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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-05-27 · Heft 22 (27.5.1892) · p. Seite 263

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 22 (27.5.1892)
Date
1892-05-27
Page
Seite 263 (sequence 11)
Language
German
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263 Morgen, ib ich kenn in armer : Bauern- : Mutter h Dir die und mit »rg. 5 ba ger Loos le>i ergebrüetl nd Honza ng folgt.! ch. rlaub iiü in Karle n§mitrbiii en fein«- zur Seilt »vertmü u strafen, n biefeüi i iiiancht eil dieser i meinen! Berthvld endig geehr mit' ms und rius zog r bei den nds »ich! t höchsten jühlte er, eilen, mder li.i 8, wurde Fürstin, n damti- Kan für arbeite», h schwienit, dar se daraui gewissen' Haftesten Weise zu erledigen. Gestatten mir jedoch Königliche Hoheit, zu bemerken, daß mich die Erfüllung dieser Aufgabe viel kostbare Zeit und Mühe kosten wird. Ich must daher für ein solches Elaborat ein Honorar beanspruchen und bin nicht in der Lage, in einer etwa erfolgenden Ordcnsauszeichnnng einen Ersatz für Zeit und Mühe zu sehen, weil ich von dem Erträgnisse nieiner Arbeiten lebe, die meine Zeit und Mühe ausfüllen." „Seien Sie ruhig, Herr Doktor, ich werde dafür sorgen, dast ^hr billiges Verlangen berücksichtigt werde," erwiederte meine Gönuerin. Wenige Monate später erhielt ich durch die russische GZaudschaft in Berlin — den Aunenorden xer Klasse. Ich war nicht wenig erstaunt und gab diesem Erstaunen meiner hohen Gönnerin gegenüber i» unverholener Weise Ausdnick, als ich einige Tage hernach ihre persönlichen Glückwünsche erhielt. „Was wollen Sie?" sagte die hohe Frau mit Iranrigem Gesichte, „das ist echt russisch, ich habe Ihren Wunsch allerhöchsten Ortes selbst mitgetheilt und weist positiv, dast das Honorar dabei gelegen halle. Wo es stecken geblieben ist, kann ich nicht wissen." Was sollte ich thuu? das ivar doch „echt russisch!" d Fitterarische Mittheitungen. “ In den nächsten Tagen erscheinen im Verlage von B. Epstein a- Co mp. in Brünn die „Konfirmationsreden für alle Wochenabschnitte des Jahres" von Elias Karpeles in zweiter verbesserter Auflage. Es steht nlir nicht zu, über dieses Buch meines sel. Vaters hier eine kritische Anzeige zu bringen, wohl aber darf ich mir vielleicht erlauben, das biographische Vorwort zu reproduziren, das ich selbst dieser zweiten Auflage vorausgeschickt habe. Rein historisch, als Lebenslauf eines Rabbiners aus halbvergangener Zeit, diirfte es auch weitere kreise interessiren. Dieses Vorwort lautet: Vielleicht noch niemals habe ich die Unzulänglichkeit^ meiner schriftstellerischen Kraft so klar und so schmerzlich empfunden, wie in diesem Augenblick, wo ich darangehen möchte, das Leben und den Charakter meines in Gott ruhenden Vaters zu schildern. Man muß eben, um seine eigenen Eltern getreu und wahr - schildern zu können, die Ruhe und Größe, die Klarheit und Objektivität besitzen, die Goethe zu eigen gewesen. Wer dies nicht hat, der muß sich damit begnügen, die Konturen zu zeichnen und die Ausfüllung zu einem Gemälde der gefällig nachhelfenden Phantasie des Lesers zu überlassen. In diesem Sinne bitte ich veil Versuch aufzufassen, der hier folgen mag. Mein Vater Elias Karpeles wurde zu Austerlitz in Mähren am Juni 1822 geboren und als der Erbe alter rabbinischer Familienlradition schon in früher Jugend dem Talmudstudium gewidmet. Sein Großvater war der vielberühmte Rabbiner Moses Karpeles in Boskowitz, aus dessen Jeschiba bedeutende Männer hervorgegangen sind, sein Vater, Eleazar Karpeles, war Rabbiner in Eiwanowitz. Ich habe von einer alten rabbinischen Familientradition gesprochen, aber ich weiß leider nicht zu sagen, wie hoch dieselbe und wohin sie führt. Wahrscheinlich nach Prag, woher ja der Name überhaupt stammen soll. Wie mir mein Vater erzählte, ist aber sein Urahn aus Dessau nach Mähren gewandert, sein Großoheim war N. Abraham Laski, dessen kabbalistische Auslegungen der heiligen Schrift in Warschau und Livorno gedruckt worden, der in Kempen eine Bet-Hamidrasch gegründet und in Jerusalem gestorben ist. Obgleich von zartester Jugend auf zum Talunidstudium erzogen, hat ulein Vater es doch schon früh als sein Ziel anerkannt, auch die wissenschaftlichen Studien mit demselben in Einklang zu bringen. So konnte er scholl in jungen Jahren die Prüfung über die Gymnasialfächer in Trentschin, die über Philosophie utib Pädagogik in Wien an der Ulliversität mit Erfolg ablegen, nachdem er die Zeugnisse über seine lalmudische Gelehrsamkeit vor dem Rabbiner L. Horowitz in Wien und miro ri? ferner pan b awm u. s. w. Warschau 1797, Livorno 1783. dem Landrabbiner Abraharn