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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-07-01 · Heft 27 (1.7.1892) · p. Seite 324

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 27 (1.7.1892)
Date
1892-07-01
Page
Seite 324 (sequence 12)
Language
German
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324 des Werkes, sondern auch unbetheiligten Juden Haß zuziehen wird, lassen wir unsere Hände lieber davon " — Hieraus können Sie zugleich ersehen, daß auch folgendes Citat des Herrn Levy: „Schreibt doch Herr H. M.G selbst: „man thut das Gute nicht des Dankes willen"; doch er meint, wir sollen vorerst für den nothwendigen Neligionsunterricht unserer jungen Glaubensbrüder sorgen", nicht richtig ist. Daß man das Gute nicht des Dankes willen thut, leitet vielmehr, wie Sie gesehen haben, den Gedanken ein, daß man Anderen überlassen soll, das Gute zu thun, was nicht nur den Förderern, sondern selbst Unbetheiligten Haß und Verfolgung zuzieht. Nicht seitens eines „Häufleins", sondern zahlreicher streife. Ich habe z. B. die Subalternbeamten im Auge, eine zahlreiche Masse der Bevölkerung, deren wirthschaftliche Lage durch eine Ausstellung erfahrungsgemäß verschlechtert wird. Von der Verletzung derartiger berechtigter Interessen sprach ich, nicht von: Mißlingen der Ausstellung, deren Erfolg ich anch ohne jüdische Beihilfe für gesichert halte. Herr Benas Leon meint, daß „diejenigen Juden, welche zu dem Garautiefonds Beiträge zeichnen, mich nicht einen Pfennig mehr für den jüdischen Religionsunterricht geben würden, wenn sie fiir die Weltausstellung nichts zeichnen." Ich fürchte, er hat Recht. Eine andere Frage, ob Das erfreulich ist. Ich meine nicht, wie mir Herr Benas Levy nachsagt, daß deshalb die Judenschaft zu Grunde gehen wird. Ich sprach nur davon, daß sie verdienen würde, zu Grunde zu gehen, falls sie das erforderliche Geld für ihre eigenen Bedürfnisse nicht schafft, den mehrfachen Betrag aber für andere Zwecke übrig hat. Ich gebe Herrn Levy gern zu, daß es unter den Juden Kauftente giebt, deren Interesse es erheischt, sich an einer Weltausstellung zu betheiligen. Es handelt sich inbcffcn nicht um die Betheiligung überhaupt, sondern um Garantiezeichnungen undTheilnahme am Komitee. Hauptsächlich aber: ich schrieb nicht für Kaufleute, sondern für Juden. Herr Levy 1 heilt vielleicht mit Recht den jüdischen Kaufmann in zwei Theile, in einen Kaufmann intb in einen Juden. Er meint: den Beitrag für den Garantiefonds zahlt der Jude — als Kaufmann, den Beitrag für den Religionsunterricht — als Jude. Das ist ja das Unglück, daß wir nicht ganze Menschen sind. Bei dieser Theilung zwischen Kaufmann und Jude sind wir endlich dahin gelangt, daß wir 3 Tage im Jahre Juden find und 302 Tage Kaufleute. Oder noch drastischer: daß wir uns über die „Kreuzzeitnng" auf der erstell Seite ärgern — als Juden, und auf der vierteil Seite inseriren — als Kaufleute. Mit ergebener Hochachtung Berlin, 23. Juni 1832. H. M. (1. Sehr geehrter Herr Redakteur! Nach bem von Herrn Rabbiner Dr. Rippner iit der Zeitung des Jlldenthums von voriger Woche angeführten Citat des Talmuds: „Heil dem Geschlecht, wo die Großen auf die Kleinen hören", wollen Sie mir gütigst gestatten, über den geistreichen Artikel des Herrn Dr. R. meine Ansicht zu äußern: Die Frage des Herrn Tr. Rippner, wie es komme, daß die augestrebten Reformen in den Gebeten kein Resultat hatten, erlallbe ich mir dahin zu beantworten, weil wirklich kein Bedürfniß für Reformen in ben Gebeten vorhanden ist. Der größte Theil der deutschen Juden ignorirt überhaupt jeden Gottesdienst, es ist ihm ganz gleichgiltig, wie unb wie viel gebetet wird; ein Theil besucht die Synagoge etwa 3 bis 4 lnal inl Jahre, lmd ist es ihlll auch einerlei, wie die Liturgie beschaffen ist, er hat ja doch kein Berständniß dafür, er betet nach gewohnter Weise, jede Blenderung wäre für ihn sogar eine Störung. Für die aber aus innerern, religiösem Drange täglich die Synagoge Besuchenden ist der Gottesdienst nicht zu lang und lästig. Und was soll schließlich ausgernerzt werden, und was soll bleiben? Wenn alle Anklänge auf Zion und Jerusalem, auf Messias lind Opfer verschwinden sollten, was bleibt noch übrig? Und warum soll der gebildete Jude nicht für Messias, Zion und Jerusalem beten? Ist das etwa ein Vergehen gegen die Vaterlandsliebe? Der gebildete Jude stellt sich den Messias