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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-07-15 · Heft 29 (15.7.1892) · p. Seite 347

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 29 (15.7.1892)
Date
1892-07-15
Page
Seite 347 (sequence 11)
Language
German
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Wiederkehr und den m sogar Sobald aße stattiuch nichi innen sei, daß da-; >t worden die Leut; >egann z» n Stadt en davon abte man lebte ihn. icht ihm. in. Aber m immer hm einen cragendes schadete ihm von er unter ingebuii) mch seine Er fühlt Welt sen eingehülb l sie sehr ermehrt- Freunde, wenn sie er sobald rdcn ihr -r Stadi ufhielten teten ihr Veit nur - das sie abt, eilwbreitete auf den, nan nidü ter über lheils die erkennen so wen!) iltgemcil! um ihn s gewann erfuhr e - vie Leine s Bruder ie Weis sie niüd NUr ZN!!! folgt.) TjTr Nagele der Maggid. Ein neuer Vers zu einem alten Liede. Von Gustav Eichen grün. Realschullehrer. Da las ich gestern wieder „Vögele der Maggid". Nun liegt mir den ganzen Tag der Refrain des darin erwähnten alten jüdischen Liedes im Sinn: „Der liebe Schabbes iaudcsch geht dahin!" Und ans der Erinnerung steigen liebe Bilder aus den sonnigen Tagen der Kindheit empor. Ich sehe mich im häuslichen Kreise. Der Tag der Ruhe und des Friedens, der Tag der Erholung neigt sich zu Ende. Wir Kinder wissen es, Väterchen hat noch einige dringende Geschäfte zu erledigen — „heil ihm, er nährte sich von seiner Hände Arbeit". Im Garten geht er auf und ab. Da endlich sind sie, die drei ersehnten Sterne. Gesang und Gebet! Mitten ans all dem »ns Kindern so fremden Hebräisch entnehmen wir plötzlich: „Der Schabbes kandesch geht dahin!" — Schier hatte ich den Sang vergessen, und nun? Mir ist's, als wenn all die Poesie der Jugend durch diese wiedergefundene Melodie inir vor die Seele gezaubert wäre. Heut ist der Sabbath für Viele ein anderer geworden, anders, als .Heine ihn geschildert, anders, als wir ihn zu leben gelernt haben. Hier Arbeit, dort wohl Ruhe, aber keine nmJö- „Der liebe Schabbes kandesch geht dahin!" Wer kennt die alte Weise noch? Vergessen. Aber sie Alle konnten's fein singen. Der Leeser Schlapp und der Mikwenitzer, der Reb Noach Brall, der Kosminer, der Zempelbnrger und all die andern Bachurim. Die sind nun todt, und wer soll uns jetzt trübselig zusingen: „Der liebe Schabbes kandesch geht dahin"? Todt? Ach, sie sind nicht todt. Da war ich jüngst im trauten Heimathlande. Dort leben sie noch alle: der Reb Noach Brall, das Vögele der Maggid, die Golde, der Mikwenitzer — und der Leeser Schlapp, der denkt erst recht nicht ans Sterben! — Es ist eine Lust, das Vögele zn hören. Wie es das Wort der Lchrift so vorzüglich beherrscht. Und was es auch behauptet, einen Vers aus der Thora führt es als Beweis an. Dazu die Gleichnisse, die es angiebt, ganz wie ein Maggid. Freilich das eine und das andere „gleich Wörtchen" hat cs ans den Schriften der gelehrten Rabbinen gelesen, aber viele hat es aus seinem Herzen geholt, mit seinem Geiste geschöpft. Die ganze Gelehrsamkeit verdankt cs seiner wahren, innigen Religiosität, seinen! unerschiitterlichen Glauben an den ewigen Gott und seine lieben Engelein. Du meinst, lieber Leser, solch ein Vögele sei heutzutage ein seltener Vogel, ausgestorben die Art. „Statt der oi'Hol) ureno", sagst Du, „lesen sie Heines vergiftete Lieder, anstatt Hebräisch zu lernen, parliren sie Französisch und Englisch. Die Minhagim kennen sie nicht, aber sie spielen an deren Stelle ans dem Forlepiano den Walzer eines Wahnsinnigen und den Traum einer Jungfrau. Die Worte der Thora haben sie vergessen, desto eifriger ätiveii sie aus Schiller und Goethe." Freilich zum Theil wahr, mein lieber Leser, aber Du hast die Gestalt der Vögele auch i» starr aufgefaßt. Die Bögeles unserer Zeit sind zwar selten, aber, Gott behüte! die Art ist nicht ausgestorben. Nicht so ungläubig mit dem Kopfe geschüttelt, Du findst sie noch — die Mädel init dem dunklen, feurigen