Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 27 (1.7.1892)
- Date
- 1892-07-01
- Page
- Seite 314 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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314 Mas erste Opfer der antisemitischen Semegung in Frankreich. Von I. Singer. Paris, dm 24. Juni. Geben wir mis keiner, diesmal mehr als sonst gefährlichen Selbsttäuschung hin »nd sagen es wir nur geradezu heraus: Die intcruaiionale Giftpflanze des Antisemitismus hat auch in der Hcünath der bürgerlichen und politischen Freiheit, in Frankreich, Wurzel gefaßt. Ei» tragischer Borfall, der gestern ciiigetrcteue Tod des jüdischen Hauptmauns Mayer vom 1. französischen Geniercgimeut, hat mit einem Schlage die von Druniont und Genossen freventlich aufgerollte Judenfrage für Frankreich in eine akute soziale Frage umgewnndelt. Der Njährige Hauptmann Mayer, Professor an der Pariser Loole Polyteclinique, der ersten Militäranstalt Frankreichs, wurde von dem bekannten Autisemitenhäuptling Marquis de Moros in einem gestern wegen eines an sich ganz unbedeutenden Anlasses stattgchabtcn Duelle getödtei. Der Hauptmann Cromicu, unser wackerer Glaubensgenosse, hatte sich vor einigen Tagen mit Herrn de Lamase, welcher in Drumonts Libro Parole mehrere für die jüdischen Offiziere beleidigende Artikel veröffentlicht hatte, ducllirt.! Moros war einer der Zeugen Lamase's, Mayer gehörte zu den Zeugen Croiuicu's. Das Protokoll sollte geheim gehalten werden. Durch eine Indiskretion, an der eingestandenerniaßen Mayer nicht die geringste Schulo trägt, wurde das Protokoll von einigen Blättern veröffentlicht. Mayer wollte den Namen des Indiskreten aus Delikatesse nicht nennen und zog es vor, die Berantwortlichkeit für den Zwischenfall zu übernehmen. Dies das Meritorischc des Vorfalles. Mayers Eltern und Verwandte hatten keine Ahnung von dein Duelle; sie erfuhren mit diesem gleichzeitig den Tod ihres hoffnungsreichen Sohnes. Als man den Leichnam des im Militärspitale verstorbenen Hauptmannes in die Wohiiiing der trostlosen Eltern trug, da uiiistand eine nach mehreren Hunderten zählende Menge entblößten Hauptes den Sarg des in seinem Viertel äußerst beliebt gewesenen Offiziers. Eine unbeschrcibliche Aufregung herrscht in der ganzen französischen Hauptstadt: ich konnte dies vor einigen Minuten auf mciiiem Gange über die großen Boulevards, diesem Mittelpunkte des Pariser öffentlichen Lebens, konstatiren. Man ruft die Tagesblättcr mit in großen Lettern geschriebenen Titeln wie die folgenden aus: l,o «Inei tragupio d'liior. — Details inedits. — Uno guerre de roligion. Los poursniles. — Nouvelle rencontre imminente, j Die ganze Pariser Presse, mit Ausnahme des klerikalen Heißspornes Paul de Cassagnae, der in seiner „Antorito“ das Ereigniß mit drei Petit-Zeilen abthut, bringt spaltenlange Leitartikel und Entrefilets, in welchen dem Antisemitismus gar hart zugesetzt wird. Wir beginnen mit der Libro Parole. Selbst Drumont, dem es nunmehr denn doch vor seinem judenfeindlichen Feldzuge grauen wird, kann nicht umhin, den tragischen Ausgang des Duells zu bedauern. Er schreibt in seiner heutigen Morgennummer: „L'entetement gönörcux de M. Mayer a fait bcliouer los Imitatives de oonoiliatioii; ane lorriblo fatalitb a imprime prestpio bml de suite a la rencontre, inalgre les precaulions prises, une allure ineurtriere «|iio la famille da inort n’esl pas seule a deplorer. Notre dmotion est profondo on presence de celto victime du point d’honneur, et nous saluons respectueusement son eercueil." Die „Marseillaise“ schreibt: „Wir protestiren im Namen der Gewissensfreiheit, im slkainen der Humanität gegen diese Art von Polemiken und Herausforderungen, welche nunmehr mit dem Tode eines Soldaten endigten, welcher gewiß