Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 28 (8.7.1892)
- Date
- 1892-07-08
- Page
- Seite 333 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227931-3227960--48965-3269630- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
333 Toleranz einander. :en Stoß :s gethan England ern kann er Hund, in hoher, wns, den ct haben, ist, mag ist. Aber eim Alle aham — ikirche zn l gewesen and sehr ne Bude, verkaufte e und er Morgen öcke und weniger, jr. Sic ich das l er kein Er ging Christen «fanden, u Lande ern nicht er große :rz mag Himmel eine uns Tages ante die -llt sind, nd darsoil UNd n kann, t Arme inch ein as läßt «schaute Er war chlagen. auf die ören. :r einer und er ihrijte», Ad die wurde i i sehr eifrig und glaubte, ihn bekehren zu können; er begann damit, ütn umherzuführen und vorsichtig über die Religion zu sprechen und o rderte ihn auf, an einen viel besseren Ort, in die Methodistenkirche, kommen. Später besuchte der Lederhündler Jsak Abraham und rach auch zu ihm von Religion. Das eine Wort führte zum aderen, und der Lederhändler erzählte, daß er Ephraim in der nrche gesehen habe. Der Vater begriff wohl, daß Ephraim nicht s Cbristenthums wegen in die Kirche gegangen sei, sondern um .e Zeit;u vertreiben und nicht zu handeln. Als der Sohn nach -nuise kam, schlug er ihn und verfluchte ihn, obschon er ein verachsener Mensch war; aber Jsak Abraham war ein sehr strenger ad ernster Mann. Aber er konnte den Lederhündler nicht wieder los werden. Der Methodist hatte es sich nun einmal in den Kopf gesetzt, Jsak Abrahams ganzes Haus zu bekehren, und dieser durste ihn nicht uadezu zur Thür hinauswerfen; denn sie standen mit einander in Verbindung und zogen kleine Wechsel aufeinander. Aber als der ederhändler ihn einmal gar zu sehr mit seinem Jesus Christus tagte, sagte Jsak Abraham: „Run, was diesen betrifft, so habe ich urchaus nichts gegen ihn; er war ja «in Jude, bevor er Euer Erster wurde." Der Lederhändler wurde so bleich wie eine Leiche and sagte kein Wort mehr. Wie gesagt, sie waren Geschüftssreunde und pflegten Wechsel uf einander zu ziehen, nur kleine Wechsel, nie höher als acht, neun, hu Pfund. In einer augenblicklichen Verlegenheit schrieb der Eine « Andern Aceept, und es war bisher immer gut gegangen. Aber erade zu dieser Zeit, ivo Jsak Abraham den Lederhändler mit inen Bekehrnugsversuchen abgewieseu hatte, rirkulirte ein solcher 'Wechsel, den Jsak Abraham ansgefüllt hatte. Als derselbe verfallen i'iu- und dem Lederhändler präsentirt wurde, sagte er: „Das ist wohl nein Raure, aber ich habe ihn nicht geschrieben." Es war an einem ßabbath und Jsak Abraham saß daheim in seiner Familie, als die oolizei kam und ihm den Wechsel und den Berhaftsbefehl zeigte. \ cUt wurde Jsak Abraham bleich wie eine Leiche und vermochte w Schrecken kein Wort zu antworten. Da trat der älteste Sohn, Ephraim, zu dem Beamten hin, sah sich den Wechsel an und sagte: das habe ich geschrieben!" Da lies; die Polizei den Bater gehen and nahnr statt dessen den Sohn, und Ephraim wurde vor Gericht gestellt, für schuldig erklärt und zu sieben Jahren Deportation nach stvtanh-Bay verurtheilt. Das war natürlich ein großer Kummer für die Familie; aber .stak Abraham sagte nichts; er >var ein hartherziger Mann. An oem letzten Abend, bevor das Schiff absegeln sollte, ging die Mutter!>! den Zimmer:: auf und ab und rang voller Verzweiflung die stände, und die Kinder saßen in den Ecken und weinten und heulten, :o daß sich ein Stein darüber erbarmen konnte. Da sagte Jsak Abraham: „Von morgen herrscht Ruhe im Hanse! Wäre es vielleicht besser gewesen, wenn ich es gewesen wäre, wenn Ihr Eueren Ernährer verloren hättet und Ihr Alle auf die Straße geworfen worden wäret? Der christliche Haß wollte ein Opfer haben. Wer war näher daran als er? Wer ist besser zu entbehren? Weinet heute Abend noch — von morgen ab herrscht Ruhe hier im Hause!" Nun verging wohl ein Jahr oder zwei, dann