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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-06-03 · Heft 23 (3.6.1892) · p. Seite 269

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 23 (3.6.1892)
Date
1892-06-03
Page
Seite 269 (sequence 5)
Language
German
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269 lich (bot. r Kultur ich finden, nnützigkeil cen lassen, behalten", nicht alwenn dilstens sieb u citiren. möglichst :n Unsinn .Inbegrisi n ulkigen Dicht»»,> Den, soi! mal sagt fi§ — du so müssen iß schüft vermann- Der wenn, itet: „Du Tage amu lß er den ran meln essend iß. r cs aber u fterbcu c Prophu wundert. : behalten rg (Drn td bcinci! t das cir es genau c mit dein llnsgabc i: rden, du Meere"' ö 17, nicht w uit solchen eben zntn en wolle t ' „Jllde'n cheit tarn! tr Knltu kann nn l ihm nie! Boß an. a Seele: - r uns die eelalter; u ldenthmr- Zeitfragcn. einem gegen seine früheren Glaubensgenossen mit dem Schwerte der Bernichtu'g wüthenden Franziskanermönch und abermals die Wandlung dieses kanatischen Franziskanermönchs zu einem Briganten glaubhaft machen will. Daß (das. 1, S. 44) die Frau eines berühmten Rabbi im 18. Jahrhundert im Ghetto zu Rom sich ihr „seidenweiches Haar gerauft", während sie doch höchstens ihre seidenweiche Perrücke ueranft haben kann, daß der begabte Sohn des Rabbiners nicht etwa uc Fechterschule des Talmuds, sondern die „Betschule" besucht und schön singt, daß er sich von Pollini entdecken lassen könnte, daß aas. II, S. 210) „eines Sabbathabends in der kalten Jahreszeit" »f den Tisch der Juden ungesäuertes Brod komint und (S. 215) um Sabbath im Tempel aus dem hohen Liede gesungen wird, das Ales gehört in das Gebiet der Fabel, und ich wage nicht zu ent- .heiden, ob es dem Dichter gestattet ist, in frei waltender Phantasie üitten und Gebräuche zu erfinden. Aber eine nicht mehr erlaubte -hantasie gehört dazu, den Bers 13 des Psalm 92 zu übersetzen: Recht wie die Palme wirst du blühen"! (das. 1, S. 103)4) Zu dem ungesäuerten Brode muß sich ein unschuldiges Ostermim, von Wilhelm Jordan dazu verurtheilt, gefallen lassen, von liieni frommen Inden der Gegenwart verspeist zu werden. „Essen c das ungesäuerte Brod und das Osterlamm", wird ihm gesagt Tie Sebalds I, S. 256 und 11, S. 256). Wenn ferner Jordan n alten frommen Biendez seine Andacht immer in Gesellschaft von eben Betbrüdern verrichten läßt (das. 1, S. 155), so liegt der »verzeihliche Gedanke ziemlich nahe, daß das Eitat von Psalm 39, -ers 2: „amarti esckmera dciakai niechamo bilschoni“ (das. 245) weniger eine Sünde des Drucktenfels, als vielmehr eine Rinde des Leseteusels sei, indem Jordan das £ als gj gelesen. Als Dritten im Bunde der Schriftgelehrtcu nennen wirWallace, u> dessen „Ben Hur" cs von Unrichtigkeiten und Schnitzern nur so stuunelt. Ans dem Gewimmel wollen wir nur einige Kleinigkeiten -rausfischen. Bd. I S. 29 heißt es: „Jeder Israelit erhob sich, wandte in Antlitz gegen Jerusalem, kreuzte die Hände und betete; es war die heilige ..nute Stunde." (!) S. 45 findet eine Bcrsannnlnng der Hohepriester alt und S. 49 heißt es, daß der Saal des Synhedriums im Königs- Kaste gelvesen, während dasselbe bekanntlich in der Qnaderhalle und »tcr in einer Basilika im Vorhof des Tempels tagte (S. Hambtiru.er 8. v.). Wenn mau (S. 83) einem Inden Milch und gebratenen Regel zum Speisen auftischt, so mag das gerechtfertigt sein nach R'. Rose dein Galiläer, der bekanntlich solche Delikatesse gestattet hat "thnlli» 113a). Wenn es aber S. 84 heißt: „Die Dienerin aus legypten hat das Ohrläppchen durchbohrt; ihr brachte auch das unfzigste Jahr nicht die Freiheit," so hätte man sich und dem Leser 'Ich haarsträubende Gelahrtheit durch eineu Blick auf II. B. M. »P. 21 ersparen könuen. Aber selbst unser A u e r b a ch, dem man cs sicherlich Dank wissen ans;, daß er sichtlich bestrebt war, seine theologischen Jugcndkenntnisse ü verwenden und zn verwerthen zu sittlichen Zwecken der Voltselehrung, erregt manchnial beim kundige» Leser ein bedenkliches Schütteln -s .Kopfes. Zwar wenn er (Spinoza