Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 27 (1.7.1892)
- Date
- 1892-07-01
- Page
- Seite 318 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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318 Wir haben uns Liese Aufgabe gestellt, nicht etwa, um unserer antisemitischen Gegner willen, um ihnen gegenüber de» Nachweis zu führen, das; es wahrlich niemals an Männern in unserer Mitte mangelte, die, erfüllt von edler Vaterlandsliebe, ihre Kraft und ihren Math dem Lande und dem Könige weihten und reichen Ruhm und hohe Ehren auch auf militärischem Gebiete einheimsten. Nein, um unserer eigenen Glaubensbrüder willen möchten wir das Bild eines Mannes ausfrischen, aus de» wir mit gerechtem Stolze Hinblicken dürfen, weil er trotz aller Versuchungen und Verlockungen die gleiche Treue seiner angestammten Religion bewahrte, die er während seines ganzen rühm- und arbeitsvollen Lebens Preußens Fahne erwiesen hat. Denn in einer Zeit, in der unsere Jugend, um rasch „Karriere" zu machen, so häufig Alles von sich abwirst, was sie auf ihrem schnellen Gange hemmen und hindern könnte, vor Allem das heilige Gewand unserer Religion, da ist es doch wohl zeitgemäß, an Männer in unserer Mitte zu erinnern, die trotz aüer Hemmnisse und Hindernisse mit edler Treue und Standhaftigkeit an ihrem religiösen Bekenntnisse festgehalten und den Gedanken weit von sich abwiesen, mit dem Heiligsten elenden Schacher zu treiben, die aber trotz der hohen Ehren, die sie errungen, auch äußerlich ihre Zugehörigkeit zur Religionsgemeiuschast offen vor aller Welt bethätigt, so daß sie ein ehrenvolles Andenken im Herzen der Glaubensgemeinde, auch über den Tod hinaus, sich gesichert haben. Major Burg, der am 9. Oktober 1789 in Berlin geboren ward, hatte nicht etwa in einem vornehmen Hause das Licht der Welt erblickt, sondern aus einfachen bürgerlichen Kreisen war er hervorgegangen; an der Noth des Lebens, die ihn schon früh in ihre Zucht genommen, reifte sein Charakter zu jener Stärke und Festigkeit, die wir schon in jungen Jahren an ihm schützen lernen. Pater und Mutter mußten in gleicher Weise die Hände regen, um für die zahlreiche Familie den Lebensunterhalt zu gewinnen. Ter künstlerisch beanlagte Vater bekleidete in einem angesehenen jüdischen Handlungshause die Stelle eines Buchhalters, und die Mutter unterhielt neben einem kleinen Pensionat eine Töchterschule, in der Elevinnen in feineren Frauenhandarbeiten unterwiesen wurden. Es war ein schönes von Fleiß und Thätigkeit erfülltes Heim, in dem unser kleiner Menno — so war unseres Burgs Rufname — seine ersten Jahre verlebte. Aber frühe schon — noch hatte Menno das fünfte Lebensjahr nicht erreicht -- trat der bittere Ernst des Lebens an die Familie heran. Der Vater starb und hinterließ der Mutter neben einem kleinen, kaum nennenswerthen Vermögen die schwere drückende Sorge für eine zahlreiche Familie. Starken Herzens, muthig und vertrauensvoll nahm die treffliche Frau die neuen Pflichten auf ihre Schultern. Zu stolz, um von Fremden, ja selbst von ihren begüterten Verwandten Unterstützung anzunehmen, wollte sie allein nur der eigenen Thätigkeit die Mittel für den Unterhalt ihrer Familie verdanken. Wer will ermessen, wie ein solches, von den edelste» Motiven getragenes Leben auf den Heranwachsenden Knaben wirken, ja, wie dieser edle Stolz, diese Standhastigkeit und unentwegte Pflichttreue de» Keim zu den trefflichsten Tugenden im Herzen unseres kleinen Menno pflanzen mußte! Menno Burg, der eine entschiedene Neigung für das Baufach bekundete, kam, nachdem er bis zu seinem siinfzehnten Jahre das Gymnasium zum grauen Kloster in Berlin besucht, zn seinem Vetter, dem Bauinspektor Sachs, in die Lehre. Hier bereitete er sich, stets unterstützt von seiner Mutter, für den Besuch der Berliner Bauakademie vor, bestand im Jahre 1807 das erste Examen als Kondukteur oder Feldmesser und wurde als solcher von der königlichen kurmärkischen Kriegs- und Domainenlammer in Eid und Pflicht genominen. So stand Burg, erst achtzehn Jahre alt, im Staatsdienste, ohne