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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-07-08 · Heft 28 (8.7.1892) · p. Seite 330

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 28 (8.7.1892)
Date
1892-07-08
Page
Seite 330 (sequence 6)
Language
German
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wachung von hundert jungen Offizieren ob, nicht nur hinsichtlich ihres Fleißes, sondern auch hinsichtlich der dienstlichen Führung und des sittlichen Wandels. Welche Vorsicht, Besonnenheit, welchen sicheren Takt, welche Kenntniß des Dienstverhältnisses setzte ein solches Amt voraus, um dem Ehrgefühl der jungen Offiziere Rechnung zu tragen, um die rechte Mitte zwischen allzu großer Strenge und allzu großer Nachsicht zu treffen und sich die Zufriedenheit der Vorgesetzten und das so nöthige Zutrauen der Untergebenen zu sichern! Und nun war der Ansseher Jude, gegen den das Vorurtheil stets wach war. Burg erzählt uns, wie er sein Augenmerk zuvörderst auf sich selbst gerichtet, wie er fortwährend mit Strenge auf sich selbst geachtet und sich ernstlich bestrebt habe, durch sein Benehmen überhaupt, durch ein möglichst ruhiges, sich gleichbleibendes Verhalten, durch strenge Gerechtigkeitsliebe und Unparteilichkeit, sowie andererseits durch Schonung und unschädliche Nachsicht sich das Zutrauen und die Liebe der jungen Leute z» erwerben. Mittelst Kabinetsordre vom 4. Juli 1826 wurde Burg in der durch die Aneienuität vorgeschriebenen Reihenfolge zum Premier- Lientenaiit der ersten Artillerie-Brigade befördert, ohne daß ihm hierbei das mindeste Hinderuiß in den Weg getreten wäre. In seinem Dienstverhältnisse zur Schule und dem Unterrichte au derselben entstand hierdurch keine Aenderung. Nun galt es für Burg, sich auf das Hauptmauus-Exameu vorzubcrciten, zu dem man damals nicht kommandirt wurde, sondern sich meldeir konnte. In der That meldete sich Burg nach gewissenhafter Vorbereitung bei seinem Gönner, dem Prinzen August, mit der Bitte um Zulassung zur nächsten Prüfung. Da nun aber Burg in diesem Falle von der Schule hätte abkommaudirt und seiner Brigade hätte zugetheilt werden müssen, so ließ ihn Prinz August, der seine Kraft der Schule gern erhalten wollte, bitten, auf die Ablegung feines Hauptmanns-Examens nicht zu bestehen; er solle daun, wie dies auch sonst in ähnlichen Verhältnissen schon vorgekommeu, wenn die Reihe an ihn kommen würde, von der Armee zrnn Hauptmauu vorgeschlagcn lverden. Burg, der mit seinem ganzen Herzen an der Schule hing, ging denn auch mit großer Bereitwilligkeit auf den ihm geuiachleu Vorschlag ein, der, ohne ihn in seinem Avancement zu beeinträchtigen, seiner Neigung so sehr entsprach. Prinz August aber, der sich auch vergewissern wollte, ob seitens des Königs dem Avancement unseres Burg nichts entgegenstäude, zog hierüber Erkundigung ei», von deren Ergebniß er Burg glaubte benachrichtigen zu müssen. In der That wurde derselbe durch diese Auskunft auf das Schmerzlichste berührt und seine Erwartung auf das Tiefste herabgestimmt. Denn der König erklärte, er lehne es ab, wegen Burgs Avancement eine besondere Entscheidung zu treffen, und zwar in der Voraussetzung, „daß er durch seine Bildung, Stellung und religiöse Ileberzeugung wohl bereits diejenige Annäherung zum Christenthum in sich fühle, welche ihn bewegen würde, durch förmlichen Uebertritt zur christlichen Religion zugleich jeden Anltoß zu seiner ferneren Beförderung aus dem Wege zu räumen." Burg erkannte nur zu sehr die Schwierigkeiten, die sich seinem Avancement eutgegeustellen würden. Aber ein in sich gefestigter Charakter, mit festester religiöser Ileberzeugung gepaart, konnte in ihm kein Gedanke an einen Religionswechsel, auch dem Willen des Königs gegenüber, aufkommen. Er hätte die Achtung vor sich selbst verlieren müssen, ein Burg aber konnte nicht charakterlos handeln. Freimüthig, offen, unbefangen setzte er dem Prinzen