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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-06-17 · Heft 25 (17.6.1892) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 25 (17.6.1892)
Date
1892-06-17
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Mittel der „Allianz" direkt oder iubirett die Wohlthat einer modernen Schulbildung und Erziehung genossen. Allein mit dem Jahre 1883 bis Ende 1891 erforderte die Schulaltion der „Allianz" in Galizien einen Aufwand von 219,175 fl, woran sich Baron v. Hirsch mit einem Kostenbeitrag von 47,805 fl. betheiligte. Außerdem bewilligte die „Allianz" einer großen Anzahl von Kultusgeweinden tu Oesterreich und Ungarn namhafte Subventionen zu Schulzwecken und gewährte Förderungen Studenten- und Handwerkervereinen. Im abgelaufenen Jahre erwuchs der „Allianz" die Aufgabe, gleichwie in den Jahren 1881 uub 1882 in Folge der gegen die Juden in Griechenland und Rußland ausgebrochenen Verfolgungen, eine Hilfsaktion einzuleiten. Zahllose aus der Heimath vertriebene oder zur Auswanderung gezwungene griechische und russische Juden fanden durch die „Allianz" nachhaltige Hilfe und Förderung, die Emigranten wurden, soweit es sich um russische Unterthanen handelte, durchaus nach Amerika oder Asien expedirt. Der Bericht lieferte ein erschütterndes Gemälde der trostlosen Rechtsverhältnisse, unter denen die Juden zu leiden haben, und schildert die zu Gunsten der Unglücklichen eingeleitete Hilfsaktion. Die „Allianz" veranstaltete in Oesterreich-Ungarn eine Spendensammlung und errichtete längs der russischen Grenze Hilfskomitees für Aufnahme, Unterbringung und Beförderung russischer Emigranten. Der Bericht schließt mit einem warmen Appell an die Mildberzigkeit der Menschenfreunde, weil die Mittel der „Allianz" zu einer dauernden Weitersührung ihrer Aufgaben, namentlich gegenwärtig der russischen Hilfsaktion, nicht ausreichen, das gesteigerte Elend der noch immer zuziehenden Emigranten aber rascheste Abhilfe erheischt. * Wien, 10. Juni. Eine hiesige Genossenschaft har dieAenderung ihrer Statuten in der Richtung angestrebt, daß es christlichen Meistern gestattet sein solle, nur christliche, jüdischen Meistern, nur jüdische Lehi- .iilge auszunehmen. Die niederösterreichische Statthalterei hat jedoch die Bewilligung zu dieser Statutenänderung nicht ertheilt, da eine Einschränkung der geltenden Bestimmungen über das Lehrlingsweseu in der Richutiu}, daß für die Aufnahme von Lehrlingen konfessionelle Schranken gezogen werden sollen, im Gesetze nicht begründet ist und eine Einschränkung oer Genossenschaftsmitglieder beziehungsweise des Zutrittes zum Gewerbe erstellen würde." Frankreich. # Paris, 12. Juni. Eugene Manuel, der bekannte Dichter, '^eneralnnterrichtsinspektor für Mittelschulen, Mitglied des Centralkon ".storiums und des Centralkomitee der All. Jsr. Univ., hat au Herrn I. Singer, den Herausgeber der „Allg. Encyklopädie des Judenthums", 'aas nachfolgende Schreiben gerichtet: Xante*, C> juin 1892. ('.her et eminent correligionnaire, 1e voyage pour mes inspections generales. Yotre lettre du 22 mai i';i rejoint ici. i Tunt ce que vous me dites de la grandeur et de futilite de votre •iilreprise est la stricte verite: et tous les sacriliees (jue le JudaTsme T'vrait faire seront legitimes! Mais il taut creuser le roc, et le temps ‘■ul y reussit. Je voudrais etre riche pour donner fexeinple. II m'est eil tout cas agreable de penser que vous commeneez a nlrevoir les premieres assises du monunient que vous voulez elever n JudaTsme A hioq retour ä Paris, je dirai rna pensee a ceux qui : euvent, qui doivent vous seconder! D\ici la, je ne peux que vous >ul laiter courage et perseverance Yeuillez agreer, eher Monsieur, fexpression de mes sentiments le •Jus devoues Eug. Manuel. Paris, 30. Mai. Das Blatt „Uusski Taryzanin" veröffentlicht nachstehenden Brief von Frau Baronin Z. S. Hirsch geb. Poliakow, ^velche in Paris wohnt: „Geehrter Herr Redakteur! In Ihrem werthen Blatte Nr. 14 war u. A. die Nachricht angegeben, als ob mein Cousin r>er Baron Moritz Hirsch dem Plan der Juden-Kolonisation entsagt hätte. Ich halte es für meine Pflicht, diese Nachricht hiermit zu dementiren. Der Baron Hirsch hat den vorgenommenen Plänen nicht nur nicht entsagt, Hmbem im Gegentheil, derselbe hat dieser Tage seinen Bevollmächtigten nach Petersburg, zwecks Vorstellung an die Regierung seines auf neuen Grundsätzen bearbeiteten Projekts, in welchem geplant ist, 3,250,000 Juden aus Rußland während 25 Jahren zu übersiedeln, gesandt. Im Falle der Annahme und Bestätigung dieses Projektes, wird man unversäumt zur gehörigen