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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-07-01 · Heft 27 (1.7.1892) · p. Seite 321

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 27 (1.7.1892)
Date
1892-07-01
Page
Seite 321 (sequence 9)
Language
German
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321 nncrschlag : Professor er solchen oerpflichtet oorden sei. findungen uß folgt.) htigte ich. hin tveder ls ich am S eintrat uif welch« irtete mir sten Tage icn Stad! Salons llt hätten erlauben iU dürfen der Ein Schultern m Haar: lugelrund. dler, den staurate»! alle Drel üwortete Sie dor! tion?" >ber mein Studiren i haben/ sehr fein >eß. Aber den, das brauchen!, gab er die ebenso rennte ick vielleicht eine sehr unangenehme Reisegesellschaft zu haben; aber ich hatte nun einmal um die Mitreise ersucht, und außerdem war die Reise nicht gar lang. Es war ein schöner Maimorgen. Die Büsche waren bereits ausgesprungen und die Kirschbäuine standen in Blüthe im Garten des Hotels, wo ich meinen Kaffee trank und meine Eigarre rauchte, und von wo ich auch einen Blick auf das Einfahrtsthor hatte. Dort gingen meine drei Reisegenossen unruhig ans und ab, mißmuthig darüber, daß der Wagen nicht pünktlich gekommen sei. Als ich ihnen einen Morgengrnß znrief, traten sie in den Garten und einen Augenblick bemerkte ich, daß der hohe, schwere Mann sich sichtbar darüber ärgerte, weil ich ohne jede Spur von Aerger dort saß; aber dann sagte er zu den Anderen: „Recht hat er eigentlich! Kommt denn der Postillon früher, Iveil wir hier ans und ab rennen? Laßt uns uns setzen." Allein ein Gespräch über gleichgiltige Dinge, das ich einzuleiten versuchte, wollte nicht gelingen; ihre Gedanken tvaren ganz anderswo. Sie saßen wohl, aber sie ruhten nicht. Endlich kam der Wagen. Wenn man mit zorniger Ungeduld auf einen Wagen geivartet hat und er kommt endlich und man ist im Wagen plazirt und man fährt mit Peitschenknall und Hörnerklang davon, vermag der Zorn nicht lange anzuhalten, wenn man sich auch dagegen sträubt. Ich vermuthe, daß meine Reisegesellschaft in einer solchen Laune sich befand, denn sic schanten schlveigend zur Seite, während wir durch die engen Straßen fuhren, wo die Kaufläden noch geschlossen waren. Unwillkürlich bemerkte ich, daß an vielen Häusern mit großen Bnchjlaben auf halbrunden Metallschildern gemalt stand: „Modes“, „Modewaarenhandlnng" oder dergleichen. Der runde Mann saß mir gegenüber und machte, lvie es sich erwies, dieselbe Bemerkung wie ich. llnsre Augen begegneten sich und er sagte lächelnd: „In dieser Stadt giebt es viele Nachkommen Asaels." „Asaels Nachkommen?" fragte ich überrascht. „Wer ist das?" „Das wissen Sie nicht? Wo haben Sie stndirt?" sagte er jovial. „Aber warten Sie ein wenig, bis wir von dem Strnßenpflaster tominen, dann werde ich es Ihnen erzählen." Wir fuhren über den Paradeplatz und aufs Neue durch enge Straßen mit sonderbaren alterthümlichen Namen, die zu erinnern ich versuchte; aber meine Gedanken waren bei Asael. Endlich gelangten wir über die Zugbrücke, zwischen den finstern, mittelalterlichen Festungswerken auf die Chaussee, und sofort begann der runde Mann: „Asael... jetzt werde ich Ihnen das erzählen. Einst, vor vielen tausend Jahren, noch vor der Sündfluth, saßen zwei Engel beim lieben Gott im Himmel und sahen auf die Erde hinab und sprachen von der Verderbniß der Menschheit. Der eine der Engel ließ Asael, der andere Schamsadai. Sie sagten, daß, wenn sie auf tiie Erde hinabkämen, dann würden sie sich ganz anders betragen als die Menschen und diesen ein gutes Beispiel geben. Und da gab der liebe Gott ihnen die Erlaubniß, ans die Erde hinabzugehen. Als sie kaum die Erde betreten hatten, begegneten sie einem jungen, schönen Mädchen, in das sie durch die Macht der Erde sich verliebten und sie in Versuchung führten. Das Mädchen fragte sie, wer sie