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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-07-08 · Heft 28 (8.7.1892) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 28 (8.7.1892)
Date
1892-07-08
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 [:] Berlin, 3. Juli. Im S iechenHause der hiesigen jüdischen Gemeinde war am 1. Januar 1891 ein Bestand von 31 Siechen (15 Männer und 16 Frauen). Im Laufe des Jahres 1891 wurden neu ausgenommen 22' Sieche (10 Männer und 12 Frauen); sodaß im Ganzen 53 Sieche (25 Männer und 28 Frauen) verpflegt worden sind. Verstorben sind 19 Sieche (9 Männer und 10 Frauen); entlassen wurden 5 Sieche (2 Männer und 3 Frauen); sodaß am 31. Dezember 1891 29 Sieche (14 Männer und 15 Frauen) verblieben Durch diese 53 Personen sind 12,174 Verpflegungstage absorbirt worden und haben dieselben einen Kostenaufwand von 32,221 Mk. 20 Pf. verursacht, zu welchem seitens der Gemeinde ein Zuschuß von 22,318 Mk. 52 Pf. erforderlich war CO Berlin, 4. Juli. Vor einem antisemitischen Schwindel seien hiermit unsere Leser gewarnt. Eine Verlagsbuchhandlung von „Max Kantorowicz" in Mailand versendet Cirku'are, durch welche sie zur Subskription auf eine „freie" Uebersetzung des „Choschen mischpat" auffordert, welche unter „Mitwirkung hervorragender Fachgelehrten" von „Prof. Dr. Joh. A. F E. L. V. de Pavly" veranstaltet werden soll. Wir haben vor Jahresfrist schon einmal auf diesen Autor und seine Machinationen hingewiesen. Es ist derselbe Hintermann Brimans, der vor längerer Zeit von der Schweiz aus Subskriptionsgelder für eine angebliche Uebersetzung des Schulchan aruch sauunelte. Diesmal geht man in anderer Weise auf den Judenfang aus, indem man eine Verlagsfirma mit jüdischem Namensklange unterzeichnen läßt. Doch schon ein flüchtiger Blick belehrt jeden Kundigen, daß das Schriftstück nicht aus der Feder eines italienischen Juden, sondern eines internationalen 'Antisemiten geflossen ist. Für die echt antisemitische Unverfrorenheit der Unternehmer spricht es, daß sie sich auf jenes erste Werk, welches thatsächlich nie über das Probeheft hinausgekommen ist, als Beweis für die Uebersetzungskunst des Autors berufen. Als weitere Begründung der wissenschaftlichen Gelehrtheit des Pavly wird angeführt, daß der Papst ihm seinen Segen ertheilt und der Zar ihm einen Anerkennuugsbrief geschrieben habe. Wir hoffen, daß das anständige Publikum auf diesen plumpen Schwindel nicht hineinfallen wird. * Berlin, 4. Juli. Rektor Ahlwardt ist wieder aus der Haft entlassen. Es wird unsere Leser gewiß interessiren, die opferwilligen Antisemiten kennen zu lernen, welche die für die Entlassung geforderte Kaution von 50,000 Mk. hergegeben. Es sind dies nach auswärtigen Blättern die Herren Rudolf Hertzog und Fabrikant Heckmann. X Berlin, 6. Juli. Der Prozeß gegen den des Xautener Knabenmordes angeklagten Schlächter Busch hoff hat vorgestern vor dem Schwurgerichte in Cleve begonnen. Ta bis zum Schluffe unserer Redaktion eine Entscheidung noch nicht vorliegt, so werden wir in der nächsten Nummer einen zusammenhängenden Bericht über die Gerichtsverhandlung bringen. 