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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-07-15 · Heft 29 (15.7.1892) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 29 (15.7.1892)
Date
1892-07-15
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 * Berlin, 10. Juli. In Moskau findet diesen August eine anthropologische und zoologische Ausstellung statt, verbunden mit einem wissenschaftlichen Kongreß. Bisher war es zweifelhaft, ob es den Inden gestattet fein werde, dann Moskau zu besuchen. Auf Antrag des hiesigen russischen Generalkonsuls hat jetzt nach dem „Berliner Tageblatt" die russische Negierung den Gelehrten israelitischen Glaubens den Besuch Moskaus gestattet. Wir möchten den israelitischen Gelehrten sehen, der von dieser Gnade Gebrauch machen wird! * Berlin, JO Juli. Ein Straßenexzeß zweier antisemitischer Jünglinge fand am Freitag durch die 134. Abtheilung des Berliner Schöffengerichts eine strenge Ahndung. Als Handelsleute bezeichnen sich die beiden kaum dem Knabenalter entwachsenen Angeklagten Karl Jühlke und Paul Selle. Gegen Mittag des 13. April d. I. wurde die Aufmerksamkeit der Passanten der Rosenthalerstraße dadurch erregt, daß die 'Angeklagten einen jungen Menschen jüdischer Physiognomie mit häßlichen Schimpsworten belegten und allerhand Allotria mit ihm trieben. Als die Angeklagten fortfuhren, Unfug zu treiben, die jüdisch aussehenden Passanten anrempelten und u. A. dein etwas verwachsenen Handelsmann Lichtenstein unter Schimpfworten den Hut vom Kopfe schlugen, wurde ein Schutzmann herbeigeholt. Als dies die Angeklagten bemerkten, stiegen, sie in eine Droschke und wollten in dieser das Weite suchen. Sie wurden aber gefaßt. Als Entschuldigungsgrnnd führten die Angeklagten im Termin an, daß der von ihnen gehänselte „Judenjunge" ein Bekannter voll ihnen sei, dem gegenüber sie sich Derartiges wohl erlauben dürften. Der 'Amtsanwalt beantragte sechs, der Gerichtshof verurtheilte die Angeklagten zu je vier Wochen Haft. * Haynau, 2. Juli. 'Am 20. Juni Nachmittag 1 Uhr fand die G r u nd - steinlegnng zum Sunagogenbau Hierselbst statt. Zur Feier waren auch. Vorstandsmitglieder und die Repräsentanten der Hauptgemeinde Liegnitz,, sowie Mitglieder des hiesigen Magistrats nnd der Stadtverordneten-^ Versammlung, Herr Diakonus Kornetzki, eine große 'Anzahl evangelischer' Lehrer, Staatsbeamte unb ein zahlreiches Publikum erschienen. Nachdem Gesänge des Psalms: „Der Herr ist mein Hirt" durch gemischten Chor unter Leitung des Herrn Kantor Hofsmann, sprach der Knttusbeamke der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herr Haller, ein Gebet, worauf Herr Rabbiner Dr. Peritz aus Liegnitz die Weiherede hielt. Er legte dar, wie durch den Geist der Festigkeit und Ausdauer alle Hindernisse, die dem Bau des Gotteshauses entgegenstanden, beseitigt worden sind, und er sprach die Hoffnung aus, daß dem Grundsteine Glück, Heil und reichster Segen für die ©enter die Stadt, die Provinz, das Vaterland und den Kaiser entspringen uttd das Gotteshaus eine Stätte wahrer Gottesfurcht und Menschenliebe, eine Stätte des Friedens uttd der Wahr-- heit werdett möge. Herr Kaufmann Heinrich Cohn, Mitglied der Haupte gemeinde zu Liegnitz, verlas hierauf die für den Grundsteilt bestimmte Urkunde und beglückwünschte die hiesige Filialgemeinde namens der Hauptgemeinde. Die Urkundenbüchse wurde hierauf geschlossen uttd in den