August ans dessen Wunsch die Gründe auseinander, ivelche ihn bisher von einem Uebertritte zur christlichen Religion zurückgehalteu und ihn bestimmen, auch ferner seiner augestammten Religion die Treue zu bewahren. Wir 30 - können es uns nicht versage», den Schluß des Schreibens, das Burg an den Prinzen August richtete, hier mitzutheilen. „Auf meiner bisherigen Laufbahn," sagte er, „ist mir kein Hinder, niß aufgestoßen, wodurch ich mich hätte bewogen fühlen können, mich von meinem Glauben, der mir durch Geburt und Erziehung eigen geworden, der mir in manchen trüben Stunden Trost und Beruhigung verschaffte, förmlich los zu sagen; und wer bürgt mir für die SBei behaltung meiner inneren Ruhe, was bewahrt mich vor der quälendsten und bittersten Reue bei den Schlägen des Schicksals, wenn ich ohne meine Ueberzeugung, nur vom äußern Schein geblendet, alle Rüc> sichten bei Seite setzend, übertrete und in den Augen der Welt ou Heuchler dastehe? Wäre ich als Christ geboren, so würde ich das Christenthum, f„ wie jetzt das Judenthum, als ein mir vom Himmel verliehene Geschenk ausgenommen und bei meinem religiösen Gefühl auch fest und heilig bewahrt haben. Jetzt aber fehlt es mir an Kraft, mein Gewissen zn beschwichtigen, und ich setze, trete ich freiwillig über, meine Ruhe aufs Spiel." Dem Wunsche Burgs, in seiner Stellung an der Schule belassen zu werden, wurde seitens des Prinzen August bereitwillig ein sprachen, und dieser nahm auch bald Gelegenheit, ihm zu erklären, daß er die von ihm abgegebene Erklärung mit großer Theilnahm gelescn und seine darin ausgedrückten Gesinnungen billige und ehr. Er werde auch seiner Zeit diese Erklärung dem Könige in Abschuß überreichen und er hoffe alsdann, zu reüssireu, nur solle Burg den Muth nicht sinken lassen. Auch der König bewahrte unserem Burg unverändert sein Wohl wollen. Mittelst Kabinetsordre ertheilte der König den Befehl, dar 36 Exemplare eines von Burg bearbeiteten neuen Werkes, das da architektonische Zeichnen behandelte, für die Armee «»gekauft werden sollte». Auch fragte der König beim Prinzen August an, ob bei» Verfasser nicht noch außerdem eine Gratifikation zu bewilligen wäre, Prinz August richtete infolge deffen an den König nachstehende- Schreiben, das gewiß unser Interesse in Anspruch nehmen darf. „Ew. Königl. Majestät Allergnädigsten Kabinetsordre vom 21 v. M. gemäß, wonach Allerhöchst Dieselben dem Premier-Lieuteuain Burg für die Bearbeitung seiner Lehrbücher eine Gratifikation j« bewilligen beabsichtigten, gestatte ich mir folgenden Vortrag zur Aller höchsten Entscheidung zu bringen. Der Premier-Lieutenant Burg hat seit Bestehen der vereinigter Artillerie- und Ingenieur-Schule sich nicht allein als Schriftsteller sonder» ganz besonders auch als Lehrer überaus vortheilhaft bekamv gemacht. In beiden Beziehungen ist er stets eifrig bemüht gewesen zum Besten Ew. Majestät Allerhöchsten Dienst nach Kräften zn wirken so daß es nach meinem Ermessen ebenso vortheilhaft als wünschentverth erscheint, diesen Offizier für die von Etv. Majestät zum große!, Nutzen des preußischen Artillerie- und Ingenieur-Korps begründet, Anstalt zu erhalten, indem schwerlich sein Platz so genügend von einem Anderen ausgefüllt werden dürfte. Dieser Offizier ist nun aber in der ersten Artillerie-Brigade alder zweite Premier-Lieutenant herangerückt. Da jedoch p. Burg ein Bekenner des nwsaischen Glaubens iß so sah ich mich veranlaßt, bei dem Kriegs-Minister anzufragen, nn derselbe unter diesen Umständen und in Bezug auf den kriegsminister! ellen Erlaß vom 18. Juni 1822 später zum Hauptmanu in Vorschlag gebracht werden dürfe, um im bejahende» Falle ihn der Prüfung zum Hauptmann unterwerfen zu können. Der Kriegsminister erwiederte mir hierauf: Wie Ew. Majestät sich nicht bewogen gefunden hätten, in der Sache eine besondere Entscheidung zu ertheilen, und zwar in der

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