seien, und sie antworteten der Wahrheit gemäß, sie seien Engel. Sie verlangte, daß sie dies durch Nennung des Heiligen Wortes, das den Eintritt in den Himmel verschafft, beweisen sollten, und sobald sie dies Wort ihr genannt hatten, sprach sie es aus und erhob sich und fuhr gen Himmel, wo Gott ihr einen Platz als Stern anwies. Da wollten die beiden Engel auch emporsteigen, allein sie fanden den Himmel verschlossen. Schamsadai erhing sich am Himmel mit dem Kopf nach unten; Asael aber blieb ans der Erde und wurde Meister der Farbenpracht und des Frauenpntzes. Deshalb sagte ich vorhin: Asaels Nachkommen. Verstehen Sie das nun?" Ich hatte nie zuvor die Legende von dem Weibe Jstehar (dem Stern) in dieser Gestalt gehört und wollte mm sehr gern das Gespräch unterhalten, um möglicher Weise noch mehr Sagen zu hören; aber der schwere Mann sagte zu meinem Vis-a-vis: „Ich sage Ihnen, Herr Pertsch, hier darf man nicht von Schamsadai sprecheir, der sich mit dem Kopf nach unten anfhing, denn hier hat kürzlich ein Jude sich erhängt und zwar ganz richtig mit eirrem Strick um den Hals und die Beine nach unten — das Gott erbarme! — und er war Modehündler." „Gott erbarme sich!" sagte Herr Pertsch, und der blasse Mann — er hieß Herr Nathan — wiederholte es. Nach Verlauf eines Augenblickes fuhr Herr Pertsch fort: IUI>- Itaumi st-liel Atilom!1) Ein Jude hat sich aufgehüngt! Wann hängt sich ein Jude? Kennt man nicht die Ursache, Herr Pollak? Hatte er ein Verbrechen begangen? War er verhaftet?" „Die Ursache kennt man," antwortete Herr Pollak. „Er handelte mit Modewaaren und machte gute Geschäfte. Die anderen Kauflente beneideten ihn, und der Zollinspektor war ihm im Nacken und beschuldigte ihn der Zollnnterschlagung. Infolge dessen wurde er verhaftet, aber er war unschuldig und wurde eirtlassen. Aber unterdessen waren seine Kunden zu anderen Kanfleuten gegangen und er konnte sich nicht mehr emporarbeiten. Da mußte er eines Abends die Sparbüchsen seiner Kinder angreisen, um Brod für sie zu kaufen — und dann hing er sich auf." Ich gestehe, daß das ganze Gespräch über einen Mann, den ich nicht gekannt und sich gehängt hatte, mich nur sehr wenig berührte, j Man hört und sieht so viel in der Welt, und der Sonnenschein, der! uns überall umgab und die Baumgruppen und die grünen Felver beleuchtete, hatte mich in eine Stimmung, in ein Gefühl des Wohlbehagens versetzt, welche den Gedanken, daß es wirkliche Schmerzen auf Erden giebt, von sich abwiesen. Aber die Worte: „Da mußte er eines Abends die Sparbüchsen seiner Kinder angreifen, um Brod für sie zu kaufen — und dann hing er sich ans," riesen ein solches Bild von nagendem Kummer und Verzweiflung in mir hervor, daß der Sonnenschein erblaßte und das Ziel meiner Reise mir durch dessen Unbedeutendheit unverständlich wurde. (Forts, folgt.) d! Heimweh.! Erzählung von Eduard Knlke. (Fortsetzung.) Wohin? wohin sind sie denn? Dies war die Frage, die auf j Aller Lippen schwebte, und ans die Niemand eine Antwort zu geben | wußte. Ja, wenn man das gewußt hätte, Honza wäre ihnen nach-; geeilt, er hätte sie eingeholt und zu seinem Meister zurückgebracht, j Er ist Mann genug dazu, ihm ein solches Kunststück znzntranen.! Aber wohin? Kein Bmrer im Orte hatte ihm Pferde eingespannt, : Josefs eigene Pferde standen im Stall und waren eben auch verkauft! mit Haus und Hof. Und doch müssen sie Roß und Wagen zur i Verfügung gehabt haben und können iricht zu Fuße auf und davon gegangen sein. Es war ein vollständiges Räthsel, worüber sich die Leute den Kopf zerbrechen konnten, aber sie brachten bei alle dem nichts heraus. Man hoffte Aufklärung von der Zeit, und die Zeit erfüllte, was man von ihr gehofft. Aufklärung brachte sie, leider nicht auch Trost zugleich. Nach mehreren Wochen erhielt der alte Niederhuber ein U Unser und der Wett Herren!

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