daß ihm jedoch hiermit ein bestimmtes Amt übertragen ward. Denn bei der großen Anzahl von Kondukteuren konnte nur von einer diätarischen Beschäftigung die Rede sein, und Burg mußte froh sei», wenn er nur hier und da einen Auftrag von der Vorgesetzten Behörde erhielt. Burg benutzte die unfreiwillige Muße, um durch Ertheilung von Privatunterricht seine Kenntnisse in der Mathematik zu verwerthen »nd durch seinen Erwerb die schwere Last der Mutter, die liebevoll noch immer für seine Bedürfnisse sorgte, zu erleichtern. Zugleich besuchte Burg die Akademie der freien Künste und bereitete sich für das sogenannte große Bauexamen vor. Eben wollte er die Prüfungsarbeiten für diesen Zweck einreichen, da erschien am 9. Februar 1813 jener denkwürdige Aufruf des Königs Friedrich Wilhelm 111. »An mein Volk", der die ganze waffenfähige preußische Jugend zu den Waffen rief. Die Jugend eilte den Sammelplätzen zu, um, mit dem Heere vereint, Preußens Freiheit und Wiedergeburt zn erkämpfen. Am 14. Februar meldete auch Burg sich als Freiwilliger und wurde schon am 16. nach einem ergreifenden Abschiede von seiner trefflichen Mutter mit anderen Freiwilligen nach Breslau befördert. Burg, der die Absicht hatte, nach Beendigung des Krieges zu dem ihm lieb gewordenen Berufe zurückzukehrcn, meldete sich als Freiwilliger bei der Garde, deren Leibkompagnie er als Grenadier zugetheilt ward. Ein neues Leben begann nun für den jungen Freiwilligen. Nothdürstig eingekleidet, mußte er sofort mit dem Exerzieren beginnen »nd wurde nach Verlauf von zehn Tagen zur Aufnahme des Nationale zum Feldwebel befohlen. Als dieser zur Rubrik „Religion" kam und de Antwort „jüdisch" erhielt, sah erden Freiwilligen kopfschüttelnd an, vollendete die Liste und entließ ihn, ohne noch ein Wort hinzuznfttgen. Nach wenigen Stunden kam er auf Burgs Zimmer, um ihm auf Befehl des Majors von Alvensleben nützutheilen, daß ec »ach den bestehenden Gesetzen nicht als Jude in der Garde dienen könne. Trotz aller Einwendungen Burgs blieb es bei dieser Erklärung. Die säinmtlichen ihm übergebenen Effekten wurden ihm abgenommen, er mußte das Quartier verlassen und in ein Gasthaus ziehen. Es war ein erkältender Wasserstrahl, der Burgs flamnieudeu Enthusiasmus traf, aber ihn doch nicht zu verlöschen vermochte. Denn das Vorhaben, seine Kräfte der Rettung des Vaterlandes zu weihen, gab er darum doch nicht auf. Aus Aurathen eines Offiziers, dessen Lehrer er früher in der Mathematik gewesen, meldete er sich beim Prinzen August als Freiwilliger zur Artillerie. Als er, durch Erfahrung belehrt, dem Prinzen sein religiöses Bekenntnis; mittheilte, erklärte derselbe mit schlichten Worten: „Das thut nichts zur Sache. Die Religion, zn der Sie sich bekennen, ist durchaus kein Hindernis;. Wenn Sie in die Armee eintreteu wollen, um Antheil zu nehmen an dem nur allzu gerechten Kampf für König und Vaterland, so ist es natürlich ganz einerlei, ob Sie Jude oder Christ sind. Werden Sie gesund »nd brauchbar gefunden, so steht Ihrer Aufnahme in die Artillerie gar nichts entgegen, sowie auch Ihr ferneres Fortkoinmen bei der Waffe durch Ihre Religion nicht beeinträchtigt werden soll." Herrliche Worte, die Burgs so tief gesunkenen Muth wieder aufrichteten und die ihn mit einein unauslöschlichen Gefühl der Begeisterung für den hochherzigen, edlen Prinzen erfüllten. In Neisse, wohin Burg mit einem Empfehlungsschreiben des Prinzen gesandt war, trat er, dem Befehle des Prinzen gemäß, mit lleberspringnng der untersten Stufe des Kanoniers, sofort mit dem Range eines llnterossiziers, als Bombardier in die Artillerie ein. Hier erwarb er sich die Achtung und das Wohlwollen seines Vorgesetzten in so hohem Grade, daß derselbe an Burgs Mutter ei» Schreib Nachdei liches v zeigt e achtung um siä ichließt Vater dürfen, Ol auch a bleiben, iheidigr Eu nach S stärken, hatte di einziehe iähigen Ab »i leid >enigen Vorschli ersten C lanferei lurzen ' Tiefer und zw auf des aer Ko Vier er ul sage Tein B vlieb vc Gl! .'ln v. 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