Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 26 (24.6.1892)
- Date
- 1892-06-24
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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juristische >1 freilich da nach Familien, , werden sein, die , daß die ig dabei uden als 56. Jahrgang. Ar. 26. Allgemeine Berlin, 24. Juni 1892. ettung des Dudenthums. Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. gemacht hat es sinken." Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements - Preis: D nrch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition inBerlin unter Streifband bezogen vierteljährl. 3 M. Nedacteur: Guftcrv Karpeles. Begründet von Rabbiner H*. Ludwig Philippson-Lonn. Verlags-Expedition: Gerlin, Jernfalemerstr. 48/49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judenthnms", Berlin SW., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. Juni ein Huden in Gesund- , beträgt ,e Buch- Berliner worden, Schand- Beschlagovers che ix konser- Beschlnß des Ritt- - Tie lgeklagten irgerichts- ) mehrere r hält am berliner Juni in n. Heriecht um llbar um seien. — D Leipzig rituelle bt. Derwährend hren Einnister des Gesammt le von den in ä ll i s ch e 'Ausfällen roklamirte elegramme in Berlin, alizisch er Redner m in den ^-deutscher : den Plan Rußland ,000 aus. Wie num ' russischen i Komitees irt, welche v. Hirsch er soll die i abgehen. Ä N h ll l1; Leitartikelr Probepredigten. — Gründet Gmieindebibliotheken. Aon Bernhard Traubenberg. — Die Svmboük der Farbe. Bon Prof. Dr.H. Brugsch. —Zur Geschichte des jüdischen Handels im früheren Mittelalter. Aon Heinrich Loewe. — iHttiüeton: Heimweh. Erzählung von EduardKulke. iFortseünng.) — Aus dem Karlsbade. II. — Hillel. Von Dr. S. A. Weiß. Der Gemeindevote. Korrespondenzen und Nachrichtenr Berlin. Gleiwltz. Hannover, Eisenach, Meiningen, Köln, Laupbeim, Wien. Klasno, Paris, London. Kopenhagen. — Bon Nah und Fern. — Miscelle». Probepredigten. Berlin, 20. Juni. Die Reihe der Probepredigten für die Hilfspredigerstellen in Berlin und in Wien ist nun wohl geschlossen, und hüben wie drüben wird man vielleicht noch vor den Ferien die Wahl vornehmen. Wir beabsichtigen selbstverständlich nicht, durch einen Rückblick auf aie gehörten Predigten eine Meinung für oder gegen einen der Kandidaten abzugeben. Sache des Vorstandes und der dazu berufenen Kommissionen wird es sein, in beiden Fällen die Qualitäten ui prüfen. Aber über den Modus der Probepredigten an sich möchten vir ein Wörtlein sagen. Und zwar wollen wir es hier gleich aussprechen: ein erquickliches Schauspiel ist es nicht, das uns schon mehrere Jahre hindurch auf oiesc Weise geboten wird. Zunächst ist es nach unserem Dafürhalten ine ganz falsche Auffassung der zur Probe Berufenen, daß sie glauben, :lii' ganzes Können und Wissen in einer Predigt zusammenfassen und ,u Gehör bringen zu können. In dieser Meinung verfallen sie Alle vif den ziemlich selbstverständlichen Gedanken, über die Mission Israels wid über die Aufgaben des Rabbiners zu sprechen. Dabei ist ein Borbild treffend und wird demgemäß auch fast überall verwendet: ki Hohepriester Ahron in seiner Friedensliebe als Beispiel für den Aabbiner, als ob diese Friedensliebe (in der Predigt wenigstens) nicht vlbstverständlich sein würde. Wir wollen unseren Standpunkt hier gleich präzisiren, gleichviel B er Beifall findet oder nicht. Der Prediger, der vor den Vorstand Buer Großgemeinde berufen wird, braucht