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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-06-24 · Heft 26 (24.6.1892) · p. Seite 302

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 26 (24.6.1892)
Date
1892-06-24
Page
Seite 302 (sequence 2)
Language
German
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302 Gründet Geinemdelnbtiotheken! Von Bernhard Traubenberg. Was die Menschenliebe für das Herz, ist die Erkenntniß für den Geist, und nicht minder oft als das „Liebe deinen Nächsten" wird uns im jüdischen Schriftthuin eindringlich gepredigt: Suche und strebe nach Erkenntniß mit allen deinen Kräften. Aus solcher Auffassung heraus floß das Wort der Pirke Abot: Lo am haare/, clia.ssid. ein ungebildeter Mensch kann nicht fromm sein. Das Judenthum hat stets Wissen und Aufklärung auf seine Fahne geschrieben, und es ist eine bittere Ironie des Schicksals, daß auf dem ureigensten Gebiete, innerhalb dessen das Studium als Herzenssache zur höchsten Pflicht erhoben wird, die llnwissenhcit soweiteKreise ziehen durfte. Hütet den Mitteln, die dem epidemischen klmsichgreifen der Unwissenheit einen wirksamen Riegel vorzuschieben im Stande sind, verdient die Gründung von Bibliotheken die höchste Beachtung. Sie könnten uns die Häuser wieder gewinnen, ohne deren liebevolle Mitarbeit die Schule mehr auf den Verstand als auf Herz und Gemüth wirken kann. Wir, denen die Aufgabe des religiösen Unterrichts von Berufstvegen obliegt, wir wissen es aus Erfahrung, wie unzugänglich die Gemüther der Kinder für uns da sind, wo die Eltern unsern Bemühungen kalt und verstündnißlos gcgenüberstehen, wie leicht empfänglich dagegen ihre Herzen uns entgegenschlagen, wenn das elterliche Haus von warmem jiidischen Hauche durchweht wird. Nun, wo die Unwissenheit grassirt, da wird die Begeisterung für unsere Geistesschätze naturgemäß ihre Stätte nicht aufgeschlagen haben. Es gilt also, Wissen und Erkenntniß in unsere Häuser zu tragen und sie von dort in die Herzen der Jugend zu Pflanzen. Die Erzeugnisse der jüdischen Gcisteswelt sind durch andere, die tonangebend geworden sind, verdrängt worden, und wir haben vorerst nicht die Hoffnung, ihnen sobald den gemüthlich ailheimelnden Platz im Bücherschrank des Privatmannes wieder zu erobern. Aber daruin dürfen sie nicht vollends in die Rumpelkammer zum alten Eisen geworfen werden. Möge ihnen wenigstens jede jüdische Gemeinde ein würdiges Heim einräumen. Auch die kleinste sollte einen übrigen Groschen für diesen idealen Zweck haben. Denn der Mensch lebt nicht vom Brod allein, und wie mit dem Menschen ist es auch mit einer Körperschaft. Es genügt nicht, durch vortreffliche Beaufsichtigung der Schechitah, durch Krauten- und Alterversorgungshäuser für den Gcmeindekörpcr zu sorgen, sondern cs ist nicht minder Pflicht, die Gemeindeseele mit der himmlischen Kost geistiger Nahrilng zu laben und stärken. Solche Aufwendungen sind durchaus nicht hinausgeworfen, sondern machen sich sehr wohl bezahlt, sie sind eine Saat, die auch eine sicht- und greifbare Ernte zeitigt. Die Pflege des Gemeindegeistes macht solchergestalt die einzelnen Glieder hingebungsfreudiger und aufopferungsfähiger, so daß man nicht sagen kann, die Ausgaben stellen ein todtes Kapital dar. Für eine Gemeinde ist eben auch sehr wichtig was für ein Geist seinen Körper durchströmt, und für eine Belebung desselben kann durchaus nicht zu viel geschehen. Man kann freilich einwendcn, was für Veranlassung haben wir, an die Begründung von Einrichtungen zu gehen, für die ein dringendes Bedürfnis: sich nicht herausgestellt hat, ein Bedürfniß in dem Sinne, daß eine stürmische Forderung danach geltend gemacht worden wäre. Ein solches Bedürfniß liegt in der That nicht vor. Wäre ein nachdrücklich ausgesprochenes Verlangen nach Belehrung vorhanden, o dann könnte solchem Bcrlangen die Befriedigung nicht lange versagt werden. Aber das ist eben des Uebels Kern, daß Herz und Sinn erstorben, daß die Zeit die noch etwa leise schlummernden Regungen dafür erdrückt hat. Ist es aber daruin weniger Pflicht, das Bedürfniß, das da sein sollte, zu schaffen, die