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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-06-24 · Heft 26 (24.6.1892) · p. Seite 305

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 26 (24.6.1892)
Date
1892-06-24
Page
Seite 305 (sequence 5)
Language
German
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Die brennend rothe Liebe unserer Gegenwart war der ägyptischen Altzeit vollständig unbekannt, weil das sichtbare Symbol oerselben, die rothfarbige Rose, verhältnißmäßig erst sehr spät in Aegypten eingeführt worden war. Nach den mythologischen Jnichriften der Denkmäler wurde ein Theil der sündigen Menschheit dnrch den Sonnenkönig Re durch Feuer vernichtet, das sein in eine Rachegöttin verwandeltes Auge auf die Kinder der Erde warf. Nachdem sein Zorn sich in Barmherzigkeit unigewandelt hatte, betäubte der Lichtgott Re durch den „blutrothen" Saft von Alraunen die ivüthende Göttin, und der übrig gebliebene Theil der Menschheit wurde am Leben erhalten. Die Menschheit selber übernahm fortan die Bestrafung der Sünder durch ihre Verfolgung und Vernichtung mit Hilfe von Wurfgeschossen und Keulen, und das vergossene Blut »er Uebelthäter sühnte Verbrechen und Sünde. In späterer Zeit trat das Thier an die Stelle des Menschen, »och war die Wahl der Thiere von ihrer Hautfarbe, der rothen oder -othlichen, abhängig. Das Blut des Thieres und ein dnrch Feuer;u Asche verbrannter Leib, auf welche die Sünde des Menschen fiel, diente als Reinigungsmittel für den Opfernden und sühnte die begangene Sünde bis zum Todtschlag hin. In einem bis zum heutigen tage hin auf einer steinernen Tempelwand erhaltenen Text in hieroglyphischen Schriftzügen lesen wir mit aller Deutlichkeit des Verständiisses das Folgende: „Ein kräftiges, unverschnitteues Rind, dessen Rase der Arbeitsring noch nicht durchbrochen hat, gilt als das große rnihuapfer des Gotteshauses in der angemessenen Zeit des Jahres. Ran reinige es im Wafferbecken des Gotteshauses in aller Frühe, man beseitige darin seinen Schmutz am Kopfe, man putze gleichcitig (?) seine Klauen mit Palmbast, man führe es als größtes -ühnopfer in das Schlachthaus, man stecke es auf die Schlachtdank von Neb-Holz hin. Der Schlächter trete zu ihm heran und 'renne seinen Kopf, sein Bruststück, seine Schenkel und seine Hinterionkti los, trage sie hinaus und reinige sein Messer mit Waffer. Vas übrig geblieben ist, werde fortgenommen und durch den Verbreimer in Asche verwandelt, die in einen großen Krug gethau werde. »Ji'ntt setze ihn im Schatzhause zur bestimmten Zeit des Jahres nieder." ,(111 Anschluß daran werden die Vorschriften zu einer Salbe geliefert, welche mit den Blättern der im Morgenlande noch jetzt allgemein bekannten Henneh-Pflanze roth gefärbt wurde und mit der Asche des Rindes vermischt den Zwecken der heiligen Sühne diente. Man vergleiche damit die im 19. Kapitel des 4. Buches Mose enthaltene Vorschrift „von der röthlichen Kuh und dem Sprengwasser", um sich die volle Ueberzeugung zu verschaffen, daß auch im »lthebrüischen Kult ein ganz ähnlicher Gebrauch zur „Entsündigung" gesetzmäßig festgestellt war. 0. Schwarz. Die symbolische Bedeutung dieser Farbe wird am besten durch ihr fast ausschließliches Vorkommen in der Gräberwelt Aegyptens festgestellt. Der an den Decken einzelner Königsgräber, von den Pyramiden an, gemalte Nachthimmel ist schwarz mit füufzackigen gelben Sternen daran, die Götter und übrigen Bewohner der Unterwelt erscheinen in schwarzer Färbung. Die Tageshelle, die Farbe des Lebens, ist verschwunden und durch die tiefste Finsterniß ersetzt. Schwarz erscheint allenthalben als die Farbe des Todes und der düsteren Trauer, gerade noch wie in unserer eigenen Gegenwart. Wie sehr die Vorstellung