Stein gelegt. Nltter drei Hammerschlägen sprach Herr Rabbiner Dr. Peritz einen Segenswunsch, gipfelnd in den Worten: „Habe Gott und die Menschen lieb", hierauf folgte Herr Bürgermeister Müller, der durch drei Hantmerschläge die Stätte weihte als Tempel zum Lobe des Allmächtigen, als Stätte des Trostes und des Friedens und als Stätte der Nächstenliebe. Maurernteister Ou Weikert widmete drei Hammerschläge der Einigkeit, Tttldsamkeit und stetigen Erinnerung an den heutigen Tag; Herr Diakottus Kvrnetzki hatte die Widmuttg: „Bis hierher hat der Herr geholfen, er helfe weiter." Ten Beschluß der Feier bildete ein Gesang des gemischten Chors, worauf Herr Rabbiner Dr. Peritz ein Hoch auf dett Kaiser ausbrachte, das einen kräftigen Widerhall fand. Die Feier war eine wiirdige uttd gab ein schönes Zeugnis; von der Eintracht, welche in hiesiger Stadt unter den Bekennern der verschiedenen Religionsgettteinsch itteu herrscht. Leipzig, io. Juli. Die „Deutsch - Israelitische Darlehns- 1 a s s e f t't r F r a tt e tt u tt d I u tt g f r a u e u " hat im Jahre 1801 an 2 Witt wert, 4 Frauen und 21 Mädchen Darlehen in Höhe von zusammen 7002 Mark gegeben. Die Kasse, welche ihre Thätigkeit laut Statut auf die zum Deutsch-Israelitischen Getneindebunde gehörigen Gemeinden beschränkt, besitzt jetzt einen festen Fond von 55,832.10 Mark und einen verwendbaren 'Ausgabebetrag von 5721.10 Mark. Die Einnahmen des letzten Jahres betrugen 4535.75 Mark, worunter mehr als die Hälfte ans Rückzahlungen früherer Darlehnsempfängerinncn bestattd. Die Darlehen des letzten Jahres wurden gewährt als Beihilfe zur Errichtung von Geschäftsbetrieben in 11 Fällen, in 15 Fällen zttr Ausbildung als Schneiderin, Buchhalterin, Lehrerin und Kindergärtnerin, sowie in einem Falle zum Ankauf einer Nähmaschitte. Die Kasse, welche vielett Segen stiftet, sei hierdurch dem Wohlwollen unserer vermögenden Glaubensgenossen zur Unterstützung empfohlen Hildburghausen, 3. Juli, lieber das bereits in voriger Nummer erwähnte Amtsjubiläum des Herrn Rosenthal geht uns noch der folgende Bericht zu: 24. Juni d. I. feierte der auch in weiteren Streifen als tüchtiger Lehrer bekannte Herr Julius Rosenthal in Hildburghausen in voller Rüstigkeit und Geistesfrische sein 50jähriges Dienstjubiläum. Behörden unb Gemeinden, Kollegen und Schüler, Freunde und Bekannte wetteiferten ant gettannten Tage miteinander, um den verdienstvollen Jubilar zu ehren. Zuvörderst ist der Auszeichnung zu gedenken, die dem Jubilar von Sr. Hoheit dem Herzog von Sachsen- Meiningen widerfahren. Am frühen Morgen erschien der Herzogliche Landesrabbiner Dr. Dessatter und überreichte im Auftrag des Staatsministeriums die dem Jubilar vott Sr. Hoheit dem Herzog verliehene goldene Verdienstmedaille. Dieser Deputirte überbrachte gleichzeitig im 'Auftrag des Deutsch-israelitischen Gemeindebundes ein sehr werthvolles Werk des bekannten Orientalisten A. Wünsche. Vom Seminar, zu dessett .Kollegium Herr Rosenthal als Lehrer der israelitischen Zöglinge in Religion und Hebräisch zählt, waren erschieuett der Herzogliche Seminardirektor Dr. Rückert, Herr Oberlehrer Ehrhardt und Herr Musikdirektor Köhler; ersterer gratulirte in warm empfundenen herzlichen Wortett. Persönlich überbrachten auch der Herzogliche Kreisschulinspektor Herr Heyl und der Gymnasialdirektor Herr Geheime Rath Dr. Rittweo.er ihre Glückwünsche, während vom Herzoglichen Regierungsttnd