleicht:? „Na, Madame Suß wird wiedereinmal in die Komödie gehen!" Und j dann bekomme ich einen Blick — zwei Nähnadeln ins Herz! Das , habe ich für mein loses Maut!" l fFortsehmig folgt.)! * Fitterarische Mittheilungen. 1 I). M. Wie die meisten österreichischen Mittelschulen veröffentlicht auch j die „Erste kaiserl. königl. deutsche Staatsrealschule" in Prag am Ende eines jeden Schuljahres einen Bericht über den Stand des Lehrkörpers j und der Schillerschaft, die wichtigeren Vorfälle in der Anstalt im Laufe ■ des letzten Schuljahres, dann eine kurze Schilderung der erreichten! Erfolge u. s. w. u. s. w. Ein solches Programm wird gewöhnlich von! einer oder mehreren litterarischen Abhandlungen eingeleitet, deren Ver- : fasser dein Lehrkörper der Anstalt angehören. Beim Schlüsse dieses Schuljahres bringt nun das Programm der obgenannten, rühmlichst bekannten Anstalt eine Arbeit des Rabbiners M. Stark, des Religionslehrers für den der jüdischen .Konfession angehörenden Theil der Real-; schiiler, üder „die S chrif t gel ehr te n ". Ja einer Zeit, wo trotz aller Aufklärung, trotz Widerlegung itnb uachgewiesener Unwissenheit mau noch von der Unmoralität der im Talmud enthaltetwn Lehren zu sprechen wagt, ist eine mit genauester Quellenangabe versehene Schilderung jener Männer wohl am Platze, die theils den Talmud geschaffen, theils von demselben als Autoritäten geschäht werden, und von denen man sich unmöglich barbarischer oder mit der Moral kollidirender Lehren versehen kann. Und nicht nur die Schristgelehrten, die von Esra an vor und mit dem Talmud existirteu, sondern auch die uachtalmudischen werden in > dem Aufsätze des Rabbiners St \xt behandelt. Es wird deren Bescheiden- > heit, Pslich!treue, Wahrung der Standeswürde und besonders die Un-! eigennützigkeit hervorgehoben, welch letztere ihnen verbot, aus ihrer j Stellung als Gelehrte und Verbreiter der Gelehrsamkeit für sich irgend! welchen Vortheil zu gewinnen. Die Schriftgelehrten, selbst in späterer J;>eit, wie Maimonides, gingen so weit, jede materielle Entgeltung j rabbinischer Funktionen zu verpöneu, die fixe Besoldung eines Rabbi-! liers als der religiösen Salzungen zuivider zu erklären. Dieses Letzteren i Anschauung ist jedoch voll Autoritäten, die nicht tief unter Maimonides j stehen, tlnter Berufung auf ganz veränderte Orts- und Zeitverhältnisse i entschieden entgegen getreten rvorden, und zwar mit gerechtem Erfolg. i lieber Mailnonides sagt Stark: „Ihm, dem Manne mit dem umi sassendsten Wissen ttnd dein hellblickenden Geiste, ging merkwürdiger Weise i Eines ab, der Blick für geschichtliche Entwickelung. Als ob gezeigt j werden sollte, das; auch der ethisch und geistig am höchsten stehende; Mensch nicht ohne Unvollkommenheit ist, war ihn; der geschichtliche Sinn z versagt. Denn sonst hätte er nicht so manchen talmudischen Ausspruch, > der unverkennbar eine agadische Färbilng hat, als Halacha angesehen > und zum Gesetze erhoben. Seine Voraussetzung jedoch, daß seine Worte j Vielen nicht gefallen und auf Widerspruch stoßen werden, ging in! Erfüllung."! Dem Bedauern, das in diesen Worten sich ausspricht, aus innerster j Seele zustimmeud, erlauben wir uns doch die Frage: Waruul verschließen I so viele Rabbiner der Neuzeit ihr Auge vor der Wahrnehmung geschichtlicher Entwickelung? Warum, wo Alles fortschreitet, verharren sie in religiösen Angelegenheiten auf einer starren Stabilität, die keineswegs immer im Geiste und in den ewig geltenden Satzungen des Judenthums begründet ist? Mit dieser Frage wollen wir aber durchaus nicht die hohe Verdienstlichkeit der Arbeit des Herrn Rabbiners M. Stark schmälern, unt) wir schließen mit der wärmsten, freudigsten Anerkennung der Borurtheilslosigkeit und der kollegialen Freundlichkeit des Direktoriales itub des Lehrkörpers der kaiserl. königl. ersten deutschen Staatsrealschule