Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 23 (3.6.1892)
- Date
- 1892-06-03
- Page
- Seite 271 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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271 ll. unserer S in der rzem eren nicht a gegen lenschen-;r Bibel können ner das iedrigere nen befinden, itterliche Wissen- Schichten naueren nterricht teshause )n ihrer stanbens ehr und rum sei Zurück^ iffe de-? lnn sein rbreitete :r ewige ne giebt ung deeutung" Verhäl! en ans iger eil*} c häufig e wellich selbst inne ge^ äre nur gewesen schrieben echischen :ebe nur Gojiun mn die Deutung ns und. ßer den lche da^ heißung. gegeben r Erde' lnderteu >um und »rinhalttlag von lebenden jüdisch-hellenistischen Schriftsteller hingewiesm, welche, wie die Verfasser des Phokylidäischen Lehrgedichts und der jüdischen Sibyllen, gerade die Heiden für die jüdische Gottes- und Sittenlehre gewinnen wollten. In der vorliegenden Schrift, die ihre (Zitate fast ausschließlich der Bibel und dem Talmud entnimmt, ist die verwandte Darlegung dieser Männer bedauernswerther Weise unberücksichtigt geblieben. Und doch sind folgende Worte des größten derselben, des jüdischen Philosophen Philo von Alexandrien, eines älteren Zeitgenossen von Jesus, so überaus bezeichnend: „Ueberhaupt ist das Ziel, welches unser heiliger Gesetzgeber in seiner ganzen Gesetzgebung anstrebt, dieses, daß Eintracht, Freundschaft und Gleichheit der Sitten allenthalben vorwalte, wodurch die Familie, die Gemeinde, die Völker und Reiche und endlich das gesummte Menschengeschlecht Uir höchsten Glückseligkeit gelangen könnte. Freilich '.ist dies bis letzt immer noch nur ein frommer Wunsch, doch hege ich die zuversichtliche Hoffnung, daß es mit der Zeit dahin kommen werde, wenn die Tugend unter göttlichem Beistand immer mehr und mehr an Boden gewinnen wird."*) Dieselbe Anschauung, wie der jüdisch-griechische Weltweise, hat ungefähr zu gleicher Zeit in Palästina der Pharisäer Hillel in seiner bekannten Antwort au einen Heiden ausgesprochen, indem er erklärte: „Was Dir verhaßt ist,, das thue Deinem Nebenmenschen nicht. Das ist der Grundgedanke der Thora, das Nebrige ist die Erklärung dazu. Gehe hin und lerne sie." Er hat mit diesen Worten die Pflicht der Nächstenliebe — denn dieselben sind nichts Anderes, als die negative Fassung des Gebotes III. B. M. 19,18 — nicht nur — dem Heiden gegenüber — als eine allgemeine, sondern auch in Uebereinstiminung mit unserer heutigen Anschauung, welche den ethischen Gehalt der Religion in erster Linie betont — als die gl erzielende Frucht der Thora bezeichnet, eine Frucht, die allerdings, wie er mit seinen weiteren Worten angedeutet, die Gotteslehre und nne sorgsame religiöse Pflege zur nothwendigen Voraussetzung hat. Und daß diese Worte jüdischer Weisen nicht etwa ihrer subjektiven Empfindung, oder einem — wie Manche zu sagen belieben — nationalen Hochmuthe entsprangen, daß sie in der Gestaltung der indischen Religion ihre auch Nichtjuden überzeugende Begründung batten, bewiesen die zahlreichen Uebertritte von solchen in den ersten vor- und nachchristliche!! Jahrhunderten. Im Hinblicke auf sie schrieb der bekannte jüdische Feldherr und Geschichtsschreiber Josephus olavius etwa zwei Jahrzehnte nach der Zerstörung Jerusalems und des Tempels in seiner Schrift gegen den Judenfeind Apion ill <*. 39): „Von uns sind die Gesetze auch allen anderen Menschen bezeugt worden und haben sich immer größere Zuneigung unter 'hnen gewonnen .... Es giebt keine hellenische oder barbarische -ladt und kein Volk, wo nicht die bei uns übliche Sabbathfeier 'ich Bahn gebrochen hätte, und wo nicht das Fasten, das Anzünden der Lichter und viele unserer Speisegesetze beobachtet würden. Auch nnsere gegenseitige Eintracht, unsere Wohlthätigkeit, die Arbeitsamkeit in den Gewerben u!rd unsere Ausdauer in den Drangsalen um des t^esetzes willen suchen sie nachzuahmen .... Waren wir nicht selbst von der Vortrefflichkeit aller unserer Gesetze überzeugt, würden wir durch die Menge ihrer Anhänger darauf geführt werden, stolz aut sie zu sein." Diese Angaben werden nicht nur durch den früher 'ebenden Philo (vita Mos. II p. 656, ed. Hoeschel), sondern durch die z. Th. ein Jahrhundert später lebenden römischen Schriftsteller 9 Siehe die Schrift „UeberdiejPhilanthropie des mosaischen Gesetzes von Phild", übersetzt von M. Friedländer. Wien 1880. S. 39 Ferner Dähne, „Geschtl. Darstellung der jüdisch-alex. Religionsphilosophie, I, 3. 