Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 27 (1.7.1892)
- Date
- 1892-07-01
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 einer Versammlung der Vorschlag gemacht, ein gelesenes Berliner Blatt solle die Idee anregen, daß eine Deputation angesehener Männer vor den Kaiser trete, um von diesem Schutz zu erbitten, und daß gleichzeitig durch eine Massenpetition an den Kaiser in diesem Sinne gewirkt werde. Jndeß wenn der Kaiser die Deputation nicht vorließe und die Petition im Papierkorb endete? Ich habe es nun übernommen, mir bei Dir, lieber Freund, Rath zu erholen. . . Die Antwort lautete: „Es ist eine schwierige Frage, die Du an mich richtest. Aber Ihr müßt eben den "Antisemitismus über Euch ergehen lassen, wie die Juden ihn in so vielen anderen Gegenden und Städten ertragen haben und noch ertragen. Daß sich für £. besondere Mittel dagegen empfehlen lassen sollten, glaube ich nicht. Vermeidet Alles, was Grund, berechtigten Grund zur Gehässigkeit gegen Juden giebt, ruft die Behörden an, soweit der Antisemitismus zu ungesetzlichen Aeußerungen schreitet, und rüstet Euch im Uebrigen mit einem Tbeil desjenigen Muthes aus, der den Juden zu anderen Zeiten die Kraft verliehen hat, so viel Schwereres zu überwinden. . . der Welt etwas einzuwenden haben - einmal sehr ungeschickt! - die Denunziation war also wieder + Berlin, 20. Juni. Der Vorstand des Krankenhauses der jüdischen Gemeinde macht uns die folgender! Mittheilungen: Im Krankenhause der jüdischen Gemeinde sind im Jahre 189t auf der inneren Station 745 Kranke, auf der äußeren 525, zusammen 1270 Kranke zur Behandlung gekommen. Von diesen wurden entlassen als: geheilt 501, gebessert 415, ungeheilt 87, verstorben 149, zusammen 1150 Kranke, so daß am 51. Dezember 1891 ein Bestand von 120 Kranken verbleibt. Verpflegungstage wurden beansprucht, 1. von zahlenden Kranken: a) 490 Patienten auf allgemeiner Station 17,562 Tage, lo 156 Patienten auf Ertra-Station 4646 Tage, zusammen 22,208 Tage; 2. von nicht zahlenden Kranken: h) 544 Patienten für Rechnung der Gemeinde 21,662 Tage,!o 94 Patienten für Rechnung der Fremden- Krankenkasse 5074 Tage, zusannnen 26,756 Tage, in Sunnna 48,944 Tage Demnach sind 54,65 Prozent aller Kranken gratis verpflegt worden. Die Ausgaben betrugen: a) für das Krankenhaus 150,359 Mk., b) für die Poliklinik und für Stadtkranke 17,913 Mk., c)für allgemeine Ausgaben 8650.52 Mk., Smnma aller Ausgaben 176,903.32 Mk.; vereinnahmt wurden an Zinsen, Verpflegungsgeldern, freiwilligen Jahresbeiträgen, an Geschenken sowie aus Büchsensammlungen 117,075.99 Mk., so daß aus der Gemeinde-Hanptkaffe ein Zuschuß von 59,829 35 Mk. erforderlich war. Außerdem wurden Baar-Unterstützungen an Kranke und Rekonvaleszenten 3266.20 Mk. und dergleichen aus diversen Stiftungen 1180 Mk. verausgabt. Das pneumatische Kabinet ist von 87 Personen in 652 Sitzungen benutzt worden. Berlin, 27. Juni. Am 1. Juli eröffnet der Verein für jüdische Geschichte und Litteratur, Dank der Opferwilligkeit seines zweiten Vorsitzenden, Herrn Julius Jsaac, seine Lesezimmer. Dieselben befinden sich im Hause des genannten Herrn, EHausseestraße Nr. 114, Hof part. links, und stehen werktäglich vorerst von 