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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-07-01 · Heft 27 (1.7.1892) · p. Seite 317

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 27 (1.7.1892)
Date
1892-07-01
Page
Seite 317 (sequence 5)
Language
German
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317 T s t Nr. 23 sch es und verimgeii erfahren, seltsames Die fragd so cillsehen wir l Acosta" Villa des c sich da- :n Flüche jüdischen religionsjiit, meist : Autoren disches zu ißiwte zu (d. 9lusg. jüdische» Vorschrift :!) Buche stium anort steht, rraschcnd, Fundort oder zu rsseu, wie in irgend so merk- 10 er sich lleicht vou chote noch >ntz „dort uart Milt Orte nicht dort den ,en bildet so treffend derer Bc ce cs Mit schsteiilicb 11 unsercu und lciäu h erschein! tatholischl, : vielmehr gionslehr Schrifte,! ils ii e»- lelegentliri' imintlichci tslagen crrbuche der katholischen Religion zunächst sürGymiiasien"(Müncheu, R.Oldeubourg, 4. Stuft. 1886) S. 140 als „Hauptgebot" gelehrt: „Du sollst den Herrn deinen Gott lieben aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Gemüthe und aus allen deinen Kräften"; ferner: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst". Als Duelle und Fundort wird aber nicht etwa 5. B. Mos. 6,4 folg. bez. 3. B. Mos. 19, 18 angegeben, sondern Marcus 12, 30, 31.; Matthäus 22, 37—39. Der als freisinniger Theologe ebenso wie als Kanzelredner berühmte Heinrich Lang gab seiner Zeit „Stunden der Sind acht" heraus. Gleich auf der ersten Seite des zweiten Bandes wird das als Motto vorangesetzte Schriftwort „Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn" nicht aus Psalm 117, 26, wo es sich eigentlich und ursprünglich findet, sondern ans Matthäus 21, 4 citirt. Der noch berühmtere Württemberger Prälat und Dichter Karl Gerok kennt das Schriftwort: „Und Gott wird trocknen (abwischcii) alle Thränen von jeglichem Angesicht . . . nicht aus Jesaia 26, 8, sondern aus der Offenbarung Johannis 21, 4. („Rede am Sarge eines sechs Monate alten königlichen Prinzen" 1880). Das ergreifende, den menschlichen Hochmuth dämpfende, aber zugleich so tröstlich ausklingende Prophetenwort : „Alles Fleisch ist Gras, und alle seine Herrlichkeit wie die Blume des Feldes. Gras verdorrt, die Blume welkt .. . aber das Wort unseres Gottes besteht in Ewigkeit" wird vou christlichen Predigern ganz allgemein nicht nach Jesaia 40, 6—8, sondern nach der 1. Epistel Petri, 1, 21 citirt mit der ans die Septuaginta ziiriickgehenden minderwerthigen Pariante „wie des Grases Blume" im zweiten HalbverZi). Diese Beispiele mögen genügen. Der weniger bibelfeste Leser möge bei dieser Gelegenheit erfahren, wie mißtrauisch er in Bezug ans die Originalität vou Gedanken und Bildern sein darf, die ihm als angeblich neutestamentlich entgegentreten und bei ihrer Beschaffenheit den Wunsch erwecken könnten, es möchte so etwas in unserer Bibel enthalten sein; andererseits möge er sich auch nicht herabstimmen lassen, wenn ihm etwas als jüdisch angegeben wird, ivas sein besser geartetes Denken und Fühlen fremdartig oder gar unangenehm berührt. Wie es mit der deutschen Gründlichkeit auch bei Fachgelehrten und Professoren bestellt ist, sobald es sich um das Judenthum handelt, davon haben s. Z. schon Zunz, Geiger n. 91. ergötzliche Beispiele mitgetheilt. Es ist aber inzwischen damit nicht besser geworden, trotz der Bemühungen eines Delitzsch, Siegfried, Strack und anderer christlicher Gelehrten, trotz der vielen Hilfsmittel, die in den letzten Jahrzehnten geschaffen wurden. Und wenn ich bei dieser Gelegenheit noch für ein Beispiel dieser Art Raum in Anspruch nehme, so geschieht cs, weil ich damit zugleich einen kleinen Nachtrag zu Steinthals in diesen Blättern (Nr. 20 und 21) mitgetheiltem Vortrage „Der Juden tägliches Gebet" liefern möchte. Professor Steinthal bemerkt nämlich a. a. O. S. 256: „Dieses Kaddisch erinnert so entschieden an das christliche „Unser Vater", daß ich kaum umhin kan», auf die Gleichheit und den echt jüdischen Charakter dieses von Jesus stammenden Gebetes hinzuweisen." Ich wiinschte, Professor Steinthal Hütte