Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 27 (1.7.1892)
- Date
- 1892-07-01
- Page
- Seite 315 (sequence 3)
- Language
- German
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315 >em Tode involleres ) sich mit ehmen so er ehren- Kammer, ite) vercr seinem Allen in )r»n'.onts. lern man Mindeste» Schmerze in tragen, jaben vor ichkeit nur lt strenger schildern, Moros iji l, da der e». Dieser tont wird nlichkcitc» tte bereite rgerufencr d sich gegsministcr des Anti' gestern in ich wegen gt daran, inen, bi»; Personal s Prinzip,;ges." Lir können iiffcit mm itiseinitcrn wir übcrrliche und isscn. (H lamen defür unsere ad unsereiltern de- >n für bic im Jum, nd zurück, jicr unter iämmtlidif Fragen ökonomischer, kultureller, ethischer und sozialpolitischer Natur; ilmfassen. Der Autor weist mit Recht darauf hin, daß der Juden-! haß in Polen keine neue Erscheinung ist; die politische und ökonomische Einschränkung der Inden waren in Polen immer zu Hanse, und die Landtagsdcbatten vom Jahre 1862 z. B. über die Gleichberechtigung der Juden in Galizien sind ein beredter Ausdruck der judeufeindlichen Stimmung, welche damals in den einflußreichsten Kreisen des Landes herrschte. In heftigen Worten, die allerdings mehr gefühlt als gedacht zu sein scheinen, bekämpft die Broschüre die Assimilationstheorie, durch die die „Polen mosaischer Konfession" die Jndcnfragc lösen zu können glauben. „Ihrer Natur nach stete und nnznbeseitigende llinständc machen jede Verschmelzung der Juden mit Polen oder Rntcncn unmöglich" — eine Thatsache, die unser Autor freilich etwas oberflächlich und kategorisch hinstellt, anstatt sic aus historischen, ethnologischen und soziologische» Faktoren mit wissenschaftlicher Sachlichkeit abzuleiten. Allein darauf kommt es uns hier nicht an. Höre» wir die positiven Ziele der „jüdischen Jugend". „Wir wollen die Bedingungen erreichen," lesen wir darüber in der Broschüre, „unter welchen sich unser jüdisches Volk glücklich entwickeln kan». Wir werden alle Hindernisse bekämpfen, die sich uns hierbei in den Weg stellen werden. Unsere Bestrebungen werden einen ausgesprochen fortschrittlichen Charakter haben. Unser Losungswort ist: Brvd, Bildung, Selbstkenntniß und Gleichberechtigung." Die Broschüre bespricht im Weiteren die Mittel, die zu diesem großartigen Ziele fuhren sollen; eine weit ausgedehnte Organisation im Lande, Gründung von Zweigvereine» mit gleicher Tendenz in allen Provinzstädten Galiziens, Verbreitung des Gedankens durch Wanderrcdner, Broichüren und Zeitungen. Ich will hier nebenbei bemerken, daß mit denznletzt anfgezähltcn drei Mitteln bereits der Anfang gemacht wurde. Während ich diese Zeilen schreibe, bereist der Redakteur der in Wien erscheinenden „S c l bst e m a n z i p a t i o »", Dr. N. Birnbaum, im Verein mit Sal. Bauer die bedeutendsten Städte Galiziens, um für die Gründung von uidisch-nationalcn Vereinen daselbst Propaganda zu machen. Von den Agitationsbrvschüren, die bis jetzt erschienen sind, erwähne ich blos die vom Verein „Zion" im jüdischen Jargon hcrausgegebencn: „Der Kanlschug", „Die Knute" und „Der Wecker", und schließlich wird eine l'olnische Zeitung mit nationaljüdischcr Tendenz unter dem Namen „IVzyszJosc" („Die Zukunft") demnächst in Lemberg erscheinen. Doch dies gehört ans ein anderes Blatt, kehren wir zur Broschüre zurück. Aus die Besprechung der Mittel folgt eine weitläufige Spezialisirmig der einzelnen Punkte des Programms. Erwähnenswcrth nt unter Ander»! die beabsichtigte Schöpfung von Gcmeindcv er bände n, die in den Fragen der gesammten galizischen Judcn- 'chast gemeinsam Vorgehen sollten; wäre doch ein solcher organisirter Gemeindeverband in erster Reihe berufen, in den Fragen der galiziichc» Judenschaft das Wort zu ergreifen, und dann wäre vielleicht!