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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-06-17 · Heft 25 (17.6.1892) · p. Seite 299

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 25 (17.6.1892)
Date
1892-06-17
Page
Seite 299 (sequence 11)
Language
German
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299 den reichen Ergebnissen langjähriger, gewissenhafter eigener Studien, tu dem vyrstehend genannten Werke zusammengestellt worden, einem Werke, das für jedes der großen rabbinischen Lexika eine nothwendige Ergänzung bildet und für das spezielle Gebiet der Midraschim eine annähernd vollständige Zusammenstellung der als gesichert zu betrachtenden griechischen und lateinischen Lehnwörter enthält. Jedes Wort wird aufs Genaueste auf seine Bedeutung, Gestalt und Form geprüft, in sorgsamer Benutzung der kritischen Hilfsmittel oft erst die richtige Lesart gewonnen und von manchem eine vollständige Geschichte seiner verschiedenartigen Wandlungen nach Form und Bedeutung gegeben. Mit den etymologischen Erläuterungen verbindet der Verfasser aus einer ans gebreiteten Kenntniß der zeitgenössischen griechischen und lateinischen Schriftsteller und der neueren Werke zur Alterthumskunde eingehende sachliche und historische Erklärungen, welche das Verständniß des Midrasch in hohem Maße fördern und zugleich interessante Beiträge zur Geschichte und insbesondere zur Kulturgeschichte jener Zeit geben. Das Werk, das typographisch vortrefflich ausgestattet und Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog von! Baden gewidmet, wird einem Jeden, der mit dem Midrasch sich beschäftigt, bald unentbehrlich werden. Dem Verfasser aber wünschen wir, daß er in dessen Aufnahme die Ernnmterung finden möge, dem griechischen Wörterschatz des Midrasch denjenigen des Talmud bald Nachfolgen zu lassen. Dr. Eschelbacher, Bruchsal. *£■ In Nr. 16 Ihrer geschätzten Zeitschrift unter der Rubrik Miscellen wurde die Behauptung aufgestellt, daß nicht nur die jetzigen üblichen Monatsnamen des jüdischen Kalenders babylonisch seien, sondern-daß auch der 19jährige Schaltcyklns der Juden den Babyloniern entlehnt wäre. Die Richtigkeit des Erstern ist schon aus dem jerusalemitischen Talmud im Traktat Rösch Haschana Abtheilung I. zu ersehen, wo es heißt: DT3 ibr D’tiHnn matr nrrr ■>:n ncxn"- Hmgegen unterscheidet sich der 19jährige babylonische Eyklus vom jüdijchen scholl dadurch, daß während in jenem das 16. ein Schaltjahr und das 17. ein gewöhnliches Jahr ist, ganz wie im Metonischen, der es im Jahre 433 vor! dein Anfänge der üblichen Zeitrechnrlng gleich 3556 seit der Schöpfimg, — zu; einer Zeit, wo der Bail des zweiten Tempels ansing nnb Nechemias von; Jerusalem nach Persien zurückkehrte — einfühlte, ist beim 19jährigen jüdischen Eyklus gerade im Gegentheil das 16. ein gewöhnliches Jahr und das 17. ein Schaltjahr, laut dem im aufgestellten Zeichen Ef'IK rflJl d. h. das 3, 6, 8,11, 14, 17 und 19, und zwar ails der [ Ursache, welche Rabbi Isaak Israeli ans Toledo in seinem bekannten! Werke vierten Abschnitt Kap. 2 angiebt, also das 17. und! nicht wie bei den Babyloniern das 16.! Bei der Besprechung der Schaltjahre kann ich hier nicht unter-! lassen, folgende nützliche Regel, die ich auch in meinem hebräischen ' geographischen Werke p^Pl erste Abtheilung Seite 17 ansührte, zu erwähnen. Es ist zuweilen nöthig zu wissen, ob ein längst vergangenes Jahr unserer Zeitrechnung ein Schalt- oder gewöhnliches Jahr war, und ebenso bei eillem späteren Jahre. Man braucht nllr die angegebene Jahresjahl durch 19 zu dividiren, wenn zuletzt ein Rest von 3, 6, 8, 11, 14, 17 oder gar keiner bleibt, dann war es ein Schaltjahr, bleibt aber ein Rest von 1, 2, 4, 5, 7, 9, 10, 12, 13, 15, 16, 18, dann war es ein gewöhnliches Jahr So waren in unserer Zeitrechnung die vergangenen Jahre 3176, 4900 und 5149 Schaltjahre, weil, wenn man! dieselben durch 19 dividirt, erstere 2 zum Nest, 3 beziehungsweise 17 haben, während der Quotient der letzteren eine ganze Zahl ist, folglich hiermit auch ein Schaltjahr war, hingegen waren die Jahre 3368, 4515 und .">469 gewöhnliche Jahre, da sie durch 19 dividirt, der Reihe nach den Rest 5, 12, 16 geben. Ebenso werden die künftigen Jahre 5654, 5847 und 5907 Schaltjahre sein, weil sie durch 19 dividirt die Zahlen 11, 14 nnb 17 zum Rest haben, aber die künftigen Jahre 5666, 5868 und 6000 gewöhnliche Jahre, weil sie zum Rest 4, 16 und 15 haben. Botuschan, den 20. Mai. W. Kahane, Schuldirektor.! * Das jüngst von Dr Hamburger in diesem