Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 56 (1892)
- Issue
- Heft 22 (27.5.1892)
- Date
- 1892-05-27
- Page
- Seite 261 (sequence 9)
- Language
- German
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261 geweint Zdee der in der „Leber gieri ge!steil besaß die io» Vealt als Igemein ilkern.2) t Uebert in den en-Ver- Schauspiele verderben, das Ernste mit dem Komischen so geschickt verschmelzend, voll desmannigfaltigen Spiels und malerischen Szenen den breitesten theatralischen Spielraum gewährend, für die Schauspieler und Schauspielerinnen wird es nie aufhören, sich auf der Bühne zu entfalten als eines der populärsten von allen seinen Werken. Und durch seine Aufführung wird dem Juden stets ein beständiger V.rtheidiger zur Seite stehen. Das Unhistorische in seinen! verfälschten Plane wird immer mehr erkannt werden; der geschichtliche iheil aber wird hervorragen als ein ewiger Zeuge jüdischer Verfolgungen und Leiden und als eine immerwährende Einladung zu gerechter und edler Genugthuuug. * iren Genicht ein ireigniß, eit hat, Schurke nndnng rzühlt.') i, deren i Srudi, Ehrist ippellirt tus, der rsuchten - Spiel er Zeit : Christ n sein. Anforit einem m Aufion geh nicht, Gegeui Juden Genie ßt, sein de Pu :,in den Juden. Heilung nd der >esiegten giebt, cfolgten ivn für i Rang kößigen großen k-Sage" " publ. (Mab ernutus n Juden legenden FEUILLETON Heimweh. Erzählung von Eduard Knlke. (Fortsetzung.) „Wo aufhören? es ist einer da, der das bezweifelt," sagte Honza schelmisch. „Du wirst es schon sehen," sagte Brigitte und setzte fort, oder :;e fing erst recht von vorn wieder an, sie holte zwar nicht aus von lldam und Eva, tvohl aber von ihrer eigenen Kindheit, sie machte d) daran, mit der ihr eigenen Beredtsamkeit ein Bild ihres früheren Gebens zu entwerfen, der Zeit, ehe sie in das Haus des Meisters Hiederhuber gekommen, sie spann dieses Bild nach allen Seiten hin ns, sie dehnte es zu einer erschrecklichen Länge und allmülig kam die ganze Gesellschaft zu Honzas Ansicht, daß Blatter Brigitte wirklich acht wisse, wo sie aufhören solle. Sie hätte auch in Wahrheit nicht aufgehört, in ihrem Trinkspruch an Meister Niederhnber wch jetzt fortzufahren, ihre eigenen Verdienste in das hellste Licht ,u setzen, wenn Josef eine kleine Pause, die durch wiederholte schelmische Bemerkung Honzas entstanden war, nicht dazu benutzt hätte, ne abzulösen und das Wort statt ihrer zu ergreifen. Um dies aber mit Recht und ohne die alte Brigitte zu verletzen, ausführen zu iönnen» brachte er seinen Trinkspruch auf sie aus. „Wer weiß es nicht," begann er, indem er sein Glas erhob, tvas Mutter Brigitte unserem Hause ist, und wer es noch nicht weiß," wendete er sich, von Honzas Uebermuth angesteckt, gegen diesen, der könnt es ja eben jetzt aus ihrem eignen Munde hören. Aber ihren Verdiensten hat sie heut die Krone aufgesetzt; der Einfall, mir meine Marie an den Christbaum als Bescheerung des Christlindels anzubinden, übersteigt Alles andere und hat seines Gleichen Acht. Darum stoß ich an auf Mutter Brigitte, sie lebe hoch!" Man stieß an und trank auf ihre Gesundheit. Niederhuber, welcher nach diesem kurzgefaßten Trinkspruch der )» der langwierigen Rede Brigittens einen so wirksamen Gegensatz bildete, fürchten mochte, daß die redselige Haushälterin die Gelegenheit ergreifen und die vorhin abgebrochene Rede wieder anfnehmen werde, wendete sich an Honza mit der Frage: „Nun? Und Du, -vonza? hast Du nicht auch ein Sprüche! für Jemanden in Bereit- 'chast?" „Gewiß, Hab ich eins," sagte Honza, „aber für einen, der nicht da ist." „Das thut nichts," ermunterte Niederhuber, „bringst Du Dein Alas nur einem Ehreninann