verlöschenden Funken wieder anzufachen? Wer anders aber könnte dazu berufen sein als diejenigen, die auf der Warte des Judenthums stehen und Acht geben auf die Zeichen der Zeit? Es sind nicht die Rabbiner allein, denen diese Verantwortung auf der Schulter lastet; denn wie viel Gemeinden erfreuen sich eines Seelsorgers; kaum zehn Prozent. Die Vorstände haben die Sache in die Hand zu nehmen und darüber zu wachen, daß nicht nur die Jungen, sondern auch die Alten sich mit den Geistesschätzen füllen, die die Väter als Erbe uns hinterlassen. Keine Gemeinde ist zu klein, mit der Zeit eine solche Schatzkammer aufzubauen. Wie gering ihr Etat auch sei, einige Brosamen können für wissenschaftliche Zwecke abfallen. Gemeinden, die einen Beamten besolden, kann eine weitere Belastung von 20—50 Mark nicht sonderlich berühren. Sie werden reichlichen Ersatz in dein Bewußtsein finden, für die dauernden Interessen des Judenthums zu ihrem Theile beigetragen zu haben. Aber auch der jüdischen Wissenschaft selbst würde damit ein sehr erhebl'cher Dienst geleistet werden. Die tüchtigen Kräfte schreckt die eiskalte Theilnahmlosigkeit inehr und mehr ab, aus dem Bereiche der jüdischen Wissenschaft oder seiner schöngeistigen Litteratur den Gegenstand ihrer Darstellung zu erwählen. Ein nicht zu unterj schätzendes Verdienst um die Litteratur könnten sich die Gemeinden durch solche Anregung erwerben, die mit der Errichtung von Bibliotheken Schriftstellern für jüdische Darstellungen gegeben würden. Die sich auf diesem Gebiete bewegenden Werke, die das Licht der Welt erblicken, gehören gewöhnlich nicht zu den häßlichsten Kindern der zeitgenössischen Muse, und die Kritik weiß ihnen meistenthcils viel Gutes nachzusagen, aber der Eifer ihrer Erzeuger erkaltet bald unter dem lähmenden Einflüsse der Wahrnehmung, daß unsere Glaubensgenossen dergleichen Produkten wenig materielle Uuterstütznng angedeihen lassen. Man will eben noch wie in Lessings Tagen mehr gelesen als gelobt werden. Die Produktionslust würde aus der kühlen Zurückhaltung, deren sie sich jetzt befleißigt, sehr bald in die Höhe schnellen, wenn ihr ein solches Absatzgebiet auf einmal erschlossen würde. In Deutschland könnten sehr wohl 2000 Gemeinden Konsumenten des jüdisch-litterarischen Nahrungsmaterials werden. Daraus mag mau ersehen, welcher Fortschritt in der Verwirklichung unserer Anregung auch in dieser Beziehung zu verzeichnen wäre. Es regt sich ja jetzt etwas Leben in den größeren Gemeinde», das sich in der Bildung litterarischer Vereine und Verbände kuud giebt. Mögen diese sich mit den Gemeindevorständen in die Aufgabe theilcn, jüdisches Wissen und jüdischen Geist, den jenes ausstrahl!, möglichst zum Gemeingut Aller zu machen. Berlin, das in Vcr waltungs- und Humanitären Dingen an der Spitze marschirt, kann hier leider nicht als maßgebend angesehen werden. Wir hoffen, das: es auch in dieser Hinsicht seiner führenden Rolle bald innewerden und Einrichtungen treffen wird, die es Jedem ermöglichen, sich in dein Garten der jüdischen Litteratur zu ergehen und von den verlockenden Früchten seiner uralten Bäume zu pflücke». Den Gemeinden aber draußen im Reich, seien sie groß oder klein, rufen wir dasselbe zu Gründet Bibliotheken! ¥ Air Symbolik der Farbe. Von Prof. Dr. H. Brugsch. Bis in die Gegenwart hinein haben die Farben eine symbolische Auffassung bewahrt, deren Ursprung sich nicht erst seit gestern herschreibt. Wir verbinden mit Weiß die Vorstellung der Unschuld, iin Grün erscheint uns das Symbol der Hoffnung, im Blau darder Treue, das Roth beziehen wir auf die Liebe, der Haß erschein! als Gel In der Gelbschl Gesinnu Senneni anzuschb Undank, .Morgen oct Are Bart I Person iclig st« All neren b deren Z »ißverf Spielt di imlbei- ) oes Fef -ung hi über die /veier bi Se müßte i >ieses 3 Aeblino Mit alle raune :>cit we mukel! nimmt iinb, a Schäften atze sie billiger, :ug der dieser £ ich den au die -:ebcr d Ick Betrach der Fm Kultur! neue : Ick auf we iieferun Agbata ocu un> ist von dem an' überlass wcggeb! p-ayene Persien endeten H< auf ein feine C

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