Blatte so außerordent-; lich gut besprochene und empfohlene Werk über Kohelet von Dr. Lim-; dörfer in Hamburg, über das and) Archives Israeliles in Paris und - •lewish Quarterly Review in London äußerst günstig referirten, ist soeben in 2. Auflage bei G. Fritzsche erschienen j I Sprechfaul. Der Artikel aus Leipzig vom 26. v M. in Nr. 23 bedarf in einigen Punkten der Berichtigung. Die „Vertreibung des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" bestand in einer Verordnung, durch welche dessen Gesuch um Eintrag in das Genossenschastsregister abgelehnt wurde In Zwickau besteht keine israelitische Gemeinde; den in Form von Genossenschaften in Zittau, Plauen und Bautzen bestehenden sind die Korporationsrechte bisher allerdings nicht crtheilt, weil Bedenken gegen ihre Leistungsfähigkeit erhoben wurden. Nach dem statistischen Jahrbuch des D.-J. G.-B. für 1892 sind in Zittau 168, in Plauen 110, in Bautzen 53 Seelen. Die bisherigen Gesuche um Korporationsrechte scheiterten wie an der unterbehördlichen Nichtempfehlung, so an dem ablehnenden Verhalten einzelner Glaubensgenossen. Unwahr ist aber, daß die städtischen Behörden der betr. Orte das diesfallsige Ansuchen befürwortet hätten. Die Dinge liegen derart, daß amu sich hüten sollte, zu übertreiben. Dresden, 10. Juni. Emil Lehmann. d Hochgeehrter Herr Redakteur! Dem Rektor Ahlwardt ist endlich das Handwerk gelegt worden, aber seine edlen Gesinnungsgenossen haben eine Broschüre geschrieben, die seinen Judenflinten in nichts nachsteht. An allen belebten Ecken und in allen belebten Straßen wird ein sogenannter „Talmudauszug" verkauft; ein Blick in dieses elende Machwerk genügt, um sich zu überzeugen, daß hier Lügen gemeinster Art dem Volke ungestraft verkauft werden. Es mag ja recht schön sein, dergleichen Angriffe mit Verachtung zu strafen, aber praktisch ist es nicht. Nicht nur an mich, sondern auch an Freunde mm mir ist von christlichen Bekannten oft die Frage gerichtet worden, ob wirklich alle diese Gemeinheiten des antisemitischen Talmudauszugs im Talmud stehen; die Sachen würden doch gedruckt und der Verkauf würde nicht inhibirt. — Ist es nicht Pflicht der jüdischen Gemeinde resp. des Vorstandes derselben, gegen die Herausgeber dieser Schandschrift vorzugehen und die Leute zu verklagen? Meiner Ansicht nach würde es unserer Sache sehr dienlich sein, dem Volke uub unserer Jugend zu beweisen, daß von Seiten der Antisemiten in dieser Schrift wieder einmal unerhörte Lügen gegen uns ausgesprochen werden. Denn schließlich fangen Ersteres und Letztere an, stutzig zu werden, da beiden der Talmud unbekannt ist. Berlin, II. Juni. R. L. Sehr geehrter Herr Redakteur! Im Sprechsaal der vorletzten Nummer der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" giebt Herr R. M. (1 einige gut gemeinte, aber wenig beherzigenswerthe Rathschläge betreffs Betheiligung der Juden an den Vorbereitungen zu einer Berliner Weltausstellung. Gerade die eigenen Worte des Herrn Einsenders bringen mich zu der entgegengesetzten Meinung. „Die Gesammtheit hat Vortheile von einer Weltausstellung", — so schreibt Herr H. M. G. — „aber weil ein Häuflein Antisemiten oder einige Unzufriedene die Juden für einen Mißerfolg verantwortlich machen würden, sollen wir uns von den Vorbereitungen und von den Zeichnungen zuin Garantiefonds fern halten." Das sind wahrlich keine stichhaltigen Gründe! Wenn die Gesammtheit Vortheile hat, dann gilt es auch für uns, nicht zu zögern und zu zaudern, sondern mitzuhelfen, das große Unternehmen einer Welt-Ausstellung zu fördern. Gerade unter den Juden giebt es sehr viele Großindustrielle und Fabrikanten, deren kaufmännisches Interesse es erheischt, daß sie sich an einer Weltausstellung betheiligen. Sollen sie fern stehen und sich der Mithilfe nur darum entziehen, weil sie Juden sind? Gelingt die Weltausstellung, so werden diejenigen, die sie ins Leben rufen. Dank und nicht Borwürfe erhalten. Sollte das große Unternehmen aber wider Erwarten mißlingen, so werden sich Christen und Juden in dein Gedanken trösten müssen, — und trotz der Angriffe von Seiten der Antisemiten auch zu trösten wissen — das Gute gewollt zu haben. In magnis voluisse sat est. Schreibt doch Herr H. M. 0. selbst, „inan thut das Gute nicht des Dankes willen", doch er ineint, „wir sollen vorerst für den uothwendigen Religionsunterricht unserer jimgen Glanbensbrüder sorgen." Ich aber glaube, das Eine sollen wir thun, und das Andere dürfen wir nicht lassen.

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