Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 25 (17.6.1892)
- Date
- 1892-06-17
- Page
- Seite 293 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227931-3227957--48910-3269572- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
293 Jedanken Gebeten, h sonstige 'eich cmsmit der -ch unsere : rein und -anklichen Die trivial tzt; diese laßt das rt". Es licht ohne cht schwer lt. A Herder unter S in der prochenen; sie sind leiden an Sprache ist, ohne ist Sache;en nicht >e kamen, lebet* ein ert, und ß." Die aden und diese und nützlich, für eine nur i»n in einem ndcr diese ose Band, >ötlig zer- oder nicht ine große ie traurig in Gebetdenn das »ns, daß id Strcwardt cs ) fast zu sagender en, auch l alles in rwärtigen Verhältnissen zur aktuellsten Bedeutung." Beim Lesen dieser Worte, welche Sie. verehrter Herr Redakteur, der Veröffentlichung eines Citats aus beit Schriften des Fürsten Hermann v. Pückler-Muskau (Nr. vom 3. Juni) vorausgeschickt haben, erinnerte ich mich an meine vor acht Jahren herausgegebene Sammlung „Briefe berühmter christlicher Zeitgenossen über die Judenfrage", welche s. Z. ein gewisses Aufsehen selbst in „höchststehenden" Kreisen erregt hatten. Ich will im Folgenden die markantesten Stellen aus den erwähnten Episteln hervorheben. Doch zuvor möchte ich diese Gelegenheit benutzen, um die Aufmerksamkeit — nicht der Leser im Allgemeinen, sondern einigerreichen und opferwilligen Leser und Leserinnen dieses Blattes auf ein demnächst erscheinendes Werk des Schriftstellers Joseph Schrattenholz in Düsseldorf (Ehrenstraße 54) zu lenken. In seinem „Antisemitenhanuner" vereinigt Schrattenholz, der uns bereits in seiner Schrift „Bor dem Scheiterhaufen" eine glänzende Probe von seinem Talente in dieser Art litterarischer Fehden gegeben hat, oft seitenlange Citate von ungefähr 500 der hervorragendsten Staatsmänner, Gelehrten, Dichter zc. nicht-jüdischer Abstammung über Juden und Judenthum. Der Autor hat seit zwei Jahren einen beträchtlichen Theil der Weltlitteratur nach diesem Sinne durchgearbeitet und wird nun uns zur Freude, den Antisemiten zu Schmach darthun, was die Besten aller Nationen über uns gedacht haben. Schrattenholz ist Familienvater und kein reicher Mann; er verdient daher, daß seine Bemühungen für unsere Sache von uns entsprechend entgolten werden. „Zimperlich" thun steht uns in so schweren Zeiten nicht zu, und wenn vielleicht einige zarte Seelen sich über meine Art der Anzeige philosemitischer Schriften verletzt fühlen, so bitte ich sie, zu bedenken, daß ich — trotz meines Idealismus — Anhänger einer gesunden jüdischen Realpolitik bin und daß einer der obersten Grundsätze der letzteren der sei, daß man jüdische und christliche Schriftsteller, welche ihre Zeit der Vertheidigung des Judenthums widmen, nicht dürfe hungern lassen. Ich gehe nun nach dieser übrigens ganz zum Gegenstände gehörigen Randbemerkung zur Veröffentlichung zunächst einiger fürstlicher Hand- und Kabinetsschreiben über. Zum besseren Verständnisse der mitgetheilten Auszüge aus meiner Sammlung will ich noch bemerken, daß ich die Briefe als Antwort auf die Uebersendung meiner Schrift „Sollen die Juden Christen werden?" erhalten und später mit Autorisation der Verfasser, welche den ihnen geschickten Bürstenabzug zuvor korrigirt hatten, veröffentlicht habe. Der verstorbene König Karl von Württemberg und der Herzog Ernst II. von Sachsen- Koburg-Gotha gestatteten mir mit großer Bereitwilligkeit den Abdruck ihrer Schreiben, mittelst derer sie sich auf den Standpunkt meiner obengenannten, wegen ihrer Heftigkeit gegen die Antisemiten der verschiedenen Sorten (Laien-Antisemiten, klerikale Antisemiten, Renegaten-Antisemiten) in Oesterreich (in 2. Auflage) konfiszirten Schrift gestellt hatten. Die Bedeutung der beiden Kabinetsschreiben liegt also weniger in ihrem Inhalte, als in dem Wunsche der hohen Autoren, durch sie gegen den Antisemitismus Stellung zu nehmen. 