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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-07-08 · Heft 28 (8.7.1892) · p. Seite 331

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 28 (8.7.1892)
Date
1892-07-08
Page
Seite 331 (sequence 7)
Language
German
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Da es jedoch nothwendig war, darüber zu bestimmen, ob Burg zum Hauptmanns-Examen herangezogen werden soll, so forderte ich nach Eingang dieser Willeusmeinnng denselben auf, mir über diesen iüegenstand seine reiflich überdachte Entschließnng zu erkennen zu geben. In der darauf erfolgten Erklärung desselben, welche ich Ew. Königlichen Majestät zur Allerhöchsten Einsicht ehrfurchtsvoll in Abschrift hierbei überreiche, drückt p. Burg, so wie stets in allen seinen Handlungen, eine lobenswerthe Gesinnung aus, ohne aber den bestimmten Entschluß ausznsprechen, jetzt zur christlichen Religion überzntreten. Wenn es demnach nicht zu erlvarten steht und unter diesen Umständen auch nicht gewünscht werden kann, daß p. Burg zum Hauptmann in der Artillerie avancire, andererseits aber es von wirklichem Bartheil für die oben erwähnte Anstalt ist, diesen Lehrer für dieselbe jtt erhalten, so gestatte ich mir jetzt, wo Ew. Majestät die Allerhöchste Gnade haben ivollen, dem p. Burg eine Anerkennung für seine Leistlingen zu Theil tverdeu zu lassen, Ew. Majestät allerunterthänigst vorzuschlagen, denselben zum Hauptmann von der Armee zu ernennen und in seinem Berhältnifse zur vereinigten Artillerie- und Ingenieurschule zu belassen. Durch diese Maßregel würde der Armee und dem Artillerie- und chtgeuieur-Korps ein Offizier verbleiben, welcher vermöge seiner dienstlichen Leistnngen smoohl, als seiner Gesinnungen und Handlungen, bav. Majestät huldreiche Anerkennung in jeder Hinsicht verdient. Berlin, 1. Dezember 1830. gez. August, Prinz von Preußen." Aber auch jetzt beharrte der König bei seiner früher dargelegten Ansicht, wobei er jedoch Burgs nützlichen Diensten Gerechtigkeit widerfahren ließ und ihm eine Gratifikation von fünfzig Thalern bewilligte. Und doch, trotz der vom Könige erfahrenen, wiederholten Abweisung, die der zartfühlende Prinz August unserem Burg zwar verschwieg, von der Burg aber doch Kenntniß erhielt, hielt er an der stillen Hoffnung fest, daß er sein Ziel erreichen werde. Eine innere Ruhe, eine stille Zuversicht erfüllte ihn, ihn verließ der Gedanke nicht, daß er doch mit Ehren in der Armee werde bleiben können. Burg hatte ein frommes, gläubiges Eemüth, das ihn in seiner Lage stärkte und kräftigte. Ueberdies drängte auch im Augenblick nichts zu einer Entscheidung. Hatte doch Burg noch einige Jahre Zeit, bis die Reihe an ihn kommen würde. Und in der That, seine Hoffnung, sein kindliches Gottvertrauen hatten sich herrlich bewährt. Ganz in seiner Reihenfolge wurde Burg vom Könige, trotz dessen wiederholter Abweisung, am 13. November 1832 zum Hauptmann der Artillerie befördert. Auch an Ehren- und Dankesbezengungen fehlte es dem verehrten Lehrer so vieler Offiziere nicht. Wo seine Schüler Gelegenheit fanden, ihm ihre achtungsvolle Liebe zu bekunden, da ergriffen sie sie mit Freuden. Als Burg im Sommer 1835 mit seinen Verwandten eine Vergnügungsreise nach der Rheingegend und nach Holland unternahm, da war er in allen Städten, in denen Artillerie- oder Ingenieur-Offiziere im Quartier lagen, der Mittelpunkt glänzender Ovationen; in Koblenz, wo ein besonders großartiger Enipfang ihm bereitet ward, wurde ihm zu Ehren seitens des gesammten Osfizierkorps ein solennes Festessen veranstaltet. Auch das Dienstauszeichnungskreuz, das den Offizieren nach fünfundzwanzig Jahren verliehen zu werden pflegt, bereitete