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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-05-20 · Heft 21 (20.5.1892) · p. Seite 252

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 21 (20.5.1892)
Date
1892-05-20
Page
Seite 252 (sequence 12)
Language
German
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252 Elijah setzte sich auf's Grab und verhüllte sein Angesicht. Da nahete sich ihm der Engel des Todes mit breiten Schwingen und sagte zu ihm: „Komin' und folge mir, mein Bruder, in die ewige Heimath, zu ihr, ivelche Dich anssandte, nm das Höchste zu finden l“ Miscetlen. * Die letzte Wohnstätte Giacomo Meyerbeers in Berlin, Pariser Platz Oa, hat, wie bereits mitgetheilt, eine Gedächtnißtafel erhalten. Hier wohnte M. vom Jahre 1848 bis 1803, als er sich im Juni nach Frankfurt a. M., dann nach Ems und in das Bad Dieppe begab, von wo er im Oktober nach Paris sich aufmachte, nm die „Afrikanerin" unter dem Titel „Vasco da Gama" zur ersten Aufführung zu bringen. Doch schon am 4. Mai des folgenden Jahres ereilte ihn dort der Tod. Sein Leichnam, von vielen Tausenden von Menschen nach dem Nordbahnhos geleitet, langte am Abend des 8. Mai in Berlin an und wurde in aller Stille nach der Wohnung am Pariser Platz iiberführt, von wo zwei Tage später der feierliche Leichenzng nach der jüdischen Begräbnißstätte an der Schönhauser Allee sich bewegte. Hier ruhte bereits seit 1825 in dem Erbbegräbniß der Vater Meyerbeers, der Bankier und Begründer einer Zuckersiederei, Jacob Herz Beer, der Mäcen des „Königstädtischen Theaters"; hier auch war die edelgesinnte Mutter Amalie Beer (-j- 27. Januar 1854 im 89. Lebensjahre) und Meyerbeers jüngerer Bruder, der Geh. Kommerzienrath und. Bankier Heinrich Beer, welcher als Astronom sich einen ehrenvollen Namen gemacht, im Jahre 1850 beigesetzt worden. Die mittelste und größte der Gedächtnihtafeln trägt die vergoldete Inschrift: „Michael Beer, gestorben in München, 22. März 1833 und daselbst beerdigt", darunter die Widmung: „Ihm reicht die Dichtkunst ihre Götterrechte, — Schwingt sich mit ihm den ew'gen Sternen zu". Palmen und Blattpflanzen ersetzen das fehlende Grab. Michael Beer, der jüngste der drei Brüder, hatte durch seine dramatischen Werke, namentlich durch „Struensee", zu welchem Giacomo später die herrliche Ouvertüre, die melodramatische und Zwischenaktsmusik geschrieben, seinen Namen den besten der zeitgenössischen Dichter beigesellt. Die weiße, auf schwarzem Piedestal ruhende Marmortafel Meyerbeers enthält in Goldschrift nur dessen Namen nebst Angabe des Geburts- und Todestages. Ueber seine Geburtsstätte ist dagegen etwas Bestimmtes nicht bekannt geworden. Meyerbeers Biograph, Hermann Mendel, führt nur an, daß dem glücklichen Elternpaar am 5. September 1791 der erste Sohn geboren wurde, welcher die Vornamen Jacob Meyer erhielt, die er selbst während seines späteren Aufenthaltes in Italien zu den Namen Giacomo Meyerbeer zusammenzog. Und: er war in demselben Jahre unter glücklichen Konstellationen geboren, in welchem Mozart sein junges, durch Noth und Sorge verbittertes Dasein (5. Dezember) beschlossen hatte. Nach einer dem Schreiber dieses gernachten Mittheilung soll M. in dem Hause Spandauer-Str. 72 (nach seinen alten Abzeichen „Sonne, Mond und Sterne" genannt) geboren sein. Dies Haus gehörte zur damaligen Zeit dem Bankier Liepnmnn Wulf, dem Schwiegervater des Jacob Herz Beer, welcher Letztere erst in dem Adreßkalender vom Jahre 1801 aufgeführt steht, und zwar als Besitzer des gegenüber gelegenen Hauses Nr. 12. Er müßte also im Jahre 1791 als Miether das Haus seines Schwiegervaters bewohnt haben. Damals besaß er jedoch schon das Grundstück am Exerzierplatz im Thiergarten (links am Eingänge der „Eichen-Allee", heutigen Straße „In den Zelten"), worauf 1789 der prinzliche Kammerdiener Dupont ein Gebäude „mit zierlichen Fronten an allen Seiten" als ein point de Yue errichtet hatte. Da dasselbe außerhalb der Stadt lag, konnte der Name seines Besitzers in das Adreßbuch nicht ausgenommen werden. Es wäre von geschichtlichem Interesse, hiernach die Geburtsstätte Meyerbeers zu ermitteln, wobei jedoch bemerkt sei, daß das Haus am damaligen „Exerzierplatz" bei Regulirung der Straße „In den Zelten" zum Abbruch gelangte. * Ueber die Juden in der russischen Armee bringen die „Mittheilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" folgende interessante Daten: Es wurden im europäischen Rußland als Rekruten eingestellt: 1675—80 . . Nichtjuden Juden 40,840 Prozentzahl 3,5 1881—86 . . . . . . 