Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 28 (8.7.1892)
- Date
- 1892-07-08
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 evisionsden als erneuert, ngskasse. für den rach dem Vereins Effekten 'affe im n. Ter und ein- 6.12 M. »elche an worden Beschluß r fanden n kleinen cklL8 res, e: „Ein s Wort Jugend- Eltern tniß des c strenge Kultur- und zur die Einbstthätig auf die Anträge i werden lZorstand r i scheu;ende er- »erflüssig terrichts ' Verein rags eriigcit — um die teinsame tellen- Breslau nblicklich plazirt . 35 Pf. mit dem Rmeralsitzeuden r Herrn Martin ad von Te le- ^abbiner ann ich als des n. Ter l Herzog ner und mken bei t tiefster folgende Z. Juni. Lerbachs mg des sraeliten * Meiningen, 30. Juni. Am Freitag den 17. d. M. und daraufiolgenden Sabbath fand in Bauerbach die Einweihung der neuerbauten Zynagoge durch Herrn Landrabbiner Dr.Dessauer statt. So geringzählig die dortige Gemeinde ist, um so mehr ließ sie es sich, da in ihr noch ziemlich religiöser Sinn herrscht, angelegen sein, ein ihren bescheidenen Erwartungen entsprechendes Gotteshaus zu beschaffen, nachdem die alte, sonst staatlich gewesene Synagoge durch wiederholtes Ausbrechen des Schwammes unbrauchbar geworden war. Zu den Mitteln des Baues ' pendete auch Seine Hoheit der regierende Herzog Georg von Meiningen MX) M. Der Bau macht, besonders im Innern, einen wohlthuenden, würdigen Eindruck. Die Anordnung der Weihefeier resp. die dabei vorlommenden Gesänge leitete Herr Lehrer Holländer, und verlief diese Feier unter zahlreicher Betheiligung von nah und fern in herrlicher, würdiger Weise. Die beiden Predigten des Herrn Landrabbiners Dr. Teffauer, der am Freitag Nachmittag über das Gebet und am Sonnabend Morgen über das Gottvertrauen unter passender Bezugnahme auf die herrschende Zeitströmung sprach, rissen alle Zuhörer mit sich fort. An Heiden Tagen war das Gotteshaus zum Erdrücken voll. * Worms, 2. Juli. Am 20. v. M. verschied hier ein Mann, oer es wohl verdient hat, daß in jüdischen Blättern seiner gedacht wird. Moses Mannheimer, der ein Alter von 82 Jahren erreicht hat, esnchte in seiner Jugend die Talmudvorträge des früheren, besonders u Süddeutschland weithin bekannten Wormser Rabbiners R. Koppel Bamberger, sowie er auch etwa ein Jahr lang Schüler des R. Hirsch Vehren in Amsterdam war. Trotzdem er von verschiedenen Rabbinen mit dem Rabbinatsdiplom bedacht worden war, bewarb er sich doch luemalg um ein Nabbinat, sondern widmete sich dem Geschäft. Allein me Liebe seines Lebens blieb die Wissenschaft. Während er früher nur ul seinen Mußestunden sich in sein „Lerncheder" zurückziehen konnte, war 's ihm hi den letzten Jahrzehnten vergönnt, sich vollständig Der Wisseuichaft zu widmen. In den vierziger Jahren veröffentlichte er ein aus Sriginalquellen basirendes Merkchen „Zur Geschichte der Juden ■li Worms", wozu Jost die Vorrede geschrieben. Ebenso veröffentlichte r ein Schriftchen „lieber dieLegenden der Wormser Gemeinde", io ährend in seinem Nachlasse sich eine ganze Anzahl druckjertiger Werke sowie zahlreiche 'Abhandlungen über religionsgeschichtliche und religionszesetzliche Fragen vorfanden, darunter auch ein Sefer hajiclius, enthaltend oie Geschichte der alten Wormser Familie Mannheimer. Trotz seiner strengkonservativen Gesinnung suchte er aber niemals eine Trennung in oer Gemeinde hervorzurnfen, auch als das Gesetz eine solche zuließ, wie er denn überhaupt jedem Fanatisinus abhold war. Ein politisches Blatt bezeichnete ihn als einen der edelsten Bürger. Seine Wohlthätigteit war bekannt, und die Art, wie er Mildthütigkeit übte, war die oenkbar zarteste. Der aus Mitgliedern aller Bekenntnisse sich zusammensetzende Leichenzug legte Zeugniß ab von der hohen Achtung und Verehrung, welche der Verstorbene in seinem Leben genossen. An feinem Grabe sprach der hiesige Rabbiner die Gebete, während der Schwiegersohn des Verstorbenen, Bezirksrabbiner Dr. Mayer aus Zweibrücken, oie eigentliche Trauerrede hielt. Mit Moses Mannheimer ist, wie in oer Leichenrede betont wurde, der letzte Wormser Jude gestorben, der m sich die alten Traditionen der Wormser Gemeinde verkörperte. * Nürnberg, 4. Juli. Wie uns mitgetheilt wird, hat der Bamberger Erzbischof Herr Dr. v. Schork kürzlich wieder goldene Worte der Toleranz gesprochen. Bei der in Fürth vorgenommenen Spendung des Sakraments der Firmung hielt er näullich eine Ansprache, in welcher er als Oberhirt mahnte, sich nicht an dem Hasse und der Hetze gegen die Andersgläubigen, welch letztere eine Schmach für unsere Zeit sei und gegen den Geist des Christenthums in schärfster Weise verstoße, zu betheiligen. Man müsse dem Jrrthum widerstreben, es gehe aber nicht an, die Angehörigen eines anderen Glauben zu hassen, da Christus in den Worten: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" alle Menschen ohne 'Ausnahme