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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-06-03 · Heft 23 (3.6.1892) · p. Seite 270

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 23 (3.6.1892)
Date
1892-06-03
Page
Seite 270 (sequence 6)
Language
German
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270 zu seinen Hausgenossen und spricht zu ihnen: Wohlan, ich bitte euch, errettet mich vom bösen Tode! Doch sie erwiedern ihm: Weißt du nicht, daß es am Todestage keinen Beschützer giebt? . . . Sodann wendet er sich zu seinem Vermögen und redet es so an: Biel und sehr habe ich mich um dich abgemüht, viel Zeit dir geopfert; ich bitte dich, befreie mich vom bösen Tode. Jenes aber erwiedert: Kennst bit nicht das Wort des weisen Salomo, daß keine Schatze nützen am Tage drs göttlichen Zorngerichts? So kurz abgewiesen, wendet er sich an die Summe seiner guten Werke und richtet an sie die Bitte: Kommt und errettet mich von diesem Tode, lasset mich nicht aus der Welt schwinden! Und sie erwiedern ihm; Zieh nur hin in Friedens, wir eilen dir voran und werden für dich zeugen, — denn es heißt: „Voran wir dir ziehen dein rechtes Thun" (Jerem. 58, 8). Wo jedoch eine solche Voraussetzung äußerst fern zu liegen scheint, da mag die Annahme einer gemeinsamen dritten Quelle am Platze fein, oder wenn eine solche unbekannt, das Bewußtsein, daß „die Wahrheit das Jnsiegel des Heiligen ist", welcher sie in verschiedener Form verschiedenen Menschen mittheilt, wie z. B. jenes Wort, welches sich bei v. Kleist findet und schon von Heinrich Simon bei Gamliel (Ber. r. 68) zum Ausdruck gebracht wurde, nämlich: „Die Sonne steige nie aus rother Fluth Und sinke nie darein. Daß du nicht deine Stimm' vereinigst mit Ter Stimme der Natur" — und: „Des Morgens bete man: Ich danke Dir, Ewiger, daß Du mich ans der Finsterniß zum Lichte geführt; imb des Abends: Es sei Deiii Wille, Ewiger, daß Du mich, wie die Sonne bei ihrem Aufgange, so auch dieselbe bei ihrem Untergange sehen lassest"; — oder wenn L. Schefer sagt: „Ein Frommer ist der einzig Freie, Starke; Ein Freier ist der einzig Ente, Fromme, Er will, daß Jeder frei sei so wie er" — und es im Midrasch heißt: „Frei ist allein, wer nach der „Lehre" lebt und webt." Ausfallend aber dürfte es sein, wenn Midrasch und Dichtung, die ja beide wahr sein und Wahrheit lehren wollen, zuweilen einen gewissen (Gegensatz aufweisen, wie er beispielsweise sich zeigt in dem Worte von Fr. Badenstedt: „Je höher man steigt. Je bescheidener wird man -- Wie der Berg, der über die Wolken reicht. Sich ivlmer verkleinert, je höher er steigt — Es ragt feine Spitze am weitesten, Eanz unten macht er sich am breitesten" dagegen in dem Midr. Mechilta Jithro: „Mose stieg bis ins Gewölk (zu Gott) empor in Folge seiner Bescheidenheit mit) Demuth". Nun mag ja gewiß beides an sich richtig sein, indem bisweilen die Bescheidenheit eine Folge der höheren Stellung, der höheren Erkenntniß, bisweilen wieder umgekehrt die höhere Stellung, die höhere Erkenntnis; eine Folge der Bescheidenheit wird. Vielleicht aber ist nicht nur der Midrasch, sondern auch Fr. Badenstedt hierbei abhängig von dem Schristworte: „Und der Mann Mose war sehr bescheiden vor allen Menschen aus der ganzen Erde": Bodenstedt, indem er „den Mann" betonte, welcher bereits auf die Höhe des Sinai (zu Gott) emporgestiegen unu, im Gegensatz zum Jüngling Mose, welcher in Aegypten doch kaum so bescheiden erschien; während der Midrasch die Fähigkeit und die Anlage zur Bescheidenheit, welche sich doch bei der Erscheinung am Dornbüsche offenbarte, als die Ursache für das Höhersteigen bezeichnet. Or. F. Friedmann. U Bas Iudenthum und die Uichtzuden? Von Dr. I. Efchelbacher, Bezirksrabbiner in Bruchsal. Wenige Themata der jüdischen Religionslehre dürften in unserer Zeit auf so allgemeines Interesse rechnen können, als das in der Ueberschrift genannte, dem Herr Dr. A. Lewin eine vor