ein anderes, ruhmvolleres Schlachtfeld geträumt hatte. Die öffentliche Meinung wird sich mit Unwillen gegen diejenigen wenden, welche durch ihr Benehmen so furchtbare Vorfälle ermöglicht haben." Die „Lanterne“ ruft u. A. aus: . . . „Einer der ehreuwerthesten Abgeordneten jBurdcau, der Vicepräsidcnt der Kammer, der Drumont den bekannten Preßprozcß angehängt hatte) verleumdet und besudelt — ein junger, talentvoller Offizier seinem Vaterlande und den Scinigen entrissen: das ist bisher das Allen in die Augen springende Resultat der gehässigen Kampagne Drumonts, Es ist vielleicht Zeit, auf dieser Bahn innezuhalten, tvofern mau nichteinen modernen Religionskrieg Hervorrufen oder zum Mindesten das amerikanische Lynchgcsetz bei uns ciuführcn will." Der „Voltaire" schreibt: „Wir verzeichnen mit bitterem Schmerze den Tod dieses Soldaten. Diejenigen, welche Schuld an ihm tragen, indem sie den Haß unter die Bürger Frankreichs säten, haben vor dem ganzen Lande eine schwere und traurige Verantivortlichkcit aus sich genommen. Die öffentliche Meinung tvird für sie ein strenger Richter sein." Diese wenigen Citate werden genügen, um de» Zorn zu schildern, welcher hier gegen den elenden Anhang Drumonts herrscht. Moros isi in dem Augenblick, wo ich diese Zeilen schreibe, verhaftet, da der Staatsanwalt entschlossen ist, gegen ihn strafgerichtlich vorzugchcn. Dieser Prozeß in Verbindung mit dem Prozesse Burdeau - Druniont wird wenigstens das Gute gehabt haben, das Land über die Persönlichkeiten und das Verfahren der Antisemiten aufzuklären. Gestern hatte bereits in der Kammer ein durch einen Anhänger Drumonts hervorgerufener antisemitischer Skandal stattgefunden. Die Regienmg wird sich genöthigt sehen, gegen die Unruhestörer vorzugehen, der Kriegsministcr hat bereits energisch gegen das „nationale Verbrechen" des Antisemitismus protestirt. Denn Marquis de Moros hat es gestern in einein Interview deutlich herausgesagt: „Ich weiß, daß ich wegen des Duells Mayer werde verhaftet werden. Doch was liegt daran, Die Richter werden durch ihr Urtheil nicht verhindern können, dar, das von uns begonnene Werk wird fortgesetzt werden. Persona lfragen spielen hier keine Rolle. Es handelt sich hier um das Prinzip, und wir stehen erst im Anfänge eines Bürgerkrieges." Marquis de Moros hat aus der Schule geschwatzt. Wir können ihm für seine Offenheit nur zu Dank verpflichtet sein. Wissen nun die Regierungen der verschiedenen Länder, tooraus die Autisemitci!- partei hinzielt? Das französische Kabinct wird, dessen sind wir überzeugt, getreu den Prinzipien von 1789, die religiöse, bürgerliche und politische Freiheit aller Bürger Frankreichs zrr schützen wisscrr. E. fragt sich nun, ob Berlin und Wien dasselbe thun werden. Wir können diese Zeilen nicht schließen, ohne im Namen de- Judenthums zu Füßen des Sarges des edlen Märtyrers für unsere gerechte Sache den Ausdruck unserer lebhaften Sympathie und unseres aufrichtigen Schmerzes niederzulegen. Mögen sich die Eltern de- Dahingegangenen mit dem Gedanken trösten, daß ihr Sohn für dir Ehre seiner Glaubensgenossen in den Tod gegangen ist!? Galizische Briefe. in. E. Lemberg, im Jum, Ich komme auf die Broschüre über die polnische Jugend zurück, Das Programm der jüdischen Jugend, lesen wir hier unter Anderem, muß vollständig und allseitig sein, es muß sämmtlickic Frage: umfass haß in mische und di berechti judenfl Kreiser I zu sei: durch zrr kön llmstä Antcw etwas rthnob iichkcit A positi »'1 der Br wickeln hierbei einen « wort i Brosch 3'de s biriinb itädtcii!chüren aufgezc ich dies ,Scll die be iiidischoen A hie voi Kantsck polnisi l'rzy Doch 1 zurück, zialisir Ul mit vcrbä Schaft l Gemen ichen S der B« hoben, m Wi N bcabsic Vandii mit de erwähl Aeforr schule 9i Partei