Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 27 (1.7.1892)
- Date
- 1892-07-01
- Page
- Seite 319 (sequence 7)
- Language
- German
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319 ii ward. 1011 einer roh sei», Behörde theilung zu verlier, die ii. Zubereitete er die Schreiben richtete, das man nicht ohne Rührung zu lesen vermag. Nachdem der brave Vorgesetzte, Lieutenant Conradi, Burgs dienstliches und außerdienstliches Verhalten in schönen Worten gepriesen, zeigt er als die Wurzel desselben die treffliche Erziehung einer so achtungswerthen Mutter auf, die ihm Grundsätze eingepflanzt, geeignet, um sich in allen Lagen des Lebens zurechtzufinden. „Wie sehr," ichließt der edle Mann sein Schreiben, „wünsche ich, da auch ich Vater eines Sohnes bin, auf ihn dereinst einmal so stolz sein zu dürfen, wie Sie es mit Recht sei» können." 9. Fell Wilenßische Iplätzen >rgeburt s Freibschiede Lreslan egcs zu ich als enndier Rothginnen tionale " kan: ütlelud hü'ZNr, um i, daß dienen Erklam absthaus lenden Denn >eihen, dessen beim [) Erheilte, Lache, er»iß. hin en so ist erden ne in Fortchtigt neder Bebes mit dem ein. Lorein Obwohl der Krieg begonnen, mußte Burg, so mächtig es ihn auch auf das offene Schlachtfeld trieb, in der Festung Reisse verbleiben, um dieselbe für einen etwa gewaltsamen Angriff in Veriheidigungszustand zu setzen. Endlich durfte nun aber auch unser Burg mit seiner Kompagnie nach Spandau ziehe», um dort die Belagerungs-Artillerie zu verstärken. Während die Kompagnie sich noch auf dem Marsche befand, hatte die Festung kapitnlirt, und die Kompagnie mußte in Spandau einziehen, das in möglichst kurzer Zeit wieder in einen vertheidignngsmhigen Zustand gesetzt werden sollte. Aber auch hier hatte Burg unter des Vornrtheils finsterer Macht »i leiden. Von Reisse ans erging der Befehl nach Spandau, dieienigen jungen Leute, welche sich zu Offizieren eigneten, hierfür i» Vorschlag zu bringen. Vom Hanptmann von Bardeleben, dem ersten Offizier des Platzes, wurde zu diesem Zwecke eine Wahllonferenz berufen, der er präsidirte, und von der Burg, trotz seiner lnrzen Dienstzeit, als Artillerieoffizier in Vorschlag gebracht ward. Dieser Wahl widersetzte sich v. Bardeleben auf das Entschiedenste, und zwar unter Anerkennung der Befähigung Burgs, mit Rücksicht auf dessen Glaubensbekenntniß. „Ich habe", sagte der Vorsitzende oer Konferenz, „im Allgemeinen nichts gegen Burg einzuwenden, Vier er ist ei» Jude, ich bin Artillerieoffizier, und so lange ich etwas m sagen habe, soll kein Jude Offizier in der Artillerie werden." Dem Willen des Vorsitzenden beugte sich die Konferenz, und Burg -lieb von der Beförderung ausgeschlossen. Glücklicherweise trat nun aber bald ein Personenwechsel ein. An v. Bardelebens Stelle kam ein humaner, liebevoller Offizier, Major v. Schölten, der Burgs Verdienste vorurtheilslos anerkannte. Auf des Vorgesetzten Verlangen unterrichtete er nicht nur dessen ältesten Sohn, sondern gab auch an einigen Wochentagen den Kanonieren Unterricht in den elementaren Fächern, sowie in de» Anfangsgründen der artilleristischen Wissenschaft. Bald erhielt auch Burg einen überaus ehrenvollen Auftrag. Er wurde an der auf Befehl des Prinzen August errichteten Brigadeichnle der Artillerie als Lehrer der Mathematik für die erste Klasse derselben angestellt, eine Auszeichnung, die von Burgs wissenschaftdcher Tüchtigkeit ein glänzendes Zengniß ablegte. Burg beschreibt ans, welche Bangniß ihn beschlichen, als er, der fünfundzwanzigjührige ilnteroffizier, junge Männer als seine Schüler vor sich sah, die zum iheil mit dem eisernen Kreuze, zum Theil mit anderen Orden ge- 'chmückt waren, welche sie sich in dem soeben beendigten Kriege erlangen hatten. Oesters wohnte Prinz August dem Unterrichte bei und sprach dem strebsamen Unteroffizier seine volle Zufriedenheit mit dessen Lehrthätigkeit aus. In dieser Zeit legte auch Burg, der seine Schüler für das Offizier- -ramen vorbereitete, dasselbe