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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-06-17 · Heft 25 (17.6.1892) · p. Seite 300

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 25 (17.6.1892)
Date
1892-06-17
Page
Seite 300 (sequence 12)
Language
German
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300 Diejenigen Juden, welche zu dem Garantiefonds für die Weltausstellung Beiträge zeichnen, würden auch nicht einen Pfennig mehr für den jüdischen Religionsunterricht geben, wenn sie für die Weltausstellung nichts zeichnen. Das sind zwei ganz getrennte Dinge! Den Beitrag für den Garantiefonds zahlt der Jude — als Kaufmann, den Beitrag für den Religionsunterricht — als Jude. Deswegen braucht die Judenschaft nicht gleich zu Grunde zu gehen,! wie Herr H. M. C. meint, wenn sie trotz ihrer allerdings bedauerlich geringen Beitrage für den Religionsunterricht auch für den Garantiefonds für die Weltausstellung Geld übrig hat. Im Gegentheil! Die Judenschaft wird am meisten blühen, je mehr sie mithilft au den großen Werken, welche die Jetztzeit bewegen, denn dadurch fördert sie das Wohl - der Gesammtheit — sowie das eigene Wohl! Berlin, 5. Juni Benas Levy. Berichtig»ng: Irr dem Gedicht: „An Professor Steinthal" (Nr. 23, S. 275) ist zu lesen: II. Vers 2, Zeile 1 anstatt „so recht": „so ernst". Vers 4, Zeile 2 anstatt „licht": „leicht". Vers 5, Zeile 4, anstatt „menschlichen Diensten": „menschlichem Dienste". Mis teilen. * Statistik der Inden in Amerika. Die „Deborah" schreibt darüber: Der offizielle Eensus von 1890 hat den verschiedenen Glaubensbekenntnissen besondere Aufmerksamkeit geschenkt, so auch den Bekennern des mosaischen Glaubens, obwohl man jüdischerseits sich vielfach geweigert hat, den Censusbeamten die Statistik mitzutheilen. U ebrigens dürften die statistischen Angaben in Betreff auf Israeliten nahezu korrekt sein. Demgemäß wären in den Vereinigten Staaten 316 orthodoxe Gemeinden, die sich in 122 Synagogen und 193 gemietheten Lokalen versammeln und die im Ganzen 71,684 Sitzplätze für 57,597 Gemeindemitglieder und einen Werth von i 2,892,050.00 repräsentiren. Dem gegenüber stehen die 217 Reformgemeinden mit 179 Tempeln und 38 gemietheten Lokalen, die im Ganzen 95,907 Sitzplätze für 72,892 Gemeindemitglieder und einen Werth von s 6,952,225.00 repräsentiren. Demgemäß ist das Verhältniß so: Reform. Orthodoxe. Gemeindemitglieder 72,892 57,597 Sitze im Tempel... 95,907 71,784 Werth der Gebäude $ 6,952,225 $ 2,782,050 So weit wären in 1890 die Reformer den Orthodoxen voraus.? Die Mitgliederzahl Beider betrügt 120,489. Da dieses beinahe ausschließlich Familienväter sind und man gewöhnlich fünf Personen zur Familie zählt, beträgt die Seelenzahl der Gemeindenngehörigen 602,445. j Da aber besonders in New-Hork, Philadelphia und einigen anderen! Städten viele nicht zur Gemeinde gehörige Israeliten wohnen und auf! dem Laude viele in kleineren Gruppen wohnen, die keine Gemeinden j unterhalten können, wird man mit Sicherheit annehmen können, daß! die Seelenzahl der Israeliten in 1890 im ganzen Lande 700,000 betragen hat. Das Verhältnis zur Gesaunntbevölkerung wäre also 7 : 640 etwas über ein Prozent. In diesem Censusbericht ist das Gemeindeeigenthmn auf $ 9,844,275.00 angegeben. Dazu gehört noch der Werth von den Spitälern, Greisenheim, Waisenhäusern, Schulen, Hochschulen, die Kapitalien dieser Anstalten, der Wohlthätigkeits-Gesellschaften, Logen, was doch auch der jüdischen Gemeinde angehört, und man kann annehmen, daß die Gemeinde H12- bis Z 13,000,000 repräsentirt, oder $ 18.00 pro capita der Gemeindeangehörigen. * Ueber eine interessante Verbindung wird aus Paris Folgendes berichtet: LI Conde de Lesser wird sich mit Comtesse Maria Jellacic vermählen. Der Bräutigam wird demnächst 74 Jahre alt. Aus einer jüdischen Familie Warschaus stammend, lernte Sigismund Lesser die Gräfin Laura Dnmin-Borkowska, österreichische Sternkreuzdame und Ehrendame des baierischen Theresienordens, eine geborene Gräfin Krasicka, kennen, die 25 Jahr alt, 1859 Wittwe