Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 25 (17.6.1892)
- Date
- 1892-06-17
- Page
- Seite 295 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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295 it Aerzten und Beoohl, wie fisch ärzten Codex ein wird, irische Erkaufmanu ührer der ritsch zum euthnms" - Wortes, bemerkt, ,meäierm hiimtiche» in Christc Definition ne keineschaus gessgenossen nds d ci S ns dem „Welts. 159 bis >er Ueberso würde ch anders zuerst bei ographie" n Roeser e der ber,-Blatt" ange Zeit gebet des dem mir l'ers Geethnmlich, s S. 169 l) langem agen" zntitcit (ab- . redaktiorekognos inch heute verflossen inmal di> rso wenig rzlich ver n viclleich! nk wissen jüugcreiiroduzireu ib voller ,e hast d» kanze, die »dar sind Eintracht zellosigkei! nterbrichl so gcrathen die Kräfte in einen Widerstreit und der Leib zerfällt in seinen Urständ. Dann sendest du dem Menschen die wohlthntigen Boten, die Krankheiten, die ihm die nahende Gefahr verkünden und ihn antreiben, sie von sich abznwenden. Deine Erde, deine Ströme, deine Berge hast du mit heilsamen Stoffen gesegnet; sie vermögen deiner Geschöpfe Leiden zu mildern und ihre Gebrechen zu heilen. Und dem Menschen hast du Weisheit verliehen, des Menschen Leid zu lösen, die Ordnung und Unordnung desselben zu erkennen, jene Stoffe ans ihren Berhältnisien hervorzuholen, ihre Kräfte zu erforschen und sie einem jeden Hebel gemäß zuzubereiten und anzmvenden. Auch mich hat deine ewige Vorsicht erkoren, zu wachen über Leben und Gesundheit deiner Geschöpfe. Ich schicke mich jetzt an zu meinem Berufe. Stehe mir bei, Allgütigcr, in diesem großen Geschäfte, daß es froinme, denn ohne deinen Beistand frommt dein Menschen ja auch das Kleinste nicht. Laß mich beseelen die Liebe zur Kunst und zu deinen Geschöpfen. Gieb cs nicht zu, daß Durst nach Gewinn, Haschen nach Ruhm oder Ansehen sich in meinen Betrieb mische; denn diese Feinde der Wahrheit und Menschenliebe könnten leicht inich tänschen und der hohen Bestimmuug, deinen Kindern wohl zu thnn, entrücken/) Stärke die Kraft meines Herzeus, damit es gleich bereit sei, dem Armen iind Reichen, dem Guten und Schlechteii, dein Freund und Feind zu dienen. Laß im Leidenden stets mich nur den Menschen sehen. Möge mein Geist am Bett des Kranken stets Herr seiner selbst bleiben und kein fremder Gedanke ihn zerstreuen, damit Alles, >vas Erfahrung tmb Forschung ihn lehrte, ihm stets gegenwärtig sei und nichts ihn verwirre; denn groß und selig ist die sinnende Forschung in der Stille, die der Geschöpfe Wohl und Leben erhalten soll. Verleihe meinen Kranken Zutrauen zu mir und zu meiner Knust und Befvlgnng meiner Vorschriften und Weisungen. Verbanne voii ihrem Lager alle Quacksalber und das Heer rathgebcnder Bcrwaudteu und überweiser Wärterinnen; denn es ist ein grausames Volk, das aus Eitelkeit die besten Absichten der Kunst vereitelt und deine Geschöpfe oft dem Tode zuführt. Wenn Unkundige mich tadeln und verspotten, so möge die Liebe zur Kunst wie ein Panzer meinen Geist unverwundbar machen, damit er, auf Ruf, Ansehen und Alter seiner Feinde nicht achtend, beim Wahren verharre. Verleihe, o Gott, mir Milde nnd Geduld mit verletzenden, eigensinnigen Kranken. Gieb mir Mäßigung in Allem, nur nicht in der Erkeniüuiß; in dieser lasse mich unersättlich sein und fern bleibe der Gedanke, daß ich Alles wüßte und könnte. Gieb mir Kraft, Muße, Wille und Gelegenheit, mein Wissen stets mehr zu erweitern. Mein Geist kann heute Jrrthiimer in feinem Wissen erkennen und entdecken, die er gestern nicht ahnte. Die Knust ist groß, aber auch des Menschen Verstand dringt immer weiter." FEUILLETON Heimweh. Erzählung von Eduard Kulke. (Fortsetzung.) Finkel trennte von ihren nnd der Mutter Kleidern die schivarzen Bänder, die Zeichen der Trauer, herunter; denn das Trauerjahr war zu Ende, nnd Freude sollte jetzt einzieheu in das Herz des Mädchens. Ach, die Freude war keine ungetrübte! Ja, wenn der Vater das erlebt hätte, da wärs freilich anders gewesen. Der aber lag draußen 9 Hier und