gleichfalls ab und bestand zur vollen Zufriedenheit seiner Examinatoren. Nun wurde auch endlich sein sehnlichster Wunsch, zur Feldarlillerie versetzt zn werden, erfüllt. Er wurde zur Artillerie des fünften Armeekorps nach Magdeburg abkommandirt. Doch zur Theilnahme am Kriege kam es seitens unseres Burg nicht. Das fünfte Armeekorps besetzte die Länder zwischen der Elbe und Weser, während die übrigen Armeekorps nach Belgien vormarschirten, woselbst am 18. Juni 1815 die Schlacht von Belle-Alliance geschlagen ward, die den Krieg bald entschied. Burg wurde am 25. Juni 1815 zn einer Laboratorienkolonne versetzt, die in drei Dörfern i» der Nähe Magdeburgs in Kautonnirnng lag, um, obgleich er noch immer Unteroffizier war, die Stelle eines zweiten Offiziers zu versehen. Der ihm Vorgesetzte Lieutenant Pauli, der die Laboratorienkolonne kommandirte, war ein alter Bekannter Burgs, dessen Bekanntschaft er schon als Baukondukteur in Berlin gemacht, und es gestaltete sich das dienstliche Verhältnis; zu seinem Vorgesetzten überaus angenehm. In dem Dorfe Gübs, wo Burg Quartier angewiesen war, gewann derselbe die Freundschaft der dortigen Pfarrerfamilie, die sich in den rührendsten Beweisen warmen Wohlwollens kund gab. Endlich nach langem Harren zum Sekunde -Lieutenant befördert, erhielt Burg den Befehl, mit den Offizieren »nd Mannschaften der Laboratorienkolonne nach Danzig zu marschireii. In letzter Stunde wurde jedoch Burg abkommandirt, um an der auf Befehl des Prinzen August von Preußen zu errichtenden Brigadeschule ein Lehramt zu übernehmen. Das war für unsere» Burg eine freudige Ueberraschung; denn nur ungern hatte er dem Befehle, nach Westprenßen zu marschireii, Folge geleistet. Eine so ehrenvolle Berufung jedoch, die so ganz seinen innigsten Wünschen entsprach, und eine Thätigkeit, die er früher schon so lieb gewonnen, erfreute, ja beglückte ihn in hohem Grade, und es ist rührend, die Aeußernngen der Freude und des Entzückens in seinem Tagebuche zu lesen, die dieser Wandel seines Schicksals ihm entlockte. Auch diesmal war Burgs Lehrthätigkeit vom besten Erfolge begleitet. Die Besorgnisse, die er noch im vorige» Jahre hinsichtlich seiner Stellung den Schülern gegenüber hatte, waren beseitigt. Wor er doch nnn selbst Offizier und hatte Vertrauen zn sich gewonnen. So ging denn Alles ganz nach Wunsch, Prinz August bezeugte auch diesmal zum Oefteren sein Wohlgefallen, und die Schlußprüfnng fiel, nach Beendigung des Kursus, zur völligen Zufriedenheit aller Vorgesetzten, die zugegen waren, ans. Im Frühjahr 1810 reiste Burg zu seiner in Danzig stehenden Brigade. Vom dortigen Abtheilnngskommaiideur, Major Huöt, bei seiner Meldung wohlwollend empfangen, gewann er das neue Leben, wie auch seine neuen dienstlichen Verhältnisse, in welche er trat, bald recht lieb, liebte doch die durchaus veränderte Lebensweise, die herrliche Gegend, das gewaltige Meer mit seinen imposanten Erscheinungen den wohlthuendsten Einfluß auf ihn. Bei einer angesehenen, liebenswürdige» Familie einqnartiert, erhielt Burg durch dieselbe Gelegenheit, auch andere reiche Kaufherren Danzigs kennen zn lernen, von denen ec nicht selten Einladungen sowohl in die Stadt wie auch auf ihre Landsitze empfing. Insbesondere gestaltete sich der Verkehr zn Major Hnöt zn einem warhaft freundschaftlichen. Huöt gab ihm zahlreiche Zeichen seiner innigen und aufrichtigen Zuneigung. Als sein Adjutant erkrankte, mußte Burg den Dienst für denselben übernehmen. Im vertrautesten Verkehr mit seinem Vorgesetzten stehend, erweiterte Burg hierdurch den Kreis seines militärischen Wissens. Oft versicherte ihn sein Vorgesetzter, daß er ihn wegen seiner ausgeprägten religiösen Ileberzeugung mir um so mehr liebe, daß er ihn seiner Standhaftigkeit wegen hochachte, daß er den Religions- Wechsel aus schnödem Gewinn, aus Ehrgeiz oder auch aus anderen weltlichen Rücksichten als eine Blasphemie ansehe, und daß er überhaupt eine ganz besondere Abneigung gegen getaufte Juden habe