1,228,731 58,695 4,4 1887 . 12,263 5,2 1888 . .... 249,087 13,141 5,3 1889 . 44,552 5,7 Nach Hübners statistischen Tabellen betrug die Bevölkerung Rußlands: überhaupt. 95,866,875 Juden. 3,600,000 also Nichtjuden. 92,266,876 Die Juden machten also 3,9 Prozent der nichtjüdischen Bevölkerung aus. Allerdings dürsten die Hübner'schen Zahlen nicht genau sein, da die russische Statistik nicht besonders zuverlässiges Material bietet. Der Generalstabschef Rittich gab 1874 an, daß die Juden 3,2 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Indessen ist diese Ziffer gewiß zu niedrig. Auf Grund einer Volkszählung, die 1881 in den Provinzen des sogenannten „Judenrayons" stattgefunden hat, berechnet das 1891 bei Leopold Cers in Paris erschienene Werk „Les juifs de Russie“, dem wir unsere Angaben zumeist entlehnen, ihre Zahl auf etwa 5 Prozent. Indessen dürften diese 5 Prozent, die so stark über die üblichen Schätzungen hinausgehen, als Maximum zu betrachten sein. Wir legen aber gerade dieses Maximum zu Grunde, das für die Juden möglichst ungünstige Resultate ergiebt, damit unsere Schlüsse von judenfeindlicher Seite nicht anfechtbar sind. Vergleicht man den Prozentsatz der Juden mit dem Prozentsatz der jüdischen Soldaten, so ergiebt sich, daß in den letzten Jahren weit mehr jüdische Soldaten unter der Fahne standen, als nach dem Verhältniß der Bevölkerung stehen sollten. Dies ist um so bemerkenswerther, als die jüdische Bevölkerung Rußlands besonders arm und schlecht genährt und deshalb körperlich weniger tauglich ist. Allerdings soll man in den letzten Jahren mit den Anforderungen an die körperliche Tüchtigkeit der jüdischen Soldaten, insbesondere an ihre Größe und Brustweite heruntergegangen sein. Dies, in Verbindung mit der stärkeren Vermehrung der russischen Juden, mag das starke Anwachsen der jüdischen Soldaten in den letzten Jahren erklären. Wenn trotzdem stellenweise über die Mancos unter den jüdischen Gestellungspflichtigen geklagt wird, so handelt es sich nur um fiktive Mancos. Diese, sind allerdings zahlreicher als unter der nichtjüdischen Bevölkerung — weil sie eine Einnahmequelle für den Staat und für die Behörden sind. Die Geburts- und Sterberegister sind in Rußland nicht so ordnungsmäßig geführt wie bei uns. Es ist deshalb häufig nicht so Leicht, den Tod eines Stellungspflichtigen, oder die Identität eines Pflichtigen rnit einem wirklich Dienenden oder einem mit Paß Abwesenden festzustellen. Für jeden fehlenden Stellungspflichtigen muß aber die jüdische Gemeinde des Orts 300 Rubel an den Staat entrichten — ein Grund fiir die Behörden, diesen Nachweis uicht so leicht als geführt anzusehen. Das von uns erwähnte Buch: „Res juiks de Rusie" giebt (S. 334) an, daß auf Grund derartiger Ungenauigkeiten in der Listenführung zum Beispiel 1879 in Berditschew 78 jüdische Rekruten zu Unrecht als fehlend aufgeführt wurden. Da seit 1682 die Zahl jüdischer Auswanderer stetig wächst, werden allerdings mich die wirklichen Mancos größer sein als bei der nichtjüdischen Bevölkerung Wenn trotzdem die Juden, die nach der allerhöchsten Schätzung fünf Prozent der Bevölkerung ausmachten, in der: letzten drei Jahren trotz geringerer Tauglichkeit 5,2, 5,3 und 5,7 Prozent der Rekruten stellten, so zeigt dies, welche außerordentlichen Anforderungen der Staat an die Juden richtet. Der „christlichste aller Staaten", das „heilige" Rußland, befolgt hier wie in Allem den Grundsatz, die größten Pflichten denen aufzubürden, die keine Rechte haben. * Die Nr. 19 der „Mittheilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" (Expedition Magdeburgerstraße 13. Postzeitungsliste Nr. 4173) hat folgenden Inhalt: Der katholische Talmud. — Der Antisemitismus in Kurhessen und seine Bekämpfung XHI. — Professor Adolf Wagner. — Herr v. Treitschke. — Motizen und Korrespondenzen. Druck und Verlag von Rudolf MvNe in Berlin Verantwortlich für bte Redaktion - Mar Baucbwik in Berlin.

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