aus, so wollen wir Dir zusprechen, ob da bei uns sitzt oder nicht." ./Bk- Ehrenmann ist er," sagte Honza, „und mehr als das. Ich bring mein Glas auf einen Mann, ohne den möchten wir heut Abend nicht so fröhlich beisammen sein, ohne den wüc es nichts mit Josef und Marie, und Mutter Brigitte hätte sich ihren Witz, die Braut an den Ehristbaum festzubinden, ersparen müssen. Ohne ihn hütt sich nichts angefangen, denn er hat das Alles bewirkt und er hat allem seinen Siegel drauf gedrückt, daß es Geltung hat vor Gott und vor der Welt. Der Mann ist nicht hier bei uns, er weiß es nicht, daß wir hier jetzt in unserer Freude seiner gedenken, aber wer ein guter Christ ist, der stoßt mit mir an. Hurrah, Josef, stoß an! Dir kommt? zuerst zu! stoß an, der Priester soll leben, der Dich zum Christen gemacht!" Josef stieß an mit Honza, die übrigen Gäste folgten seinem Beispiele. Der Trinkspruch Honzas hatte einen gewissen Ernst in die heitere Stimmung gebracht; Marie tvar es, die am meisten von dem Ernst seiner Worte betroffen wurde. „Laßt auch mich," sprach sie, indem sie sich erhob, und das Glas folgte der zitternden Bewegung ihreEHand, „einiger Menschen gedenken, die nicht mit uns hier versammelt sind. Sie sitzen vielleicht jetzt in diesem Augenblick, in dem wir uns freuen, stumm bei einander und trauern noch immer um einen, den sie geliebt, und der sich gewaltsam aus ihrer Mitte losgerissen! Möchte einst eine Zeit kommen, daß sich die in Groll und Haß verhärteten Herzen wieder erweichen und diejenigen, d'e sich geliebt und nun getrennt sind, sich versöhnt wieder in die Arine fallen. Mein Glas gilt der Versöhnung." Schweigend stießen di' Anwesenden mit Marien an; Josef betrachtete sie .nit dankbarem Ulicke, und wie sie dastand, erschien sie ihm wie eine Heilige, wie eu>e hehre Gestalt, die weit hinausragt über alle anderen Menschen. Mariens Worte machten tiefen Eindruck, Alles schtvieg, denn, Jeder fühlte, daß es jetzt nicht mehr Zeit zu reden sei. So ward denn die Feier des heiligen Festes in Scherz und Ernst mit Anmuth und Würde begangen zu nachdauernder Wirkung aller dabei Betheiligten. Josef und Marie waren nun vor aller Welt erklärte Brautleute. Man hatte nur noch die heiligen drei Könige vorbeiziehen zu lassen, dann kam die lustige Faschingszeit, und in dieser Zeit der allgemeinen Lust und Freude sollte auch ihre Hochzeit gefeiert werden. Schon war der Hochzeitstag bestimmt, dem Josef mit Wonne und Entzücken, Marie mit jungfräulicher Verschämtheit, der alte Niederhuber mit frohem Blick in die Zukunft, Honza mit innerer Genugthuung, Brigitte mit gutmüthiger Freude, das ganze Dorf mit reiner Theilnahme ntgegensa hen, und nur Görg, der abgewiesene Freier, mit Aerger und verbittertem Gemüthe. Görg konnte den Gedanken, daß Josef, ein Hergelaufener — wie er ihn nannte — ihm, dem reichen Bauernsohne vorgezogen werde, nicht ertragen. Von Leidenschaft für Marie und von Rache gegen den begünstigten Nebenbuhler zugleich erfaßt, gequält uud gepeinigt von Leiden, denen er nicht entrinnen konnte, sah er den Tag, der eine Unruhe vergrößern, seine Qual zu einer endlosen inachen sollte, mmer näher heranrücken, und er sann Entsetzliches und Fürchterliches. Allein sein Sinnen und Trachten hielt die Zeit nicht auf, die Tage verrannen einer nach dem andern, und endlich war der Hochzeitstag auch da. Schon tönten lustig die Instrumente der Dorfmusikanten m Brauthause. Der Schullehrer, welcher der Vorspieler der kleinen Dorfmusik war, strich emsig mit seinem Fidelbogeu über die helllingenden Saiten der Geige und die anderen Fiedler thaten es ihm nach, so gut sie konnten und wie er sie's gelehrt hatte. Der Schul-