Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 25 (17.6.1892)
- Date
- 1892-06-17
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227931-3227957--48918-3269580- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
56. Jahrgang. Nr. 25. Gert in, 17. Juni 1862. Der Gemeindebote. Weilage zur „Atkgemernen Zeitung des Iuöenthums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 8 Berlin, 14. Juni. In der am 12. d. M. unter Vorsitz des Herrn Justizrath Makower stattgehabten Sitzung der Repräsentantenversammlung kam es nach Erledigung einiger kleinen Vorlagen über den Antrag des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes behufs Herstellung und Vertheilung von 10,000 Exemplaren der von Herrn Gcheimrath Dr. Kristeller zusammengestellten Belegsprüche zu den „Grundsätzen der jüdischen Sittenlehre" den: Gemeindebund eine Subvention von 1000 M. zu gewähren, zu einer lebhaften Diskussion. Herr Makower macht, im Anschluß an das Referat der Kommission, welche sich für die Bewilligung aussprach, geltend, daß, wenn die Gemeinde die Forderung bewillige, sie auch ein Verfügungsrecht über die Art der Verwendung und Verwerthung der Exemplare haben solle. Er machte daher der Versammlung den Vorschlag, daß der Vorstand die beregte Anzahl der Büchlein kaufe und dann eben selbstständig vertheile. Von Herrn Geheimrath Dr. Boas wurde hervorgehoben, daß ein solcher Beschluß mit dem Antrag des Gemeindebundes sich nicht decken würde, ein Einwurf, gegen welchen inan jedoch von anderer Seite betonte, daß dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde nach eigener Erklärung Mittel in Aussicht gestellt worden sind, um mehrere Hunderttausende von Exemplaren dieses Schriftchens an sämmtliche Gemeinden zur weiteren Verbreitung zu versenden. (Das ist ein Jrrthum. Nicht dieses Schriftchens, sondern der Grundsätze ohne Belegstellen. Red.) Es gelaugte schließlich mit allen gegen 2 Stimmen der an die Ausführungen des Vorsitzenden sich anlehnende Antrag des! Herrn Rechtsanwalts Tiktiehn zur. Annahme, dahin lautend, daß der! Vorstand der jüdischen Gemeinde vom Deutsch-Israelitischen Gemeindej bund zum Preise von 1000 Mark 10,000 Exemplare der „Belegstellen > zu den Grundsätzen der jüdischen Siltenlehre" kaufe und dieselben an j die Direktoren der Unterrichts- und Erziehungsanstalten mit den: Wunsch j gelangen lasse, sie den Schülern jüdischer Konfession gratis zu überweisen.! Die Versammlung bewilligte hierauf laut Antrag der Kommission 6960 M. i für die Beamten des in dem Hause Oranienburgerstraße 29 neu einzurichtenden Kassenbüreaus, womit die öffentliche Sitzung beendet war, der; eine geheime Sitzung folgte. i * Berlin, 14 Juni. Der Rechnungsbericht des Deutsch-Jsraej litischen Gemeindebundes für die Zeit vom 1. April 1891 bis i 1. April 1892 weist an Gemeindebeiträgen 8814.36 M auf, an Jahres-! beitragen persönlicher Mitglieder 4444.45 M., wozu noch einmalige Zuwendungen in Höhe von 500 M. kommen. Den höchsten Einnahme-! Posten bilden die vertragsmäßigenEinnahmenvon derGesellschaft „Viktoria", i nämlich 29,841.13 M. An Zinsen sind 6003.20 M. vereinnahmt worden.! Sonstige Einnahmen sind: Beiträge zur Förderung des Religionsunter-; richts 681 M., Herxheimer-Stiftung 500 M., Philippson-Stiftnng 710 M.,; Historische Kommission 2040 M., Handwerk o30 M. Unter den Au s g n be n nimmt die Fürsorge für Gerueindebeamte mit 28,550.29 M. den ersten Platz! ein. Für Herstellung von Religionsunterricht in aru en Gemeinden sind! 3274,73 M. verwandt worden, für Lehrerkouferenzen 1100 M., für Volksi bildung 5261.21 M, für Förderung des Handwerks 2371.50 M. Miethe, Mobiliar und Gehälter erforderten einen Aufwand von 6327.58 M., I Drucksachen, Porti und allgemeine Verwaltungsausgaben einen solchen! von 1691.13 M. Die Endsumme der Einnahmen und Ausgaben j balancirt mit 71,430 M. Der Voranschlag der Einnahmen und Ausgaben für das Geschäftsjahr 1892,93 ist vom Ausschuß folgendermaßen festgesetzt worden: a) Einnahmen: Beiträge von Gemeinden 8800 91!., von persönlichen Mitgliedern und Spendern 4500 M., einmalige Zuwendungen 600 M., Zinsen (nach Abzug des den Stiftungen zufließenden