11. Breslau, 2. Juli. Die 14. ordentliche Generalversammlung des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen wurde von Herrn Dr. Samuelsohn-Breslau am Sonntag den 5. Juni eröffnet. Bei der Vorstandswahl wurden Dr. Samuelsohn-Breslau als Vorsitzender wieder, Dr. Cohn-Kattowitz als Stellvertreter und Hauptlehrer Herbst-Lissa als Schriftführer neu gewählt. Die aufgelegte Präsenzliste erweist die Anwesenheit von 48 Mitgliedern und außer dem Delegirten des Gemeindebundes Herrn Th. Oschinsky noch mehrere Gäste. Zu Punkt vier der Tagesordnung meldet Adam-Schroda einen Vortrag über den allgemeinen Lehrplan au und stellt folgende drei Fagen zur Diskussion: 1. Welches ist der geeignetste Zeitpunkt für die Ertheilnng des Religionsunterrichts und des Hebräischen? In welchem Alter soll der Unterricht begonnen werden? Sind beide Disziplinen gemeinsam oder gesondert zu behandeln? 2. Welche Lehrbücher sind hierzu am geeignetsten? 3. Wäre es nicht allgebracht, alljährlich gelegentlich der Generalversammlung eine Probelektion mit Schülern einer hiesigen Religionsschule abzuhalten? Nach einer ausführlichen Begründung Seitens des Antragstellers entspinnt sich eine sehr lebhafte Debatte, welche als praktisches Resultat den Beschluß zeitigt, daß fortan alljährlich eine Probelektion stattfinden soll. Mit der Vorbereitung der nächsten Probelektion werden die Herren DDr. Guttmann, Brann und Knoller, sämmtlich in Breslau, betraut. 'Am 6. Juni Vormittags 9 Uhr versammelte sich der Vorstand der Unterstützungskasse zur Erledigung der vorliegenden Anträge und Kenntnißnahme des Rechnungs- und Revisionsberichts. Die Herren Graf-Glogau und Haym-Ostrowo werden als Mitglieder ausgenommen, neun Pensionen bewilligt und die alten erneuert. Um 10 Uhr beginnt die Generalversammlung der Unterstützungskasse. Die bisherigen Vorstandsmitglieder werden wiedergewählt und für den verstorbenen Baß-Neustadt wird Steiner-Gr. Strelitz gewählt. Nach dem Kassenabschlusse vom 1. Januar d. I. besteht das Vermögen des Vereins aus 27,463.03 M., welche bis auf einen Heilten Baarbestand in guten Effekten angelegt sind. Es ist bereits Aussicht vorhanden, daß die Kasse im kommenden Jahre 30,000 M. auf Hypothek wird geben können. Der Verein hatte im Jahre 1891 eine Einnahme von 318,915 M und einschließlich einer Effektenantage von 964 M. eine Ausgabe von 2226.12 M. Unter den Ausgaben befinden sich 11 '>,750 M. Pensionen, welche an emeritirte Lehrer und Wittwen verstorbener Mitglieder gezahlt worden sind. Vom 1. Juli d. I ab tritt nach dem heutigen Vorstandsbeschluß noch eine Pensionsempfängerin mit 200 M hinzu. — Um 11 Uhr fanden sich die Mitglieder des Lehrervereins zur zweiten Versammlung im kleinen Saale der neuen Börse wieder ein. Man gelangte sogleich in rneäias res, indem der Vorsitzende Herrn Tintner-Bunzlau zu seinem Vortrage: „Ein Blick in das Erziehungswesen der alten Kulturvölker" das Wort ergriff. Hierauf spricht Dr L. Neustadt-Breslau „Ueber Jugendgottesdienste." Die immer geringer werdende Neigung der Eltern für den hebräischen Unterricht zeitige eine erschreckende Unkenntniß des Hebräischen und damit ginge Hand in Hand eine immer weniger strenge Beobachtung des Sabbaths. Die Ueberschätzung der allgemeinen Kulturbildung führe zur Unterschätzung der religiösen Interessen und zur Zurücksetzung