Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 26 (24.6.1892)
- Date
- 1892-06-24
- Page
- Seite 309 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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309 nn sie ihn in dieser sie ihnen ache seines es; wir orden ist," n Fleisches solchen i, Honza! reicht, was Niger veriederhuber itschlossen, sende Ge- >ar bereits das Kind erfahren, nach dein z schlagen lds, wenn n Gruß" nde frühesinnlichen welches die und „Ge- >em Kinde die Hand ieß. Wie n da nichi hwundene im Bette Wort für t, welches geklungen >ie ihn so zesprocheu x worden ifrjeit? er vergessen der miä! h hat er l — mich ich seiner Sie be gab ihn. >n Manne Dich allen einma: Dir, das aufgelegt, „Ich bin nun einmal auch kein heiterer Mensch! Was kann denn ich dafür, wenn ich nun einmal so bin?" „Und doch hat es eine Zeit gegeben, wo Du heiter warst!" „Du irrst Dich. Diese Heiterkeit Hab ich erst in Deiner Gegenwart gewonnen." „Und kannst Du sie nicht jetzt auch in meiner Gegenwart gewinnen? was ist denil zloischen uns vorgegangen? Hab ich mich denn gegen Dich verändert?" „Verkenn mich nicht, Marie! glaub mir, es thut mir weh, wenn ich Dich leiden sehe." „Und wie es mir erst ums Herz ist, Josef, wenn Du so trüb, so traurig dasitzt, kein Wort sprichst, und alleweil so in Dich hineinbrüten thust. So geh, red doch, schütt doch Dein Herz ans! Was drückt Dich, mir, Deiner Marie, wirst Du es doch sagen können." „Laß es gut sein, Marie. Du weißt, ich liebe Dich mehr als mein Leben! Begnüge Dich damit, daß Du weißt, Du hast von jeher Alles gethan und thust auch jetzt noch Alles, was in Deiner Macht steht, mich glücklich zu machen." „Und doch gelingt es mir nicht." „Daran trägst Du nicht die Schuld." „Ach könnt ich Dich glücklich sehen, wahrhaft glücklich." „In Dir und in unserem Kinde bin ich cs!" „Doch mir auf kurze Augenblicke!" „Die aber eine Ewigkeit von Leiden aufwiegen! Sei ruhig, Marie. Ich bin glücklich, wenn ich es auch zu sein nicht scheine." „Ach, wenn ich das nur sicher wüßte." „Glaubst Du mir nicht, Marie? ist Dir mein Wort nicht Sicherheit genug?" „Wenn Dein düsterer Blick, Deine traurige Miene Dein eigenes Wort bestreitet." „So glaube meinen Worten mehr als meinen Blicken." ,,Jch möcht so gern Beides im Einklang sehn." „Giebt es denn einen Menschen auf dieser Welt, dem Alles so nach Wunsch geht. Ich Hab Dir ja schon gesagt: Was kann ich dafür, wenn ich nun einmal so bin." „Ich mach Dir ja keine Vorwurf, Josef." „Ich hab's auch nicht so genommen; deshalb beruhige Dich, und verbittere Dir selber nicht die Stunden dadurch, daß Du mich nicht für glücklich hältst." „Wie gut Du bist. Sieh, wenn Du so gut zu mir sprichst, das macht mir einen Eindruck wie von keinem andern Menschen, selbst nicht von meinem Vater; Du beruhigst mich gleich, — die anderen Leute regen mich nur noch mehr auf. Sieh, wie sie schläft, wie schön, was für ein gesunder Schlaf. Wenn ich Dich nur einmal so gesund, io fest könnt schlafen sehen, ich glaub alleweil, Du hast Dir den Schlaf ganz abgewöhnt. Wenn ich bei Nacht aufkvmm, bist Du immer wach,!venn ich mich nur reg." „Dafür ist es eben ein Kind." „Ja, Gott erhalt es. Weißt, Josef, der Vater hat uns für die nächste Weihnacht wieder eingeladen, wie immer bisher, ich Hab aber gedankt und hab's nicht angenommen." „Nicht angenommen? warum?" „Warum? weil wir Heuer selber ein' Christbaum anrichten — Hab ich gesagt — unter Nannerl wird jetzt vier Jahr alt — Hab ich gesagt — und da gebührt sich's schon, daß wir dem Kind zu Haus die Freud machen, und da Hab ich den Vater und den Honza und die Brigitte für den Chistabend zu uns geladen. Es wird Dir doch recht sein?" „Gewiß, Marie. Wie sollte mir nicht recht