der Farbe auf das altägyptische Genuith einwirkte und zu welchen tiefsinnigen Vergleichen und Stimmungsbildern sie Veranlassung gab, kann nur derjenige ermessen, welcher in die Sprache und das Schriftihum der ältesten Bewohner des Nilthales vollkommen eingeweiht ist. Der Symbolismus der Farbe bricht überall durch, und es wäre eine der dankenswerthesten Aufgaben, das tausendfältig zerstreute Material zu sammeln, um bis ins Einzelnste hinein die Fäden der Gedankenrichtuug zu verfolgen. Unter allen Umstünden müssen die Grundfarben und ihre uralte Skala: Weiß, Gelb, Blau, Grün, Roth, Schwarz als Ausgangspunkt angesehen werden, da sogar die Betrachtung und die Aufzählung aller Erzeugnisse der Natur nicht nach ihrem Werthe, sondern nach ihrer Färbung in der angeführten Reihenfolge vor sich ging. Handelte es sich um Metalle, so führte man sie in der Ordnung des hellen oder weißen Silbers, des gelben Goldes, deS blauen Eisens, des Kupfergrün, des rothen Kupfers, des grauschwarzen Bleies auf. War von Steinen die Rede, so folgte man der Anordnung: Diamant, Topas, Saphir, Smaragd, Rubin, Turmalin oder sonst ein dunkelfarbiger Edel- oder Halbedelstein. Bei Pflanzennamen, bei bunten Zeugstoffen li. s. w. schlug man denselben Weg ein, und die Anschauung vertiefte sich jedesmal in einen Symbolismus, der bis auf die Farbe der Bekleidung und Schniuckgegenstünde am menschlichen Leibe seine abergläubische Wirkung ausübte und aus der Farbe Glück und Unglück heranslas. Legte man den Todten schwarzfarbige Käfersteiue auf den Leib, so hatte das seinen guten Grund. Für die Lebenden wäre ein schwarzer Schmuck als Unglück weissagend angesehen worden. Wenn auf dem Leichenstein einer verstorbenen vornehmen Aegypterin der Dame unter anderen die Worte in den Mund gelegt werden: „Ich hielt mich fern vom Quarz und zog den Grünstein (Smaragd oder welch immer grünfarbigec Stein) vor", so hatten sie dadurch einem Gedanken Ausdruck gegeben, den ich etwa durch „was mir Unglück bringen konnte, vermied ich, was mir Hoffnungen erweckte, legte ich an" deute. Auch aus diesem Beispiel tritt es klar hervor, daß sich die Farbrnsprache bis zur Stunde noch nicht überlebt hat. Kannte man auch schon im Alterthum das, was wir in unserer Gegenwart als Modefarbe bezeichnen, so war die Wahl der Grundfarbe dennoch keine beliebige, sondern stand mit dem Symbolismus der Farbe in innigstem Zusammenhang. Zur Geschichte des indischen Handels im früheren Mittelalter. Eine historische Skizze von Heinrich Loeive. Guch, Ihr (Dotter, gehöret der Haufmauu, Guter zu suchen Geht er; doch an sein Schiss knüpfet da-5 Güte sich an. Schiller. Mit dem Wunsche, daß jüngere Hände die Handelsgeschichte der Juden des Mittelalters und der Neuzeit schreiben möchten, schließt Herzfeld seine Handelsgeschichte der Juden des AlterthumsA) Obwohl aber seit dem Erscheinen jenes bedeutsamen Werkes schon dreizehn Jahre ins Land gegangen sind, so hat sich doch bisher kaum Jemand gefunden, um auch nur Bausteine zu diesem Werke zusaminenzutrageu, geschweige denn, daß überhaupt irgend einer an diese Arbeit gegangen wäre. Und doch ist der mittelalterliche Handel der Juden ebenso wie der in der Neuzeit von ganz anderer Bedeutung für die Kulturentwickelung der Menschheit geworden, als der des Alterthums. Wollten wir den Gründen nachgehen, aus welchen man dem letzteren wissenschaftliches Interesse zu Theil werden ließ, den späteren Handel der Juden aber ziemlich arg vernachlässigt hat, so würden wir finden, daß die Ursache hiervon in letzter Instanz in uns selbst zu suchen ist. Wir sind eben von alther gewohnt, dem biblischen und hellenistischen x) Braunschrveig 1879 8°. 344 S.

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