in der Weise vor, wie uns der Talmud lehrt: „Ln den olom hase lijemoth liamoschiaeh eie schibud malchiuth bilwad“. Der Unterschied zwischen jetzt und der messiauischen Zeit besteht nur in der allgemeinen Menschenliebe und Toleranz. Warum sollten wir eine solche Zeit nicht herbeisehnen? — Der Opferdienst bestand ja thatsächlich zur Tempelzeit. Jetzt ist das Gebet an dessen Stelle getreten. Welcher Dienst Gott gefälliger sein kann, vermag sich jeder gebildete Jude zu denken. Aber warum sollte die Erwähnung der ehemals gebrauchten Opfer störend auf den Gottes dienst einwirken? Was will übrigens Herr Dr. R. mit dem Buche ,,Wajikro*‘ und mit allen Stellen der Bibel, die von Opfern handeln, machen, was soll an den verschiedenen Festen in den Synagogen vorgelesen werden? Und nun soll auch deutsch statt hebräisch gebetet werden. Ich habe gar nichts dagegen, wenn manche „Hymne" deutsch gesungen würde: aber die „Gebete" deutsch einzurichten, wäre unpraktisch. Denn wenn man täglich dasselbe deutsche Gebet sagt, wird es bald Einem überdrüssig, während die Gebete in unserer altehrwürdigen heiligen Sprache eroui neu bleiben. Es könnten allerdings die vielen „Piutim“ und „Slichot“ weg bleiben; doch die Gebete, die uns von den Männern der großen Synode überkommen sind, passen für alle Zeiten. Mögen lieber die Häupter der Gemeinden, die Häupter der Familien dafür Sorge tragen, daß die jüdische Jugend die Gebete in ihrer heiligen Sprache verstehen möchte, dann werden Sie dem Judenthum mehr leisten, als wenn sie nach Beseitigung der hebräischen Gebete streben. Graudenz, den 19. Juni. W. Priw in, Kantor der Synagogen-Gemeinde. Dem Nichts, dein Staub friiherer Zeit entzogen zu sein, um nun mehr einen Millionenwerth zu repräsentiren, verdanken die Cigarren abschnitte dem Wohlthätigkeitssinn edler Menschen. Giebt es nicht mein derartige Dinge, nur harrend einer geschickten Organisation, um fhh ebenfalls aus ihrem Nichts zn erheben und in einen ungeahnten Wern, zu verwandeln? — Gewiß! Ich erinnere nur an einen solchen am geistigem Gebiete: an die täglich in Hunderttausendeu von Exemplaren in den Papierkorb wandernde Zeitungslektüre. In der Politik, in der Kunst, in der Wissenschaft bietet uns > ne Zeitung täglich Unterhaltung und Belehrung; wir ersehen durch sie, ohne auch nur einen Fuß vor die Thür zu setzen. Alles, was in der groß n Welt vorgeht. Speziell Ihre Zeitung bringt uns das, was uns am lebhaftesten interessirt, all das Böse, was an den Juden der meist ii Länder verübt wird, in ausführlicher, unverfälschter Weise; aber auch ban Erfreuliche innerhalb der Judenschaft und die vielseitigen Beweise einer immer noch nicht ganz unterdrückten humanen Gesinnung gegen uns, die in der heutigen Zeit der Verfolgungswuth wohlthut. Ist es nicht bedauerlich, daß dieses kostbare geistige Gut, nachdem wir es in uns ausgenommen, dem ehemaligen Schicksale der Cigarren, spitze, dem Nichts, der Makulatur, dem Papierkorb anheimfüllt? Mögen alle Zeitungen, welche dieses Loos verdienen, ihr elendes Dasein in der bisherigen Weise weiterfristen; in den Papierkorb mit allen Hetzblätte n und ihrer religiösen Selbstüberhebung. Eine ehrliche, edle Presse aber diese beste Mission für jüdische Volkserziehung — sollte noch weiter über ihren bisherigen Leserkreis hiuaus ihre gute Wirkung üben, indem he auch den Kreisen armer jüdischer Familien zugänglich gemacht wiro, welche nicht einmal eine Tageszeitung, geschweige denn noch eine wie die Ihrige halten können. Wir versehen unsere Armen mit Geld, Speisung, Feuerunn. Kleidung u. s. w., weshalb nicht auch mit geistiger Nahrung, zumal d-m noch weniger Opfer erfordern würde? Die Organisation ist einfach, wenn einige beherzte Männer sie in die Hand nehmen. — Ihre geschätzte Zeitung wäre geeignet, einen Ber such zu machen; auch kann von Ihrer Redaktion vorausgesetzt werden, daß ein kleinliches, beängstigendes Gefühl nicht vorhanden ist, als könnte ein Gratis-Weiterversandt an wirklich arme Leute Ihren Abonnenten kreis verringern. Vielleicht genügt diese Anregung, das schöne Ziel zu erreichen, welches nicht nur den an Geist und Leib gesunden Armen, sondern aueh denen in Krankenhäusern u. s. w. zu Gute kommen könnte. Siegmund Jacob-- Trott mto Verlag von Rudolf Molle in Berlin. Verantwortlich für bte Redaktion: Ma7 Bauckiwik in Berlin.

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