in Prag, die eine dem Gebiete der jüdische;! Wissenschaft entnommene Abhandlung an die Spitze ihres diesjährigen Programmes gestellt haben. Sprechfaul. Hochverehrliche Redaktion! Gegen die in Ihrem Leitartikel vorn 4. huj. unter „)lusländer" ausgesprochene Tendenz und Sentenz, daß in den jüdischen Gemeinden Deutschlands a) bei der Wahl von Rabbinern nicht die Nationalitäten, sondern die „Bedürfnißfrage" entscheidend bleiben solle, und 10 bei der Wahl von Kantoren „überhaupt nur polnische Ehasanim" in Betracht kommen, — gestatten Sie gütigst dem ergebenst Gefertigten folgende Einreden. Doch sei vorauf bemerkt, daß ich kein Rabbiner und vor Allen; keiner jener siebenundsechzig „Menschen" bezw. „Knaben" — sollte wohl plattdeusch „Buben" heißen! — bin, welche beim Minister vorstellig wurden, fortab keinen Ausländer zu bestätigen, sondern daß ich im Gegeutheil stets nach dein selbstverleugncnden Grundsätze handelte, den ich auch öffentlich anssprach: angesichts der Judenaustreibung aus Rußland fehlt mir der Muth dazu, einen polnischen Kantor, der sich in meine Stelle drängt, zu denunzireu, wenn ich auch selbst durch ihn verdrängt, stellen- und brodlos werde! — Und noch eine Vorbemerkung: für die Rabbiner spreche ich hier auch nicht, es fehlt mir das Mandat dazu; wohl aber für die reichsangehörigen Kantoren, insbesondere diejenigen, welche in unfern kleinen Gemeinden zugleich als Religionslehrer re. nicht den Beruf haben sollten, den Synagogenkultus zu „veroperu", sondern vor Allen; doch wohl sach- und fachkundige „Vertreter des jiidischen Geistes und der jüdischen Lehre" in den kleinen Gemeinden zu sein: — ja, ich sage es geradezu des deutsch-jüdischen Geistes und der zu unseren; hervorragendsten Kulturelement gewordenen, historisch entwickelten d e u t s ch - j ü d i s ch e u Auffassung und Anwendung unserer heiligen Lehre! Daß aber gerade in diesen Punkten in allen jüdischen Gemeinden aller Länder der Geist des Judenthums denn doch nicht innner derselbe ist, das bezeugt mir der — Herr Chefredakteur selber mit seinen dafür sehr bezeichnenden "Ausführungen: „Aus dem Karlsbads in Nr. 20—28 dieses geschätzten Blattes! Die Denunziation an und für sich will ich nicht vertheidigen. „Aber deren Zweck", so sagt der Herr Verfasser, „ist leider nur zu klar;" denn die Denunzia;;ten waren zum Theil — „stellenlose :c. Beamte". Warum aber waren sie das?! Ist es gerecht, ist es „jüdisch", ist es religiös, human oder auch nur volkswirthschaftlich praktisch, ganze Generationen von einheimischen oder einheimisch gewordenen, für ihr Amt sowohl deutsch als jüdisch gesetzmäßig vorgebildeten Beamten einfach zum — Proletariat zu werfen, well ausländische leichter oder billiger oder zahlreicher zu haben und, wenn Kantoren, „größere" Ehasauiu; sind?! — Ich kann Ihnen, verehrter Herr Redakteur, augenblicklich mindestens ein Dutzend solcher Kantoren, Lehrer re. neunen — meine Mittel als Schriftführer eines Kultusbeamteu-Vereins von fast :>oo Mitgliedern erlauben mir das! — welche z. Z. stellenlos unter den polnischen und anderen Schnorrern in Deutschland herumlaufen! Nun sollte eirunal ein Ehronist aussteheu, der die haarsträubenden Willkürakte protokollirte, durch welche so viele jüdische Kultusbeamten l.und Familienväter) um Brod und Stellung kamen! — „Die Juden sind verpflichtet, sich in Allen; nach den Gesetzen und Einrichtungen des Staates zu richten", sagt irgendwo das Atlgen;eine Preußische Landrecht. Ist es je erhört nwrden, daß bei andersgläubigen Staats- oder Gemeindebeamten die Entfernung aus dem 'Amte so oft, so schnell, so leichtfertig und — gewissenlos betrieben wird, als in unseren „autonomen" jüdischen Gemeinden? IXub welche Schutzmittel stehen wohl diesen jüdischen (zumal den bereits abgewirthschafteten, alternden-

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