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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-07-15 · Heft 29 (15.7.1892) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 29 (15.7.1892)
Date
1892-07-15
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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56. Jahrgang. Nr. 29. Berlin, 15. Juli 1892. en sollen; suchen die h ist, ihn i! hoch zu ne unsere Der GemeLndebote. Wertage zur „Akkgemeinen Zeitung des Iuöentyurns nntlich ist rnzöstschen Hetzblattes um Geld sich gegen h der verx, als ein s Semiten aß er, der für seine \t schwört, lber diesen reaudiener teur da ist. — Saget: l Kollegen :n. (Geln l Appeti! lieben, rocken. - t hebräisch. ut zurück, ist wahr ft, überaii loch keinen^ m „Freien jrer letzten wenn dag machte." >on Paasc' hegt aber k Hand!'! nden sieln tite. Dan ist Ihnen ono. In dem Papn , daß jede tupft wird, rein znr r strafte bb on Tiszaorddeutsci'-e in. Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 8 Berlin, 12 Juli. Obwohl wir voraussetzen, daft unsere Leser über den Gang der Gerichtsverhandlungen in Cleve bereits aus oen Tageszeitungen unterrichtet sind, halten wir es auch für unsere Pflicht, den ausführlichen Bericht über den Prozeß in unserem Hauptblatt rum Abdruck zu bringen. Wir wissen wohl, daft wir mit dieser vielen Kaum erfordernden Wiedergabe hinter den Ereignissen zeitlich zurück- Aeiben; doch die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" ist seit nahezu 90 Jahren das Archiv für die Geschichte der Juden in der Gegenwart, md in diesem Archiv darf eine solche Urkunde keineswegs fehlen. * Berlin, 12. Juli. Der Verlauf des Prozesses gegen den Metzger Buschhoff bringt die Antisemitenblätter völlig außer Fassung. Natürlich und jetzt in ihren Augen Richter, Staatsanwälte, Geschworene, kurz alle Betheiligten bezahlte Judenknechte, welche im Solde der „Alliance israelite“ iehen. Daß trotz aller Gutachten und Vernunftgründe der Mord ein .ritueller" war, steht für „Kreuzzeitung" und „Germania" felsenfest, 'iredo ejuia absurdum est. Aber auf den gesunderen Theil der Presse scheinen die Vorgänge in Cleve nicht ohne heilsame Wirkung zil bleiben, -o schreibt die „Post", welche sich bisher gern im antisemitischen Fahrwasser aufhielt: „Der Prozeß Buschhoff hat, wie immer das Endrgebnift sich herausstellt, doch schon ein Resultat von Bedeutung geliefert, "'s ist zunächst unzweifelhaft festgesteltt, daß, wie in allen übrigen Fällen, m welchen in neuerer Zeit ein jüdischer Ritualmord behauptet worden, :uch in dem Lantener Falle davon nicht die Rede ist. Alle in dieser Einsicht aufgestellten Behauptungen haben sich, wie immer bestimmt sie mftraten, als jeder thatsächlichen Unterlage entbehrend erwiesen. Selten wohl ist eine so schwere Beschuldigung so leichtfertig und frivol erhoben worden. Angesichts der Versuche, das Märchen jüdischer Ritualmorde wieder aufzuwärmen und daraus den antisemitischen Verhetzungs- Bstrebungen neue Nahrung zuzuführen, ist dies Ergebnis; des Prozesses on besonderem Werthe. Indem es zeigt, mit welchen Mitteln die wezisisch antisemitische Agitation arbeitet, kann es nicht umhin, klärend .t wirken und den von dieser Seite betriebenen Verhetzungsbestrebungen eu Boden abzugraben. Nach dieser Richtung können auch die Thatinchen, welche der Strafprozeß betreffs der verhetzenden Thütigkeit dieser Züchtungen und ihrer Presse, selbst wenn diese unter die Rubrik der iaplanpresse fällt, zu Tage gefördert hat und zum Theil noch ünmer zil ürge fördert, nur wirken. Die fanatische Erregung, in welche mit diesen Bütteln ein großer Theil der Bevölkerung ohne jeden thatsächlichen Anlaß ersetzt worden ist, erscheint ohne Frage als eine überaus bedauerliche und gefährliche Erscheinung, welche dringend zur Aufmerksamkeit mahnt." 22 Berlin, 12. Juli. Dem soeben ausgegebenen letzten Hefte •v „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland" entnehmen wir nachstehenden Bericht über die sechste Plenarversammlung der historischen Kommission für die Geschichte der Juden in Deutschland: „Die diesjährige Plenarversammlung der Historischen Kommission für Geschichte der Juden in Deiltschland fand am 7. April 1*92 unter Vorsitz des Prof. Dr. Breßlau ans Straßburg im Büreaulokal des Deutsch-israelitischen Gemeindebundes statt. Von den Mitgliedern waren die Herren Direktor Dr. Bärwald, Geh. Justizrath Professor Br. Gierke, Prof. Dr. Lazarus am Erscheinen verhindert. Der zweite Band der Quellen zur Geschichte der Juden in Deutschland, enthaltend Be von Dr. A. Neubauer in Oxford und Dr. M Stern in Kiel l'-erausgegebenen, von