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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-05-27 · Heft 22 (27.5.1892) · p. Seite 258

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 22 (27.5.1892)
Date
1892-05-27
Page
Seite 258 (sequence 6)
Language
German
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258 Tefilla im stillen Gebet des Einzelnen: „Du bist heilig, und Dein Name ist heilig, nnd die Heiligen (d. h. die Engel) Preisen Dich." Ist aber eine Gemeinde zusammen, so wandelt sich dieses Gebet zum Drama, die Gemeinde wird zum Ehor und spricht: „Wir wollen Dich heiligen in dieser untern Welt, wie man Dich heiligt in den Himmelshöhen, wir, vereint mit den Schaaren der SerafeiE), nach den Worten des Propheten: heilig, heilig, heilig ist Gott." Das; der Mensch in die Welt hineinrnfen kann: Ich kenne die vom heiligen Gott in der stummen Natur verkörperte Harmonie: das ist allerdings des Menschen Würde vor allen Geschöpfen; aber dann frage er sich: Habe ich denn auch in meinem freien geistigen Leben, in meiner Gesinnung nnd meinem Gefühl eine ähnliche Harmonie gestaltet, und habe ich durch mein Thun niemals die heilige Harmonie der menschlichen Gesellschaft gestört? Wohl dem, der sagen kann: Ich darf mich dem Kreise der Reinen anschließcn, nicht als ob ich rein wäre, aber weil ich immer bemüht war, es zu iverden. Nachtrag. Ter in den Nummer» 10—12 dieser Zeitung vorliegende Aufsatz des Herrn Dr. I. Kohir „Das Kaddisch-Gebet" veranlaßt mich, meine obige Bemerkung über dasselbe S. . . . zu erweitern. Mit meiner Ansicht schließe ich mich Znnz nnd Rappoport an. Was Dr. Kohn gegen Znnz bemerkt (S. 136 6) beruht auf Mißverstündniß. Znnz hat nicht gesagt, daß 8713711 Predigt, Exhorte u. s. w. bedeute, sondern cs bezeichne nur den Schluß der Vorträge im Hause der Leidtragende», insofern derselbe den Letzteren Trost spenden sollte. — Die Uebcrsetzung des Kaddisch, die Herr Kohn giebt, halte ich für unmöglich, solange nicht nachgewiesen ist, daß erstlich der Bau des Satzes 83i1’i?3—8i'i?b eine solche Verbindung nnd Trennung der Worte gestatte nnd als natürlich erscheinen lasse (man vergesse nicht: Jedermann sollte das Gebet verstehen); das; zweitens die Asel-Form von 128. und zwar in solcher Bedeutrmg „erwählt" nnd in solcher Form i->28 hebr. “TEKIT im chaldäischen Sprachgebrauche des erstenJahrhnnderts v. Ehr. gegeben sei. Onkelos hat gerade an der Stelle, auf welche sich Hr. Kohn stützt, nicht dieses bisher ganz unerwiesene Asel. — Auch findet sich in der neuen Ausgabe des Siddur Amram das p8 11381 vor 8i'J'6 nicht. Damit fällt also Hrn. Kohns Ansicht, daß das Kaddisch ursprünglich das Trauergebet bei einzelnen Todesfällen gewesen sei und erst nach der Zerstörung des Tempels eine nationale Beziehung nnd Bedeutung gewonuen habe. Dankbar aber bin ich Hrn. Kohn für die Erinnerung an Ez. 38. 23. Von dieser Stelle ans ist für den ersten Absatz des Kaddisch die volle Erklärung zu gewinne», und dann folglich auch für den ziveiten. Demgemäß darf der Anfang des Kaddisch nicht wie gewöhnlich geschieht und auch Hr. Kohn S. 126a thut, übersetzt werden „Groß und heilig sei lein Name", oder „gepriesen nnd verherrlicht sei" oder „werde", wobei immer hinzugedacht wird: von uns; sondern die Worte sind objektiv aufzufassen: „Sein großer Name, d; h. Er, Gott, erweise sich als groß und heilig." Ties geschieht eben, indem „er Sein Reich gründet", das Gottesreich, also indem Gott die messianische Zeit heranführt. Steht dies unerschütterlich fest, so folgt daraus und ans der Uebereinstimmruig des christlichen Vater-Unser, daß der Kaddisch von 6 Ich iveiß nicht, warum es in unseren Gebetbüchern aller Ausgaben heißt: ’STw’ pp'tP HDD' da es doch nmgestellt heißen sollte 'p'£? Tic TVOO „wie das Gebet der Versammlung der heiligen Serafen". Uebrigens ersehe ich aus Heidenheim, daß es an dieser Stelle Varianten gegeben hat. Anbeginn nur nationale, oder vielmehr menschheitliche Beziehung hatte, und also überall in den Synagogen nach dem haggadische» und jedem gelehrten Vortrage gesprochen ward. Es bedurfte aber gar keines nationalen Unglücks, um das Reich Gottes zu erflehen. In dem zweiten Abschnitte des Kaddisch ist mindestens so viel klar, daß sro-O und anrCtm sich auf den Anfang -|12JT um TDTltP'l beziehen. Die auf letzteres folgenden Spnonyma möchte ich sämmtlich als Auswuchs späterer Zeit streichen.’) Befand man sich nun in einem Trauerhause, wo der Vortrag Trost gewähren sollte, so fügt man 87131111 hinter 8717133171 «5»; und als sich Israel als trällerndes Volk ansah, blieb es feststehend: und nun fügte man des Rhythmus wegen hinter 871213 noch 8TTW1 ein. Der 2171' V'1j7> aber ist Sache spateren Aber, glaubens. Damit ist aber immer noch nicht gesagt, was 8713711 bedeute. Es kann aber nichts Anderes besagen als den Trost, den wir in de» Gebeten 2711 für den Tag der Verbrennuilg des Tenipels und in 111171 heim Begräbniß finde», näinlich die Hoffnung auf die Wieder Herstellung Jerusalems und auf die Gnade Gottes 2171 1D7I gegen den Einzelnen, also, wie wir uns allgemein ausdrücken dürfen, den Hinweis auf die unendliche Weisheit und Güte in der die Geschicke des Menschengeschlechts lind des Einzelnen leitenden Vorsehung. Gott aber ist erhaben über alle diese Vorstellungen, die wir uns von seiner Weisheit und Güte machen, also über alle Lobspriiche, „die in der Welt gesprochen werden" 83^1?3 p’381d Shylock, — der nichthrstorische Jude. Eine Sonntags-Vorlesung von Dr. Josevb Krauskops, Rabbiner der Reiori». gemeinde Knesseth Israel in Philadelphia. l.ScbUis: Shylock ist rachesüchtig, taub gegen Vorstellungen von Gnad-. seine Seele kennt kein „christliches Mitleid". Aber welches Mitleid tvurde seiner Rasse von den Christen gezeigt während der vielen Jahrhunderte, als sie die Juden hetzten von Land zu Land, ihnen die einfachsten menschlichen Rechte versagten, sie als Auswürflinge und Vagabunden behandelten, sie von anständigen Gesellschaften ausschlossen, Schulen nnd Aemter ihnen versperrten, sie zur Ver folgung der niedrigsten Berufszweige zwangen, sie beraubten und plünderten, sie marterten und verbrannten, und Alles nur um dm großen Verbrechens willen, daß sie als Inden geboren waren" Welches Mitleid hatte Shylock von der Hand der Christen erfahren von dem Tage an, an dem er mit Schmerze» lernte, daß er ein Jude sei, bis auf den Tag, an dem sie seinen Rock und Bart be spieen, ihn von ihren Thiiren wegstießen, ihn öffentlich verhöhnten mit den Schinipfworten „Ungläubiger", „Halsabschneider", „Hund"!' Welche Nachsicht zeigte ihm der Christ, als er sich über ungerechte Behandlung beklagte, wenn auf sein freundschaftliches Anerbieten ihm die Beleidigung ins Gesicht geschleudert wurde: er brauche am keine bessere Behandlung in der Zukunft warten, noch ihn für anders als seinen Feind betrachten? Welche Nachsicht erfuhr er von den Christen, als sie die Heiligkeit seines Heims verletzten, ihn seines einzigen Kindes beraubten, sie von der Religion ihrer Väter abweim dig machten, öffentlich seines Kummers spotteten — nirgends ein *) So möchte ich auch nach den Anfangsworten 831 71^11 alte folgenden gleichbedeutenden Wörter für späteren Zusatz halten, nnd dan» wieder die Wörter 712^2^ bis 2linil. die ja durch das Folgende ganz überflüssig iverden. Und so dürfte auch die Stelle 12131 b>" 11'1'Ik fallen.

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