9—1 Uhr Vormittags den Mitgliedern des Vereins zur Verfügung. Nichtmitgliedern und besonders der studirenden Jugend ist der Besuch der Lesezimmer gegen Eintrittskarten gestattet, welche bei Herrn Gymnasiallehrer Dr. Schäfer, Blumeshof 9, schriftlich erbeten werden mögen. Berlin, 28. Juni. Das Organ der „Zeugen" Ohm und Gödsche hat in seiner "Kummer vom Sonnabend den Orden Benai Berith den Behörden als „geheime Gesellschaft" denunzirt, die nach einem glücklich ausgegrabenen Edikt von 1794 straffällig sein sott. Dabei hat das fragliche Organ zwei Punkte vergessen, 1. daß der Orden von Regierung und Polizei nach seinen Statuten gestattet ist, 2. daß jenes Edikt sich nur auf Freimaurerorden bezieht. Es ist ein Glück, daß unsere Gegner ebenso dumm als schlecht sind, denn sonst hätten die Denunzianten es sicher unterlassen, die Tendenz des Ordens ihrer Denunziation zuzufügen. £ 1 seiner Statuten lautet nämlich: „Der unabhängige Orden Benai Berith hat es sich zur Mission gemacht, Israeliten zu vereinigen in dem Werke der höchsten Interessen der Menschheit; den geistigen und moralischen Eharakter unseres Stammes zu entwickeln und zu heben, die reinsten Prinzipien der Menschenliebe, der Ehre und des Patriotismus ihnen einzuprägen, Wissenschaft und Kunst zu unterstützen, die Noth der Armen und Dürftigen zu lind.rn, die Kranken zu besuchen und zu pflegen, Wittwen und Waisen zu beschützen und denselben auf den umfassendsten Grundsätzen der Menschheit beizustehen." Gegen eine solche Tendenz kann doch wohl kaum irgend eine Regierung * Berlin, 27. Juni. Der Unfug, welcher mit unzüchtigen Schriften antisemitischen Inhalts in der Friedrichstraße seit Wochen getrieben wird, ist am jüngsten Donnerstag Gegenstand eines Antrages in der Stadtverordnetenversammlung gewesen, durch welchen der Magistrat ersucht werden sollte, mit dem Polizei-Präsidium in Ver bindung zu treten, um der Belästigung des Publikums durch Verbreiten schamverle Sender Schriften auf den Straßen der Stadt zu steuern. Nack, der Begründung durch Herrn Stadtverordneten Friedemann gab Bürgermeister Zelle die Erklärung ab: „Der Magistrat theilt vollkommen die Ansicht des Vorredners. (Bravo!) Er hat bereits einen Beschluß gefaßt, welcher in dieser Richtung vorgeht. Er will den Herrn Polizei Präsidenten aufmerksam machen auf den Unfug, von dem die Rede gewesen ist, und zu gleicher Zeit auf einen andern Unfug, der mir Plakaten getrieben worden ist." (Lebhafter Beifall.) Aus der Debatte, die sich an diese Erklärung anschloß, verdient besonders hervorgehoben zu werden, daß der von den Bürgerparteilern gewählte Stadtverordnete Pretzel in die Entrüstung über dieses Treiben der Antiserniten mit ein. stimmte. Der Antrag wurde alsdann mit allen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenonnnen. <D Berlin, 27. Juni. Anläßlich einer Enquete über den Anti semitismus, die ein bekannter Schriftsteller veranstaltet, hat Julius Stetten heim in diesen Tagen die folgende ebenso witzige als den Nagel auf den Kopf treffende Antwort gegeben: „Solange der Staat nicht die Antisemiten zur Gewerbesteuer heranzieht, hat er keinen Begriff von dem inneren Wesen dieser Bewegung."