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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-06-24 · Heft 26 (24.6.1892) · p. Seite 303

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 26 (24.6.1892)
Date
1892-06-24
Page
Seite 303 (sequence 3)
Language
German
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Im Morgenlande, um nur auf zwei hervorragende Redensarten im Munde ocr Araber und Perser hinzuweisen, sagt man: das Gesicht oder den Bart Jemandes weiß oder schwarz machen, je nachdem man seine Person ehren und heiter stimmen oder sie beleidigen, kränken, trübiclig stimme» will. Alles das ist so wohlbekannt, daß ich kein Wort darüber zu verneren brauche. Die Farbe hat eine symbolische Bedeutung gewonnen, deren Sinn deni Hörenden sofort klar wird und von Niemandem mißverstanden wird. Selbst in der Wahl der Farbe unserer Tracht! pielt die Farbensymbolik eine besondere Rolle. Schwarz ist beispielshalber die Farbe des Trauerkleides, weiß die Farbe der Freude und ses Festlichen. Wie tief die Symbolik der Farben nach dieser Richumg hin ihre Wurzeln schlägt, hat erst vor Kurzem der leidige Streit über die Wahl eines schwarzen oder weißen Kleides bei einer kirchlichen ,veier bewiesen. Soll ich von der Symbolik der Augenfarbeu reden, so müßte müßte ich mich vor Allem an die Dichter wenden, welche gerade äescs Thema mit Vorliebe auszubeuten pflegen. Ich rufe meinen Beblingspoeten und langjährigen Freund von Bodenstedt als Zeugen uir alle Uebrigen an, daß aus den blauen Augen die Treue spreche, braune Augen schelmische Gesinnung verrathen, graue Augen Schlauheit weissagen und der schwarzen Augen Gefunkel wie Gottes Wege mukel sei. Grüne Augen habe ich niemals Preisen hören; der böse Leumund findet Katzenartiges darin, gerade, wie manche so ungerecht und, aus der rothen oder röthlichen Färbung des Haares Eigenschaften seines Trägers herauszulesen, die zur blauen Treue im Gegensätze stehen. Andere, ja selbst ganze Zeitalter, urtheilen nicht nur billiger, sondern sie erklärten gerade diese Färbung für einen Vorzug der körperlichen Schönheit. Die Meinungen gehen also auch in Meter Frage bisweilen auseinander. Es wird entschuldbar sein, wenn ich den Versuch' wage, der Sache auf den Grund zu gehen und mich an die ältesten Vertreter oder richtiger gesagt, an die wirklichen Urheber der Farbensymbolik zu wenden. Ich überspringe Jahrtausende und theile am Schlüsse meiner Betrachtung mit meinen Lesern das Erstaunen über die Erbschaft aer Farbensymbolik, welche wir Jüngste von den ältesten Vätern des Kulturlebens übernommen haben und bis zur Stunde mit aller treue Pflegen. Ich versetze sie zuerst nach der Stätte der heutigen Stadt Hamadan, aus welcher ich selbst einige Zeit verlebt habe, um klassische Ueberiicferungen über ihre Vorgängerin, die Hauptstadt der alten Meder, Agbatana oder Ekbatana, das Achmata der Bibel, aufzufrischen. Bis auf acn unverrückbaren Berg mit seinem Sonnenaltar und seiner Keilschrift ist von der stolzen Königsburg der Mederfürsten weder ein Stein auf dem anderen, noch ein Stein überhaupt übrig. Es bleibt der Phantasie uberlassen, nach der Schilderung Herodots die vom Boden der Erde wie iveggeblasene Burg von Neuem aufzubauen und die modernen bunten Fayence-Mauern in den Palästen des heutigen Schahynschah von Persien als Muster zu nehmen, um eine richtige Vorstellung des vollendeten Werkes zu gewinnen. Herodot erzählt, der Mederkönig Dejokes jum 700 v. Ehr.) habe auf einem Hügel in Agbatana eine Burg und im Anschluß daran seine Schatzhäuser anlegen und beide von einem siebenfachen Mauerringe umgeben lasten. Die Zinnen der einzelnen Ringnlauern hätten besondere Metallüberzüge lind Färbungen erhalten, und zwar