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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1892-05-20 · Heft 21 (20.5.1892) · p. Seite 246

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
56 (1892)
Issue
Heft 21 (20.5.1892)
Date
1892-05-20
Page
Seite 246 (sequence 6)
Language
German
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246 tcr§ bcS Juden und eines ticfern Einblicks in Shakespeares tvnhre Absicht. Die Mnthinaßnngen über die Absicht Shakespeares, den „Kaufmann von Venedig" zu schreiben, waren zahlreich. Ein Kritiker findet in der Grundlage des Themas: Die Lehre der verderblichen Macht des Goldes. Ein anderer erkennt darin die Verherrlichung einer reinen, uneigennützigen Freundschaft. Noch ein anderer entdeckt darin die Lehre der Oberherrschaft des väterlichen Instinkts, oder der Rache über die Gier nach Geld. Wieder ein anderer ist von nichts mehr überzeugt, als daß Shakespeare damit einen populäre», Proselyten machenden Traktat beabsichtigte, um den Vorzug des Christenthnms vor dem das Judenthum zu lehren. Ein anderer schließlich kehrt die letzte Theorie ganz um; er sieht darin eilte Rechtfertigung des Juden, und einen gewaltigen Ausruf für religiöse Toleranz. Nach Heine ist „Shhlock, mit Ausnahme der Portia, die achtungswertheste Person im ganze» Stück." („Shakespeares Mädchen und Frauen," Jessika.) In dieser Ansicht folgten ihm in jüngster Zeit viele Anhänger von Shakespeare. Ich erinnere mich, eine Anzahl von Abhandlungen gelesen zu haben mit Ueberschriften und Phrasen wie diese: „Shhlock, der Beschwindelte", „Shhlock, gegen den mehr gesündigt wurde, als er selbst sündigte", u. dgl. „Ich betrachte den Shhlock," sagt der wissenschaftlich gelehrte Schauspieler Jrwing, „als den Typus einer verfolgten Rasse; als beinahe den einzigen Gentleman und als den am meist mißhandelten im Stücke." (Erinnerungen aus Amerika). Was auch immerhin unsere Meinung über die letzterwähnte Theorie sein möge, wir müssen zugeben, das; Shakespeare selbst viel dazu beigetragen, eine solche Theorie wahrscheinlich zu machen. Die auffallende Ueberlegenheit im Charakter des Shhlock über Barrabas in Marlowes „Inden von Malta", tvelcher zur Zeit Shakespeares geschrieben und ausgeführt wurde, beweist, wenn auch nichts Anderes, so doch ein gewissenhaftes Streben von Seite des letztem Schauspieldichters, den Juden in ein weniger abschreckendes Licht vor die Welt zu stellen, nicht als einen Heiligen, aber auch nicht als einen Teufel. Wir besitzen aber noch deutlichere Winke. Shakespeare giebt Shhlock den Vorzug als einem scharfen, logischen Denker. Zuweilen läßt er ihn seine Gegner mit einer Fälle unzubeantwortender Argumente, unläugbarer Thatsacheu und zermalmenden Spottes vernichten. Wenn er ihn am Schluffe unterliegen läßt, geschieht es nicht durch den Vollzug, sondern durch die Verdrehung des Gesetzes. Was für eine demüthigende Ungerechtigkeit spricht nicht ans jenen Worten Shylocks, mit denen er ihn die Bitte Antonios beantworten läßt: „Signor Antonio, viel und oftermals Habt Ihr auf dem Rialto mich geschmäht Um meine Gelder und um meine Zinsen: Stets trug ich mit geduld'gem Achselzucken, Denn Dulden ist das Erbtheil uns'res Stammes, Ihr schaltet mich ungläubig, einen Bluthund, Und speit auf meinen jüd'schen Rockelin Blos weil ich nutze, was mein eigen ist. Gut denn, nun zeigt es sich, daß Ihr mich braucht. Da habt Jhr's; Ihr kommt zu mir und Ihr sprechet: „Shhlock, wir wünschen Gelder." So sprecht Ihr, Der mir den Auswurf auf den Bart geleert Und mich getreten, wie Ihr von der Schwelle Den fremden Hund stoßt; Geld ist Eu'r Begehren. Wie sollt' ich sprechen nun? Sollt' ich nicht sprechen: „Hat ein Hund Geld? Jst's möglich, daß ein Spitz Dreitausend Dukaten leihen kann?" oder soll ich Mich biicken und in eines Knechtes Ton Demüthig wispernd, mit