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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-07-15 · Heft 29 (15.7.1892) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 29 (15.7.1892)
Date
1892-07-15
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 »rinnen Beihilfe eit zur tnevin, Kasse, ix veruinmer >ch der weiteren ) a l in ihriges freunde en verzu gechsen- »o gliche Ztaatscliehene chzeitig in sehr Vom raelititen der ebt und ndenen Kreise Rath nungsuerteig, : Herrn ttrafeu. ^brachte id einen ie Hildändchen Lehrerrwähnt;r eins :ntschtr statt, nete die ng des spendete k dember die iorstand il ward;en drei l seinem für das »lgenden geeignet, fördern rlichuug > ersten mmluug ühe des rbrücken mülern. llonwnligionsätismuo lebhafte? ist die en und gebracht Zekenner finzutreten, 2. aber auch in der Schule und auf der Kanzel alle Ausn'üchse im gesellschaftlichen und geschäftlichen Gebühren seiner Glaubensgenossen zu bekämpfen, um auch hier dem Antisemitismus jeden Vorirand zu nehmen Aus den sich hieran anschließenden „freien Besprechungen" i-ud besonders hervorzuheben: 1. Gründung von Litteratur-Vereiuen zur Pflege der jüdischen Litteratur und Geschichte; event. könnten die begehenden Chevroth nach dieser Seite hin erweitert und die Chevroth- ^orträge auch auf jüdische Geschichte :c. ausgedehnt werden. 2. Ausarbeitung der jüdischen Geschichte in volksthümlichen Geschichtsbildern -vir Bereicherung der nach dieser Seite hin noch sehr mangelhaften b illigeren Jugend- und Volkslitteratur. — Gegen 12 Uhr schloß der Vorsitzende die Verhandlungen. * Gießen, 5. Juli. Carl Vogt, der berühmte Gelehrte, hielt eieser Tage auf einem Banket, das ihm zu Ehren hier in seiner Vaterrabt gegeben wurde, eine Rede, worin er u. A. sagte: „Ich habe in ollen Ländern, die ich besucht, erkennen müssen, daß die Gefühle für /eutschland im Auslände leider nicht derart sind, wie ich es häufig gewünscht hätte. Machen Sie sich wohl vertraut mit dem Gedanken, - .eine Herren, daß Deutschland im Auslande nicht geliebt ist, daß Sie im Anslande nicht als Freunde geliebt werden." Warum^ Carl Vogt .nebt die Antwort dahin, daß „nichts so sehr im Auslande verachtet in, als der deutsche Antisemitismus! Man kann es nicht begreifen, caß ein so civilisirtes Volk, wie das deutsche, ein Volk, das einen Goethe, ^ueit Schiller, einen Lessing besitzt, einen solchen Schandfleck auf seiner Obre duldet. In England wird der Antisemitismus als ein Niedergang e r deutschen Civilisation betrachtet!" B. Ans Württemberg, 8. Juli. Der vor Kurzem veröffentlichte 'I. Bericht über das israelitische Waisenhaus „Wilhelmspflege" ri Eßlingen pro 1. April 1881/92 verzeichnet einen befriedigenden tand der Anstalt. In herzlichen Worten wird des verstorbenen Königs Karl erwähnt, der der Anstalt ein wohlwollender Gönner und Förderer ihrer Ziele war. Von den Einnahmen verzeichnen wir ',241 Mark Legate, 11,781 Mark Zinsen, 9697 Mark Beiträge; die O.nsgaben betrugen 20,165 Mark. Das Grundstücksvermögen ist auf mc Summe von 819,981 Mark angewachten. An der Anstalt, die gegenwärtig blos 26 Zöglinge beherbergt, wirken außer Herrn Oberlehrer Stern noch ein Aufseher-Unterlehrer und eine Aufseherin. An er Anstalt finden die israelitischen Zöglinge des Lehrerseminars und ,t Präparandenanstalt gegen mäßige Entschädigung Beköstigung. Zu > nt Frühstück, das die Stadt Ulm den Königlichen Majestäten anläßlich u res letzten Besuchs daselbst gegeben hat, erhielt wie die christlichen Geistlichen auch Rabbiner Dr. Fried daselbst eine Einladung, ein beweis, daß der antisemitische Geist, der durch die „Schnellpost" daselbst ehegt und gepflegt wird, von den bürgerlichen Kollegien nicht ge- : illigt wird. * Freibnrg u Bad., 10. Juli. Von den „Generalpächtern entscher Sitte" hat wieder einmal einer Gelegenheit gehabt, ein ifentliches Anerkenntniß seiner Moral zu erhalten. Der durch seine utisemitische Wirksamkeit bekannte Bürgermeister Franz Josef Müller aus Rheinweiler wurde vom Geschworenengerichte zu Freiburg t Baden nach dreitägiger Verhandlung, die unter ungeheurem Andrang C'o Publikums stattfand, des mehrfachen Betrugs, der Fälschung 'ott Urkunden, der Wechselfälschungen, des Meineids und er Brandstiftung für schuldig erkannt und zu einer Gesammtuchth ausstrafe von 11 Jahren, sowie 10 Jahren Ehrverlust ver- -.rtheilt. Der Verurtheilte war seiner Zeit Kronzeuge gegen den indischen Handelsmann Raphael Unger, der auf Müllers Zeugniß hin oi kl/2 Jahren Zuchthaus verurtheilt wurde. Einen anderen jüdischen Handelsmann Max Joseph Mayer aus Müllheim denunzirte Müller Boi der Staatsanwaltschaft des Betrugs; die Verhandlung erwies N'doch, daß nicht Mayer, sondern Müller der Betrüger war. Die