Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 26 (24.6.1892)
- Date
- 1892-06-24
- Page
- Seite 304 (sequence 4)
- Language
- German
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304 Die wenigen Andeiltnngen, welche sich in den Biichern der heiligen Schrift darüber finden, lassen die shinbolischen Bedeutungen der Farben dennoch mit aller Klarheit durchblicken. Die Engel, aber auch die Priester, trugen weiße Kleider, denn weiß und unbefleckt ist die Farbe der Sündlosigkcit und Reinheit, wie Roth die Farbe des Blutes und der Sünde, daher die des Drachen (Satan). Die schwarze Farbe wies auf Trauer uud Elend hin, während Dunkelblau, die Farbe des Himmels, auf Pracht und Herrlichkeit und das Falbe auf den Tod bezogen wurde. Es geht, wie gesagt, ans den übereinstimmenden Nachrichten hervor, daß die Aegypter die Ersten waren, tvelche der Farbensymbolik ihre besondere Aufnicrksamkeit zugewandt haben. Die iveiße Farbe galt dem Tage uud der Oberwelt, die schwarze oder dunkelblaue der Nacht und der Unterwelt, jene der Freude über das Dasein, diese der Trailer uin das Abgeschiedene. Feuerroth symbolisirte die heiße dauernde Sonnengluth, die blaue Farbe das Wasser, daneben Roth und Gelb oder Falb das typhonisch Sündhafte. Soweit nach den Alten. Ich weirde mich der Tenkmülersprache zu, welche zur Farbensprache der damaligen Zeit die alisgedehntcstcn Beiträge liefert, beinahe unerschöpfliche, erinnert man sich an die Masse des vorhandenen inschriftlichen Materials. Bei der Betrachtung der einzelnen Farben folge ich durchaus der altügyptischen Farbeuskala. 1. Weiß. Das Wort dafür bezeichnet zlmächst nur das Helle im Gegensatz zum Dunkeln, das Licht dem Finsteren gegenüber. Beim anbrechendeil Tage wird die Erde „hell" und die Sonne macht die Erde weiß durch ihre Strahlen, die wie „Gold", d. h. in Gelb leuchten. Das „weiße" Metall ist das Silber, der „weiße" Stein ein Heller Quarz. Auch die Mondgöttin heißt die „weiße". Ein alter Wcishcitslehrcr, der seine Lebenserfahrungen auf Papyrus nicdergeschrieben hat, empfiehlt feinem Leser: „Laß dein Antlitz weiß sein, so lange du dein Dasein hast", mit anderen Worten: zeige ein heiteres und freundliches Angesicht. Ans dem Begriff des Hellen entwickelte sich in zweiter Linie die Bedeutung des Weißen als Farbe. Eine Byssusart, dieselbe, mit welcher Josef nach seiner Erhöhung auf Befehl Pharaos bekleidet wurde, heißt die „Weiße", desgleichen wird eine Antilopcnart, die Zwiebel, die Milch, der Kalkstein n. s. w. als weiß bezeichnet. Die Berbindnng „hell oder weiß machen" eine Person oder einen Gegenstand, bedeutete ebensowohl „glanzvoll machen, erleuchten, verherrlichen", als „aufklären" und „prächtig ansstattcn". Bon einem Könige heißt cs, er habe das Land Aegypten „weis; (glanzvoll) gemacht", von einem anderen, er habe ein Heiligthum „weiß (prächtig) hcrgestcllt", von einer priesterlichen Person, sic habe einen Tempel mit silbernen Gefäßen, Rindern, Gänsen und zahlreichem Geflügel „weiß (glanzvoll) ausgestattet". Ein Borsteher von Propheten oder Dienern wird ein „Aufklärer" der Propheten oder Diener genannt. Mit einem Worte, mit dem Hellen und Weißen verknüpfte sich die Borstellung der Pracht und Herrlichkeit, welche frei von Flecken und Makel bis zur Farbe der Bekleidung hin das innere Hellscin auch äußerlich bezeugte. Man sieht, das; unsere tveißen Kleider, Kravatten, Westen und Handschuhe sich eines uralten Ursprungs rühmen dürfen. 2. Gelb. Als Bietall erscheint das Gelb in seiner leuchtendsten Form als das Gold, in seiner Auffassung als Edelstein als Topas, der sehr häufig in der Aufzählung mineralischer Substanzen die Stelle des Goldes vertritt. Die Strahlen der Sonne werden als „golden" bezeichnet. Die ägyptische Hathor-Benus ward als „die goldene" angerufen und ein Horns-Apollo als „goldener" verherrlicht. Trotz dieser schmeichelhaften Vergleiche, welche dem Gotte die Bedeutung des Glanzvollsten verliehen, lvohnte dennoch dem gelben verlockenden ic des Goldenen ein typhonischer Nebensinn bei. Bei den Opfern, welche dem Sonnengotte dargebracht wurden, ermahnte man die den Gott Verehrenden, kein