verhalt'nem Odem So sprechen: „Schöner Herr, am letzten Mittwoch Spie't Ihr mich an; Ihr tratet mich den Tag; Ein andcnnal hieß't Ihr mich einen Hnnd: Für diese Höflichkeiten will ich Euch Die und die Gelder leihen." >1. Akt. 3. Szene.) Es ist ferner wahr, daß Shakespeare den Juden manche Schwall! heiten des Christen bloßlegen läßt, was er, selber ein Christ, siche» vermieden Hütte, wenn er dieses Schauspiel als einen proselytenmachenden Traktat betrachtet hätte, oder wenn er mit der Handlungsweise der Christen jener Zeit zufrieden gewesen wäre, j Wenn Shylocks Feinde seine Beweggründe verdächtigen, ist Shake-? speare sogleich mit einer Erwiederung bereit: i „O Vater Abraham! über diese Christen, \ Die eig'ne Härte Anderer Gedanken j Argwöhnen lehrt! l1. Akt. 3. Szene.) Wenn Shylock gefragt wird: weshalb er denn das Pfund Fleislli so eifrig verlange, begegnet Shakespeare sofort der Frage mit dem wohlgezielten Wurf gegen die Christen seiner Zeit wegen ihres grausamen Sklavenhandels: „Ihr habt bei Euch gekaufter Sklaven viel. Die Ihr wie Eu're Esel, Hund' und Maulthier' In sklavischem, verworf'nem Dienst gebraucht, Weil Ihr sie kauftet. Sag' ich nun zu Euch: Laßt sie doch frei, vermählt sie Eu'ren Erben; Was plagt Ihr sie mit Lasten? laßt ihr Bett So weich als Eu'res sein, labt ihren Gaum Mit eben solchen Speisen. Ihr antwortet: Die Sklaven sind ja unser; und so geb' ich Zur Antwort: Das Pfund Fleisch, das ich verlange. Ist theu'r gekauft, ist mein, und ich will's haben." )4. Mt. 1. Szene.) Als bei dem Verhör Bassanio sich bereit erklärt, sogar sein Weib zum Opfer zu bringen, wenn er dadurch seinen Freund befreien könnte, und als Gratiano wünscht, sein Weib wäre im Himmel, damit sie dort eine Macht beschwören könne, das Herz des Inden zu erweichen, hat Shakespeare gleich den Shylock bei der Hand nii» seinem (beiseite): „So sind die Christenmänner: ich Hab 'ne Tochter, Wär' irgend wer vom Stamm des Barrabas Ihr Mann geworden, lieber als ein Christ!" Sehr schlagend kontrastirt ihre Bereitwilligkeit, die Hochzeit) ringe zu verschenken, mit Shylocks tiefem Schmerz über den Raub des Ringes seiner geliebten Lcah, den sie ihm vor ihrer Hochzeit g» geben hatte. (Akt ■>, Szene 1.) j Die Taufhandlungsposse scheint Shakespeare viel Spaß gemacht ' zu habe», was folgende Konversation deutlich beweist: Jessica: Ich werde durch meinen Mann selig werden, er hat mich einer Christin gemacht. Lanzelot: Wahrhaftig, da ist er sehr zu tadeln. Es gab unser vorher schon Christen genug, g'rade so viele, als neben einander gu> bestehen konnten. Dies Christenmachen wird den Preis der Schweine steigern; wenn wir Alle Schweinefleisch-Esser werden, so ist in Kurzem kein, Schnittchen Speck in der Pfanne für Geld mehr zu haben. (Akt 3, Szene ö.) Und sein Ergötzen wird zu schneidender Ironie, wenn, in scheinbarer Lächerlichkeit des Brauchs in jenen Tagen, er den Antonio dem gehaßten und verachteten, zum Verbrecher gewordenen Shylock das Christenthum aufzwingen läßt, als Mittel, der Todesstrafe zu entgehen; es entsteht die Frage: welcher Vortheil wohl der christliche» Kirche durch die gezwungene Bekehrung eines nicht gebesserirn Verbrechers erwachsen könne. Ganz deutlich erscheint es auch, daß, wenn man das Stück sorgfältig liest, oder wenn es gehörig auf die Bühne gebracht stets den Hei London, eine jur Mann c Hei ist Shy Weit en unvollko Er decken n Erbinne »olle Ir iichen finden s Jude je hing vo Verfolg» Haupt a für die tonnte » konnte, Als ein die jün Christel iorderw ichien, i ansprull die Art fuhr, tr wurde, Unters» S! gestellt leichtst» und ös war ur bisse sic Hafter und e» gehaßte unter ') und w: Beding nichtig Beding daß eü ziehunc minore zngesta das B insofer oder ec das A er son könne, zu wo! parteii es nick in den

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