1. Kabinet Sr. Majestät des Königs von Württemberg. Euer Wohlgeboren beehre ich mich, erhaltenem Aufträge gemäß, ergebenst mitzutheilen, daß Seine Majestät der König von Württemberg, mein allergnädigster Herr, Ihr mittelst Eingabe vom 27. v. M. eingesandtes Werk: „Sollen die Juden Christen werden?" empfangen hat. Seine Majestät haben in Anerkennung des in Ihrer Abhandlung bekundeten redlichen Strebens, auf der Grundlage reiner Menschenliebe und ernst religiöser Gesinnung die Versöhnung der erörterten, in unserer Zeit wiederum schroff zu Tage getretenen Gegensätze anzubahnen, von dem Grundsätze, wonach im Wege des Buchhandels.beziehbare Schriftwerke, welche ohne vorher hiezu eingeholte Genehmigung eingesandt werden, von Höchstdemselben widmungsweise nicht angenommen zu werden pflegen, eine Ausnahme eintreten zu lassen und Ihr Buch mit Interesse anzunehmen geruht. Indem ich weiterhin beauftragt bin. Euer Wohlgeboren für die dem Könige durch diese Einsendung bethätigte Aufmerksamkeit Höchstdesseu verbindlichsten Dank auszusprechen, beharre ich mit hochachtungsvollen Gesinnungen Für den Cabinetschef: Stuttgart, den 7. Mai 1884. Legationsrath v. Herman. 2. Geheim-Kabi net Seiner Hoheit des Herzogs von Sachsen - Coburg - Gotha. Hochgeehrter Herr! Ihre frenndlichst eingesandte Schrift: „Sollen die Inden Christen werden?" traf während einer mehrmonatlichen Abwesenheit Sr. Hoheit des Herzogs hier ein und ist erst spät von Höchstdemselben gelesen worden. Jetzt nun verhehle ich nicht. Ihnen mitzutheilen, daß die Lektüre meinem gnädigsten Herrn ein großes Interesse abgewonnen hat und daß ich Ihnen im höchsten Aufträge für den humanen Geist, von dem Ihr Buch erfüllt ist, die aufrichtige Anerkennung Sr. Hoheit aussprechen soll. Mit vorzüglicher Hochachtung Dr. Tempeltey, Coburg, den 4. August 1884. Geheimer Kabinetsrath. 3. Handschreiben Seiner Kais erlichen Hoheit des Erzherzogs Johann Salvator. Linz, 7. März 1884. Sehr geehrter Herr! Die von so freundlichen Worten begleitete Uebersendung Ihrer geistvollen Schrift: „Sollen die Juden Christen werden?" war mir eine Auszeichnung und Freude zugleich. Das Verdienstliche dieser Ihrer Schrift liegt ebenso sehr in der muthigen Bekämpfung der bedauerlichen, unsere Zeit noch umnachtenden Vorurtheile, als wie auch in der noch muthigereu Ermahnung Ihrer Stammes- und Glaubensgenossen zur Arbeit an sich selbst. Ist nach beiden Richtungen je ein Erfolg zu verzeichnen, so zweifle ich nicht, daß dann das Judenthum allseitig anderen Gefühlen begegnen und willige Anerkennung seiner unbestritten großen Leisllmgen im Dienste der Menschheit finden wird. Indem ich mich glücklich schätze, mit Ihnen den schönen, wenngleich — wie ich fürchte — noch fernen Augenblick eines durch geläuterten Freisinn begründeten Friedens mit voller Ueberzeugung herbeizuwünschen, zeichne ich mit aufrichtiger Werthschätzung Ihr ergebener Erzherzog Johann, t. k. Feldmarschalllieutenant. 4. Professor Max Müller in Oxford. Oxford, den 7. März 1884. Hochverehrter Herr! Ihr Eirenieon („Friedensbotschaft") habe ich mit Freude gelesen. — Wie unendlich bedeutender sind die Wahrheiten, in denen nicht nur Inden - thum, Christenthum und Islam, sondern alle Religionen übereiustimmen, als die Dogmen, über welche Rabbis, Priester und Ulemas zanken und streiten. Hoffen wir, obgleich wir nun schon fast zweitausend Jahre vergebens gehofft haben, daß die Zeit doch kommen wird, wo wir weder „auf diesem Berge" noch „zu Jerusalem" werdeu den Vater anbeten — und wenn dies Heil von den Juden kommen soll — warum nicht? 5. Ludwig Noirö, der bekannte Philosoph. Mainz, den 25. April 1884. -Angesichts der unser Jahrhundert schändenden Antisemitenbewegung habe ich oft gezaudert, wenn ich für humane Zwecke Beiträge sammelte, die stets opferwillige Wohlthätigkeit — diese Tugend ist die herrlichste Frucht des Judenthums, wenn auch das Wort erst im vorigen Jahrhundert durch den Humanitätsapostel Abbö de St. Pierre in allgemeinen Gebrauch kam — meiner jüdischen Freunde aufs Neue anzugehen. War auch ähr Blick getrübt durch Trauer und schweren Umnuth, war auch die Bitterkeit ob der unerhörten Kränkung auf ihren Lippen — nie, nie haben sie ihre Hand verschlossen, nie die Gabe geschmälert, nie es uns entgelten lassen, was wir ihnen gethan. Und ich gewann