?. Danzig, 23. Juni. Am 7. d. M. fand Hierselbst im Bureau der Synagogen-Gemeinde die General-Versammlung der „Hilfskassfür Beamte israelitischer Sy nag o gen-Gerne in den, deren Wittwen und Waisen in den Provinzen Pommern, Ost- und Westpreußen" statt, Hierzu hatten sich die in hiesiger Stadt wohnenden Mitglieder rechzahlreich eingefunden, ferner war von außerhalb Herr Rabbiner Dr. Bamberger-Königsberg als Vertreter des ostpreußischen Gemeindeverbandes erschienen. Den Vorsitz führte Herr R.-A. Dr. Meyer, Vor sitzender der Hilfskasse, und erstattete derselbe den Bericht über den Stand im Jahre 1891. Aus diesem Berichte ist hervorznheben, daß sich das Vermögen des Vereins wieder gehoben und mit einem Bestände von 9141.20 M. in das neue Jahr eingetreten wurde. Die Einnahme setzte sich zusammen aus 1023.75 M. Beiträgen, 42.50 M. Eintrittsgeld und 315 M. Zinsen. Dieser Gesammteinnahme von 1381.25 M. steht ein Ausgabe von 609 77 M. gegenüber, wovon 590 M. auf Unterstützungeu an zwei Rabbiner- und eine Kantorwittwe entfallen. Die Mitglieder zahl ist leider immer noch sehr gering und kann den Beamten in den drei Provinzen nur gerathen werden, sich mit ihren Anmeldungen zu beeilen. Die Neuwahl des aus 15 Personen bestehenden Vorstandes ergab die Wiederwahl der bisherigen Mitglieder. Anmeldungen sind au den Vorsitzenden oder Schriftführer zu richten. Eintrittsgeld und Jahres beitrag sind äußerst gering normirt. des or gesterr Heine' Seidel tz Heringsdorf, 26. Juni. Seil gestern hat unser reizender Badeor seine rituelle Speiseanstalt. Allerdings ist das Bad zu dieser modernen Errungenschaft nicht ohne schwere Kämpfe gekommen, Kämpfe, bei denen die hohe Obrigkeit die Rolle der abwehrenden Vertheidiger, und Herr Peltesohn, der Inhaber von Cassels Hotel in Berlin die des siegreichen Schanzenstürmers spielte. Hätten die Herren Ortsvorsteher vorher gewußt, daß das „koschere" Essen der Feinheit des Servirens und dem Glanz» äußerer Ausstattung keinen Abbruch thut, so wäre vielleicht Alles ohne Streit gegangen. So aber mußte erst des Richters Wort entscheiden Zwar konnte die Eröffnung einer Speiseanstalt im Zeitalter der Gewerbe freiheit nicht untersagt werden, aber dem Laster des Trinkens sollten die bösen Juden in unseren! Orte keinesfalls sich hingeben dürfen; und so wurde dem neuen Restaurant selbst zum Ausschank der berauschenden Gifte „Kaffee und Thee" der Konsens verweigert. Oder sollte es zu Ohren der Gestrengen gekommen sein, was man so häufig von den! mangelnden Durste der Kinder Israels munkelt? Fast scheint es so, denn die Begründung der Verweigerung lautete: „es ist kein Bedürfnis; vorhanden." Doch der Kreisausschuß dachte anders. In der richtigen Annahme, daß den Juden mit der Emanzipation zugleich das Recht aller Deutschen, das des Trinkens, verliehen sei, verfügte er die Aufhebung I hier dand 19 Ve sriedic den, f Verha eröffn seither aus d Fahre schloß Gen!e betrac unter eine c stÜtzN! hervo eine israel! ansge | Fördi Vertu das auf d defrie iu ge laufe! wirke Verei Nach! energ guten dem ' der $ in B' Thät ordm des! unter Terti uomi schlcu einzu geneh Unte i st n sichtli die Ziel erreic ordn Gege miss, den rage! einzu vorzi auch uicht auch einer behu und Herr