427. Tacitus (Historien 5, 5), Juvenal (14, 95) und Cassius (37, 17) bestätigt?) Wie und warum diese Ausbreitung des Judenthums unter den Heiden aufhörte, wie in dieser Thatigkeit das Christenthum und einige Jahrhunderte später der Islam in dieser Richtung an die Stelle des Judenthums treten, das erfordert eine besondere die verschiedenartigsten Momente berücksichtigende, eingehende Darlegung. Welche Verbreitung, welche weit und tief greifende Einwirkung aber die heiligen Schriften der Juden durch diese beiden Wellreligionen gewonnen haben, das bedarf kaum der Erwähnung. Diese Verbreitung und Einwirkung aber wäre unmöglich gewesen, wenn der Inhalt jener Schriften in der That national beschränkt und nicht vielmehr von vornherein von der reichsten, weltumfassenden, Zeiten und Geschlechter überwältigenden und überdauernden Kraft wäre. Diesen universellen Gehalt der Bibel wieder einmal überzeugend uachgewiesen und neuere Angriffe ans denselben widerlegt zu haben, ist das Verdienst der Schrift Lewins. Nicht auf einzelne, der verschiedenartigsten Deutung unterliegende Bibelstellen baut er seine Beweisführung auf, sondern auf die ganze Anlage der Bibel, auf die ihre Erzählungen, Lehren und Gebote beherrschenden Grundzüge. Der erste Vers der Bibel verkündet sofort „Gott als den Weltenherrn". Die Bedeutung dieses Satzes tritt insbesondre hervor in der Vergleichung mit den niedrigen Gottesvorstellungen der geistig höchststehenden heidnischen Völker, einer Vergleichung, welcher Dr. Steckelmacher im vorigen Jahre eine geistvolle und eingehende Studie gewidmet hat.-) Und wie in ihrer Gotteslehre, so steht die Bibel auch in der Lehre von der Einheit des Menschengeschlechts einzig und unerreicht. So lauten die treffenden Worte Lewins im 1. Abschnitte seiner Schrift (S. 5 f.): Der Gott Israels hat sich dein Urvater der später in der Sintfluth vernichteten Völker als sein Gott erwiesen. Er hat ihn belehrt, ermahnt, bestraft, gestützt, geleitet und erhoben. Der Gott der hl. Schrift ist eben der Weltengott, der Gott Aller und nicht allein der Gott Seth's, von welchem Noah abstammt, der Ahnherr aller jetzt lebenden Menschen." Er ist, so wird im Folgenden weiter ausgeführt, der Richter der Erde, der Schützer der Sittlichkeit, der Hüter des Rechts dem sündigen Sodom gegenüber, wie in dem strafenden Verhalten gegen die Israeliten. Von diesem Standpunkt aus erörtert der Verfasser sodann die Bezeichnung Gottes als des „Gottes Israels", d. h. als des von Israel besonders verehrten Gottes, den Bund Gottes mit Israel, als dem Priestervolke, das zuerst und vor Allen die Lehre und Gebote Gottes verkünden soll, erklärt daraus die Israel eigenthümlichen Gebote der Sabbathruhe in ihrer weiten Ausdehnung, der Teharoh, der Vorschriften strenger Keuschheit, der Speisegesetze, wie ebenso die allgemeine Geltung der Rechts- und Sittengebote, diese wollen „nicht allein und nicht hauptsächlich das Zusammenwohnen der Menschen, das ungestörte Bestehen der staatlichen Verbände ermöglichen und erleichtern, sondern sie wollen den Menschen zur Tugend erziehen und ihn tugendhaft erhalten. Darum muß der sittliche Mensch immer und überall, in der Heimath, wie in der Frenlde, Glaubensgenossen, wie den verkommensten Heiden, Menschen und Thieren, ja selbst dem Unbelebten gegenüber stets so verfahren, daß er nicht Schaden leidet an der Reinheit seiner Seele" (S. 44). Den „Lehrberuf der Thora" erfüllen für ihre Zeiten in besonderer 9 Vere.l. hierüber: Grätz, Gesch. d. Juden III, 3 S, 427 ff. IV, 2 108 ff., dessen Beilage zum Jahresber. d. Jüd. Theol. Seminars in Breslau von 1884: „Die jüdischen Proselpten im Römerreiche", und E. Renan: Le judaTsme comme race et comme ie%ion. Paris 1883. -) Die Gottesidee der Offenbarung und des Heidenthums. Mannheim 1890.