Schulrath Dr. Schtnidt, votn Sttperintendenten Herrn Sauerteig, vom Oberbürgermeister Herrn von Stockmeier, vom Schuldirektor Herrn Brodführer- Coburg den Jubilar ehrende Glückwunschschreiben eintrafen. Als Vertreter der israelitischett Gemeinde Hildburghausen überbrachte deren erster Vorstand, Herr Sigm. Simon herzliche Glückwünsche und einen kostbaren Tafelaufsatz. Unerwähnt darf auch nicht bleiben, daß die Hildburghäuser Militärkapelle dem Jubilar am Vormittag ein Ständchen brachte, dessen Programm fünf Piecen enthielt. Daß auch mehrere Lehrervereinigungen des Jubilars gedachten, braucht nicht besonders erwähnt zu werden. L2 Wittlich, 6. Juli. Die Jahresversamlmung des Vereins israelitischer Lehrer und Kultusbeamten Südwestdeutschlands fand am 5. und 0. Juni in St. Johann an der Saar statt. Herr Eppstein-Hoppstädten, der Vorsitzende des Verbandes, eröffnete die Sitzungen mit der Begrüßttng der Erschienenen und Erstattung des Jahresberichtes. Der Deutsch - Jsrl. Gemeindebund zu Berlin spendete auch in diesem Jahre zu den Konferenzausgaben 100 M., wofür demselben der gebührende Dank ausgesprochen ward. Nachdem über die Kassenverhältnisse berichtet worden, wählte man den bisherigen Vorstand wieder Die kurze Zeit bis zum gemeiuschaftlichen Mittagsmahl ward j mit freien Besprechungen aus dem Gemeindeleben ausgefüllt. Gegen drei! Uhr erhielt alsdann Herr Dr. Löwy-Birkenfeld das Wort zu seinem > Vortrage: „Auf welche Weise läßt sich das Ceremonialgesetz für das > sittliche Empfittden des Kindes verwerthen?" Derselbe gipfelte in folgenden! Thesen, die Annahtne fanden: 1. Das Ceremoniale ist dazu geeignet, i das sittliche Empfinden des Kindes wie auch des Erwachsenen zu fördern l und zu kräftigen. 2. Dieses Ziel wird erreicht durch Verinnerlichung! und geistige Durchdringung der Ceremonien. Am Schluffe des erstett Konferenztages ward noch bestimmt, daß die nächstjährige Versammlung am 23. und 24. Mai in .Koblenz stattfinden soll. In der Frühe des zweiten Tages besichtigten viele Konferenzbesucher das nahe bei Saarbrücken gelegene „Ehrenthal" ttnd die Spicherer Höhen mit den Schlachtdenkmülern. Gegen 8V2 Uhr wurden die Berathungen fortgesetzt und Herr Salomou- Trier sprach über das Thema: „Wie kann sich der jüdische Religionslehrer in und außer der Schule an der Bekämpfuttg des Antisemitismus betheiligen?" An den schwungvollen Vortrag schloß sich eine lebhafte Debatte, deren Resultat die Annahme folgender Sätze war: Es ist die Aufgabe des jüdischen Religionslehrers, 1. im gesellschaftlichen und öffentlichen Leben überall, wo eine sachgemäße Erörterung angebracht erscheint, für die angegriffene Ehre des Judenthums und seiner Bekenner cinzutreter wüchse im genossen z wand zu n nnd beson pflege de gehenden Vorträge orbeitung vir Berei cilligeri borsitzend * Gi c ieser Ta nadt gegl r Ken Lät 7 eutschlat gewünscht weine He UN Ansla gebt die iu, als ' nnß ein s otten Sch büre dull >? r beittfc B. 91 1 l. Beric 10 Eßlin ■: land d K önigs & 7 nrderer i,241 A insgaben Me 8um egenwär! brer S er Ansti ecr Präp tu Frük i res letz ' nistlichet beweis, i hegt ui : illigt wi * Fr deutscher ffentliche utifemiti A älter t Baden =■-05 Publ ott Ur er Brn uchthai nrtheilt. indischen u 1HJ I Handelsu Bei der i cd och, d 'intersuch .mschuldü -Nit Bür Sberland * «>. fV schichte nnninlunl Jahres be

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