Dr. S. Baer in Biebrich ins Deutsche übersetzten Berichte über die Judenverfolgungen während der Kreuzzüge ist im Druck vollendet. — Die Vollendung der Ausgabe der historischen Gedichte, welche Herr Dr. Egers in Berlin übernommen hatte, wird durch den l Blagenswerthen Tod dieses Gelehrten eine Verzögerung erfahren. Zwar hat Herr Dr. Baer die Fertigstellung der Ausgabe, für welche die Erben des Herrn Dr. Egers dessen handschriftlichen Nachlaß bereitwillig zur Verfügung gestellt haben, übernommen; doch werden die beziiglichett Arbeiten, da eine Erweiterung der von Herrn Dr. Egers m Aussicht genommenen Abgrenzung des Stoffes tnöglich und nützlich ist, noch einige Zeit beanspruchen — Mit der Bearbeitung des Mainz-Nürnberger Memorbuches, die Herr Dr. S. Salfeld in Mainz übernonnnen hat, j ist derselbe eifrig beschäftigt. — Von der Bearbeitung der Responsen der | deutschen Rabbiner des Mittelalters sind Text und Uebersetzung durch j Herrn Dr. Joel Mütter in Berlin fertig gestellt und lagen der Kom- > Mission im Manuskript vor. Während der Herausgeber mit der Abfassung der Einleitung und einiger anderen Beigaben beschäftigt ist, wird das Manuskript in Bezug auf seinen historischen Gehalt einer Revision! unterworfen werden. Der Druck des besonders für die Wirthschastsgeschichte wichtigen Werks wird voraussichtlich noch im Laufe des Jahres beginnen; es sind dafür zwei Bände in Aussicht genommen. Die Regesten zur Geschichte der Jtlden in Deutschland sind bis zum Jahr 127:1, mit welchem sie abschließen, von Herrn Dr. Aronius im Manuskript vollendet; der Druck des fünften Heftes, welches biefen Schlußtheil enthält, wird in den nächsten Wochen beginnen. Ein sechstes und letztes Heft wird die Einleitung, die Register, die Nachträge itub Berichtigungen | u. dgl. enthalten; auch dies wird wahrscheinlich noch im Lause dieses | Jahres erscheinen können. Von der Zeischrift für Geschichte der Inden in Deutschland unter Redaktion des Herrn Prof. Dr. L. Geiger in Berlin ist das 4. Heft des 5. Bandes uittiT der Presse. Da die'Arbeiten zur Ausführung des von der Kommission bei ihrer Begriindnng aufgej stellten Programms ihrem Ende entgegengehen, die zur Verfügung der I Konnnission stehenden Geldmittel und Arbeitskräfte aber eine Erweiterung! dieses Programms nicht gestatten, wird eine Fortführung der Zeitschrift über den fünften Jahrgang hinaus zunächst nicht in 'Aussicht genonnnen." Wir können die letzte Nachricht nicht ohne Bedauern wiedergeben, da das Eingehen der „Zeitschrift", wenn and) ihre Polemik an manchen Stellen Mißfallen erregt hat, dennoch eine fühlbare Liicke in beit Litteratnrerscheinungen des Judenthums der Gegenwart zurücklassen wird. Wir hatten stets gehofft, daß aus den'Arbeiten der „Historischen Kommission" eine solche Fülle von Anregung hervorgehen würde, daß selbst nach Abschluß dieser Arbeiten für die „Zeitschrift" eine Existenzmöglichkeit geschaffen wäre. Hoffentlich ist in dieser Angelegenheit die letzte Entscheidung noch nicht getroffen. * Berlin, 11. Juli. Ende voriger Woche ist der Verleger und Gelehrte Heinrich Simon, Inhaber der großen Verlags- und Antiquar- Buchhanoluug S. Calvarp u. Eo. hier nach langem Leiden gestorben. Der Hingeschiedene war durch umfassende wissenschaftliche Bildung, großen Scharfsinn, außerordentliche Gedüchtnißtreue und eine erstaunliche Arbeitskraft ausgezeichnet. Mit diesen geistigen Eigenschaften verband sich ein zärtlicher Familiensinn, eine stete Bereitschaft zur stillen selbstlosen Unterstützung litterarischer und wissenschaftlicher Bestrebungen und jene Bescheidenheit des wirklichen Gelehrten, welcher die eigene Persönlichkeit überall zurücktreten läßt. Sein Haus war durch lange Jahre, bis körperliches Leiden ihm Rücksichten auferlegte, ein äußerst geselliges, tu welchem viele Ausländer verkehrten, darunter die früheren amerikanischen Gesandten Bancroft und White, der jetzige russische Finanzminister Wpschnegradski, der nunmehrige Manager der Times Sir Macken und eine Reihe anderer Männer, die in ihren Heimathsländern hervorragende Stellungen einnehmen. Durch seine bedeutenden Eigenschaften und seine persönlichen Beziehungen gelang es dein Heimgegangenen, der Firma S. Calvarp u. Co. einen großen Ruf unter den Sammlern und Gelehrten aller modernen Kulturvölker zu erringen. Seine Bibliothek war in den philologischen Disziplinen größer als die königliche Bibliothek und enthielt bezw. enthält viele Umax. Unter den Mitgliedern des Vereins Berliner- Presse war S eines der ältesten, obgleich der Tod ihn schon im 59. Lebensjahre ereilt hat.

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