Auge und dem schelmischen Munde, die Mädel mit dem guten jüdischen Herz, dem frommen Sinn, dem -reuen Väterglauben, die Mädel mit dem jüdischen Witz, dem - gleichen Wort", die Mädel mit der thätigen Hand. Was thut's, ob ihr gut jüdisches Herz und ihr jüdischer Witz Nahrung von -chiller,Goethe und Heine erhält?! In Berlin sind solche Vögeles freilich seltener zu finden als in Scheuneisel oder Fordon. Doch eines weiß ich: „Fällt mir einmal daS Freien ein. So muß es ein „Vögele der Maggid" sein." Man verzeihe mir, wenn ich den ursprünglich Bürgcr'schen Vers um eine „Fnßlünge" vergrößert habe. Ich wollte aber von dem hinkenden Leeser Schlapp sprechen, und dem thut ein neuer gesunder Fuß gar wohl. Seht, wie er durch das Städtchen F. hinkt und lamentirt über die schlechte Welt und das unjüdische Gebühren der Menschen seiner Zeit. Nichts ist ihm koscher, nichts ihm jonteftig genug, am Vcrsöhnnngstag hat man zu spät begonnen, zn früh anfgehört, die Jugend ist verderbt, und die Greise niuunt Gott zn sich. So unbedeutend Leeser Schlapp für die allgemeine Geschichte der Menschheit sein mag, so muß man doch von ihm sagen, daß er Schule gemacht hat. In Hamburg und Berlin, Hannover und Königsberg, ja fast überall, wo sich ein Häuslein Israeliten zusannnenfindet, mindestens ein würdiger Schüler Leeser Schlapps ist zwischen ihnen. Die Leeser Schlapps haben sich im Laufe der Zeit in zwei Parteien gespalten, in die modernen und in die unmoderne». Die Letzteren sind die wahren Schlappe, ganz wie ihr Lehrmeister, überall Uufrömmigkeit und „Tarfaus" witternd. Die Ersteren dagegen machen es umgekehrt. Ihnen ist die ganze Judenwelt zu fromm, zn dumm, noch nicht weit genug vorgeschritten. „Daher", sagen sie, „rühre der Antisemitismus, und sie, — die Aufgeklärten — müßten muleiden. Fort mit dem Hebräischen," rufen sie, „der Sabbath auf den Sonntag, der Jude muß die Christen hcirathen!" O, mein lieber Schlapp, Du weist nicht, wie Du die Ruhe Deines seligen Lehrers störst! Der sitzt trübsinnig da droben „denkt an Kinder und Enkel und schiittelt das Haupt." Ob der Leeser Schlapp wirklich in den Himmel gekommen ist, fragst Du? Ich will Dir's verratheil. Ja, aber nur unter einer Bedingung, er darf nicht schimpfen. Das ist freilich recht hart für ihn, und wenn es nicht der Himmel wäre, zur Hölle wär' er ihm schon längst geworden. Denn so ganz und gar lascher geht'? nach der Meinung des alten Leeser Schlapp selbst nicht im Himmel zu. Zufriedener dagegen ist der Reb Noach Brall im lichten Paradiese. Sein trautes Weibchen genießt an seiner Seite die Freuden des Himmels. Gar oftmals denken sie an die liebe Erde zurück. Das gute „Täubchen" meint dann, daß es doch gut sei, daß sie ob ihrer Kinderlosigkeit in den ersten sechzehn Jahren ihrer Ehe nicht verzagt wäre, denn Gott habe sie für ihr Ausharren gelohnt auf Erden und jetzt im Himmel. Reb Noach lächelt dazu und glaubt, es sei im Himmel doch ein besseres Leben, als auf Erden Wolle zu wiegen und Heu zu verpacken. — Beide haben sie des Edens Frieden verdient. Fromm und gottesfürchtig waren sie hieuieden, sie hielten den Sabbath und gaben dem Dürftigen. Da fehlte mf ihrem Tische nicht der Arme, ja, wäre das „Täubchen" nicht gewesen, der „Mikwenitzer" hätte schier darben müssen. Aber, mein lieber Reb Noach, auch nach Deinem Tode findet der Hungrige noch sein Brod, der wandernde Arme noch seine Ruhestatt. Das haben wir jüngst erst gesehen, als der Glaubcnsbruder im Osten die Heimath verlassen und arm und elend mit Weib und Kind in die Fremde ziehen mußte. Wir Alle gaben, gaben mit vollen Händen, so viel wir entbehren konnten, da fühlten wir mit dem Elenden, da ließen wir die Hungrigen an unser» Tischen speisen, und der Wandernde fand Aufnahme in unserer Hütte. In jedem Hause war ein Reb Noach Brall. Trotzdem war das Haus Reb Noachs in einer Beziehung ei» anderes. Bei uns wird der Arme wohl anfgenoiumen, aber er ist

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