in Folgendem sind einige Stellen nach der von Roeserschen Version modifizirt wiedergegeben. auf dem „Gute» Ort" begraben in kühler Erde, und die Erinnerung an den Hingeschiedenen dämpfte den Seeleujubel, der sonst ein Mädchen durchglüht, wenn es mit dem Geliebten der Seele sich verbinde» darf. Finkele sollte Braut werden, und Jakob Löb, seit lange der Gegenstand ihrer geheimen Wünsche nnd Neigungen, ihr Bräutigam. Die Verlobung stand nahe bevor. Wer hatte nicht schon die Erfahrung gemacht, daß in Familien, tvo man mit einem Kinde Unglück gehabt hat, dem andern zurückbleibenden mehr kein Wunsch versagt wird, ja, das mau sich aus Furcht vor einem zweiten Unglück iricht genug beeilen zu können glaubt, dem zurückbleibenden Kinde die innersten, geheimsten Regungen des Herzens von der Stirn abzulesen und ihnen Wirklichkeit zu verleihen. So war es auch hier. Es ist noch die Frage, ob, tvenn Alles den gewöhnlichen Lauf gegangen wäre und sich nicht so Außerordentliches ereignet hätte, Finkel dem Geliebten ihrer Seele so ganz ohne Kampf verbunden worden wäre; denn Jakob Löb war zwar ein tüchtiger Jung, aber nicht so wohlhabend, daß er auf Wolf Ochsenhändlers Tochter hätte Anspruch machen können. Sicher ivürde der Vater, hätte inan diesen Antrag gemacht, sich die Sache überlegt haben, ehe er auf denselben eingegangcn wäre, und die Mutter hätte sich gewiß eher auf die Seite des Vaters als der Tochter gestellt. Heute war das freilich ganz anders. Die Mutter brauchte nur zu merken, daß Jakob Löb ihrer Tochter nicht gleichgiltig sei, nnd sie ward dessen eifrigste Annehmerin und alles Weitere gestaltete sich ohne viel Hinzuthu», wie von selbst. In soweit konnte Finkel allerdings von Glück sagen, sie stand am Ziel ihrer Wünsche; allein dieses Glück, durch welche Opfer hat es erkauft werden müsse». Eineir Bruder »rußte sie sich aus dem Herzen herausreiße», den Vater mußte sie in die Grube fahren sehen! Dies waren Gedanken, rvelche einen düsterir Schatten auf den Himmel ihrer Freuden warfen, lind arrch die Mutier, wie konnte eine echte rechte Freude in ihrem Herzen aufkommeu! Daß Jakob Löb nicht gerade zu derr Wohlhabendsten der „Kasse" gehörte, darüber konnte sie in ihre»! Gottvcrtrauen sich bald hinaussetzeu. Wie sagte sie? „Ein Paar Groschen weniger im Kasten / auch gut! Darauf kournrt es am End nicht an. Wird ihm Gott Glück und Segen geben, rverden sich seine Kasten schon anfüllen!" Aber daß ihr Wolf das nicht erlebt hat, seine Finkel zur Braut zu machen, das; dort draußen im Dorfe einer lebe, der ihrem Herzen so nahe stand und doch an der Herzensfreude seiner Schwester keinen brüderlichen Antheil nehmen kann — das that ihr wehe, wie sehr sie auch gewohnt war, sich in Allem in den göttlichen Rathschluß zu fügen. Es ging darum zwar noch immer heiter genug her bei der Verlobungsfeier, jedoch kam es nicht zu jenen jubelvallen Ausbrüchen, welche sonst bei ähnlichen Anlässen nicht unterdrückt z» >verdeu pflegen. Die Stinnnuug der Braut und ihrer Mutter theilte sich auch den anderen Anwesenden mit, und so war es ein ziemlich stilles „Bedinguugenschreibe»". Auch die bald nach der Verlobungsfeier erfolgte Hochzeit war nicht so lärmend und tobend, wie inan cs bei Hochzeiten in der „Gasse", an denen alle Leute theilnchmcn, gewohnt ist. Musik durfte freilich nicht fehlen, denn die beiden Brautleute waren ja ledig, und nur wenn eins von Beiden Wittwc oder Wittwer ist, so unterbleibt diese. Wo Musik ist, braucht man selbstverständlich für Tänzer und Tänzeriuucu nicht zu sorgen, diese fanden sich denn auch zahlreich genug ein; aber cs hatte Alles einen so gewissen Anstrich von Traurigkeit, man ivußte selbst nicht lvie. Jeder Einzelne hatte das Gefühl, daß er seiner Lust die vollen Zügel nicht gewähren könne, der Schalksnarr hatte diesmal ein schweres Spiel, es wollte ihm kein rechter Spas; gelingen, es wollte kein Witz zünden, er. fühlte sich nnd seine Laune von einem Druck belastet, der nichts Rechtes herauskonnnen ließ, und wie Mutter und Tochter, ehe man Letztere zur „Ehuppeh"