Kurzem erschienene Schrift gewidmet hat. Während die Antisemiten nicht müde werden, neben ihren mannigfaltigen Beschuldigungen gegen die Juden als Rasse auch gegen den angeblich Völker- und menschenfeindlichen Charakter ihrer religiösen Schriften, und zwar der Bibel sowohl, als des Talmud, die heftigsten Angriffe zu richten, können auch gerechter denkende, geistig und sittlich hochstehende Männer das Borurtheil, im Judenthuin des alten Testaments nur eine niedrigere Vorstufe des Christenthums und in seiner Sittenlehre einen beschränkten nationalen Standpunkt zu erblicken, schwer überwinden. Und die Bestimmtheit, mit der diese Vorurtheile als unerschütterliche Thatsachen, als angebliche Resultate der neuesten kritischen Wissenschaft ausgesprochen werden, hat Verwirrung selbst in weite Schichten unserer eigenen Glaubensgenossen verbreitet. Viele, die einer genaueren Kenntniß der jüdischen Religionsurkunden entbehren, den Unterricht ihrer Jugend vergessen haben und die Belehrung im Gotteshause nur selten aufsuchen, stehen dem Judenthum, als der Religion ihrer Familie, noch mit „Pietät" gegenüber, aber die Ziele ihres Glaubens und die Triebe ihres Handelns suchen sie in ihm nicht mehr und ahnen nicht die Fülle, wie die Höhe seines Inhalts. Darum sei die Schrift des Herrn Dr. Lewin,, der schon früher in der Zurück Weisung der gegen den Schnlchan-arnch gerichteten Angriffe d^ seitdem als Lügner und Betrüger entlarvten Justus Briemann sein apologetisches Talent bekundet und jetzt gleichzeitig viel verbreitete Vorurtheile gegen die heutigen Juden in der Broschüre „Der ewige Jude, von Alwin Dolfe" beleuchtet, herzlich begrüßt. Sie giebi auf gedrängtem Raum (150 Seiten) eine umfassende Darlegung de- „Lehrinhaltes des Judenthums in seiner universellen Bedeutung" und eine Beleuchtung seiner Gebote und Vorschriften im Verhält niß zu den Nichtjnden, insbesondere der gegnerischen Angriffen ausgesetzten. Diese Darlegung ist eine zeitgemäße, aber nichts weniger ak eine neue. Das muß besonders betont werden. Denn gar häufig begegen wir Behauptungen, nach welchen die Juden die weltumfassende Weite der Lehren und Gebote der Bibel eigentlich selbst nie recht verstanden, sondern in beschränkt nationalem Sinne deutet hätten. Wohl verehrten sie einen Gott, aber das wäre nur Henotheismus. Ihr Landes- oder Volisgott wäre nur einer gewesen ohne daß sie darum diesem eine universelle Bedeutung zugeschrieben hätten. Die Idee des Monotheismus sei ein Resultat der griechischen Philosophie. Ebenso hätten sie bei dem Gebot der Nächstenliebe nur an den Volksgenossen gedacht, den anderen Völkern, als Gojim. seien sie fremd und feindselig gegenüber gestanden. Wenn dir neueren Juden jenen Lehren und Geboten eine umfassendere Deutung gäben, so folgten sie darin nur dem Muster des Ehristenthums und. der humanen Richtung der neueren Zeit. Darum sei außer ben von Lewin angeführten zahlreichen Stellen der Bibel, welche dav Gegentheil als richtig beweisen, außer insbesondere der Verheißung, die dem ersten geistigen Stammvater Israels, Abraham, gegeben wird, „daß durch ihn gesegnet werden sollen alle Völker der Erde" vor Allem auf die in den zwei ersten vorchristlichen Jahrhunderten lebendem die Ve Sibylle lehre c (vxtate die ver unberül derselbe älteren ist das gebung der Sit die Bö zur hö letzt im sichtlich' nie Tu Boden Di ungefäl bekannt erklärte nicht. Erklär! Worten Andere nicht n auch n den et w erzü wie er Aue st Ui Ennpfi! uatiotK Üidischl hatten, vorui der b> Flaviu des I ill «... bezeugt ihnen < -ladt 'ich Bc der Lü unsere m den Gesetze« von d durch auf sie lebende die z. : E Dr. Adolf Lewin, Rabbiner in Freiburg: Das Judenthum und die Nichtjuden. Eine Darstellung der Entwickelung und des LehrinhalE des Judenthums in seiner universellen Bedeutung. Trier, Verlag von Gebr. Maas u. Comp. 18J)1. von PI Dähne, S. 427

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