Antheils) 1800 M., Zuschüsse der Gesellschaft „Victoria" 28,000 M., Beiträge für Religionsunterricht 400 M., für Handwerk 100 M., Erträge des Jahrbuches 200 M., aus dem disponiblen Fonds 350 M., zusammen 47,900 M. (Die Einnahmen der Stiftungen, sowie der „Historischen Kommission" kommen bei dieser Aufstellung nicht m0 in Betracht.) b) Ausgaben: Verwaltung (einschließlich nachträgliche Kosten des Gemeindetages) 3150 M., Bureau 7400 M., Lehrervereine 1500 M., Zuschüsse an Gemeinden 9500 M., Jnspektionskosten 400 M., Zuschuß zur Friedrich-Wilhelm-Viktoria-Stiftung 16,000 M., Rentenversicherung der Lehrerinnen 500 M., Beamtenunterstützung 500 M., Statistisches Jahrbuch 1200 M., Volksbildung 2750 M., Handwerk und technische Gewerbe 290«) M., Beitrag zur „Historischen Kommission" 500 M., Kranken- und Armenpflege 600 M, Waisenpslege 500 M., für allgemeine und Wohlthäligkeitsausgaben 500 M., zusammen 47,900 M. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß es dem Bund durch reichen Zuwachs an Mitgliedern gelingen möge, diese Ziffern zu vervielfache!:. (D Berlin, 12. Juni. Von den Vertretern der Presse sind als Sachverständige zur Börsen-Enquote vier Mitglieder zugezogen worden. Darunter befinden sich zwei unserer Glaubensgenossen, die Herren Dr. Basch «Nationalzeitung) und Wiener (Berliner Tageblatt). Wir dürfen hierauf mit Genugthuuug Hinweisen, zumal Angesichts der Thatsache, daß, entgegen einer von anderer Seite mit Vorliebe ausgestellten Behauptung, unsere Glaubensgenossen in der Presse und speziell auch in den Redaktionen der Handelszeitungen bei Weiten: die Minderheit bilden. Berlin, 14. Juni. Dem Direktions- und Propagandakomitee der „Encpklopüdie für die Wissenschaft des Judenthums" si::d ferner beigetreten: Dr. Gordon, Rabbiner in Wilna, Dr. Rich. H. Gottheil, Professor au: Columbia-Kollege in New-Iork, Tr. W. Landsberg, Rabbiner in Kaiserslautern, I. Lehmann, Direktor des französischen Rabbiner-Seminars in Paris, Dr. E. Werner, Rabbiner in Danzig. — Dagegen erhalten wir von Herrn Dr. Berliner heute das folgende Schreiben: „Die geehrte Redaktion ersuche ich, bemerken zu wollen, daß die Nennung meines Namens unter den Mitgliedern des Komitees für die Encyklopädie, welche Herr I. Singer projektirt, aus einem Jrrthum beruhe. Berlin, 13. Juni 1892. Dr. A. Berliner." Berlin, 14. Juni. Der Zeitschrift „Nathanael", welche der „Arbeit der evangelischen Kirche an Israel" dient, entnehmen wir die nachfolgenden interessanten.Zahlen über den Stand der Judemnission. Die Zahl der Stationen beträgt in Großbritannien 84 mit 334 Missionsarbeitern und einer Jahreseinnahme von 1,602,100 M., in Deutschland 8 mit 12 Arbeitern und 62,475 M., in: übrigen Europa 16 mit 23 Arbeitern und 190,950 M., in den übrigen Erdtheilen 19 Stationen mit 30 Arbeitern und 139,800 M. Im Ganzen arbeiten 55 Gesellschaften mit 399 Arbeiter:: und einer Jahreseinnahn:e von 1,935,325 M. an unserem Seelenheil, lieber die Erfolge schweigen die statistischen Tabellen. Berlin, 13. Juni. Die „Populärwissenschaftlichen Monats- Blätter" brachten in ihrer letzten Nummer die Nachricht von de::: Tode des berühmten und freisinnigen Gelehrten D. H. Schorr in Brody. Auf eine direkte Anfrage ist uns heute die folgende Drahtantwort zugegangen: „Schorr lebt, lacht und geht spazieren" Sicher wird diese Meldung überall, wo die falsche Todesnachricht hingedrungen, freudig ausgenommen werden. — Berlin, 14. Juni. Eine interessante Aeußerung gegen die Antisemiten wird uns heute von dem Fürsten eines größeren Bundesstaates mitgetheilt. Es war in einem Bade des Landes, bei Empfang der Geistlichkeit. Auf die Frage des leutselige:: Herrschers, wie die Saison sich angelaffeu habe, erwiederte der katholische Geistliche mit Befriedigung, der protestantische Pastor meinte aber diese Aussage noch durch die Bemerkung ergänzen zu müssen: „Quantitativ wohl, aber qualitativ nicht so gut!" und erklärte dieselbe auf Befragen weiter: „Es sind so viel Juden diesmal hier." Worauf der Fürst mit den kurzen Worten: „Meine Landeskinder sind mir alle gleich lieb" sich umdrehte und den verdutzten Pastor seinem Schicksal überließ.