Placzek in Boskowitz bereits vorher erlangt hatte. Mit 23 Jahren wurde er Rabbiner als der Nachfolger seines Vaters in Eiwanowitz, acht Jahre später der Nachfolger Abraham Neuda's in Loschitz. Dort waltete mein Vater zwanzig Jahre des Rabbineramtes. Dann ging er nach Wien als Rabbiner der Tempelgemeinde Margarethell und als Nabbinatsassessor der Hauptgelneinde. In Wien ereilte ihn am 7. Juli 1889 der Tod, nachdenl er Tags zuvor noch die Schlußrede beim Jugelldgottesdiellste uiit voller Kraft gehalten hatte. Dies ist das äußere Gerippe eines Lebensganges, wie ihn wohl in jener Uebergangsperiode viele Gleichstrebellde zurückgelegt haben. Es ist nichts Merkwürdiges darin. Und doch, wie viel Kraft und Entsagung, wie viel Math und Glaubellsfreudigkeit, wie viel Sorge und Kumlller lag ill einem solchen Lebensgange, wie viel Erhebendes und sittlich Großes, wie viel, was tröstet, adelt und erhebt! Man kann die Schaar von Männern, die, wie mein Vater, zuerst in Mährell die Saat der Bildung ausgestreut und gelehrt haben, daß moderne Killtur unb altes Judenthum sich nicht ausschließen, sondern gar wohl in einen harmonischen Einklang zu bringell seien, die jüdischen Humanisten nennen. Ihr Au.genmerk war aus die innere Befreiung der Juden von tausendjährigen Fesseln gerichtet. Ihre Fürsorge galt denr Gotteshaus unb der Schule, ihr vornehmstes Agitationsmittel war die deutsche Predigt. Mein Vater, der in jllngeu Jahren mancherlei wissellschaftliche Arbeiten unternahm — besonders historische Stoffe aus der Geschichte der Juden in Mähren beschäftigten ihn eifrig — wendete der Predigt schließlich die Hauptarbeit seines Lebens zu, in der richtigen Erkenntniß, daß die Kanzel allein unb vor Allem der Ort sei, von bem aus die Ideen des Judenthums gelehrt, vertheidigt und verbreitet werdell könnten. Er erkallgte als Prediger einen angesehellell Namen. Soll ich seine Predigtweise in Kurzevl charakterisiren, so möchte ich sagen: Er hielt die Mitte zwischen der alten Derascha und der modernen Predigt. Von der alten Derascha nahm er die geistreichen Schriftauslegungsversuche, die sich natürlich zuvörderst an ein Publikuul wandtell, das den natürlichen Sinn des Bibelwortes kannte und die homiletische Auslegung zu würdigen wußte. Von der modernen jüdischen Predigt, wie sie Salomon, Kley, Mannheimer, Stein, Philippson u. A. damals bereits angebaut hatten, nahm er das ethische Moment, die erbauliche Betrachtung, um durch dieselbe vornehmlich auf das junge Geschlecht zu wirken. Seine Predigten waren einfach, faßlich, in edler Sprache gehalten, sie suchten sowohl auf den Verstand, wie auf das Herz zu wirken. Vor Allem waren sie aber von echt jüdischem Geiste durchtränkt. Israels Größe und Bedeutung, seine hohe weltgeschichtliche Mission, die Aufgabe des Judenthums in der Gegenwart, die Treue im Glauben, das waren die Grundpfeiler seiner Predigt. Eine würdige Erscheinung, ein wohlklingendes Organ unterstützten den Eindruck, den seine Worte Hervorriesen, in wirksamer Weise. Die Stellung, die mein Vater innerhalb der religiösen Parteien der Gegenwart eingenommen hat, läßt sich nicht mit wenigen Worten charakterisiren. Wenn es nicht paradox klänge, möchte ich sagen: Er war zu gelehrt, um orthodox, zu fromrn, um reformistisch im hergebrachten Sinne zu sein. Vor Allem: Er war ein Jude! Ein ehrlicher, gläubiger Jude, dem sein Judenthum in erster Reihe stand, der aber auch die Versöhnung dieses Judenthums mit der modernen Weltanschauung als eine der vornehmsten Aufgaben der Gegenwart angesehen hat. Wie alle Rabbiner der älteren Schule war er für sich selbst entschieden strenggläubig, gegen die Andern ebenso entschieden tolerant. Er hatte nichts vom Ketzerriecher, aber auch nichts vom Weltstürmer an sich. Ein mildes, humanes Wesen erfüllte ihn; er war ein echter Kohen, ein Priester und Lehrer im Sinne des Propheten. „Denn die Lippen des Priesters sollen Erkenntniß wahren und Lehre soll man suchen aus seinem Munde, so ist er ein Bote des Herrn der Heerschaaren!" Bescheiden und still ging er seines Weges, ohne sich vorzudräugen, ohne nach Ehren zu jagen, immer mit dem Blick auf das Ganze und an allen Errungenschaften des modernen Geisteslebens freudig Antheil nehmend. Sein Lieblingsstudium war in jüngeren Jahren die Philosophie, im reiferen Lebensalter die Bibelexegese. Er huldigte in der Philosophie dem transeendentalen Synthetimus Traugott Wilhelm Krugs, der sein erklärter Lieblingsschriftsteller war. In der Bibelexegese suchte er stets den einfachen Wortsinn zu ergründen. Hier war Raschi sein Leitstern, und ein Werk über diesen großen Bibel-

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