der Reihe nach von innen nach außen fortschreitend: „Gold, Silber, Mennigroth, Blau, Purpur, Schwarz, Weiß". Die gelehrte Welt ist schon längst auf den Gedanken verfallen, daß diese Farben auf die sieben Planeten der Alten zu beziehen seien. Das Gold würde der Sonne, das Silber dem Monde entsprechen. Die übrigen fünf Farben bleiben für die fünf eigentlichen Planeten übrig, von denen wenigstens das Roth für den Planeten Mars und das Weiß für die Venus ein altes inschnfkliches Zeugniß erhält. Auf alle Fälle waren die Farben nicht zufällig gewählt, sondern besaßen eine jede ihre symbolische Bedeutung. Die Farbensymbolik der Burgmauern von Agbatana ist unbestreitbar. Der Reichthum der altägyptischen Jnschriftenwelt gestattet uns, die Farben und ihre Reihenfolge bis ins achtzehnte Jahrhundert vor Christus hinauf in unwiderleglicher Weise festzustellen. Ihre Anordnung bildete geradezu das Prinzip, nach welchem farbige Gegenstände, an der Spitze alle Mineralien, in den Texten hergezählt wurden. Ich wähle eines der vollständigsten Beispiele, das als Muster für alle ähnlichen gelten darf: 1. Silber, 2. Gold, 3. Saphir oder Lasurstein, 4. Smaragd, 5. Eisen, 0. Kupfer, 7. Blei, 8. Schmirgel. Da in den bunten Darstellungen diese Metalle rind Steine unter der ihnen eigenthümlichen Farbe dem Beschauer vor Augen geführt werden, so läßt sich daraus der Schluß auf folgende Farbenreihe ziehen: Weiß, Gelb, Dunkelblau, Grün, Hellblau, Roth, Gran und Schwarz. Auf einer altügyptischen Malerpalette des Berliner Museums enthalten die zur Aufnahme der Farben bestimmten Vertiefungen der Reihe nach: Weiß, Gelb, Grün, Hellblau, Roth, Schwarz, schließen also eine Bestätigung für die beliebte Anordnung der Farben von der hellsten bis zur dunkelsten, oder umgekehrt hin in sich. Von den eben besprochenen Farben waren es vier, welche sich eines besonderen Vorzuges erfreuten und im Tempeldicnst geradezu als heilig betrachtet und geehrt wurden. Ihre Namen und Folge giebt die Reihe an: weiß, grün, hellroth, dunkelroth, während in einer jüngeren Epoche das Hellroth durch Hellblau verdrängt wurde. Die Teppiche, Vorhänge, Gewänder und Flaggen an den Mastbüumen vor den Thurmflügeln der Tempel mußten vorschriftsmäßig diese Farben zeigen, um zum heiligen Gebrauch verwerthet werden zu können. Es ist gewiß nicht zufällig, daß auch bei den Ebrüern gerade vier Kultusfarben vorgeschrieben waren: Weiß, Blau, Dunkelrothund Hochroth, welche bei den Teppichen. Vorhängen des Tempels und der Priesterkleidung ihre Verwendung fanden. Daß jeder Farbe eine symbolische Bedeutung eigen gewesen war, liegt auf der Hand, wenn es auch den Auslegern noch nicht gelungen ist, die Beweise im Einzelnen endgiltig zu führen. Der Unterschied zwischen den ägyptischen vier heiligen Farben und den ebräischen berührt lediglich die Farbe des Grünen, welche bei den Israeliten durch Blau ersetzt ward. Bevor ich zur Symbolik der Farben nach den altägyptischen Ueberlieferungen übergehe, sei mir ein Wort über den ältesten Ausdruck der Farbe zunächst vergönnt. Die altägyptische Sprache setzt ein altes Wort dafür ein, dessen Grundbedeutung „Haut" ist, sowohl die des Menschen als des Thieres. Die Berschiedenheit der Hautfärbung für das menschliche Auge führte auf den allgemeinen Farbenbegriff, ohne Rücksicht auf den farbentragenden Gegenstand selber. Daß inan auch bei den Thieren auf die besondere Färbung der Haut, genauer der Haare, die Federn oder des glatten Felles, Acht hatte, beweisen die heilige» Thiere (von jeder Gattung vier), deren Farben durch eine priesterliche Kommission streng untersucht und als äußerliche Merkmale ihrer Heiligkeit angesehen wurden.

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