mit inbegriffen habe. Oesterreich - Ungarn. * Wien, 2. Juli. Großherzog Carl Alexander von Sachsen- Weimar hat dem Dichter Dr. Ludwig August Frankl, welcher kürzlich anläßlich der General-Versammlung der Deutschen-Schiller- Stiftung in Weimar verweilte, durch den Staatsminister Freiherrn v. Groß die Insignien vom Kommandeurkreuz des Falken-Ordens zusenden lassen. Der Staatsminister hat bei diesem Anlasse ein ehrendes Schreiben an Frankl gerichtet, das, die litterarischen Verdienste des Dichters in schmeichelhafter Weise würdigend, noch folgende Schlußstelle enthält: „Se. königliche Hoheit trug mir auf. Euer Hochwohlgeboren dabei kundzugeben, daß der Großherzog Ihnen dies Zeichen Höchstseiner Anerkennung umsomehr mit Freuden sende, als dies in einem Zeitpunkte geschehe, in der die Verbindung zwischen Oesterreich und Weimar sich durch die Weimar'sche Ausstellung in Wien vielfach enger gestaltet hat." Der Großherzog hat Herrn Dr. Frankl wiederholt in Weimar zum Diner zugezogen und bei diesem Anlasse seiner Freude über die Wiener Musik- und Theater-Ausstellung, welche er als eine der schönsten und interessantesten Veranstaltungen erklärte, Ausdruck gegeben. * Brünn, 1. Juli. Beim Empfange der Deputation der israelitischen Kultnsgemeinden sagte der Kaiser von Oesterreich,daß er auf die Treue, Hingebung und Loyalität der Israeliten seit Jahren zählte und auch fernerhin zählen werde. Die Abordnung betonte, daß die Israeliten umsomehr Ursache haben, dem Monarchen freudigst zu huldigen und innigsten Dank zu zollen, als vor dem Regierungsantritte desselben in vielen mährischen Städten höchstens einzelne Israeliten wohnen durften, während sich jetzt Kultusgemeinden bilden können. Frankreich. Paris, 2. Juli. Herr I. Singer, der Herausgeber der „Encyclopädie" hat folgendes Schreiben erhalten: „Sehr geehrter Herr! Wien, 22. Juni 1892. Alls Ihrem all beit Präsidenten der isr. Kultusgemeiu'oe in Wien gerichteten Schreiben haben wir entnommen, daß Sie die Herausgabe einer Allgemeinen Encyclopädie für Geschichte und Wissenschaft des Jndenthums beabsichtigen. Wir begrüßen diesen Plan auf das Lebhafteste und bringen dem Gelingen dieses großen Werkes aufrichtige Sympathie entgegen. Unter Einem haben wir beschlossen, für den 1. Band hundert Gulden oft. Währung zu votiren und behalten uns für die Zukunft eine weitere Beschlußfassung vor. Indem wir re. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde. 1)r. Lieben, Sekretär. Dr. Gustav Kohn." i^g Paris, 1. Juli. Ich übersende Ihnen nachfolgend den Wortlaut der Rede, welche Oberrabbiner Zadoc-Kahn am Grabe des Lieutenants Mayer gehalten hat: „Ein gewaltiger Schmerz ergreift uns angesichts dieses Sarges. Er schließt die sterblichen Ueberreste eines edlen jungen Mannes ein, der wohl würdig war, diesem bewunderungswerthen französischen Offizierkorps anzugehören, welches so ausgezeichnet die Gradheit, die Loyalität, die Ehre, Mißachtung der Gefahr und die Gewohnheit des Opfers repräsentirt. Wir kannten Armand Mayer als ein ausgezeichnetes Herz, in dem nur die edlen Gefühle Platz hatten, als einen lebhaften Geist, feinfühlend, von einer seltenen Zartheit, als einen liebenswürdigen und doch ernsten Charakter, sanft und doch männlich. Seine Eltern waren glücklich über seine Sohneszärtlichkeit, stolz, ihn von Allen geachtet und geliebt zu wissen, und sie gründeten auf seine Laufbahn, deren Anfang so ehrenwerth gewesen war, die glänzendsten, die berechtigtsten Hoffnungen. Sein Bruder war ihm zugethan durch die Bande einer rührenden Freundschaft. Seine Vorgesetzten schätzten ihn und zählten auf ihn; seine Kameraden bezeigten ihm jene Gefühle von Vertrauen und guter Brüderlichkeit, die aus unserem Heere eine wahre Familie machen, geeint durch die Achtung vor der Pflicht und die Liebe ztun Vaterlande. Und alles dies ist untergegangen in einer beklagenswerthen Katastrophe! Dieser junge Mann von 34 Jahren, dieser brave Offizier ist so früh in den Tod gegangen, in einem dieser Bruderkämpfe, den unglücklicher Weise der Brauch autorisirt, das Gesetz und die Religion aber verdammen. — Ach! welche Trauer für dieses Haus, das so grausam in vollem Glück, in voller Sicherheit getroffen wurde! Welche Trauer für das Heer, welches in der Person des Kapitän Mayer einen seiner unterrichtetsten, tapfersten und zukunftsreichsten Offiziere verliert! Welche Trauer für Frankreich, welches einen feiner Söhne entschwinden sieht, der während langer Jahre ihm durch seinen Muth, sein Wissen und seine 'Aufopferung hätte dienen wollen nnd müssen. Welche Trauer endlich für die französische Judenheit, für welche dieses kostbare Blut geflossen ist! Wie soll ich sie ausdrücken, die tiefe Trauer, welche uns dieser Tod nnd die Gründe, die ihn herbeigeführt, verursachen? Da sieht man, wohin Streitigkeiten der Feder, unüberlegte Angriffe und oft mehr ge-