Organisation des Emigrationswerkes schreiten. Genehmigen Sie :c. die Baronin Z. S. Hirsch geborene Poliakow." Schweiz. Zürich, im Juni. Wie den Lesern Ihres geschätzten Blattes bekarmt sein dürfte, wird sich in der Schweiz demnächst der Schlußakt eines eigenartigen Dramas abspielen; wir meinen die Volksabstimmung über das Schächten Denn es unterliegt heute schon keinem Zweifel mehr, daß die 50,000 Unterschriften, welche zur Stellung des Antrages an die Bundesbehörden nöthig sind, zusammen kommen, es werden für je 100 Unterschriften 4 Francs bezahlt, und was thut man nicht für's liebe Geld! Ob dieser Schlußakt aus einer oder mehreren Szenen mit den nöthigen Verhandlungen und Knalleffekten bestehen wird, läßt sich noch nicht sagen, da die 3 Instanzen der Bundesversammlung, welche nacheinander ein dem Schächten günstiges Votum abgegeben haben, auch noch ein Wort mitzureden haben in Gestalt eines Gegen-Antrags, zwischen welchen beiden dann das „souveräne Volk" zu entscheiden haben wird. Es ist auch nicht annähernd möglich, das Resultat vorherzusagen, denn die Oberhäupter der großen Parteien haben noch nicht gesprochen. Stimmen die Ultramontanen und die sozialistischen Parteien, welche ja prinzipiell gegen alle Ausnahmegesetze sind, gegen den Antrag der Thierschutzvereine, so fällt der Antrag, lautet aber die Parole: Freiheit des Handelns für jeden Einzelnen — dann dürste die freie Schweiz sich des zweifelhaften Ruhmes erfreuen, das 19. Jahrhundert mit dem Erlaß eines Gesetzes zu beschließen, das einer Religionsverfolguug ähnlich sieht, wie ein Ei dein andern. Da ist es deim nun von Interesse, Vorgänge zu beleuchten, die innerhalb der Gemeinden sich abspieten. j Wenn man früher von der Zürcher Gemeinde sprach, so war das i fast gleichbedeutend mit „umnöglich für einen orthodoxen Jehudi, dort; zu leben". Es war durchaus nicht so schlimm, aber man hatte sich in I Zürich von Verschiedenem emanzipirt, die derzeitigen Rabbiner standen l auch gerade nicht im Gerüche, sehr orthodox zu sein, und damit war denn! ein für alle Male Zürich zu den Reformgemeinden gezählt. Als dann j vor 8 Jahren die neue Synagoge gebaut und ein Harmonium hinein- > gestellt wurde, ein gemischter Chor die gottesdienstlichen Gesänge ausführte, j da war der Ruhm Zürichs als Reformgemeinde begründet und so eine! Art „Cherem" auf Zürich gelegt. Allen voran das Rabbinat unserer Nachbargemeinde Baden, die in allen Tonarten als ein „heiliger Ort" im Verhältniß zu Zürich besungen wurde. Es mag da auch ein wenig Geschäftsinteresse mitgewirkt haben, aber — die Zeiten ändern sich und wie überall, so auch hier — der Antisemitismus und die Schächtsrage brachten es zu Wege, daß heute in Zürich eine starke Minorität — ein Drittel der Gemeinde — es erreicht hat, daß die jüngste Gemeindever- > sammlung die Anstellung eines Rabbiners und eines Schochet beschlossen, und zwar, daß der Letztere unter allen Umständen Autorisation von orthodoxer Seite beizubringen hat, und daß für das Rabbinat ein der Reform-Richtung angehörender Kandidat ausgeschlossen ist. Nun sollte man doch im orthodoxen Lager an die em Erfolge seine Helle Freude haben, aber gerade das Gegentheil von Allem: Man sucht auf jede nur mögliche Weise es zu Hintertreiben, daß em orthodoxer Rabbiner oder Schochet sich um die — beiläufig gesagt gut dotirten — Stellen bewerben; kein Mittel wird unversucht gelassen, um orthodoxen Bewerbern die Anmeldungen unmöglich zu machen, Zeitungsartikel, Briefkasten- Notizen u. dgl. müssen zu diesen „gottesfürchtigen" Zwecken herhalteu. Und warum dieses Alles? Weil in der Zürcher Synagoge ein Harmonium und ein gemischter Chor den im Uebrigen sehr schönen Gottesdienst unterstützen! Nun, alle Bestrebungen jener Orthodoxen werden hierin nichts ändern, möge noch soviel offen und im Geheimen von Trennung in der Gemeinde gesprochen werden, mag auch noch so oft auf das hier bestehende orthodoxe Minjan (dem wir übrigens in jeder Weise sympathisch gegenüberstehen) hingewiesen werden, über Allem steht der alte Spruch unserer Weisen: „Trenne Dich nicht von der Gesammtfy'-a", und unter diesem hat die Minorität der Zürcher Gemeinde jene Erfolge erstritten, die man noch vor einem Jahre für unmöglich gehalten > hat, und alle Bemühungen, sie von dem einmal eingeschlagenen und als richtig anerkannten Wege abzubringen, werden zunichte werden- Möchten doch unsere Orthodoxen aus der Schächtsrage die Lehre ziehen, daß in der Schweiz mit Schroffheit nichts anzufangen ist. Wäre j von Anfang an mit Ruhe und Besonnenheit den Bestrebungen de

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