sein, was Du thust?" Und so saßen an diesem Abend die beiden glücklichen Ehegatten noch lange neben einander im traulichen Gespräch. Einen so schönen Abend hatte Marie schon lange nicht gehabt, so recht herzlich hatte sie sich mit ihrem Josef schon lange nicht ausgesprochen, und so dankte sie innerlich dem guten Vater, der alten Brigitte und dein drängenden Honza, welche sie zu dieser Herzensergießung förmlich getrieben hatten. Die Kerze war ganz herabgebrannt, so sehr hatten sie sich verplaudert. Sie wußten gar nicht, wo ihnen der lange Winterabend hingekommen und wie die Zeit so schnell dahingeflosseu; der Zeiger wies beinahe auf Mitternacht. So legten sie sich denn nieder und schliefen mit dem kleinen Nannerl um die Wette. Es war ein schöner, freundlicher Wintermorgen; die Stinmniug des gestrigen Abends hatte in den Herzen der beiden Ehegatten noch fröhlich nachgeklungen, und die hell scheinende Wintcrsonne, welche die weiten Schueeflüchen beglnnzte, stinnnte gar wohl zu dem freudighellen Gejichtchen des kleinen Nannchens. Das Mädchen freute sich schon jetzt auf die Bescheerung des Christkindes, welche der Abend bringen sollte, denn die liebliche Weihnacht war da. Und nun ereignete sich jener Vorfall, der zu Beginn unserer Geschichte erzählt wurde, jener Vorfall, da das Kind in seiner Unbefangenheit den Vater mit neugierigen Fragen über das Christkindlein bestürmte, mit Fragen, auf welche der dadurch wieder traurig gewordene Mann zu antworten nicht das Herz hatte, jener Vorfall, der dem Weibe mm endlich die Augen öffnete und die volle Klarheit verschaffte, wie fremd Josef dem Christenglauben noch gegenüberstehc, wie groß das Opfer sei, welches er ihr mit dem Uebertritte in das Christenthum gebracht, und wie wenig er die Kraft besitze, ein solches Opfer mit jedem neuen Tage seines Lebens zu wiederholen. Der Christabend kam heran; der alte Niederhuber, Brigitte, Honza und noch andere Verwandte und Bekannte, welche geladen waren, hatten sich bereits eingefunden. Josef bestrebte sich, zu thun, wie Marie ihm geheißen hatte, er zwang sich zur Heiterkeit, so gut er es vermochte. Die Lichtlein am Christbaume waren angezüudet, Nannerl war geblendet von der Pracht und Herrlichkeit und konnte sich nicht satt sehen. Die Festlichkeit nahm ihren Verlauf unter Ernst und Scherz. Man erinnerte sich an den Christabend vor fünf Jahren, Brigitte that sich noch immer sehr viel zugute auf den Einsall, den sie damals gehabt, die Braut als Christgeschenk für den Bräutigam an den Christbaum zu binden, Honza zog sie auf wegen der langen Rede, die sie damals gehalten und in der sie zu beweisen gesucht, daß sie nicht viel reden könne, und so ging es denn fort, der Eine erinnerte an dies, der Andere an jenes, nichts wurde vergessen und Alles ging ganz prächtig von Statten. Es war fast Mitternacht, che man auseinander ging. Am andern Morgen aber sagte Marie zu ihrem Manne: „Ich bin mit Dir zufrieden, Josef, Du hast Dich gestern gut gehalten! Ich habe Dir den Zwang angesehen, den Du Dir auferlegt hast, ich danke Dir dafür! Aber jetzt hör mich an, Josef! Ich kann es nicht ertragen, Dich leiden zu sehen; ich kann es nicht dulden, daß Du unter dem Zwang, unter dem Du jetzt schon fünf Jahre lang ein elendes Leben führst, fortlebst! Das muß ein Ende habeil, Joses! Das muß aufhören! Kehr zurück, Josef, zu dem Glauben Deiner Väter!" „Marie!" rief Josef erschreckt. »Ja, Josef! Du mußt diese Maske abwerfen, unter der es Dir nun einmal doch nicht wohl werden will!" „Aber Marie! Du stößest mich von Dir? was Hab ich Dir denn gethan?" „Wer sagt, daß ich Dich von mir stoße? wer sagt das? Ich will gar nichts Anderes, als daß Du zurückkehrst zu dem Glauben Deiner Kindheit!"