Gold am Leibe zu tragen- Noch bis zur Stunde entäußern sich die Orthodoxen unter den Anhängern des Islams sämmtlicher goldenen Gegenstände, welche sie bei sich führen, bevor sie sich dazu anschicken, die vorgeschriebencn Gebete zu sprechen. Auf dem gelben Golde ruht das Auge des Neides, und der böse Blick kann nach den Darstellungen der Morgenländer nicht dazu beitragen, dem Betenden Heil und Segen zu verleihen. In unserer eigenen Farbensymbolik verknüpft sich in gleicher Weise der Begriff des Neides mit der Vorstellung der gelben Farbe, 3. Dunkelblau, die Farbe des Saphirs und des Lasursteins oder des Lapis-Lazuli, war bei den alten Aegyptern nicht nur geschätzt, sondern ganz allgemein beliebt. In der Pflanzenwelt erscheint s» als Indigo, welcher bis in die Gegenwart hinein zum Färben der gewöhnlichen Hausgewänder in Blusenform benutzt wird. Die alten Aegypter gaben dieser Pflanze den sinnvollen Beinamen Dar-neken d. i. „vor Schaden bewahrend". Wie ich nebenher bemerken will gehörte die Umgegend der Stadt Pelusium in Unterägyptcn zu den jenigen Landstrichen, in welchen der Anbau von Indigo und bi- Herstellung der damit blau gefärbten Gewänder einen Hauptgegen stand der Industrie bildete. Als im Mittelalter die Kreuzfahrer diägyptische Küste berührten, erstanden sie bei ihrer Landung im Hafen von Pelusium, in der Nähe des heutigen Port-Said, jene blaue» Gewänder, welche sie über ihre Rüstung warfen. Man nannte sie Pclusia nach dem Namen des Ortes, und der Name hat sich bis an: die heutigen Tage in dem wohlbekannten französischen Worte Blousi fortgcpflanzt. Die altägyptischen Texte gaben der Göttin des Himmele, oder dem Himinel selbst, den Beinamen der „Dunkelblauen", womii alle sonstigen Deuteleien über die symbolische Bedeutung dieser Farbe ein für alle Mal beseitigt sind. Das Tragen dunkelblauer Steil»,, an ihrer Spitze der Saphir, und das Anlegen dunkelblauer Gewänder galt als ein Mittel, sich den himmlischen Schutz zu sichern. 4. Grün, die beliebteste Farbe in Aegypten, bildet den Gegenstand vieler inschriftlichen Hinweise auf seine symbolische Bedeutung Grünfarbige Mineralien, von Smaragd und Malachit an bis zum Kupfergrün hin und vor Allem die Pflanzenwelt galten als Sinnbilder Erfiillnng in Aussicht stehender Hoffnungen, die von der Saal auf dein Felde ihren Ansgang nahmen. Die grüne Saat verheisii die Ernte, eine frohe Hoffnung auf den Eintritt des Segens. Grün ward deshalb das Syinbol der Freude und der Lust, und bei den Aegyptern von Alters her „grünte" selbst das Herz beim Anblick der „gleichwie Smaragd leuchtenden Ackerbodens". Ausdrücke wie: ,>a Himmel ist blau und die Erde grün" dienen m den Texten da Steininschriften des Tenipels von Dendera nicht selten zur Umschreibung der freudigsten, weil hoffnungsreichsten Stimmung von Göttern uitb Menschen. Die grüngesichtige Hathor-Venus der ägyptischen Denkmülerwelt hatte deshalb ihre eigene Bedeutung, gerade wie deihr geheiligte Land des grünen Gesteines, des Malachit. Wie man sich nach diesen Auseinandersetzungen überzeugen wird, ist unser: „grüne" Hoffnung nichts weniger als modernen Ursprungs. Di: Ringstcinc und sonstigen Schmuckgegenstünde aus Smaragd oder grünfarbigen Steinen, welche die Aegypter, besonders die Frauenwelt, an ihren Fingern oder auf der Brust oder an den Armen >e häufig zu tragen Pflegten, finden nach diesen Andeutungen ihre genügende Erklärung. 5. Roth. Als Hauptvertreter der rothen Farbe galten bei d:» Aegyptern das Kupfer, der Rubin und sonstiges rothfarbiges Gestein, die Feuerflamme (hochroth), das geronnene Blut (dunkelroth) lind die im Zorn gerötheten Augen und Gesichtszüge. Feine Beobachter der tobten und lebendigen Gegenstände der Natur, hatten die alte» Bewoh övlische Worte; lichen, der Sl agyptis oerselbl Aegypt ichrifte durch l A'acheg dein s der Li lvüther ivurde die Be mit H! »er Ue ood) tu MM )!1 W diente Migeii Inge 1 ckyphis »fffls Krise d Dühnr 'Wem »um I gütig -ühuc »aut v 'renne leulcn Was t »renne Alan s ,)>» A welche »ekann Kindes N enthalt masser" »lthebr gesetzin ti. »esten Aegypt von de gütige! der Ui (yarbe "letzt, der bü A miwirl bildern