unserem Burg schwere Sorge, da ihm gesagt ward, daß es gegen das Gewissen des Königs sei, einem Juden ein Kreuz zu verleihen. Und doch hätte Burg, falls ihm dies versagt worden wäre, nicht weiter in der Armee dienen können. Aber auch diese Auszeichnung tvurde unserem Burg von der Gnade des Königs ertheilt. Mag man über Ordensauszeichnungen denken wie man wolle, so giebt es doch unzweiselhaft Situationen und Stellungen, in denen die Erlangung eines Ordens von wesentlichem Werthe für den Dekorirten ist, und so begreifen wir denn auch, daß Burg, wie das Dienstauszeichnntigskreuz, auch den rothen Adlerorden IV. Klasse, für den er vorgeschlagen war, mit Sehnsucht erwartete. Während Friedrich Wilhelm 111. ihm diese Auszeichnung verweigerte, ward sie ihm von dessen Nachfolger, Friedrich Wilhelm IV., bereitwillig gewährt und rief in der Brust des sonst so schlichten Burg, nach dessen eigenem Geständuiß, „einen wahrhaften Sturm der Freude" hervor. „Als ich mich", sagt Burg, „allein befand, dankte ich auf meinen Knieen dem unendlich großen allgiitigen Gott für die unverdiente Gnade, daß er mir auch diesen Wunsch in Erfüllung gehen ließ." Am 19. Juni 1843 verlor Burg seinen treuen Gönner, den Prinzen August, durch den Tod. Es war ein tiefes Schmerzgefühl, das sich unseres Burg bemächtigte, und das nur die milden Trostesworte und die religiösen Ermahnungen seines gerade in Berlin anwesenden und von ihm hochverehrten Freundes, des Rabbiners Dr. Frankel aus Dresden, einigerinaßen zu mildern vermochten. Aber auch der vom König ernannte Nachfolger des trefflichen Vorgesetzten, Prinz Wilhelm Adalbert von Preußen, trug dem verdienten Burg sein volles Wohlwollen entgegen und gab ihm sogleich im Beginn seiner amtlichen Thütigkeit einen Beweis seiner gerechten und tvohltvollenden Denkungsweise. Burg hatte, als er zum Hauptmann avanrirt war, auf Befehl des Königs, statt der goldenen schwarze Epaulets, wie sie von den Hauptleuten des Zeugamts getragen wurden, erhalten, weil, wie Burg selbst meinte, er, ohne das Hauptmanns-Examen gemacht zu haben, zum Hauptmann befördert worden sei. Allmählich hatte sich nun aber, wie es schien, in Burgs Vorgesetzten und Kameraden der Gedanke eingeschlichen, als ob der König ihm als Juden dieses Abzeichen gegeben habe, und Prinz Adalbert, der von dieser Auffaffnng gleichfalls Kunde erhalten, sah es für seine Pflicht an, Burg die goldenen Epaulets zu verschaffen, die den wackeren Offizier denn auch fortan schmückten. Wie sehr übrigens Burg das Vertrauen seiner Untergebenen besaß, und diesen seine Religion niemals als ein Hinderniß erschien, das einen Anstoß bei ihnen erregte, bewies Burgs Wahl in den Ehrenrath, der, wie für jeden Trnppentheil, auch für die Schule gebildet werden mußte. Am 28. Juni 1845 erhielt Burg, der sich durch seine wissenschaftlichen Werke ans dem Gebiete -der geometrischen Zeicheuknnst nicht geringe Verdienste erlvorben, auch vom Könige die große goldene Medaille für Wissenschaft. Wie wenig Burg aber über seiner wissenschaftlichen und litterarischen Thütigkeit sein Lehramt vernachlässigte, bezeugt die lobende Anerkennnng, die die Schulkotnmission „dem großen Eifer und der Geschicklichkeit des vortrefflichen Lehrers sowie dem Erfolge, welchen derselbe durch seinen Unterricht in den obgenannten Lehrobjekten erzielt hat", widerfahren ließ. Bereits vierzehn Jahre Hauptmann, rückte Burg in seiner Reihenfolge immer näher zum Major. Je mehr die Zahl der Vordermänner sich verringerte, desto mehr erfüllte Burg die bange Sorge über sein Geschick. Würde der König, des herrschenden Vorurtheils wegen, ihn zum Stabsoffizier ernennen? Schon war ein L

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