dies näher ausgeführt, denn, wie bereits Delitzsch anerkannt, „zu jedem Satze (des Vaterunsers) bietet die talmudische Litteratur Parallelen". „Schon der Anlage nach," sagt Delitzsch, „entspricht es in überraschender Weise der Vorschrift des Rab Jehuda: Nie bitte der Mensch um seine Bedürfniffe in den drei ersten (Benediktionen) und nicht in den drei 0 Das syrische neue Testament stimmt hier mit deni bebräischen Text überein. Luthers Uebersetznng: „und alle Herrlichkeit der Menschen" stimmt weder mit dem hebräischen Originaltext noch mit der griechischen und syrischen Version überein. letzten, sondern in den drei mittleren (Berachoth 34 a). Die Gebetsanrede, mit der es anhebt (unser Vater im Himmel), lautet gleichwie in der aus dem Munde Jesu stammenden Mischna am Ende des Traktats Sota.,Auf die Frage, wie hat das Gebet, wenn es kurz ist, zu lauten, antwortet Rabbi Eliezer: Es geschehe (o Gott) Dein Wille im Himmel droben, verleihe die Freudigkeit des Herzensl) denen, die Dich hinieden fürchten, und thue, was gut in Deinen Augen! (Tosefta Ber. HI, Tal. Ber. 29b.) Und das Kaddisch, welches in der synagogalen Liturgie ungefähr die gleiche Stelle einnimint, wie das Vaterunser in der kirchlichen, beginnend: Es werde erhöhet und geheiligt sein heiliger Name u. s. lv. klingt mit den drei ersten Bitten (des Vaterunser) zusammen. Sinnvolle Parallele zu „Dein Wille geschehe" findet sich in Aboth 1k, 4; V, 23; die Vorstellung der Sünde als Schuld («labil,mi> ist jüdisch (Targ. zu Hes. 33,16). Die Bitte „Führe uns nicht in Versuchung" ist nach Berachoth 60 b Bestandtheil des täglichen Morgeugebetes und desgleichen die Bitte: „Erlöse uns vom Hebet" (Berachoth 16 b) — eine Stelle, die sich exegetisch dafür verwerthen läßt, daß die Beziehung des Bösen auf den Satan die Begriffsweite des Wortes gegen den beabsichtigten Sinn verengt".So Delitzsch! Dagegen läßt sich ein Iw. tlieol. Ebrard in der großen achtzehubändigen Real-Encyklopädie für protestantische Theologie und Kirchech über diese Frage folgeiiderinaßen vernehmen: „Völlig nichtig sind die Untersuchungen, aus welchen Ouelleu der Herr (Jesus) dieses Gebet (Vaterunser) geschöpft hat. Nach Grotius, Capellus, Lighfoot u. A. — wir können auch Delitzsch hinzufügen — hat Jesus die einzelnen Bitten aus rabbiuischen i Quellen entlehnt. Allein die ganze Aehnlichkeit reduzirt sich darauf,! daß auch Gott zuweilen Vater genannt wird (!), oder das Reich Israel aufzurichten gebeten wird (!), oder daß gebetet wird „Dein Name werde geheiligt durch unsere Werke (??!); und überdies stammen jene Gebete theils aus dem NUN2 (Dr. E. vokalisirt: Tnnft!!), einem mittelalterlichen Buche portugiesischer Juden (!), theils aus dem “id1!2 “ISD, dessen Verfasser der um 1500 lebende j Rabbi Klatz war!" Mit solchen Kenutnisseu ist also ein deutscher Gelehrter ausgerüstet, der sich für berufen und befähigt hält, eine weitläufige, j wissenschaftlich sei» sollende Abhandlung über das „Gebet des Herrn",! seines Herrn, zu schreiben!! Major Burg. Ein biographisches Lebensbild von Dr. M. Silberstein in Wiesbaden. Wer in den vierziger oder auch noch im Anfänge der fünfziger Jahre an Sabbathen oder Festtagen die in derHeidereuter-Gaffe in i Berlin gelegene altehrwürdige Synagoge besuchte, dessen Blick ward! unwillkürlich von einem höheren Offizier gefesselt, der in den vor-! deren Reihen stand und, vom Talith (Gebetmantel) umhüllt, audachtsj voll sein Gebet verrichtete oder aufmerksam, ja gespannt den Worten lauschte, die des verehrten Predigers Dr. Michael Sachs so beredtem Munde entflossen. Das war der Major Burg, dessen Lebensbild wir den Lesern: dieser Zeitschrift vor das geistige Auge zu stellen gedenken. 1) So übersetzt n*H riHJ Jakob Auerbach in dem trefflichen Anhang zu seiner ebenso vortrefflichen Schul-Hausbibel. 2) Unter Mitwirkung vieler protestantischer Theologen und Gelehrten in zweiter durchgängig verbesserter (!) Auflage herausgegeben vou Di-, theol I I. Herzog und Di-, theol. G. L. Plitt, ordentl. Professoren an der Universität Erlangen. Leipzig 1877/1888.

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