>er Baron Hirsch der allerdings nnopporluncn Nothwendigkeit überhoden, Verwalter für die galizische „Zwölfmillionen-Stiftung" m Wien zu suchen. Nicht minder erwünscht ist die von der jungen rührigen Partei öcabsichtiglr Gründung von Haudwerkcrsozietäten, da die jüdischen Handwerker nur durch vereintes Vorgehen in der Lage sein werden, mit der nichtjüdischen Industrie erfolgreichzu konkurriren. Schließlich erwähne ich noch aus dem kulturellen Theile des Programms die Reform der „Chedarim" und die Gründung einer Landesrabbinerichule für Galizien, welche Beide in gleichem Maße akut sind. Nachdem die Broschüre noch das auswärtige Programm der Partei, welches die Kolonisation Palästinas, Förderung der Erziehung und des gesellschaftlichen Lebens in den nenbegründcten Kolonien umfaßt, des Näheren auscinandcrsetzt, schließt sie mit einem warm empfundenen Appell an die Juden Galiziens, die Bestrebungen der Partei nach Kräften zu unterstützen. „Das jüdische Volk, welches Jahrhunderte überdauert, welches die Völkerwanderung und die Kreuzzüge gesehen hatte, cs konnte wohl gebeugt, aber nimmer zu Grunde gerichtet werden. Wie ein Phönix wird sich das neue Israel unter der Fahne der Aufklärung und Gerechtigkeit neu verjüngen und sich Anerkennung und Gleichberechtigung erkämpfen. Ihr aber, in deren Adern noch reines jüdisches Blu; fließt, Ihr, die Ihr von Liebe zu Eurem unglücklichen Volk durchdrungen, Ihr, die Ihr durch tausendfache Bande an das Judenthum geknüpft seid, vereinigt Euch, organisirt Euch, schreitet muthig an das große Werk der Erlösung und folget dem mächtigen Rufe der Geschichte." Das sind die lapidaren Worte, die die galizische Jugend — und darunter ist der weitaus größere und intelligentere Theil der jüdischen Univcrsitätshörcr und Advokaturkandidaten zu verstehen — in die Welt hinausposaunt. Mau muß die galizischen Verhältnisse genau kennen, mit diese Worte zu verstehen und zu würdigen; ja, man muß den äußeren Druck mitempfunden haben, der dieses heroische, märtyrerhaste Sclbstbewußtsein hervorgerufen und großgezogen, man muß die höchst bedeutsame geistige Umwälzung selbst miterlebt haben, welche die jüdische Jugend Galiziens innerhalb der letzten Jahre durchgemacht. Mancher Leser im Westen wird wohl über diese utopischen Jugendschwärmcreien bedenklich den Kopf schütteln, mancher wird sich auch eines ironischen Lächelns nicht erwehren können, in Galizien aber, für das sic berechnet sind, werden diese begeisterten Worte einen mächtigen Nachhall finden, in Galizien wird inan sie wohl begreifen. Ata» wird sie begreifen, denn sie sind nicht aus der Werkstätte irgend eines theoretischen Gedankenfabrikanten, sondern aus den akuten, allgemein empfundene» Lebensbedürfnissen hervorgcgange». Die verhültnißmäßig noch junge Partei hat einen muthiqen Sprung mitte» in das praktische Leben gethan. An Stelle der bisherigen verschwommene», abstrakt-theoretischen Tendenzen ist ein klares, zielbewußtes politisch-soziales Programm getreten. Das jugendlichromantische Ideal ist zum konkreten, handgreiflichen Wollen herangewachsen. Das ist das bezeichnende Moment, welches aus der vorliegenden Broschüre hervorgeht, das ist der Fortschritt, den dieses bedeutsame, jüngste Manifest der Partei bekundet. Die Broschüre hat deswegen auch erklärliches Aufsehen erregt. Sie ist das l'uit äu.jonr in der Hauptstadt wie im ganzen Lande. Sie bildet den Gegenstand des Gespräches in allen Kreisen der Bevölkerung, den jüdischen wie den nichtjüdischen. Die Landespresse beobachtet vorläufig eine abwartcnde Stellung; das demokratische Tageblatt „Kuryer Lwowski" bringt zunächst einen Auszug aus der Broschüre, woran sich die Bemerkungen der Redaktion knüpfen sollen. Ein Gleiches thut auch das rutenischc Tageblatt „Dilo". Jüdischerseits ist cs zunächst die orthodoxe Partei, welche in den letzten Numnicrn ihres hebräischen Organes „Machsikc Hadath" die Bestrebungen des Vereins „Zion" bekämpft, wenn sie auch von der letzten Broschüre, die doch polnisch, also in einer ihnen »»verständlichen Sprache, geschrieben ist, keine Kunde zu haben scheint. Diese „ultramontanen Juden" lasse» sich durch nichts stören und schlafen gemüthlich weiter an den Pforten des Judenthums, das zu hüten sie sich berufen fühlen. Keiner darf sich heranwagen, das „ihnen anvertraute Gut" (o sancta simplicitas!) zu berühren oder gar irgendwie daran zu rütteln. Sie haben ihre feste, unwandelbare Politik: guieta non movere.