Kap- 0) sagt: „Hat nicht 'Won Maimonides gelehrt: Die Frommen aller Völker gelangen zur Tcligkeit?" so mag cs dem Dichter leicht nachgejehen werden, daß solches schon lange vor Maimonides der Talmnd (San. 105a) gekehrt. Dagegen ist die Mittheilung (Florian und Creszens 5): „Rach »er hochweisen Anordnung der Bibel dürfen die Jiiden nur das Kleisch der Vordertheile essen" ganz neu und muß berichtigt werden nach 1. Buch M. 32, 33. Eine Sünde gegen den heiligen Geist der biblischen Geschichte findet sich ferner in Ivo Kap. 6, wo es heißt: „Wie 9 LXX, Vulgata und Luther haben die richtige Uebcrsetznng. einst Channah ihren Sohn Samuel dem Hohenpriester im Tempel zu Jerusalem brachte" (Vgl. 1. Sam. 1, 24). Ebenso ist die Wendung (das. 7.): „Kain! Kain! rief er oft und erwünschte, daß er auch in die Wüste entfliehen könnte", ein Verstoß gegen I. B. M. 4, 16. Wie endlich daselbst zu lesen ist: „In der That konnte nun auch Peter nicht mehr Geistlicher werden, denn geschrieben steht 3. B. M. Kap. 3 V. 1: „wenn du dem Herrn ein Ganzopfer darbringst, so soll es vollständig sein, es darf keinen Fehler haben", so ist auch dies Citat nicht ganz textgetreu und hat dem Dichter jedenfalls vorgeschwebt 111. B. M. 21, 21, wo es heißt: „Jedermann ans der Nachkommenschaft des Priesters Aaron, an welchem ein Fehler ist, soll nicht hintreten, um darzubringen die Feuervpfer des Ewigen." Wenn solches am grünen Holze geschieht, dürfen wir uns nicht wundern, lvenn wir bei Heine, der nur über dunkle Jugcnderinnerungen zu verfiigen hat, so viele Flüchtigkeiten und Jrrthümer antreffen. Doch verdient Heine nach der Richtung eine genauere Beachtung!) Die Beispiele dafür, welche Behandlung die Schrift von der Dichtung sich bisweilen gefallen lassen muß, ließen sich bedeutend vermehren, aber das Erwähnte geniigt. Was mürbe man wohl sage», wenn in derselben Weise Homer auswendig citirt würde, wenn in derselben Weise griechische Sitten auswendig geschildert würden? Man benutze und citire die Schrift recht fleißig, aber man lese sie zuvor, dann tverden beide Theile gewinnen, die Schrift und die Dichtung. Zu dem interessanten Aufsatz in Nr. 18 dieses Blattes sei es gestattet, Einiges hinznznsügen. Es ist zweifellos, daß biblische Gedanken, welche sich in der Dichtung wiedersinden, die Abhängigkeit der Dichtung bestätigen, wie z. B.: Herder, der da sagt: „Das Alter ist eine schöne Krone; man findet sie nur ans dem Wege der Mäßigkeit, der Gerechtigkeit und Weisheit" — sicher nur das Bibclwort (Spr. 16, 31): „(Sine Prachttrone ist das Alter, ans dem Wege der (Zedaka) Gerechtigkeit wird sie gefunden" — wiedcrgiebt. Aber auch Midrasch-Lehren, welche sich in der Dichtung genau oder nnr ähnlich wiedersinden, dürfen immerhin eine getvisse Abhängigkeit bestätigen, welche ans direkter Kenntniß oder indirekter Erfahrung in Folge des Verkehrs und Umganges mit Juden erfolgte; wie z. B.: Rückert mit seinem Worte: „Es ist ein alter Spruch: das beste Leichentuch Ist Redlichkeit, sie würzt den Tov mit Wohlgcruch. Es ist ein alter Spruch: wenn sie mit dir nun schreiten Zu Grabe, werden sie verschieden dich begleiten. Dein einer Freund, dein Gut, bleibt hinter dir im Haus; Dein anderer Freund, dein Ruhm, fliegt in die Welt hinaus. Dein dritter Freund, dein Freund, begleitet dich ans Grab, Und kehret um, sobald er warf die Scholl hinab. Die Liebe schickt vielleicht dir ein Paar Thränen nach. Doch auf der großen Reis' ist dies Geleite schwach Ein gut Gewissen nur wird bei der Hand dich fassen, Rur der Geleitsmann wird dich nimmermehr verlassen. Und was du Gutes hast vorauogesandt mit Beten, Tritt dir entgegen dort, und wird dich dort vertreten," die Kenntniß jenes Midrasch vorausgesetzt, welcher in den Picke d. R. Elieser Abschn. 34 also lautet: „Es hat der Mensch in seinem Leben drei Freunde: Hausgenossen, Erdengüter und edle Werke. Zur Zeit, da er aris der Welt scheiden soll, wendet er sich zunächst si In Bezug auf Goethe s. die Arbeit von Ziemlich: „Goethe und das Alte Testament."

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