Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-06-03 · Heft 23 (3.6.1892) · p. Seite 275

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 23 (3.6.1892)
Date
1892-06-03
Page
Seite 275 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3224737-3227931-3227955--48882-3269542
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

275 i Weijc jem diesich einen )ste em ing, und legenheit gen zum >etroffe», )bt, unk, : Wittwc iter den mbende» ar denn gedeckt, :rlich iin en und nis Lied Strcißr lagt den wurden wllthend die Poiil nach als da-? iär und len und gesprnn inmissäendendc örigen." zitternd ringend uldigt/ erringen Schutze lb ahn nd nur oußtsein -einigen stnthilb- Mutter, ,e mein in den wie Tu lerden." Gemütti wenden, ll Umprechenviel als er des- Polizci Anzeige hiervon erstattet hätte. Das Gerücht von dem schauerlichen /viitibe hatte sich schnell verbreitet und den Volksauflauf vor dem Hanse des Moses veranlaßt, den man für den Mörder des Mädchens vielt, da ja im Volke der Aberglaube wurzelte, die Juden brauchten nhnstmblnt zur Bereitung ihrer. Mazzes. Unter dem Volkshaufen mitte sich besonders Frau Katharina Breyer hervorgethan, welche die Aicnge durch wüste Reden aufgestnchelt hatte. Sie hatte auch bei der Polizei die bestimmte Erklärlmg abgegeben, sie hätte von fern gesehen,;i>ic Moses das Mädchen in den Keller geschleppt und seine Söhne ,?u» dabei Beistand geleistet hätten. Tief betrübt über das Ergebnis; lehrte Frau Goldstein nach Hause zurück, und ihre Mittheilungen der- Üblen ihre Tochter in erneute Aufregung. Beide Frauen verzweifelten -anm, etwas zur Rettung der Unglücklichen thun zu können. So vergingen in banger Erwartung mehrere Monate, während -icher Moses K. und die Seinen in strenger Untersuchungshaft ichinachteten und fast täglich peinlichen Verhören unterworfen wurrci,. In ihrem traurige» Schicksal hatte sich nichts geändert, es nun: keine Aussicht auf Entlassung aus der Haft, denn die Hauptu'Ugin, Frau Breher, blieb auch dem Untersuchungsrichter gegenüber ui ihrer Aussage. Schon war der Termin für die öffentliche Verhandlung festgesetzt, ui welchem das Zeugnis; der Katharina Breyer die endgiltige Entuheidung herbeiführen mußte, Da kam dem Vertheidiger des Moses K., Vit Frau Goldstein mit Bitten bestürmte, sein Möglichstes zur "'esreiung der Angeklagten zu thun, ein rettender Gedanke. Er bculragte, daß die Breyer, die eine Katholikin war, bevor sie als peugin zum Hanpttermiu zngelasse» und vereidigt würde, zur Abanng der Beichte veranlaßt und ihr Geständuiß dem Untersuchnngs- ' - achter mitgetheilt werden sollte. Der katholische Pfarrer, an den ' :üii» dieses Ansuchen stellte, wollte darauf nicht eingehen, da er das Ueichtgeheimniß nicht verrathen dürfe, doch erklärte er sich damit ein-; - -standen, daß der Untersuchungsrichter und der Vertheidiger, hinter uier spanischen Wand verborge», der Beichte anwohnen und die Ge- ' a-indnisse der Beichtenden hören könnten. Der Pfarrer redete der i man, als sie vor ihm zur Beichte erschien, hart ins Gewissen, das; - ein offenes Bekenntnis; ablegen solle und drohte ihr mit den schreck- - uchstcn Höllenstrafen, für den Fall, daß sie nicht die Wahrheit einj . runde und sich vor Gericht eines Meineids schuldig mache. Hänge ach von ihrer Aussage das Schicksal einer ganzen Familie ab, die aal Monaten im Gefängniß gehalten werde. Diese Mahnung ging er verstockten Frau zu Herzen und sie bekannte dem Pfarrer, das; Ue Anssage nur eine Verleumdung gewesen, durch welche sie sich an -em Juden habe rachen wollen dafür, daß