des Judenthums im eigenen Herzen. Er schlage die Einführung der Jugendgottesdienste vor, bei welchen die Knaben selbstthätig sind Hiervon hofft Redner eine vortheilhafte Rückwirkung auf die Eltern dieser Kinder. Redner verliest 9 Thesen, welche nach dem Anträge des Dr. Brann-Breslau gedruckt und im nächsten Jahre berathen werden sollen. Bähr-Reichenbach beantragt, die Versammlung möge den Vorstand beauftragen, beim Minister wegen Einführung des o b l i g a t or i scheu Religionsunterrichts vorstellig zu werden. Der Vorsitzende erklärt, daß nach der Sachlage für Breslau ein solcher Schritt überflüssig sei und daß wohl auch anderswo auf den Besuch des Religionsunterrichts strenge gehalten werde. Dr. Brann-Breslau berietet, daß der Verein schon unter Falk eine Zurückweisung seines dahinzielenden Antrags erfahren habe. — Um 2 Uhr schließt die Versammlung ihre Berathungen — Für die künftigen Versammlungen hat sich ein Komitee gebildet, um die Theilnehmer bei einem gemeinschaftlichen Mahle und durch gemeinsame Ausflüge längere Zeit zusammen zu halten. JE Breslau, 1. Juli. Am ersten Mai beschloß der Stellennachweis-Verein jüdischer Kaufleute Central-Komitee Breslau das siebente Jahr seines Bestehens. Der Verein zählt augenblicklich 478 Mitglieder. Während des Jahres sind 48 junge Leute plazirt worden. Der Kassenabschluß weist einen Best.md von 1467 Mk. 35 Pf. auf. In Hamburg hat sich ein gleicher Verein konstituirt, der mit dem hiesigen im engsten Konnex steht. Die am 23. Juni stattgehabte Generalversammlung wählte den bisherigen Vorstand wieder, zum Vorsitzenden Herrn Rabbiner Dr. Rosenthal, zum stellvertretenden Schriftführer Herrn Joseph Löwy. — Meldungen sind zu richten an den Schriftführer Martin Fraenkel, Breslau, Schwertstraße 5a pt. L2 Meiningen, 4. Juli. Um allen Mißdeutungen und von Antisemitenblättern geäußerten Zweifeln an der Echtheit des Telegramms Sr. Hoheit des Herzogs von Meiningen an den Landrabbiner Dr. Dessauer, den Antisemitismus betreffend, zu begegnen, kann ich Ihnen genau den Wortlaut der Depeschen sowohl Sr. Hoheit als des Landrabbiners wie der Gemeinde Huldigungsdepesche mittheilen. Der Herr Landrabbiner Dr. Dessauer depeschirte: „An S. Hoheit den Herzog von Meiningen in Villa Carlotta bei Cadenabbia. Landrabbiner und Kultusgemeinde Bauerbach danken für höchstdessen Wohlwollen, gedenken bei der Synagogenweihe Eurer Hoheit und höchstdessen Gemahlin in tiefster Verehrung." Darauf erhielt Herr Dr. Dessauer in Meiningen folgende Rückantwort: „Landrabbiner Meiningen. Cadenabbia, den 18. Juni. Herzlichen Dank für Ihr und der israelitischen Gemeinde Bauerbachs freundliches Gedenken. Angesichts der Versuche, der Verirrung des Antisemitismus auch bei uns Eingang zu verschaffen, können die Israeliten Meiningens auf mich zählen." * A iolgendei Synago oie dort fiemlich Erwart) sonst st, Schwan ' pendele 500 M. würdige lommen' Feier u würdiget Dessauei Morgen herrschen reiben 3 lut es n M oses e suchte u Süd gamber dehren mit den niemals nie Lieb in feinet -'s ihm "Haft z Drigina ■li Wo ■t ein S währent sowie zc gesetzlich oie Ges, slrengko der Gei er dem Blatt b teit wo denkbar setzende ehrung. 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