wurde. Im Jahre 1866 vermählte sich Gräfin Dunnnin zu London mit Herrn Lesser, und ihren Bemühungen gelang es, dem Letzteren 1871 den päpstlichen Grafentitel zu verschaffen, den der spanische Hof 1884 bestätigte und der Herzog von Sachsen-Meiningen 1887 anerkannte, Gräfin Lesser-Dumin- Kraficka, eine Urgroßnichte des Reichsgrafen Ignatz Krasicki, Bischofs von Ermland, Erzbischofs von Gnesen und letzten Fürstprimas von Polen, starb vor sieben Jahren, und seit dieser Zeit lebt LI Conde Lesser, der sehr begütert ist, bald in Paris, bald in Madrid, ander Riviera, in London oder Wien, kurz überall da, wo sich Gelegenheit bietet, mit dem liigh life in Berührung zu konnnen. Seine Braut steht gegenwärtig im 38. Lebensjahre; sie ist eine Nichte des aus den ungarischen Revolutionskriegen bekannt gewordenen Banns von Kroatien F. Z. M. Grafen Jose Jellacic, dem die dankbaren Kroaten auf dem Marktplatz von Agram ein Reiterstandbild errichtet haben. Sigismund Lesser, der durch seine erste Heirath bereits in Familienrelationen zu dem hohen polnischen Klerus getreten war, knüpft durch seine zweite Verbindung verwandtschaftliche Beziehungen zu den österreichisch-ungarischen Grafenfamilien Metchery, Waldersdorff, Stadion, Schaffgotsche, Festetics u. s. w. an. Ein romantischer Lebenslauf! * Ueber den in der heutigen Studentenschaft herrschenden , antisemitischen Geist äußert sich ein amerikanischer Journalist | auf Grund seiner in Heidelberg gesammelten Erfahrungen in folgender! Weise: j „Kurz nach meinem Einzug, als ich noch nicht in die Geheimnisse! des Burschen-Jargons eingedrungen war, traf ich eines Tages meinen j Stubennachbar und er fragte mich nach meinem Wanderziel. Ich er-! xlärte ihm, ich hätte die Vorlesungen des Professors Laubenheimer über! Laryngologie rühmen hören und beabsichtige, dieselben anzuhören, j „Wie, Professor Laubenheimer wollen Sie hören?" fragte mein . Studiengenoffe. Wissen Sie denn nicht, der ist in Bersch—? „Ja — wie sagten Sie?" „Professor Laubenheimer ist in Bersch—." „So? hm — wo liegt denn das?" Mein Nachbar brach in ein unbändiges Gelächter aus und erklärte mir. Bersch— sei kein Ort, sondern bedeute so viel wie Bann oder Acht, eine Art von Boykott, welchen die akademische Jugend über mißliebige Personen verhängt. „Und was hat Professor Laubesheimer verbrochen? Sind seine Vorlesungen schlecht oder hat er sich etwas zu Schulden kommen lassen?" „Keines von Beiden," antwortete mein Begleiter, „allein er mauschelt." „Er mau—?" Rasch mein Taschenbuch zur Hand genommen und unter M nachgeschlagen. Ich konnte jedoch besagtes Wort nicht finden und umßte dem jungen Manne meine Unfähigkeit, ihn zu verstehen, zum so und so vielten Male bekennen, worauf er mir auseinandersetzte, mauscheln heiße so viel als „Jude sein", und das neuerdings erwachte Rassenbewußtsein gestatte christlich-germanischen Jünglingen nicht, länger zu Füßen eines semitischen Professors zu sitzen. „Fürwahr" — so schließt der amerikanische Journalist seinen launigeil Bericht — „sehr mnüsant, wenn es nicht so überaus traurig wäre!" * Die Nr. 24 der „Mittheilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" (Expedition Magdeburgerstr. 13, Postzeitungsliste 4173) hat den folgenden Inhalt: Der Ahlwardt-Skandal. — Die antisemitische Internationale — Die sächsischen Konservativen und die Antisemiten. — Zwei jüdische Gesandte. — Russische Juden — Korrespondenzen und Mittheilungen. Briefkasten der Redaktion. I. V. in Berlin. Ihr Gesuch läßt sich mir in Form einer Annonce j erledigen. i D. Mit Dank für die nächste Nununer aceeptirt. * Geschäftliche Notizen. * Deutsche Militärdienst-Versicherungs-Anstalt in Hannover. — Im Monat Mai waren zu erledigen 2031 Anträge über Mk. 2,249,000.—. Das Vermögen erhöhte sich von Mk. 40,090,000 —! auf Mk. 40,540,000 —. Am 30. Mai er. — im 15. Geschäftsjahre — | wurde die Police Nr. 200,000 ausgefertigt. Druck und Verlag von Rudolf MoNe m Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Mar Bauchwitz in Berlin.

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