er in diesem Jahre ihr -acht die Pacht seines Geschäftes über die Osterfeiertage übertragen labe. Auf dieses Geständuiß hin wurde die Frau wegen Jrreäihrnug der Behörden durch verleumderische Angaben in Haft genommen. Es ergab sich dann bei dem erneuten Untersuchnngsverfah- ->», das; der eigene Bruder derselben, Karl Mielhe, ein verheiratheter Alaun und Familienvater, der unter falschem Namen mit jenem Mädchen ein Verhültniß unterhalten hatte, das nicht ohne Folgen geblieben war, dasselbe ermordet hatte, um sich seiner zu entledigen, »H’il es in ihn drang, durch eine schleunige Heirath die Schande des -Fehltritts von ihm zu nehmen. Um den Verdacht der Thäterschaft auf Moses zu wälzen, hatte cr die Leiche der Ermordeten in den Keller desselben, zu dem er sich gen Schlüssel zu verschaffen gewußt, geschafft. Nach kurzer Zeit gelang es auch des Karl Miethe, der eine Reise unternommen hatte, bildhaft zu werden. Tie verdiente Strafe ereilte ihn, während Moses K. und die Seinen aus der Haft entlassen wurden. Moses war durch die iiberstandenen Leiden so gebrochen, daß er von dieser Zeit unablässig kränkelte. Seine Frau hatte sich durch den Schreck ein Herzleiden zugezogen, dem sie in kurzer Zeit erlag. Das blühende Geschäft des Moses war völlig zu Grunde gegangen und er war jetzt ein armer Mann geworden; sein einziger Trost waren seine Söhne und seine liebevolle Schlviegertochter Mathilde. Und wer entschädigte die Unschuldigen für all das erlittene Ungemach, für die Einbuße an Hab u»d Gut, an Gesundheit und bürgerlicher Ehre? Man dachte damals noch nicht an die Entschädigung unschuldig Veructheilter, und so mußten sie ihr Leid als eine Schickung des Himmels ruhig ertragen. d An Professor Klrrnthal. Von einer Jüdin.!. Wenn Deinen edlen Geist auch Zweifel oft beschleichen, Ob Du nicht wagst dem Prediger in der Wüste gleichen. Da Inda täglich ferner scheinet seinem Ziel - 0, scheuche fort doch diese düstren Sorgen! Es hält ein jüdisch Herz gar treu in sich verborgen Den echten Kern, trotz allem eitlen Spiel. Wenn sie auch ferner jetzt der Väterspra.che Lauten, Auch in der Muttersprache, unsrer trauten. Erkennen lernen sie des Judenthumes Geist! Denk nicht, daß nur auf todt Gestein es fallen Deine Worte: Es öffnet ihnen sich manch dunkle Herzenspforte Und lernt, daß — (Ihajirn: w irklich Leben heißt! II. Dir ist Die Gabe der Rede Ein'blankes, scharfes Schwert, Zn Kampf und Vertheid'gnng geschwungen Das hoch man hält und werth Drum tonen so recht Deine Worte, So feierlich Dein Gruß: So spricht mau nicht, nur uut zu sprechen. So spricht man, wenn sprechen man muß. Uns 'Andren: eilt Modedegen Ist uns das gesprochene Wort. Wir schwingen es keck und verwegen, 0b heiter, ob ernst sei der 0rt. Wir sind ja auch Kinder der Mode Und licht uns das Leben erscheint. Seit menschlichem Grübeln und Sinnen So reicher Erfolg sich geeint. Seit wilde Naturgewalten Vom Menschengeiste gezähmt: eit Feuer und Wasser und Wolke Sich menschlichen Diensten bequemt. Seit wir jagen auf Feuerrossen, Und malen mit Sonnenlicht: Seit des Himmels leuchtender Blitzstrahl Als Menschenwort zu uns spricht — Wir sind die leichte Harfe, Bewegt von der Lüfte Strom; Du bist die ernste Glocke, Die aufragt zum Himmelsdom. Das Saitenspiel singt und zerspringet. Wenn wilder Sturm dreinfährt; Der Glockenton machtvoll erklinget Und dringt durch die Luft wie ein Schwert. Und feget hinweg die Bösen, Und tönet den Guten vertraut — Bis Glocke und Harfe verklingen Dereinst in einen Laut 4-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.