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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-06-03 · Heft 23 (3.6.1892) · p. Seite 267

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 23 (3.6.1892)
Date
1892-06-03
Page
Seite 267 (sequence 3)
Language
German
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267 Vorstand v. Nürn Alliance Karpeles, Berlin. z Kohul' Kroner, der Uni ael Lovi, eiete des Reform tenthnms £ zegedin. Mitglied der'All. . Berlin. für die . Berlin, ler. Pro Berlin x Collegv l Perlet Dr. N. C.C.der :anlifcf)cn; France. sident der redakteur Zeberinn, : an der Ausgeber r, Kreis euer Jsr. nmonsen, an der Kultrls > Vogel! Wogue, Worms, utratton i Unter die für warmes N. zu An zeschwel» irthschasi Nahrung iller AN >ns keine en unter einer so reift fost Bulgare», lukrativ 10dm zu ind auck ansahe» Um treu de» jüdischen Geboten zu leben, kouzentrirten sich die Spagnolen in Städten oder Städtchen und verließen nur auf wenige rage ihr Heim. Andererseits vermochten sie den Werth des Bodenbesitzes nicht in der Weise zu würdiften wie die antochthonen bulgarischen Bauern, oder wie die neuere jüdische Generation. Würde der großherzige Baron Hirsch bei seiner erstmaligen lnjenbahnnutcrnehmuug im türkischen Reiche Boden von der Rej gieruug erworben und unter die Juden zur Kolonisation vcrtheilt! iialvti, welches hohe Verdienst um die finanzielle und soziale Stellung unserer Brüder unter den übrigen Balkanstünimen würde er für sich in Anspruch nehmen können! Heute wird man kaum noch in die Lage kommen, das Bcrsäunitc uachznholen. Bulgaren emd Serben werden förmlich von einem Bvdcnheißhmigcr geplagt, selbst die Auswanderung so vieler Stämme tann ihren Hunger nicht stillen. Das Gesetz gesteht nur den Bauern aas Recht des Ankaufes von Boden der auswandernden Türken zu. Will ein Fremder Boden erwerben, so bedarf cs der Zustimmung des Gemeindeamtes, und da hat jeder Nichtbulgare das Nachsehen, der einen Grund in irgend einem Dorfe sich erworben. Also müssen eie Juden ihre Hoffnung aus Grundertverb fahren lassen, bis die tlebersättigung rmd die Nothwendigkeit eintritt, den tobten Boden durch lebendiges Kapital ertragsfähig zu machen. In Serbien begegnet man vielen Städten, die nach der antiuinitischen Borschrift „judenrein" sind, wohingegen in Bulgarien, das etwa 42,000 Juden beherbergt, man neben „judenreinen" rtädten in manchen Dörfern vereinzelte Spagnolen findet, welche ■neu Waarenladen halten oder ihren großen Waarenvorrath mif dem Rücken eines oder zweier Esel in die benachbarten Dörfer Waffen, um diesen an die Bauern zu veräußern. Solche Hausirer wahren ein kümmerliches Dasein auf dem Lande, schlafen zumeist bei etaunten Türken, Tartaren und Bulgaren, mit denen sie längere . U'it in Gastfreundschaft stehen, genießen trockenes Brod und schwarzen üassce, zuweilen auch Eier, wenn dieselben recht billig zu haben sind. Out dieser Hausirer seine Eselladung an den Mann gebracht, so kehrt n heim mit seinem kleinen Verdienste, um seine geringen Bedürfnisse m decken und zu neuerlichen Expeditionen in andere Dörfer sich zu nisten. Hie und da findet man in einem Dorfe einen jüdischen llrämer, welcher die Waare seines jüdischen Herrn aus der Stadt! ■egen festes Gehalt oder gegen Prozente das ganze Jahr hindurch ■ t'setzt. Mit dem Einzuge des Samstags oder Feiertags zieht der j .'tagte Verkäufer in seine Behausung ein, welche, wie dürftig auch j Ueselbe eingerichtet, doch gesäubert und in Stand gesetzt ist, die! t appclgüste traulich und würdig zu empfaugen.! Alan mag von der Schönheit einer dem Fortschritt huldigenden I!voischen Familie ganz entzückt sein, allein der warme, herzige Hauch, ie Patriarchalische Vornehmheit, welche da in der engsten jüdisch- "vagnolischen Hütte herrscht, entbehrt nicht des Reizes und nimmt zartuihlende Gemüthec mit europäischer Bildung selbst angenehm genügen! Neben dem Hausirergeschäft stößt man sporadisch tvohl ■nid) auf einen spagnolischen Kaffenehülter. Dieses Kaffeehaus varf sich freilich neben dem Cut'c central in Wie» nicht sehen lassen, j ■Hiiiit aber hat es den Bortheil, so ziemlich reich an Getränken! aller Art — Bier ausgenommen — assortirt zu sein. Wein, ein! einiget mit allen seinen Trübungen, Hefen- und Pilzbildungen, j vlbstgckochter Weingeist ans ben gepreßten Weintrauben, alles eigenes nibrikat, und schwarzer Kaffee a la Turca wird hier in vorsintlluthlichen Gläschen kredenzt, nicht minder aber werden alle möglichen Waaren für den Alltagsbedarf des Landmannes angeboten. ->e heitere Gesellschaft leiht durch ihre Kehlproduktione» dem tbelagc das nöthige Relief. Der spagnolische Jude aber steht den 1 Tag bis in die halbe Nacht vor seinen taumelnden Gästen ganz aufrecht und rechnet nüchtern seine spagnolischen Krcidczeichen zusammen — bis der letzte Bauer von der wachhabenden Nachtpatronille m seinen Wohnstall abgeführt wird, nickt der Arme auch ein, in seiner vollen Rüstung, die Lösung, die Thephilin, Talit und Gebetbuch unter seinen Kopf legend. Lange noch im frostigen Winter ist es Nacht, noch regen sich die Bauern nicht — der Jude wirft einen Blick auf die Uhr, die von einem urattcir Lanipenschinnner erhellt wird — die vierte Stunde nach Mitternacht ist bereits um, er reckt sich aus dem harten, kalten Nachtlager auf, flugs wäscht er sich Gesicht und Hände, und alsbald hört man sein wehmüthig klingendes Gebet. Dann trinkt er seinen schwarzen Kaffee, um fürs Erste die Schänke wieder zu eröffnen. Die Bibel aber kommt ihm nicht vom Tische der inneren Abtheilung seiner „Borde" (sogenannte Schänke mit einer weiten, strohbedcckten Veranda und rückwärts ein kleines Ziinmerchen besitzend). Neben der Schankwirthschast kommen die Bauern oft zum Spagnolen, daß er ihnen Geld vorschieße, damit sie die Steuer pünktlich bezahlen können. Unter Intervention des Kmets werden derartige Darlehen abgeschlossen, zahlbar in Naturalien, worauf nach Abschluß dieses Geschäftchens und Bezahlung der Stellet (denn bcr Gensdarm drängt) wieder herzhaft ins Weinglas geschaut wird. Aber es ist diese Spezies von Zwischenhändlern auf jüdischer Seite auch nur sehr schwach vertreten und es stehen der Ausbreitung des jüdischen Elementes auf dem Lande, wie wir oben gezeigt, vorläufig gesetzliche Hindernisse entgegen. Jüdischerjeits bekundet sich das lebhafte Verlangen nach Landerwerb, das erst dann realisirt werden könnte, wenn die Regierung sich entschlösse, den Boden von seinen Fesseln zu befreien oder in brachliegenden Gegenden jüdische Kolonien zn begründen, wie sic vor zwei Jahren mit slavisch - österreichischen Bauern den Anfang gemacht, wie sic ferner in besonders wohlwollender Weise Bodcir den Arnaliteir zur Verfügung gestellt hat, die ihr freilich zilgutcrletzt als Gcwohnhcitsräuber viel zu schassen machten, bis sic wieder (wie es heißt) bis ans den letzten Mann von den GeiiSdarincn niedergcschoffen werden mußten. Wir haben nun mit diesem Artikel alle Erwerbszweige der Spagnolen erschöpft, ails denen man entnehmen kann, daß unsere Brüder durch rudimentäre, aber auch schwere Arbeit ihr Lebe» fristen, sich also gar keinem Erwerb entziehen, cs sei denn ein solcher, lvelcher seinen Inhaber schündet und ächtet. An verleitenden Momente» fehlt es da nicht. Wir werden noch zu beweisen in der Lage sein, daß das Zeitalter mit dem starken Prozentsatz von Trägern und Arbeitern in wenigen Dezcunien um sein imb daß jene so spärlich gesäctc Schichte der Geistesarbeiter die Oberhand gewinnen wird. Wir werden aber auch Hinweisen auf jene Organe, welche die spagnolischen Juden auS der geistigen Nacht gerissen, um sie der hellanfgehendeu Sonne der Ausklärnng und des materiellen Wohlstandes eutgegenznführcn. Schrift und Sichtung. Bon Rabbiner Dr. A. Eckstein in Bamberg und Rabbiner Dr. F. Friedmanu in Lublinitz. Nicht noit der Dichtung der Schrift soll die Rede sein, sondern zunächst voll der Nachdichtung derselben, von der bewußten oder unbewußten Nachdichtung der heiligen Schrift, wobei es manchmal and) an verschlimmbessernden Erdichtungen nicht fehlt. In Nr. 18, S. 211 dieser Zeitung sind unter der Ueberschrift:

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