nicht zu zeigen, „was er kann", sondern wir möchten sagen, „wie er es kann", d. h. wie er sein rhetorisches Talent zum Ausdruck bringt. Seine rabbinische und wissenschaftliche Befähigung ist schon bekannt, bevor er zur Probe Brusen wird. In den Repräsentantenkollegien sitzen Männer, die sich wahrlich nicht damit begnügen, einige eingesandte Zeugniffe von kleinen Gcmcinden oder ein Doktordiplom zu prüfen, sondern seine etwa veröffentlichten Arbeiten, seine ganze Vergangenheit wird unter die Lupe der Kritik genommen. Hat diese Prüfung ein günstiges Ergebniß, so folgt die Berufung. Dann erst soll der Kandidat durch seine Predigt zeigen, ob er in Sprache und Diktion, im Vortrag und Organ für die — vermöge ihrer gemischten und aus den heterogensten Elementen bestehende Gemeinde — sich eignet. Eine formvollendete, in edlem Ton gehaltene Predigt ganz allgemeine» Inhalts, die der nöthigen Popularität nicht entbehren darf, wird ihre Wirkung niemals verfehlen, wohingegen fortgesetzte Schmeichelredeu verstimmend wirken, weil man nur zu sehr die Absicht merkt. In kleineren Gemeinden kann der Vorstand nicht die wissenschaftliche Befähigung prüfen, da ist die Probepredigt in der That fast der alleinige Maßstab für die Benrtheilung des Kandidaten, was aber in einer großen Stadtgemeinde nicht der Fall ist. Eine andere Frage ist es freilich, ob für Gemeinden wie Berlin und Wien diese Schaustellung überhaupt nothwendig ist, und wir glauben, diese Frage entschieden verneinen zu dürfen. Man sehe sich doch das Publikum, besonders an Sabbathen in den Sommermonaten, an. Sollen diese Hörer — denn von Gemeindemitgliedern int eigentlichen Sinne kann man doch hier kaum sprechen —, sollen diese das Urtheil abgeben? Wäre dieses möglich, dann ist es schlimm um eine Berufung bestellt, oder besser gesagt, eine solche wäre überhaupt gar nicht möglich. Fast alle diese Hörer, mit geringer Ausnahme, bilden nur die Staffage, das Material zu der „andächtigen Gemeinde". Wir sind weit entfernt, in den Ruf einzustimmen: „Die früheren Zeiten waren doch besser!" Aber hier müssen wir uns doch die Vergangenheit wieder in Erinnerung rufen und die Art und Weise, wie früher die Rabbiner ohne jegliche Probepredigt berufen wurde». Man wird uns einwenden, daß es damals nicht auf das Redner- Talent ankam und »ur der Ruf der Gelehrsamkeit ausschlaggebend war. Nun, auch das ist heute noch sehr gut möglich. Man weiß ganz genau hier wie dort, wer zu den tüchtigen Predigern zählt, und viele Gemeinden senden eine Kommission nach der betreffenden Stadt, die den Prediger hört und sodann unter dem Eindruck einer unbefangen vorgetragenen Predigt und objektiver Kenntniß der Sachlage ein richtiges Gutachten abgiebt. Auf diese Weise sind in den letzten Jahrzehnten große Stellen in New-Hork, London, Paris, Berlin und in vielen mittleren Gemeinden besetzt worden und wahrlich nicht zum Schaden der Gemeinden, noch weniger der Neugewählten. Ist dieser Modus nicht durchführbar, so lasse man die Herren etwa „hinter geschloffenen Thüren" nur vor der Kommission und dem Gesammtborstand predigen; dann wirkt doch das gesprochene Wort unmittelbar, und man wird viel leichter eine passende Wahl treffen, ohne daß der Probereduer in irgend einer Weise vor seiner Gemeinde bloßgestellt wird. Aber welcher neue oder alte Modus auch gewählt wird, ein jeder wird würdiger und zweckmäßiger sein, als der gegenwärtig so beliebte der „Probepredigten". m