Untersuchung gegen Mayer, der nach Aussage des Staatsanwalts unschuldig ins Zuchthaus gekommen wäre, wurde sofort niedergeschlagen. Mit Bürgermeister Müller verliert die antisemitische Partei des badischen Oberlandes eines ihrer eifrigsten Mitglieder. * Frankfurt a. M., 4. Juli. Der Verein für jüdische Geschichte und Litteratur hielt in voriger Woche seine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Dr. Heine mann, erstattete den Jahresbericht, den Kassenbericht Herr Hugo Frünkel. Die Mitgliederzahl ist von 154 auf 167 gestiegen. Die Einnahmen überstiegen die Ausgaben um 32 M. Bei der Neuwahl des Vorstandes wurden die Herren Dr. Heinemann, Jacques Snatich, Alfred Geiger, Hugo Fränket, Wilhelm Posen und Hermann Rothschild wieder- und an Stelle des Herrn Leo Ellinger, der eine Wiederwahl ablehnte, Herr Raphael Ettlinger neugewählt. Die israelitische Waisenanstalt entließ 1891 8 Knaben und nahm 7 wieder auf, so daß die Zahl ihrer männlichen Zöglinge 31 beträgt. An Geschenken erhielt die Knabenabtheilung 12,337 M., an Jahresbeiträgen 7174 M., an Zinsen 3723 M., ans der Synagoge 671 M. Die Ausgaben betrugen 26,135 M. Zum Kapitalfonds wurde ein Geschenk von 3000 M. gegeben. Die Moses und Clara Schiff'sche Stiftung für Lehrlinge vereinnahmte an Geschenken und Zinsen 9060 M. und verausgabte für 17 Zöglinge 9147 M. Die Mädchenabtheiluug erhielt 8077 M. Geschenke, 3935 M. Beiträge und 2780 M Zinsen; 1000 M. mußte die Knabenabtheilung zuschießen, um die Spesen mit 15,662 M. zu decken. Die Zahl der weiblichen Zöglinge ist mit 19 unverändert geblieben. Die Marie Dreyfus- Stiftung nahm 2223 M. ein und verausgabte für 3 der Anstalt entwachsene noch nicht erwerbsfähige Waisenmädchen looo M. Der Spezialfonds für Unterstützung von zur Aufnahme ungeeigneten Waisen nahm an Geschenken und Zinsen 205 M. ein und gab 75 M. aus. (t'cflrrmrii-iltittimi. * Wien, 10. Juli. Bei der Anwesenheit des .Kaisers in Brünn sagte der Reichsrathsabgeordnete Baron Rollsberg, der Se. Majestät vorgestellt wurde: „Ich habe das Türk'sche Mandat inne"; worauf der Kaiserantwortete: „Ein erfreulicher Wechsel!" Diesekaiserlichen Worte sind die schärfste Verurtheilung des antisemitischen ehemaligen''Abgeordneten, die gewiß nicht verfehlen wird, die besten Früchte zu tragen. * Budapest, 6. Juli. Die Landes-Rabbinerschule veröffentlicht soeben ihren Jahresbericht für das Schuljahr 1891/92 in ungarischer und deutscher Sprache. Wie wir dem Berichte entnehmen, hatte die Anstalt in den fünf Klassen der unteren Abtheilung 04 Schüler und in der oberen Abtheilung 41 Hörer. Zur Rabbinenprüfnng hatten sich im Laufe des Jahres sechs Kandidaten gemeldet, und zwar im Monat Februar vier, welche auch die Prüfung mit Erfolg bestanden haben, während die Prüfung der beiden anderen Kandidaten in diesem Monat stattfand und bei Herausgabe des Berichtes noch nicht beendet war. Der an der Schule bestehende Verein „Ez-Chnjim" hatte im vergangenen Schuljahre fl. 4688.71 Einnahmen und fl. 2771.6 Ausgaben. Dem Jahresberichte geht eine sehr interessante und ausführliche Abhandlung Professor Wilhelm Bachers voran, in welcher der gelehrte Verfasser unter dem Titel „Die Bibelexegese der jüdischen Religionsphilosophen des Mittelalters vor Maiimmi" eine Reihe wissenschaftlich und literarisch bedeutender Beiträge zur Geschichte der Philosophie und Litteratur im Mittelalter liefert. Italien. * Genua, 8. Juli. Baron Moritz Hirsch wird sich im gerbst nach Argentinien einschiffen, um seine dortigen Kolonien zu besichtigen. Frankreich. * Paris, 5. Juli. Der Gouverneur von Paris, General Saussier, hat an die O ffiz iere folgenden Tagesbefehl erlass en: E in s chmerzliches Ereigniß hat in den letzten Tagen die große militärische Familie in Trauer versetzt Eines ihrer ausgezeichnetsten Mitglieder, Hauptmann Mayer, erlag den Folgen eines Duells, dessen erste Veranlassung ein angeblich von einem Offizier geschriebener Artikel war. Wenn in Wirklichkeit Jemand existirt, der den Degen trägt und sich der Feder und des Degens eines Anderen bediente, um Schmähungen und Beleidigungen gegen einen Kameraden zu richten, so hofft der Gouverneur, daß er nicht der Garnison von Paris angehört. Unter allen Umständen empfiehlt er den ihm unterstehenden Offizieren kaltes Blut und Ruhe, zumal sie überzeugt sein können, daß die öffentliche Entrüstung alle aberwitzigen und verbrecherischen Versuche, welche den großen Bund der lebendigen Kräfte des Vaterlandes auseinanderzusprengen bezwecken, unfehlbar zu Falle bringen wird. Großbritannien. □ London, 7. Juli. Der Erzbischof von Canterbury hat ein Geschenk von 25 Pfund (500 Mk.) zu dem Fond für die verfolgten

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