kam ein Brief von Ephraim. Er schrieb, daß er es ganz gut habe; man sei gar nicht strenge gegen ihn und hielt ihn nicht zur harten Arbeit an; er habe die Aufsicht über einige Kinder und gebe ihnen Unterricht, und daher habe er viel freie Zeit. Wenn man einige alte Kleider senden würde, glaubte er, daß er sie mit guten: Gewim: verkaufen könne; sie brauchten durchaus nicht schön zu sein, aber stark; dort seien solche Kleider ein großes Bedürfniß. Jsak Abraham sagte: „Ja, er will handeln! Er versteht doch nicht zu handeln!" Aber die Mutter sagte, daß Ephraim alte Kleider haben sollte, selbst wein: sie sie zusanuneu betteln müßte. Sie verkaufte und vertauschte ihre eigenen Kleider, und bald hatte sie einen großen Haufen beisammen. Als sie und die Geschwister das Paket zusammenschnüren wollten, schlug Jsak Abraham seine Sparbüchse entzwei. Seit Ephraim verurtheilt worden war, trank er kein Bier mehr und legte das Geld, das er aus diese Weise sparte, in eine Tonbüchse. — „Nimm das!" sagte Jsak Abraham zn seiner Frau. — Die Mutter fragte: „Giebst Du Deinen Segen dazu?" Da antwortete er: „Ich gebe meinen Segen dazu." Mit der soeben erhaltenen Summe Geldes ging die Mutter mit ihren Söhnen nach dem großen Markt. In London ist an jedem Tage Markt — was soll ich sagen: eine Art Börse für alte Kleider. Ich bin selbst dort getoesen. Das ist ein großer Platz und man begreift gar nicht, woher all die alten Kleider kommen und wo sie bleibe::, und ebenso wenig kann inan begreife::, >vo die vielen Judengesichter herkomiuen. Einen solchen Platz giebt es gar nicht wieder auf der Welt, und man wünscht auch nicht, einen ähnlichen zu sehe». Nun verging wieder ein Jahr, da kamen fünfzig Pfund Sterling von Ephraim, und er verlangte mehr alte Kleider. Er schrieb: „Steckt Alles, was Ihr habt, in alte Kleider und laßt »ns in Kompagnie gehen." Kurz, nach Verlauf eines Jahres verlangte er nicht nur alte, sondern auch neue Kleider. Es war dort drüben Gold gefnnden worden, und die Leute strömte» jetzt dahin. Er sandte Gold. Seine Strafzeit war indeß zn Ende gegangen und er begann Wolle z» kaufen und sandte Geld zur Anlage einer Tuchfabrik. Tic Verhältnisse stiegen in solcher Weise, daß die Firina Jsak Abraham und Söhne tausend und abermals tausend Schafe in Australien und die größten Tuchfabriken und Schneiderwerkstätten in England besaß, und alle Söhne hatten sich gut verheirathet und wenigsteus jeder 20,000 Pfund Sterling jährlich zu verzehre». Sie führten auch ei» großes Haus und ritten des Mittags in den Hyde-Park, wo die vornehmsten Engländer reiten, und keine Pferde waren schöner als die Pferde der Söhne Jsak Abrahams; aber sie nannten sich nicht mehr Abrahain, sondern Bramini oder ähnlich. Dann kan: eines schönen Tages von Ephraim ein Brief, worin er mittheilte, daß er heimkehreii wollte. Er lebte zwar drüben ganz gut, aber Alle wußten ja, daß er deportirt gewesen sei, und er wollte auch einmal den Kopf Hochhalten und als reicher Mann athinen. Das war für die Familie die reine Schreckensnachricht. Es war fast vergessen worden, daß einer der Söhne lvege» falscher Wechsel deportirt worden war. Niemand sprach davon, cs war also bestiinmt vergessen. Aber wenn er jetzt zurückkomme, würbe inan sich dessen wieder erinnern, und wen von ihre» angesehenen Bekannten konnten sie einladen, einen Deportirt«: zu treffen? Ihre Häuser würden wie die Pest gescheut tverden. Die Söhne veranlaßten den Vater und die Mutter, ihn: nach der Stadt, wo er lande:: sollte, entgegeuznrcisen und ihn nach der Villa zu führen, die sie in der Nähe der Stadt besaßen. Aber als Ephrain: einige Zeit dort zugebracht hatte, wollte er nach London; er wollte die Paulskirche sehen. Da mußten sie ihn nach London begleiten, wo die Brüder ihn sehr liebevoll empfingen; aber sie ließen sich vor Allen verleugnen, wenn Jemand ziini Besuch kam, und gingen nur des Abends aus gleich den Eulen. (Fortsetzung folgt.) O